Die Fed rüstet sich für den falschen Krieg

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt den Plan der US-Notenbank zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Die Börsen-Zeitung warnt mit Blick auf Griechenland vor einem Flächenbrand. Die russische Gazeta meldet, dass der ICE zu langsam für Russland ist. Ilsole24ore zeigt, wie sich die italienischen Autobauer die Rücknahme von Staatshilfen mobil machen. Fundstück: Macquarie-Banker verspottet

Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, hat einen Plan zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik vorgelegt. Dabei steht nicht der Leitzins als Leitmarke im Zentrum, sondern der Zinssatz, den die Fed auf Einlagen der Banken zahlt, in Kombination mit quantitativen Zielen für Bankreserve.

Die Wirtschaftswoche erinnert daran, dass sich die Fed die Ermächtigung für die Verzinsung von Überschussreserven vom Kongress auf dem Höhepunkt der Panik im Oktober 2008 erteilen ließ – damals sei im Capitol noch alles durchgewunken worden. Doch die neue Strategie sei insofern zweifelhaft, als der vermeintliche Exit einmal mehr ein Bonusprogramm für die Wall Street sei. „Was werden die Banken wohl machen mit den zusätzlichen Zinseinnahmen, die vielleicht bald bei der Fed winken? Nun, vielleicht Staatsanleihen kaufen, um statt einfach gleich doppelt Zinsen zu kassieren.“

Das Wall Street Journal spielt das neue Szenario durch: Eine Erhöhung des Interest Rate on Reserves würde Banken dazu animieren, mehr Geld bei der Fed zu parken, statt als Kredite an Haushalte oder Firmen zu vergeben „Auf diesem Weg würde die Fed dazu in der Lage sein, eine Wirtschaft zu zügeln, der Überhitzung und Inflation drohen.“ Anders als für die EZB sei dieses Werkzeug neu für die US-Notenbank.

In einem weiteren Artikel fasst das WSJ Reaktionen von Analysten und Ökonomen zusammen. David Greenlaw von Morgan Stanley kritisiert, dass die US-Notenbank noch keinen Zeitplan für den Exit vorgelegt habe. Offenbar diskutiere man bei der Fed noch intern über das Wann. Greenlaw selbst geht davon aus, dass die Fed im zweiten Halbjahr 2010 den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik angehen werde.

Die Financial Times Deutschland begrüßt die Tatsache, dass die Fed zumindest einen Ausweg aus der lockeren Geldpolitik angedeutet habe. „Das war bitter nötig. Denn bisher hat der Fed-Chef nur beteuert, dass es technisch überhaupt kein Problem sei, dem Markt Liquidität wieder zu entziehen.“ Die Fed sei in dem Dilemma, dass der Leitzins als Steuerungs- und Kommunikationsinstrument wegen der „gewaltigen Liquidität“ aktuell bedeutungslos sei. Hinzu komme, dass Leitzinserhöhungen zu früh wären, weil die einsetzende wirtschaftliche Erholung in den USA noch zu fragil sei. Fazit: Jetzt werde langsam erkennbar, wie Bernanke den Ausstieg plant. „Das ist ein erster Schritt – aber mehr müssen folgen.“

„Ben Bernanke bereitet sich auf den falschen Krieg vor“, bemängelt das Internetmagazin Salon. „Eine Wirtschaft, die überhitzt? Dann könnten wir froh sein.“ Trotz der jüngsten Wachtumsraten sei die Gesundheit der US-Wirtschaft weiterhin höchst fragwürdig – aktuelle Indikatoren zeigten, dass die Wirtschaft im Januar sogar wieder gebremst worden sei. „Ben Bernanke kann sich entspannen. Wir suchen noch keinen Ausweg aus den fiskalischen und monetären Stimuli. Wir beobachten weiterhin einen langen, langsamen und mühseligen Marsch zur wirtschaftlichen Gesundung, bei dem Deflation statt Inflation viel wahrscheinlicher eine Gefahr darstellt.“

Europa muss schnell handeln

„Plan B muss passen“, kommentiert die Börsen-Zeitung die bisherigen Bemühungen der politischen Führung Europas, Griechenland aus dem Kreuzfeuer der Finanzmärkte zu nehmen. Der erste Versuch, entlang des bestehenden Regelwerks Herr der Lage zu bleiben, sei „kolossal gescheitert“. Sollte der zweite Anlöauf misslingen, drohe ein „politökonomischer Flächenbrand“, dessen Konsequenzen nicht absehbar wären. Langfristig müsse der Stabilitätspakt durch ein neues, strikteres Regelwerk ersetzt werden, schlägt das Blatt vor. Dabei sei eine europäische Schuldenbremse nach dem Schweizer oder deutschen Vorbild denkbar. Wichtig sei jedoch, dass jetzt schnell gehandelt werde. „Der Staatsbankrott Griechenlands könnte die Eurozone sprengen. Die Folgen wären ökonomisch dramatisch. Politisch wären sie verheerend, würden sie den europäischen Einigungsprozess doch um Dekaden zurückwerfen.“

