Geld verdienen mit der griechischen Tragödie

Die internationale Wirtschaftspresse wägt die Chancen der griechischen Haushaltssanierung ab – und erweitert den Blick auf die EU als ganzes. Die Financial Times Deutschland deckt einen spektakulären Datendiebstahl auf. Die Business Times sieht in Chinas Erweckung den Weckruf für Japan. Fundstück: Tipps für die Pfennigfuchser in der Regierung.

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz wägt im Wall Street Journal die Chancen Griechenlands ab, mit dem geplanten Sparhaushalt die Defizitziele zu erreichen – mit Blick auf den für heute geplanten Report der Europäischen Kommission. Tatsächlich könne Griechenlands Plan mit Gehaltskürzungen im öffentlichen Dienst und der geplanten Treibstoffsteuererhöhung , das Budget bis 2012 von 13 Prozent im Jahr 2009 auf drei Prozent zu reduzieren den hohen Defizitdruck von den europäischen Nachbarn nehmen, ist Stiglitz überzeugt. Aber ohne Stimulierungsmaßnahmen könne die Defizitsenkung das Wachstum auch reduzieren, gibt Stiglitz im WSJ zu bedenken. Dies wiederum würde zu Steuerausfällen und damit noch höherem Defizit führen. Auch die griechischen Reparaturmaßnahmen selbst könnten Schaden anrichten. “Den öffentlichen Sektor zu halbieren, würde Griechenlands Arbeitslosenquote von derzeit 9,3 auf 16 Prozent steigen”, verweist das Blatt auf die Einschätzung der amerikanischen Forschungsgesellschaft High Frequency Economics. Mr. Stiglitz verweist in der Zeitung auf vergangene Kürzungsmaßnahmen, die nicht wie erhofft funktioniert hätten, etwa in Ostasien ein Jahrzehnt zuvor. Auch Irland mache derzeit ähnlich ernüchternde Erfahrungen mit dem Versuch, über Lohnkürzungen im öffentlichen Dienst das Budgetdefizit zu fixieren. “Diese Art von Politik hatte gewöhnlich nicht den Effekt”, zitiert das Blatt Stiglitz weiter. “Aber es gibt eben in der EU ein paar Leute, die dem Defizitfetischismus anhingen und gern redeten.”

Griechenland und seine Peers stünden vor einer schwierigen Wahl, räumt in einem Gastbeitrag in der Financial Times US-Ökonom Nouriel Roubini ein, Professor an der zur New Yorker Universität gehörenden Stern Business School und Gründer des nach ihm benannten Forschungsinstituts Roubini Global Economics. Der beste Weg sei, dem Vorbild Irlands, Ungarns und Lettlands nachzueifern, die auf Ausgabenkürzungen statt Steuererhöhungen setzen, schreibt Roubini. Der leichte Weg, ein bisschen Financial Engineering hier und Budgetverschönerungen dort, werde Anpassungen nur verzögern. “Dann müsste Griechenland zur Jahresmitte hin andere Staaten um Gelder angehen (abgelehnt) oder könnte abwerten, ausfallen und seine Verbindlichkeiten neu bewerten, wie Argentinien (undenkbar), so Roubini. Griechenland sei der lang erwartete Unfall gewesen, der nun dank immenser öffentlicher Schulden und einem Mangel an Kompetenz eingetreten sei. Aber die Probleme anderer südeuropäischer Staaten unterschieden sich nur graduell davon, nicht vom Prinzip. Roubini bezeichnet in der FT Griechenland als Frontlinie einer größeren Schlacht in der Europäischen Währungsunion: ihrem Weg treu zu bleiben. “Ein Scheitern der nun notwendigen, schweren Entscheidungen würde die Aufmerksamkeit auf eine unbequeme historische Wahrheit lenken”, warnt Roubini: “dass bislang keine Währungsunion ohne fiskalische und politische Union überlebt hat”. Auch viele US-Staaten seien in einer Finanzkrise, aber lokale Probleme könnten auf staatlicher Ebene gelöst werden. Der Eurozone fehle der nötige fiskalische Lastenausgleich. Diese müssten entwickelt werden, fordert Roubini.

