Die Internationale Wirtschaftspresse reflektiert den überraschenden Rücktritt von Novartis-Chef Daniel Vasella. Die Financial Times Deutschland betrachtet Hapag Lloyd als heißen Anwärter auf Platz 2 des Peinlichkeitswettbewerbs – hinter Opel. Financial Times befürchtet einen Handelskrieg. Fundstück: Mit wem zwitschert Gates denn?
Der überraschend scheidende Novartis-CEO Daniel Vasella habe sein Unternehmen schon immer gern gut durchgeschüttelt, stellt das US-Wirtschaftsmagazin Forbes fest. “Nun strukturiert er sich selbst um.” Bis zuletzt habe “Big Pharma?s bester Boss” keinen der beiden als mögliche Nachfolger auserkorenen Kandidaten über seine Pläne informiert – neben dem nun ernannten neuen CEO Joe Jimenez auch Vasellas langjährige rechte Hand Jörg Reinhard. “Sie müssen Übergangsphasen sehr kurz halten, sonst haben Sie viele Kollateralschäden”, zitiert das Blatt Vasella.
“Die Überraschung ist Daniel Vasella gelungen”, stellt die Börsen-Zeitung fest. Seit Jahren schon werde er wegen seines Doppelmandats als CEO und Verwaltungsratspräsident von Novartis und seines hohen Lohns in der Schweiz als Paradebeispiel für einen macht- und geldbesessenen Manager hingestellt. Seinetwegen sei eine Initiative “gegen die Abzockerei” gestartet worden, die den Lohnexzessen Einhalt gebieten soll. “Und dennoch ist es Vasella gelungen, mit seinem jetzt angekündigten Abgang als CEO Anfang Februar alle zu überraschen”, erkennt die B.Z. an. “Mit seinem Schritt nimmt Vasella seinen Kritikern Wind aus den Segeln und hat den Weg für einen unvoreingenommeneren Blick auf die unter ihm erbrachte Leistung frei gemacht.” Und das sei ein Unternehmen in blendender Verfassung, in einem “Wachstumszyklus, der die Pharmakonkurrenz zurzeit alt aussehen lässt”, nach einer beeindruckenden Transformation. Selbst Franz Humer, Präsident des im Gegensatz zu Novartis mit seinen fünf Divisionen lediglich auf zwei Geschäftsbereiche gestützten Konkurrenten Roche, habe anerkannt: “Beide Wege können zum Erfolg führen”, zitiert die Zeitung. “Nachdem ihm das kaum noch einer zutrauen mochte, hat er den Abgang als CEO doch noch rechtzeitig geschafft – zu einem vielleicht fast perfekten Moment”, bilanziert die Zeitung.
Auch das Wall Street Journal blickt wohlwollend auf das, was der scheidende Novartis-CEO Daniel Vasella in seiner 14-jährigen Amtszeit aus dem Pharmakonzern geformt hat: Die Bereiche, die seinerzeit 55 Prozent seiner Umsätze in den Bereichen Chemie, landwirtschaftlichen Produkten oder anderen nicht gesundheitsbezogenen Produkten einbrachte, stieß er ab. Gleichzeitig habe er das Geschäft von Novartis in mehr Ecken des Gesundheitsmarktes hinein diversifiziert. “Über die Jahre wendete er Milliarden Dollars auf, um Impfstoffhersteller und Generika-Unternehmen zu kaufen, aufgrund der Überzeugung, dass das zukünftige Wachstum im Gesundheitsbereich zunehmend von Produkten abseits der traditionellen Markennamen wie Diovan, Lipitor oder Prozac kommen werde, so das Blatt. Mit Joe Jimenez als seinem Nachfolger übernehme nun ein relativer Pharma-Neuling das Ruder. Der Amerikaner habe den bis kurz zuvor noch als Nachfolger gehandelten Novartis-Veteran Jörg Reinhardt vor allem wegen seiner internationalen Erfahrung ausgestochen, zitiert das Blatt Nunmehr-Ex-CEO Vasella. Während sich Reinhardt nun außerhalb des Konzerns neu orientiere, werde Jimenez wichtigster Job nun sein, den Verlust des US-Patentschutzes von Novartis wichtigstem Präparat 2012 zu bewältigen, der Bluthochdruckpille Diovan. Die dann durch zunehmend billige Nachahmerpräparate absackenden Verkaufszahlen werde er “durch wachsende Verkaufszahlen in Emerging Markets ausgleichen und indem er neue Medikamente gegen Krebs und andere Krankheiten auf den Markt bringen werde”, zitiert das WSJ Jimenez.
