Hat die Euro-Zone eine Zukunft?

Die internationale Wirtschaftspresse lotet Konsequenzen der Griechenland-Krise für die Euro-Zone aus und fordert radikale Änderungen. Challenges sieht den Ölkonzern Total von Medikamenten ausgebootet. Der Financial Express bezweifelt den Erfolg von Google Buzz. Der BusinessSpectator erteilt Mogulen schlechte Noten. Fundstück: Kommerziell, aber kaum kreativ – der Valentinstag.

„Historische Bedeutung“ misst die Financial Times der Erklärung der Europäischen Nachbarstaaten zur Rettung Griechenlands bei, denn „zum ersten Mal hat die EU eingeräumt, dass die Eurozone auch eine politische Dimension hat und gewillt ist, diese gegen spekulative Angriffe zu verteidigen.“ Die surreal anmutende Diskussion über die Zukunft der Eurozone vernachlässige aber dabei die rechtlichen und politischen Grenzen, zumal weder eine Finanzunion noch eine Vertragsänderung wahrscheinlich seien. „Die Eurozone muss die Missverhältnisse zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten angehen und Konsolidierungen anmahnen. Dazu müssen die politischen Führer Mut haben zu kompromisslosen Positionen.“ Die Erklärung sei ein großer Schritt in die richtige Richtung. Das Schlimmste wäre dagegen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen: „Das wäre das Ende der Eurozone.“

„Europa schlittert unvorbereitet in eine ernste Wirtschaftskrise – und die gerade beginnende Erholung der Weltwirtschaft könnte zusammenbrechen aufgrund der unhaltbaren, pyramidenartig aufgetürmten Staatsschulden in schwächeren Ländern der Eurozone“, warnt das Wall Street Journal. Die Erklärung der EU beinhalte letztlich nur vage Versicherungen, man wolle Griechenland helfen, die Einschätzung der Finanzmärkte habe die EU damit aber nicht grundlegend ändern können. Wenn die Eurozone weiter bestehen wolle, müsse sie vier Schritte unternehmen. Erstens, endlich die Hilfe des Internationalen Währungsfonds in Anspruch nehmen. Zweitens, ein multilaterales Fondssystem installieren, das jedem Land ein adäquate Finanzierung ermöglicht. Drittens müsse die Europäische Zentralbank die Zinssätze weiter senken und Inflation zulassen. Und schließlich müsse Mitgliedsstaaten ermöglicht werden, aus der Eurozone „in Würde“ auszusteigen. Das Überleben der Eurozone sei von zentraler Bedeutung: „Denn die Botschaft hinter einer Eurozone in Gefahr ist viel größer: Die Dynamik unhaltbarer Staatsschulden schwächt uns alle.“

Auch der Economist sorgt sich um die Eurozone: Kaum sei die Tinte unter der Hilfserklärung für Griechenland trocken gewesen, habe eine neue Hiobsbotschaft die Staaten ereilt: Das Bruttosozialprodukt sei im letzten Quartal 2009 nur um 0,1 Prozent gewachsen. „Das große Problem der Euro-Länder ist die fehlende Nachfrage.“ Derzeit ruhe die Hoffnung auf Deutschland, die Binnennachfrage in Europa anzukurbeln: Als der Rest der Welt hemmungslos Geld verbrannte, waren die Deutschen sparsam. Doch das Land sei vom Export abhängig, das Bruttosozialprodukt gerate unter Druck. In Spanien seien die Bürger durch hohe Schulden belastet, die Arbeitslosenquote nähere sich der 20-Prozent-Marke. Frankreich kompensiere derzeit viel in der EU, weil die Regierung Geld ausgebe und die Wirtschaft vielfältig und autark sei. Doch das Defizit der Franzosen betrage acht Porzent des Bruttosozialprodukts, das Land stehe am Rande seiner „finanziellen Rechtschaffenheit.“ Der einzige Lichtblick sei, dass die Krise in Griechenland den Euro geschwächt habe: „Eine Region, die derzeit so stark auf Nachfrage angewiesen ist, braucht eine schwache Währung.“

