Griechische Weihnachten für Anleger

Die internationale Wirtschaftspresse gratuliert Griechenland zu einer gelungenen Anleihen-Emission, ruft das Land jedoch zu mehr Haushaltsdisiplin auf. Forbes durchleuchtet die guten Quartalszahlen von Apple und CNNmoney zweifelt am ewigen Erfolg des Unternehmens. Kommersant analysiert die schwierige Lage des Energieriesen Gazprom. Fundstück: Anwältinnen schrauben lieber selber.

Griechenland hat mit der erfolgreichen Platzierung einer acht Milliarden Euro schweren Anleihe ein Zeichen auf dem Finanzmarkt gesetzt – wenn auch ein teures, berichtet das Wall Street Journal. Die Anleihe sei rund dreifach überzeichnet gewesen. „Das bedeutet, dass der Markt nicht an einen bevorstehenden Staatsbankrott des Eurolandes glaubt“, erklärt das Blatt. Die Zinsen, die Griechenland werde bezahlen müssen, schienen sehr attraktiv, verglichen etwa mit Unternehmensanleihen. Griechenland habe dem Markt signalisiert, dass es eine große Gruppe gebe, die an den Erfolg des Deals glaube. Auch wenn Griechenland diesen Test bestanden habe, kämen in den nächsten Monaten weitere auf das Land zu, wie etwa die laufende Untersuchung der Europäischen Union zur Realisierung des Budgets. „Das Land muss die Zeit nutzen, die es gewonnen hat, um seine Versprechen einzuhalten“, fordert das Blatt.

Die internationale Angst vor der griechischen Schuldenkrise ebbte nach der erfolgreichen Anleihenplatzierung des Landes ab, schreibt auch die Financial Times. Die Investoren hätten scharenweise die Anleihen gezeichnet – ein Signal, dass die griechische Regierung weniger Probleme haben werde, ihren kurzfristigen Verpflichtungen nachzukommen. Griechenland brauche dieses Jahr rund 53 Milliarden Euro, um seine Schulden bedienen zu können. Das südeuropäische Land werde von seinen 15 Europartnern stark unter Druck gesetzt, mehr Disziplin bei den Staatsfinanzen zu zeigen. „In den Augen führender Politiker und Zentralbänker steht die Glaubwürdigkeit des Euros auf dem Spiel, wenn die Märkte dem Glauben verfallen, Griechenland werde gerettet ohne sein eigenes Haus in Ordnung halten zu müssen“, erklärt das Blatt.

„Ja ist denn heute schon Weihnachten?“, fragt die kritischere Börsen-Zeitung angesichts der hohen Risikoaufschläge, die die Griechen für ihre Anleihen ausrufen ließen. Der satte Aufschlag auf ältere griechische Bonds bedeute „für jeden Anleger, der es vor seine Chef vertreten konnte, in Griechenland zu investieren, nichts anderes als ein Geschenk“. Nüchtern betrachtet, sei den Griechen aber gar keine Wahl geblieben. „Sie mussten um alles in der Welt verhindern, dass der Bondauftritt ein Desaster wird. Schließlich war ein Käuferstreik zu befürchten“, kommentiert die Zeitung. Ohne Zugeständnisse sei der Deal nicht zu machen gewesen. Nun hätten die Griechen bis Mai etwas Luft. „Aber eines ist klar: Bonds zu verramschen ist keine langfristige Strategie. Es offenbart nur erneut, wie ernst die Lage ist.“, warnt das Blatt.

Wie gut geht’s Apple wirklich?

Für Apple-Fans ist das Leben wie ein Drogenrausch, nur teurer, schreibt das Wirtschaftsmagazin Forbes in einem seiner Blogs. „Einhörner rülpsen Regenbögen und iPods. Und hinter jeder Ecke ist ein magischer Tablet-Computer“, scherzt das Blatt. Doch die Realität sehe etwas ernster aus, auch in guten Zeiten. Die gestrigen Quartalszahlen signalisierten, es seien gute Zeiten für Apple. „Wie gut sie aber wirklich sind, kann keiner sagen“. Da Apple neue Bilanzierungsregeln benutzt habe, sei der Vergleich mit jeglichen Analystenerwartungen unmöglich. So seien etwa die Verkaufszahlen für das iPhone mit 8,8 Millionen zwar doppelt so hoch wie im vergangenen Jahr, blieben allerdings unter den erwarteten zehn Millionen. Aber dafür interessiere sich schließlich sowie niemand so richtig. „Schließlich kommt am Mittwoch ein neues Apple-Produkt raus – aller Wahrscheinlichkeit nach ein Tablet-Computer“.