Ferrovial setzt auf konservativ

In Zeiten knapper Kredite für neue Projekte habe Ferrovial seine Investitionskapazität auf dem englischen Markt dank einer Kooperation mit dem holländischen Dutch Infrastructure Fund (DIF) sichergestellt, schreibt die spanische Wirtschaftszeitung Expansión. Die gemeinsam gegründete Firma Amey Ventures verfüge über mehr als 342 Millionen Euro und fungiere als starker Finanzpartner für zukünftige Investitionen. Für Ferrovial bedeute diese strategische Partnerschaft einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einem veränderten Unternehmensprofil. Mit ähnlichen Maßnahmen habe der spanische Infrastrukturspezialist bereits jetzt drei Milliarden Euro Schulden abbauen können und trage seiner konservativeren Grundhaltung gegenüber neuer Investitionen und Projekte Rechnung, kommentiert die Zeitung.

ICE zu langsam für Russland

Die Hochgeschwindigkeitszüge von Siemens, in Deutschland als ICE3 bekannt, sind der russischen Eisenbahngesellschaft RZD offenbar nicht schnell genug, schreibt das Wirtschaftsportal gazeta.ru. Das staatliche Unternehmen plane, rund 20 AGV-Züge des französischen Maschinenbauers Alstom für die Verbindung Moskau–St. Petersburg zu kaufen. Vor rund drei Jahren habe ein solcher Zug den Geschwindigkeitsrekord von 574,8 Stundenkilometern aufgestellt, wobei die Betriebsgeschwindigkeit bei 360 bis 400 Stundenkilometern liege. „Interessant ist, dass diese Ankündigung auf dem Höhepunkt des Skandals um die Siemens-Züge kommt, die seit einem halben Jahr mit 250 Stundenkilometern zwischen Moskau und St. Petersburg verkehren“, bemerkt die Zeitung. Innerhalb weniger Monate seien an den Zügen aus Deutschland Mängel aufgetreten; es sei sogar mit Vertragsstrafen für Siemens gedroht worden. „Das neue Projekt allerdings dürfte ungerechtfertigt teuer werden, weil dafür eine neue Strecke gebaut werden müsste“, gibt das Blatt zu Bedenken.

Säbelrasseln in Italiens Autoindustrie

Am Rande einer Konferenz des Industrieverbandes Confindustria in Turin haben italienische Autobauer Stellung bezogen zur Entscheidung der Regierung, in diesem Jahr die staatlichen Unterstützungen nur dem Teil der Autobranche zukommen zu lassen. Ilsole24ore zitiert Fiat-Chef Sergio Marchionne, der davor gewarnt habe, dass ohne finanzielle Kaufanreize die Nachfrage nach Neuwagen in Italien um 350.000 Autos zurückgehen werde. Dies werde auch weitere Entlassungen nach sich ziehen. Damit spiele die Nummer eins von Fiat auf das von der Schließung bedrohte Werk in Sizilien an, vermutet das Blatt. Nach Einschätzung des Vorstandsvorsitzenden von Ford Italien, Gaetano Thorel, verfolgten die Kaufanreize zwei Ziele: die Verjüngung der Auto-Flotte in Italien, die zu den ältesten in Europa zähle, sowie das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes anzukurbeln – der Anteil der Automobilbranche am italienischen Bruttoinlandsprodukt liege bei elf Prozent.

Fundstück: Macquarie-Banker verspottet

David Kiely, der in einer Live-Fernsehsendung beim Betrachten von Nacktfotos erwischt wurde, kommt immer noch nicht zur Ruhe. Zwar hat sein Arbeitgeber, die Macquarie-Bank, nach einer weltweiten Solidaritätswelle darauf verzichtet, den Investmentbanker zu feuern. Doch jetzt macht sich die britische Bank HSBC über Kiely lustig. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, hat die Bank eine seitenbreite Anzeige mit dem Slogan „We spend more time looking at your assets“ in der australischen Tageszeitung The Sydney Morning Herald geschaltet, um für die eigenen Dienstleistungen zu werben. “Besonders fies ist der gedruckte Seitenhieb, weil er subtil mit der Doppeldeutigkeit des englischen Worts ,Asset’ spielt. Der Begriff bedeutet im Zusammenhang mit Bankgeschäften ,Vermögen’ – dem man sich bei der HSBC also lieber widme, als es Herr Kiely vermeintlich tut. ,Assets’ kann aber auch (weibliche) ,Vorzüge’ bedeuten”, erklärt die FTD.

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Maxim Kireev

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