Toyota stolpert, Ford freut sich

Die internationale Wirtschaftspresse beobachtet Licht und Schatten in der Autobranche. Das Wirtschaftsblatt stellt sich gegen die düsteren Prognosen des Ökonoms Nouriel Roubini mit Blick auf Griechenland. Bloomberg wundert sich, dass Goldman & Co. keine Reue zeigen. Fundstück: Arbeiten bis zum Herzinfarkt.

Der Economist hinterfragt die Rückrufaktion von möglicherweise blockierenden Gaspedalen durch Toyota. Dass die Japaner Produktion und Verkauf von Autos in Amerika gestoppt hätten, sei ein heftiger Rückschlag für den „stolpernden Autogiganten“ – die Produktionsmenge der betroffenen Werke entspreche 60 Prozent der im vergangenen Jahr in den USA verkauften Autos. Während Rückrufaktionen inzwischen Routine für Autobauer seien, habe das Ansinnen, Autos ganz vom Markt zu nehmen, Seltenheitswert. In den USA treffe dies Toyota zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, da der Marktanteil 2009 bei 17 Prozent stagniert sei – trotz der Schwäche der US-Autobauer; auch in China, dem weltweit am schnellsten wachsenden Automarkt, sowie Europa sei Toyota zurückgefallen.

Nachdem Ford gestern bekannt gegeben hat, dass man im vergangenen Jahr erstmals seit 2005 wieder einen Gewinn eingefahren habe, lobt die New York Times die Strategie des US-Autobauers. Im vergangenen Jahr sei es Ford geglückt, sich von General Motors und Chrysler abzuheben, indem sowohl Kredite der Regierung als auch ein Insolvenzverfahren habe umschifft werden können. Dies habe dazu geführt, dass die Firma ihren Ruf habe verbessern und neue Kunden gewinnen können. In diesem Monat habe Ford bei der Detroit Auto Show die „North American Car“- und „Truck of the Year“-Preise gewonnen. Vor diesem Hintergrund könne Ford der Hauptprofiteur des Rückwurfs von Toyota werden.

Wenn andere am Boden lägen, sei es leicht, sich als strahlender Sieger zu präsentieren, zweifelt die Börsen-Zeitung an der Bilanz von Ford für das vergangene Jahr. „Reparaturbedürftig“ sei bei Ford die Bilanz mit 34 Milliarden Dollar Gesamtverschuldung im Autogeschäft. „Was Ford jetzt braucht, ist mehr Umsatz. Zum Glück haben viele Amerikaner eine Aversion gegen Staatseinflüsse und lassen General Motors und Chrysler links liegen. Kein Wunder, dass Ford ihre Unabhängigkeit vom Staat immer wieder betont.“

Die Wirtschaftswoche berichtet, dass der Aufsichtsrat von Tata Motors am heutigen Freitag grünes Licht für die Berufung von Ex-GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster zum neuen Chef des indisch-britischen Automobilunternehmens geben wird. Eine der größten Herausforderungen Forsters werde darin bestehen, das Billigauto Tata Nano in Fahrt zu bringen. Startprobleme habe es nicht nur bei dem Kleinstwagen gegeben, dessen Produktion nach Protesten der indischen Landbevölkerung 2008 an einen neuen Standort verlagert worden sei, sondern auch bei der Verpflichtung von Forster: Erst vor wenigen Tagen habe sein Ex-Arbeitgeber General Motors den Wechsel abgesegnet.

Euro-Zone nicht in Gefahr

Mit Blick auf das hochverschuldete Griechenland versichert das Wirtschaftsblatt aus Österreich, dass der Euro-Raum nicht gesprengt werde – Griechenlands Wirtschaft sei dafür zu unbedeutend. Damit stellen sich die Österreicher gegen die düsteren Prognosen des Ökonoms Nouriel Roubini („Dr. Doom“), der sogar mit dem Ende der Euro-Zone rechne, weil der schwache Rand Europas die starke Mitte bedrohe. „Wer von einem Auseinanderdriften der Euro-Zone spricht, unterstellt, dass die individuellen Vorteile eines Austritts die Nachteile übertreffen. Diese Annahme ist falsch. Wenn die Euro-Zone zerfällt, würde das scheibchenweise passieren.“ Niemand wolle den ersten Schritt machen. Um Undisziplinierte zu sanktionieren, schlägt das Blatt vor, könnten Maastricht-Sünder unter die budgetäre Hoheitsverwaltung der Union gestellt werden.

Spanien neues EU-Sorgenkind?