Das Wirtschaftsportal CNNmoney macht vor allem das erfolgreiche iPhone für die guten Quartalsergebnisse verantwortlich. Gleichzeitig bezweifelt es jedoch, dass das Unternehmen für immer auf dieser Erfolgswelle werde reiten können. „Im vergangenen Jahrzehnt sind die iPods der Geldbringer gewesen, doch dieser Markt ist mittlerweile gesättigt“, erklärt das Blatt. Die Verkäufe seien um acht Prozent gesunken. Einige Analysten sagten dem iPhone ein ähnliche Schicksal voraus. „Höchstwahrscheinlich betrachtet Apple den Tablet-Computer, um den sich viele Gerüchte ranken, als die neue Cash Cow“, meint das Portal. Obwohl viele davon ausgingen, dass das neue Gerät ähnlich revolutionär sein werde wie das iPhone für den Smartphone-Markt oder der iPod für die Musikbranche „bezweifeln Analysten, dass die Nutzer einen Tablet mit sich herumtragen wollen“.

Chinas platzt wie Dubai

Der Business Spectator aus Australien fürchtet für China eine ähnliche Krise wie in Dubai, auch wenn die Investoren in beiden Regionen sehr unterschiedlich sind. Eine Gemeinsamkeit in beiden Fällen sei jedoch die unbegrenzte Verfügbarkeit von Krediten für den Bau von Wohnungen. „In China stehen viele Wohnungen leer, weil sie für Chinesen mit niedrigem Einkommen schlicht zu teuer sind“, schreibt die Zeitung. So seien in China ganze Geisterstädte entstanden, die in der Hand von Investoren seien. Diese Blase könne genauso Platzen, wie die in Dubai. Auch seien viele Infrastrukturprojekte in Eile realisiert worden, und würden wenig zur Produktivität beitragen. Weil die politische Lage etwa in de westlichen Teilen Chinas von einer platzenden Blase nur verschärft würde, seien die Chinesen gezwungen das Investitionsniveau zu halten. „Letztendlich wird die Blase aber platzen“, so die düstere Prognose.

Gazprom muss die USA abschreiben

Der russische Energieriese Gazprom ist gezwungen den amerikanischen Markt für sich abzuschreiben, meint Kommersant. Schuld daran seien die schnell steigenden Fördermengen von Schiefergas in den USA. „Amerika kann so seinen Bedarf mittlerweile vollständig selbst decken“, so das Blatt. Das führe zu einem weiteren Problem, denn das nun überschüssige Flüssiggas werde auf dem europäischen Markt angeboten. Vor allem Qatar sorge mit seinen Gasexporten für sinkende Preise auf europäischen Spotmärkten. Das Gas aus Russland sei nun doppelt so teurer wie das importierte Flüssiggas, werde allerdings über langfristige Verträge geliefert. „Vor diesem Hintergrund steht die Investition in das neue riesige Shtokman-Gasfeld auf dem Prüfstand“, zitiert das Blatt einen Insider. Insgesamt seien die Exporte des Gasriesen um elf Prozent gesunken.

Zuviel und zu teuer?

Die Wirtschaftszeitung Expansión wundert sich über die Tatsache, dass die spanische Regierung den Strompreis trotz Angebotsüberschuss erhöhe. Aufgrund der rückläufigen Industrienachfrage und ständig zunehmender Stromerzeugung aus Windenergie sei eine Überproduktion entstanden. Dadurch sei es zum “historischen Moment” gekommen, dass Energieunternehmen wie Iberdrola und Endesa keinen einzigen Euro Cent für den Strom ihrer Kunden bezahlen mussten, gleichzeitig die Strompreise der Endverbraucher aber um 2,6 Prozent angestiegen seien. Nur ein Problem sei größer in einem Land als der Mangel an Elektrizität – ein Überschuss, kommentiert die Zeitung und sieht in der aktuellen Situation ein klares Indiz für tiefgreifende strukturelle Probleme im spanischen Stromsystem.

Fundstück: Anwältinnen schrauben jetzt lieber selber

Das Wirtschaftsmagazin Smart Money berichtet über den neuen amerikanischen Trend zum Hobbyhandwerken und Selbermachen. In den wirtschaftlich schwierigen Zeiten versuche jeder überall zu sparen. So erzählt das Magazin die Geschichte einer Anwältin aus Texas, die nach professioneller Einweisung nun selbst an ihrem Auto herumschraubt – zum Erstaunen ihre Ehemannes. „In der Rezession sind es oft die Ausgaben für Handwerker und Monteure, die gestrichen werden“, meint das Blatt. Doch dieser Trend beschränke sich nicht nur aufs Handwerk. Die Gerichte berichteten, dass immer mehr Menschen ihre Insolvenz oder die Scheidung ohne Anwalt durchziehen oder statt zum Steuerberater zu gehen, lieber billigere Software kaufen. Sogar Ärzte seien vor diesem neuen Trend nicht sicher, weil viele lieber auf Hausmittelchen zurückgriffen. „Eine DIY – Laserhaarentfernung gefällig?“.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer

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