Die internationale Wirtschaftspresse horcht auf das Echo der US-Pläne zur Bankenregulierung beim Weltwirtschaftsforums in Davos. die Börsen-Zeitung kritisiert den Plan von Griechenland, China Staatsanleihen anzudrehen. Schwedische Medien dämpfen den Jubel um den Saab-Retter und Spyker-Chef Victor Muller. Fundstück: Keine Lust auf Goldman-Chefsessel
Die Bankenregulierungs-Pläne der USA stehen beim Weltwirtschaftsforums in Davos im Mittelpunkt. Die britische Financial Times wundert sich darüber, dass so wenige Vertreter der US-Regierung in die Schweiz gereist sind. Einzig Larry Summers, Wirtschaftsberater von Barack Obama, werde Ende der Woche in Davos sein. Offenbar wolle die Regierung nicht tête-à-tête mit der Finanz- und Wirtschaftselite der Welt gesehen werden. Gleichwohl sei die US-Politik überaus präsent in Davos: Viele anwesende Amerikaner seien besorgt über den wachsenden Populismus, der sich in Obamas halbgarer Banken-Regulierung und der Wiederernennung von Ben Bernanke als Fed-Chef äußere.
In den USA arbeiten die von Obamas Offensive geschockten Banker an einer Strategie, um die Rückkehr von Glass Steagall und die Sondersteuer für Banken zu umschiffen, berichtet BusinessWeek Dabei wolle die Finanzindustrie aber einen Krieg mit Obama verhindern. Dass es Obama versäumt habe, die Chefs der US-Finanzinstitute vor der Presse über die geplanten Regulierungsmaßnahmen zu informieren, zeige, wie angespannt das Verhältnis der Regierung zu den Banken inzwischen sei. Viele Führungskräfte an der Wall Street befürchteten, bis zum Jahresende am Pranger zu stehen; als Geste der Wiedergutmachung seien einige Banken-Chefs dem Wunsch des US-Finanzministeriums nachgekommen und hätten US-Senatoren kontaktiert, um diese zu einer Wiederwahl von Fed-Chef Ben Bernanke zu animieren. Parallel dazu versuche die Finanzbranche, per Lobbyarbeit im US-Kongress das Schlimmste abzuwenden.
Das Wall Street Journal zeigt, wer sich in Davos bisher für Obamas Pläne ausgesprochen hat. Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini habe sogar eine noch schärfere Regulierung gefordert. Auch Großinvestor George Soros habe Obama Rückendeckung gegeben, auch wenn Soros erklärt habe, die Gesetzesinitiative sei noch nicht ausgereift: Die Offensive komme zu früh, da die Banken noch nicht aus dem Gröbsten heraus seien. Hinzu komme, dass die Wiederkehr von Glass Steagall, die Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken, letztlich dazu führen werde, dass selbst die Investment-Abteilungen „too big to fail“ seien.
Griechenland will China Staatsanleihen andrehen
„Das schlägt dem Fass doch den Boden aus“, kommentiert die Börsen-Zeitung den Plan von Goldman Sachs, China in griechischem Auftrag Staatsanleihen im Wert von bis zu 25 Milliarden Euro anzudrehen. Bloß habe dieses Fass offensichtlich gar keinen Boden mehr. Zwar habe das griechische Finanzministerium flugs die Nachricht dementiert, die US-amerikanische Bank würde einen derartigen Deal einfädeln. „hellenische Fiskalpolitik der vergangenen Dekade ist aber eine einzige große Lüge, sodass das Land jedweden Kredit verloren hat, zumindest wenn es um seine Glaubwürdigkeit geht.“
Saab-Deal: Das Zünglein an der Waage
Der Jubel um den Saab-Retter und Spyker-Chef Victor Muller sei groß, dennoch hänge die Zukunft der schwedischen Traditionsmarke ganz und gar von der Europäische Investitionsbank (EIB) ab, schreibt die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri. Vier Milliarden Kronen müsse der EIB-Vorstand „lockermachen“ und das möglichst schnell. Bei Koeniggsegg habe der Entscheidungsprozess zwei Monate gedauert, nun werde es internen Informationen der Zeitung zufolge doch etwas schneller gehen: „Klar ist, dass wir nicht ganz von vorne beginnen müssen“, meint dazu die für die Vergabe des Darlehens zuständige Vizedirektorin der EIB Eva Srejber. Ausschlaggebend sei die Kreditgarantie der schwedischen Regierung, die Finanzierungsstruktur und die dahinterstehenden Kapitalgeber. Das Darlehen werde, ähnlich wie bei Koeniggsegg wiederum an die Bereiche Forschung, Innovation und Entwicklung innerhalb der neuen Saab-Gruppe geknüpft sein, so Sreiber. Die Tatsache, dass sie Schwedin ist, habe mit der Entscheidungsfindung nichts zu tun. Wie jedes Ansuchen werde auch dieses auf professionellem Niveau und nach den üblichen EIB-Kriterien bearbeitet.