Bedeutend kritischer klingt da der Kommentar des schweizerischen Wirtschaftsmagazins Cash. Es betrachtet den Rücktritt Vasellas als “Sieg für die kritische Aktionärsgruppe um die Anlagestiftung Ethos, welche die Abschaffung des Doppelmandates seit Jahren gefordert hatte” und interpretiert den Rücktritt so, dass Novartis auch die Ethos-Forderung nach einer konsultativen Abstimmung über das Vergütungssystem nun akzeptiere. Einen Kulturwandel erwartet das Blatt nun nicht. “Vasella hat sich zwar jetzt aus der Schusslinie genommen. Aber er wird ohne Zweifel ein starker Verwaltungsratspräsident sein – wie fast alle Firmenchefs, die vorher das CEO-Amt ausgeübt haben”, kommentiert das Blatt. Ob Vasella von exekutiven Zwängen und Pflichten loslassen könne? Fest stehe: Der künftige CEO Joe Jimenez werde keinen leichten Stand haben. Und Aktionäre wie Ethos wohl auch in Zukunft ein waches Auge auf Novartis halten.
Zieht wegen China ein Handelskrieg auf?
Manch ein Kommentator sehe mit Blick auf die einbrechende globale Nachfrage schon seit zwei Jahren einen Handelskrieg aufziehen, erinnert die britische Financial Times . Nun sei es so weit. Der vor Beginn der G7-Konferenz in Kanada geäußerte Ärger scheine ihnen dieses Jahr recht zu geben. “Das sollte Alarm auslösen.” Wie China heute, hätten die USA vor Beginn der Großen Depression von einem Jahrzehnt steigenden Produktivitätswachstum und einer unterbewerteten Währung profitiert, die zu einem übergroßen weltweiten Industrie-Anteil bei geringem Konsumanteil und damit zu Exportüberschüssen geführt habe. Wie die USA in den 30ern, habe auch China alles getan, um seine Fähigkeit, exzessiv für den Export zu produzieren, zu erhalten, so das Blatt. Wie Europa in den 30ern hätten davon aber weder asiatische Handelsrivalen noch europäische Importländer etwas. Das Ergebnis: Handel werde zunehmend zum Zentrum des Konflikts, wie nach 1930. “Die Dinge werden schlimmer, bevor sie besser werden”, erwartet die FT. China müsse verstehen, dass die Welt nicht weiter unterbewertete Wechselraten und exzessiv niedrige Finanzierungskosten werde hinnehmen können, die Chinas Exporteure weiter stärken. Doch: “Wenn Defizitländer Strukturwandel schneller verlangen, als Überschussländer schaffen können, werden wir fast sicher in einem hässlichen Handelskrieg enden, der die globale Erholung verlangsamen und die Beziehungen über Jahre vergiften werden”, ist die FT überzeugt. “Unser neues Jahrzehnt sollte nicht so schlecht starten.”
Hapag-Lloyd hat beste Chancen auf Peinlichkeitsplatz Zwei
So vermurkst wie die Opel-Rettung sei die Intervention der Berliner Landesregierung bei der Reederei Hapag-Lloyd noch nicht, stellt die Financial Times Deutschland fest. “Was Berlins fahrlässigen Umgang mit Staatshilfen angeht, hat sie aber gute Chancen, auf Peinlichkeitsplatz zwei zu landen”, stellt das Blatt in einem Leitartikel fest. Dass die bisherige Abmachung mit Brüssel nun angreifbar sei, habe sich die Bundesregierung selbst zuzuschreiben. “Die Große Koalition wollte die Rettung der Traditionsreederei so sehr, dass sie sich die lästigen Regeln für Staatshilfen zurechtbog, bis sie endlich für Hapag-Lloyd zu passen schienen”, schreibt die FTD.
