Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die Ausweitung der Sicherheitspannen bei Toyota. Finanz und Wirtschaft analysiert die Auswirkungen des jüngsten Steuerstreits auf die Schweizer Banken. Laut El Economista ist Santander dem Banken-Rivalen BBVA haushoch überlegen. Fundstück: Nackte Tatsachen im Banker-Interview.
Nach den Problemen mit den Gaspedalen hat der japanische Autobauer Toyota gestern auch Pannen bei den Bremspedalen eingeräumt. Die US-Regierung erwägt eine Zivilklage gegen das Unternehmen.
Die britische Financial Times untersucht das Krisenmanagement der Japaner. Der Toyota-Manager, der bei der Rückrufaktion im Januar mit einem Mundschutz vor die Kameras getreten sei, sei eine Metapher für ein Unternehmen, das die Kommunikation mit den Kunden in der Krise vermasselt habe – was möglicherweise gravierende Auswirkungen für die Firma habe, die ihren Ruf auf Verlässlichkeit gebaut habe. So seien in Europa und den USA mehrere Tage zwischen der Bestätigung des Rückrufs von Millionen Autos wegen klemmender Gaspedale durch den Autobauer und der Nennung von Details gegenüber der Öffentlichkeit vergangen. Der CEO des Unternehmens, Akio Toyoda, sei in dieser Zeit auf der öffentlichen Bildfläche fast unsichtbar gewesen – anders als der damalige Ford-Chef Jac Nasser, der sich nach dem Problem mit dem sich oft überschlagenden Explorer-Modell in TV-Spots an die Kunden gewandt habe.
Die New York Times sieht den japanischen Autobauer besonders aus dem Grund in der Bredouille, da die jüngsten Sicherheitsmängel ausgerechnet das „grüne Auto“ in der Toyota-Flotte, den Prius (Foto: Toyota), betreffen. „Der Prius ist die Goldwährung“, zitiert das Blatt den Barclays-Analysten Brian Johnson, der selbst den Prius fahre. „Wir wissen, dass Toyota das beste Ingenieurswesen und die besten Mitarbeiter für dieses Auto abgestellt hat. Dies betrifft das Flaggschiff.“ Laut NYT hat Toyota weltweit seit 1997 rund 1,2 Millionen Prius-Autos verkauft, davon die Hälfte in den USA – damit sei der Prius das dritterfolgreichste Modell in den USA.
Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes erkennt in der Simulations-Software, mit der Autobauer neue Produkte designen und testen, eine mögliche Ursache für die Sicherheitsprobleme bei Toyota. Hintergrund: Um Geld zu sparen und die Entwicklungsdauer zu verkürzen, konzipierten die Autobauer heutzutage ihre Modelle zunehmend virtuell, statt mehrere Prototypen zu bauen. Doch 3D-Programme wie „CATIA“ von Dassault Systemes aus Frankreich könnten nur die Schwachstellen identifizieren, auf die sie die Ingenieure hinwiesen. Im Falle der Gaspedale von Toyota hätten die Ingenieure die Friktion durch die Luftfeuchtigkeit in der realen Welt bei der Arbeit am Computer nicht bedacht.