Trotz Spyker und den Kreditgarantien der schwedischen Regierung gebe es auch Zweifler an dem
Saab-Deal berichtet das schwedische Wirtschaftsblatt Affärsvärlden . In einem Interview habe Scania-Vorstand Leif Östling seine Bedenken über die Zukunft von Saab mitgeteilt. „Ich glaube nicht an dieses Geschäft“, so der Scania-Chef. Spyker bringe als kleiner holländischer Sportwagenhersteller keine Kapazitäten für den Produktionsprozess mit. Wichtig wäre eine Partner mit dem man gemeinsam Plattformen nutzen könne, denn auch mit einem prognostizierten Absatzvolumen von 100.000 Modellen stoße Saab irgendwann an finanzielle Grenzen. Mit diesem Problem sei Saab bereits 1978 konfrontiert gewesen, als das Unternehmen noch Teil des Scania-Konzerns war. Die Produktentwicklung habe enorme Summen verschlungen, schließlich sei man zunächst mit Ford und anschließend mit GM in Verkaufsverhandlungen getreten. Heute sei die Situation ähnlich wie damals: „Wunschdenken“ und sehr viele Emotionen trübten den Blick auf die Realität, so der ehemalige Saab-Manager.
Banco Popular besser als erwartet
Unerwartet gute Geschäftsergebnisse habe die spanische Banco Popular ihren Aktionären trotz der Finanz- und Wirtschaftskrise präsentiert, berichtet die Wirtschaftszeitung Cinco Días. Entsprechend groß sei die Freude der Aktionäre gewesen, was zu einem Kursanstieg der Bankaktie von über fünf Prozent – und damit Spitzenwert am IBEX – geführt habe. Auch bezüglich des Geschäftsjahres 2010 sei Ángel Ron, Präsident der Banco Popular, durchweg optimistisch. Und nicht nur das, wolle er doch die ernüchternde Prognose der Marktforscher für das Bankgeschäft in Spanien für das Jahr 2010 vehement “bekämpfen”. Seinen Optimismus begründe der Bankenchef wohl hauptsächlich auf einem absehbaren Ende des Anstiegs in Verzug geratener Kreditnehmer und der Strategie des organischen Wachstums der Bank, kommentiert die Zeitung.
Fundstück: Keine Lust auf Goldman-Chefsessel
Fortune Fortune erzählt die Geschichte von Jon Winkelried, der bei Goldman Sachs eine steile Karriere hinlegte und sogar beste Chancen hatte, Lloyd Blankfein als CEO zu beerben. Doch nach 27 Jahren bei Goldman, mit rund 500 Millionen Dollar im Rücken, sagte Winkelried Adieu und schied im März 2009, mitten in der Finanzkrise, aus dem Unternehmen aus. Zum großen Ärger von Blankfein. Zur Erleichterung von Winkelried selbst, der sich seitdem um seine Ranch, das Rodeoreiten und seine Kinder kümmern kann. Immer streng nach dem Motto des Vaters: “Don’t let anybody ever kick you in the ass.”



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