Spanien entwickele sich zunehmend zu einem Problem für Europa, warnt die Wirtschaftszeitung Expansión. Noch vor einem Jahr habe die spanische Regierung minimale Auswirkungen der Wirtschaftskrise prognostiziert und verkündet, dass sich Spanien schneller als alle anderen europäischen Länder erholen werde. Sowohl der überzogene Optimismus des Präsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, als auch die Untätigkeit seiner Regierung seien dafür verantwortlich, dass die spanische Wirtschaft zunehmend an Glaubwürdigkeit und Wettbewerbsfähigkeit verliere. Und während sich die Volkswirtschaften der meisten europäischen Länder 2010 bereits erholten, müsse Spanien mit einer langanhaltenden Durststrecke der Arbeitslosigkeit und Wachstumsflaute rechnen. So groß sei das Ausmaß von Staatsverschuldung und Strukturproblemen, dass Spanien als einstiges Musterland der EU womöglich bald Griechenland als Sorgenkind der Eurozone ablösen könne, befürchtet die Zeitung.

Kein Zeichen der Reue bei Goldman & Co.

Bloomberg wundert sich über Reaktionen wie die von Goldman Sachs-Chef Lloyd Blankfein. Der zeige – obwohl Goldman bei fast jeder Erwähnung in den Medien mit dem auf einen Rolling-Stone-Artikel zurückgehenden Spitznamen „Vampirtintenfisch“ bedacht werde –, kein Zeichen der Reue angesichts der Finanzkrise. „Die Bankenbosse scheinen immer noch nicht zu verstehen, für wie viel Verärgerung sie in der Bevölkerung gesorgt haben oder wie entsetzt der Großteil der Welt darüber ist, dass es keine Entschuldigung oder kein Eingeständnis gibt, dass selbst die stärksten Player nur deshalb die Kreditklemme überlebt haben, weil es Transfusionen von Milliarden Dollar an Steuergeldern gab.“

Steve Jobs ist Ericssons bester Kumpel

Apples iPad habe die Technikfreaks ziemlich enttäuscht, stellt das schwedische Wirtschaftsmagazin Veckans Affärer. fest. Aber Technikfreaks beurteilten Produkte immer recht einseitig – sie hätten eben eine Technikbrille auf. Das mit Spannung erwartete neue Tablet müsse man einfach aus der richtigen Perspektive betrachten, dann lägen die Vorteile schon auf dem Tisch. Die Prioritäten habe Steve Jobs bei diesem Gerät ganz klar abgesteckt: Unterhaltung, Spiele, Social Medias, Film und eben Bücher. Das erfolgreiche Geschäftsmodell von iTunes und des App Stores werde erweitert, nun seien die Bücher an der Reihe. Gerade die technischen Mängel, die der iPad aufweise, führten dazu, dass immer mehr Menschen immer öfter auf mobile Netze angewiesen seien. Das mache Produkte wie den iPad, den Kindle für die gesamte Branche zum Auslöser zusätzlicher Einnahmequellen. Nicht zuletzt Ericsson werde von dieser Entwicklung profitieren, denn wenn der mobile Datentransfer steigt, müssten die Kapazitäten weiter ausgebaut werden. Und genau das sei die Kernkompetenz des schwedischen Netzwerklieferanten.

Fundstück: Arbeiten bis zum Herzinfarkt

Das Leben als Investmentbanker ist kein Zuckerschlecken. Nächte und Wochenenden werden gerne mal durchgearbeitet. Auf ein Privatleben und persönliche Belange kann keine Rücksicht genommen werden. Das gilt vor allem für die Arbeit bei der derzeit erfolgreichsten Investmentbank Goldman Sachs. Deren Anforderungen an Bewerber sind besonders hoch. Die Auslese, wer einen der begehrten Jobs bekommt, ist besonders hoch. Da muss man sich schon etwas einfallen lassen, damit der eigene Lebenslauf zwischen den vielen anderen Spitzenbewerbern nicht untergeht. Ein Bewerber hat sich besonders viel Mühe gegeben, zeigt das Finabzportal Here is the City. Er nimmt die Anforderung, bis zum Maximum und darüber hinaus zu arbeiten, wörtlich: „As of this moment you probably have never heard of me before and I accept that, but in five years you will look back unable to imagine life without me. My desire to succeed in the investment industry is beyond comparison and I will not stop working towards this goal until my heart stops beating.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer, Fridolin Pöschl

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

1 Kommentar zu “Toyota stolpert, Ford freut sich”


  1. 1 Daniel

    Momentan geht es in der Wirtschaft einfach drunter und drüber. Besonders das Pedal-Debakel von Toyota ist ja im Augenblick in aller Munde. Wenn es wirklich stimmen sollte, dass 12 Menschen aufgrund dieses Defekts bei Unfällen gestorben sind, dann kann sich Toyota bestimmt auf eine längere Dürre-Phase einstellen. Immerhin war der Konzern bisweilen ja immer für seine Sicherheit berühmt.

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