“Das Land war klar nicht bereit für die Mitgliedschaft in der Eurozone”, schreibt die Economic Times . Nun stehe es vor einer harten Wahl: brutale Budgetkürzungen vornehmen und in eine tiefe Rezession stürzen, Schulden ausfallen lassen und seine Kreditwürdigkeit für eine Generation verlieren, die EU-Partner um ein Hilfsprogramm anbetteln oder die Eurozone verlassen. Die Märkte verlangten nach Antworten auf die vielen schlechten Nachrichten und unangenehmen Folgen für andere europäische Marktteilnehmer. Griechenland stehe nun im Scheinwerferlicht und werde mit einem glaubwürdigen Plan ankommen müssen, so das Blatt. Das Problem sei, dass keine der Optionen sehr ansprechend ist. Griechenland werde tun, was die meisten von uns angesichts einer solch schrecklichen Bandbreite an Auswahlmöglichkeiten tun würde, ist das Blatt überzeugt: sich in Ausflüchte retten, verzögern, aufschieben und hoffen, dass etwas passiert. “Aber hey, mit der griechischen Tragödie ließe sich vielleicht Geld verdienen”, glaubt die ET. Ganz einfach: “Ungarische Anleihen gegen griechische tauschen, Euro-Anlagen verkaufen, spanische und portugiesische Anlagen notwassern und Shorts auf den griechischen Aktienmarkt kaufen”, schlägt die Zeitung vor. Die griechische Krise werde sich schon weiter beschleunigen. Die Märkte würden ein Rettungsprogramm für Griechenland riechen, wie fantasiereich es auch verpackt sein möge. “Die Vertrauenswürdigkeit des Euro und der EWU wird schlimm beschädigt werden”, erwartet die Zeitung. “Investoren werden die Währung abservieren und wieder auf Dollar und Yen setzen.”

Spektakulärer Datenraub bei der Emissionshandelsstelle

Die Financial Times Deutschland berichtet über einen groß angelegten Datenraub bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Potsdam. Die Hacker hätten am vergangenen Donnerstag die Zugangsdaten zahlreicher – darunter mindestens neun deutscher – Unternehmen erbeutet. Die gestohlenen Verschmutzungsrechte hätten die Kriminellen weiter verkauft. Per gefälschter E-Mail der DEHSt seien mehrere europäische sowie einige japanische und neuseeländische Unternehmen “zur Abwehr drohender Hackerangriffe” aufgefordert worden, sich neu zu registrieren, beschreibt das Blatt die Masche. Die so erbeuteten Emissionsrechte übertrugen die Täter auf Konten vor allem in Dänemark und Großbritannien.” Das Bundeskriminalamt sei seit Freitag eingeschaltet und der Betrieb seither eingestellt – “mindestens für den Rest dieser Woche”, zitiert die FTD eine Sprecherin.

Chinas Wirkung auf Japan

Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas könne der längst überfällige Weckruf für Japan sein, meint die Business Times aus Singapur. Hätte vor zwei Jahren irgendjemand vorhergesagt, dass China im Jahre 2010 Japan überholen werde, dann wäre das Gelächter groß gewesen. Doch inzwischen sei diese Fantasterei dabei, Realität zu werden. Und genau dies könne Japan nun “aus seinem 20-jährigen Schlaf reißen”. Die japanischen Politiker hätten wahrlich keine Gründe mehr, die drastische Wende einzuleiten, die das Land beziehungsweise seine Wirtschaft dringend brauche. Sich irgendwie “durchzuwurschteln” sei keine Alternative mehr, wenn der größte Hersteller und Exporteur von Waren gleich nebenan zu finden sei und einen niederdrücke. Was die drohende Übermacht Chinas für Japan bewirken könne, sei beispielsweise die Ankurbelung der Service-Industrie. Diese sei vernachlässigt worden, und stelle doch einen sehr großer Teil der japanischen Wirtschaft dar. Die “Bedrohung” durch China werde die Aufmerksamkeit Japans nun dorthin lenken, wo sie sein sollte: die Service-Industrie in die freie Wirtschaft zu lassen und die Produktivität zu erhöhen.