Keine Angst vor Bankdaten-Klau
Finanz und Wirtschaft analysiert die Auswirkungen des jüngsten Steuerstreits auf die Schweizer Banken. Die am Dienstag verbreitete Behauptung, es habe einen Ansturm besorgter deutscher Kunden gegeben, möge auf einzelne kleinere Banken zutreffen, die ihre Hausaufgaben immer noch nicht gemacht hätten – unter den größeren Instituten „hält sich die Aufregung in Grenzen“, zitiert das Blatt einen Sprecher. Zwar wäre es gefährlich, den Vorfall zu bagatellisieren, so FuW. „Anderseits stimmt es zuversichtlich, dass die großen Vermögensverwalter 2009 – einem Jahr, in dem der Finanzplatz von verschiedener Seite unter Druck geriet und die Weltwirtschaft stockte – mit Ausnahme der UBS immer noch einen Nettozufluss von Kundenvermögen registrierten, der komfortabel im langfristigen Zielband lag.“ Und diese Messlatte liege bei etlichen höher als vor einem Jahrzehnt. „Das deutet nicht darauf hin, als hätte das Schweizer Private Banking an Konkurrenzfähigkeit verloren.“
Kritik an Infineon-Oberaufseher
Die Financial Times Deutschland kritisiert den scheidenden Infineon-Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley, der an einem Plan arbeite, um die Wahl des von Aktionären vorgeschlagenen Kandidaten Willi Berchtold zu seinem Nachfolger noch zu verhindern – bezahlt werde diese Aktion vom Aufsichtsratsbüro, also mit dem Geld der Aktionäre. „Das ist in etwa so, als würde eine Partei, die in der Gunst der Bürger gesunken ist, einen bereits verlorenen Wahlkampf mit deren Steuermitteln finanzieren.“ Der Vorgang zeige jedoch überdeutlich, dass Kley mittlerweile stärker von persönlichen Eitelkeiten angetrieben zu sein scheine als von der Sorge um das Wohl des Unternehmens. Fazit: Es sei an der Zeit, ein Exempel gegen allzu eigenmächtig handelnde Strippenzieher zu statuieren.
Santander BBVA haushoch überlegen
Zum ersten Mal in der Geschichte Spaniens könne die Bank Santander im Vergleich zur BBVA einen doppelt so hohen Gewinn vermelden, titelt die spanische Wirtschaftszeitung El Economista. Damit werde der Unterschied zwischen den beiden größten Banken Spaniens immer deutlicher. 8,8 Milliarden Euro Gewinn habe Santander im Jahr 2009 voraussichtlich erwirtschaftet und damit die Gewinnsumme von 4,2 Milliarden Euro des baskischen Konkurrenten weit hinter sich gelassen. Das sei vor allem deshalb beeindruckend, da bis 1999 noch die BBVA höhere Gewinne verzeichnet habe. Laut der Deutschen Bank habe sich Santander nun endgültig als eine der größten Banken im Westen etabliert. Lediglich die chinesischen Kreditinstitute Industrial & Commercial Bank of China sowie China Construction Bank Corp. lägen mit Gewinnerwartungen von 13 bzw. 11 Milliarden Euro weiterhin in unerreichbarer Ferne, kommentiert die Zeitung.
Gemischte Gefühle bei Sky Italia
ilsole24ore hinterfragt die Quartalszahlen von Sky Italia. Das Unternehmen müsse im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres einen Verlust von 30 Millionen Euro hinnehmen, im Gegensatz zu einem Gewinn von zehn Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der Umsatz sei um zwei Prozent zurückgegangen, während die Gesamtkosten stabil geblieben seien. Die höheren Kosten für die Fußball-Rechte seien durch Einsparungen in anderen Sparten ausgeglichen worden. Angesichts der Tatsache, dass die Kundenzahl insgesamt um 63.000 Abonnements im Vergleich zum vorangegangen Quartal zurückgegangen sei, hülfen auch die 150.000 neu geworbenen Kunden nichts, meint der Wirtschaftstitel. Optimistisch hingegen blicke CEO Rupert Mudoch in die Zukunft: Sicherlich bewege sich Sky Italia in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld, aber man sei überzeugt von dem Potenzial des Pay-TV in Italien aufgrund seiner hohen Qualität.
Fundstück: Nackte Tatsachen
Während der eine Macquarie-Mann gerade im Fernseh-Interview die jüngste Leitzins-Entscheidung der australischen Notenbank kommentiert, vergnügt sich der andere im Hintergrund mit Nacktfotos eines australischen Models. So zu sehen in einem bei YouTube eingestellten Video von 7 News. Die Bank will den Nackt-Sünder zur Rechenschaft ziehen.
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