Telefónica und América Móvil reiben sich die Hände
Telefónica und América Móvil reiben sich bereits die Hände mit Blick auf die anstehende Lizenzvergabe für das Mobilfunknetz in Costa Rica, titelt die spanische Wirtschaftszeitung El Economista. In einhundert Tagen entscheide die Regierung Costa Ricas, ob sich das Team Telefónica – América Móvil gegen die ebenfalls interessierten Netzbetreiber Cable & Wireless, Digicel und Tigo Millicom habe durchsetzen können. Die Chancen stünden gut, dass Telefónica und sein mexikanischer Partner keinesfalls mit leeren Händen abziehen müssen, kommentiert die Zeitung. Das Interesse an Costa Rica sei groß, schließlich handele es sich um eines der letzten Länder in Lateinamerika, die nach Jahrzehnten des staatlichen Mobilfunk-Monopols noch zu erobern seien. Davon abgesehen biete Costa Rica enormes Wachstumspotenzial. Lediglich 42 Prozent der Bevölkerung nutze dort bisher Mobilfunk, im Gegensatz zu über 100 Prozent im Nachbarland Panama.
Fiat gibt Regierung die Schuld am schlechtesten Fiat-Verkauf aller Zeiten
Fiat schließe die Autowerke in Italien vom 22. Februar bis 7. März, berichtet ilsole24ore aus Mailand. Rund 30.000 Arbeiter seien von dieser Maßnahme betroffen, die auf den absoluten Einbruch der Bestellungen seit Jahresbeginn zurückzuführen sei. Konnte Fiat noch im Jahr 2009 ein Plus vorweisen, das auf die finanziellen Kaufanreize der Regierung zurückzuführen war, sei die Nachfrage im Januar dieses Jahres auf einen historischen Tiefstand gerutscht, der noch deutlich unter den Zahlen des Januars im Vorjahr liege, als der Markt noch mitten in der Krise war. Im Interview mit dem Blatt führte Gian Primo Quagliano, Direktor eines Marktforschungsunternehmens für die Automobilbranche diesen absoluten Einbruch auf die fehlende Entscheidung der Regierung über die Fortsetzung der Kaufanreize zurück. Die Förderung sei zum Jahreswechsel ausgelaufen und die Regierung habe es bisher versäumt, eine Entscheidung über die Fortsetzung zu treffen. Es sei nur folgerichtig, dass die Käufer jetzt noch solange warten würden, bis die Entscheidung der Regierung bekannt sei, bevor sie einen neuen Kaufvertrag unterschrieben. Fiat habe schon 2009 festgelegt, dass sich die Produktion nach der Nachfrage richten müsse.
Fundstück: Mit wem zwitschert Bill Gates denn?
Wem folgt Microsoft Gründer Bill Gates auf Twitter? Dieser Frage ging die Wirtschaftszeitung Expansión nach. Und wunderte sich fast ein wenig, dass dieser in den ersten 21 Stunden seiner Präsenz auf dem populären Kurznachrichtendienst lediglich zu vierzig Profilen verlinkt habe – im Gegensatz zu den 210.000 Twitter-Nutzern, die ihn im selben Zeitraum zu ihrer Kontaktliste hinzugefügt hatten. Auffallend sei die sehr heterogene Gruppe an Profilen, der Bill Gates folge, analysiert die Zeitung. Von Pierre Omidyar, dem Gründer von eBay über Chris Anderson, Chefredakteur des Magazins Wired, bis hin zur jordanischen Königin Rania und dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama – alle seien sie auf Bill Gates’ “Follower-Liste” vertreten.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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