Hoffnung bei Opel in Spanien

Frischer Wind bei Opel in Deutschland sorgt für gute Stimmung im spanischen Werk Figueruelas, beobachtet die Wirtschaftszeitung Cinco Días. Zwar sei immer noch ungewiss, wie der Sparplan von Opel letztendlich aussehen werde. Doch die Chancen für den Erhalt der Produktionsstätte in Spanien stünden gut. Zwei neue Modelle – unter ihnen ein Elektro-Kleinfahrzeug – wolle General Motors voraussichtlich zukünftig in Figueruelas bauen lassen. Diese Ankündigung unterstreiche das hohe Ansehen des Werkes nicht nur bei Opel, sondern innerhalb der gesamten General Motors Gruppe, so das Blatt. Trotzdem könne was langfristig sicher scheine, noch kurz- und mittelfristig am sinkenden Absatz der Opel-Modelle scheitern. Ausschlaggebend sei deshalb umso mehr der politische Wille der spanischen Regierung, den Erhalt des Standortes zu unterstützen. Bis zu einer Milliarde Euro werde diese deshalb wohl für die Rettung des Opel-Werkes bereitstellen, spekuliert die Zeitung.

Hochzeit mit Hindernissen

Die seit Monaten andauernden Querelen über die bevorstehende Hochzeit von Telecom Italia und der spanischen Telefonica ließen den Partner in Madrid kalt, analysiert ilsole24ore. Aus Madrid sei nur ein “no comment” zu hören, doch sei der Titel am Morgen unter Druck geraten. Damit bestätigten die Märkte, dass sie nicht an eine schnelle Lösung glauben, so das Blatt. Auch Analysten sähen mittelfristig bei einem möglichen Kauf der italienischen Gruppe einen Anstieg der Schulden bei Telefonica. Beide Unternehmen arbeiten mit voller Kraft an bestmöglichen Synergien, es seien bereits Vereinbarungen für internationale Kunden sowie für die Entwicklung gemeinsamer Produkten getroffen. So würden Gerüchte und Dementis nichts voranbringen, sondern nur Anleger und Investoren verunsichern, bilanziert die Zeitung.

Fundstück: Pfennigfuchsertipps für die Regierung

Das Online-Portal CNN Money hat ein paar glorreiche Pfennigfuchsertipps für die Regierung zusammengestellt. Denn natürlich muss auch die US-Regierung sparen. Warum nicht gleich bei den Cent-Stücken. Die zu prägen koste ganze 1,8 Cent, rechnet das Online-Portal vor. Und ein Fünf-Cent-Stück verschlinge immerhin neun Cent an Produktionskosten. 150 Millionen Dollar könne die Regierung hier allein an Material sparen. Endlich komme das Finanzministerium im 21. Jahrhundert an, lobt das Portal das Finanzministerium. Statt der bisher üblichen Papierabrechnungen versende die Behörde von 2011 an elektronische Abrechnungen. 1,5 Millionen Dollar spare das im ersten Jahr, danach zwei Millionen Dollar jährlich. “Die Einsparungen könnten noch höher sein, wenn andere Regierungsstellen den selben Schritt tun würden”, schlägt die Seite vor. Gleich weitere sechs Millionen Dollar sparen die Erbsenzähler in demselben Ministerium – die Mitarbeiter, die den Schuldenstand der Nation ausrechnen – ein, indem sie sich per Videokonferenz zusammenfinden, statt zu reisen. Und das Arbeitsministerium? Hört auf zu arbeiten und spart so Energie. Immerhin 727.000 Dollar weniger in den nächsten fünf Jahren – nur dadurch, dass die Ministeriumsangestellten am Ende des Tages ihre Computer ausschalten. Bis 2012 soll das freiwillig geschehen. Von 2012 an werden Computer dann automatisch zappenduster.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

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