Eine „deutliche Ausweitung der Macht der Europäischen Union“ sagt die Sunday Business Post aus Irland angesichts des Rettungsplans voraus. Ohne die Hilfe der Nachbarstaaten, sei es in Form neuer Kredite, eines Rettungspaketes oder einer Garantie, würden die Märkte Griechenland den Rücken zukehren – und einen Kollaps des Mitglieds der Eurozone provozieren: „Das kann sich die Eurozone nicht leisten, weder ökonomisch noch politisch.“ Für die Unterstützung aber müsse Griechenland seine Souveränität aufgeben, und damit vollziehe sich ein „fundamentaler Wandel“ in der Eurozone: „Europa zahlt nun den Preis für seine starke Währung.“

Pharma schlägt Öl

„Die Einwegspritze hat den Bohrturm enthront“, bringt Challenges die jüngste Entwicklung in der Rangliste der französischen Aktienunternehmen auf den Punkt. Zwar sei Total noch immer die Nummer Eins, mit einer Kapitalisierung von 97 Milliarden Euro und einem Umsatz von 131 Milliarden Euro. Doch was das Ergebnis angehe (7,784 Milliarden Euro), habe sich Sanofi-Aventis mit 7,844 Milliarden Euro an die Spitze gesetzt. Als Grund vermutet das französische Wirtschaftsblatt einen neuen Trend: Während der Ölpreis in 2009 zurückgegangen sei, aufgrund der sinkenden Nachfrage der Verbraucher, seien Medikamente gegen Grippe weiter im Aufwind. „Öl könnte bald nicht mehr die Quelle für unsere Probleme und Gewinne sein.“ Doch auch wenn 2009 das Jahr war, in dem Pharmakonzerne reüssierten, könne sich Total freuen: Das Unternehmen halte 10 Prozent an Sanofi-Aventis.

Caja Madrid verhandelt mit

Im entscheidenden Moment der Verhandlungen zur Fusion von Iberia mit British Airways stoße Rodrigo Rato als neuer Präsident der Caja Madrid zum Verwaltungsrat von Iberia hinzu, kommentiert die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días. Mit einem Aktienanteil von 23 Prozent sei Caja Madrid der größte Aktionär von Iberia – und wohl schon deshalb an einer starken Präsenz am Verhandlungstisch interessiert. Als ehemaliger spanischer Wirtschaftsminister und designierter Vizepräsident des Verwaltungsrates von Iberia werde Rodrigo Rato dieser Rolle durchaus gerecht. Und während der Verhandlungsmarathon zur Fusion von Iberia mit British Airways kurz vor dem Abschluss stehe, erhole sich auch die Nachfrage nach Flügen der spanischen Fluggesellschaft spürbar, berichtet die Zeitung.

Google attackiert Facebook

Die Chancen von Google Buzz gegen Facebook lotet der Financial Express aus Indien aus. Mit Google Buzz habe der Konzern im Kampf um soziale Netzwerke die „erste ernstzunehmende Salve“ in Richtung des Konkurrenten abgefeuert. Google wolle mit seinem neuen Dienst Facebook die Nutzer ausspannen: Wenn sich diese auf Facebook miteinander unterhalten, versorgten sie einander mit aktuellen Nachrichten und Informationen. Der Bedarf, danach zu googeln, sinke – und treffe Google dort, „wo es weh tut.“ Mit Buzz sollen die Nutzer nun an die Google-Seiten gebunden werden. Auf den ersten Blick, so das Blatt, funktioniere Buzz auch ganz gut und werde immer weiter verbessert. Aber ob es Facebook wirklich schaden könne, sei fraglich. „Eher wird vielleicht Google um seine Pfründe fürchten müssen, wenn Facebook zusätzlich zum bisherigen Dienst seine eigene E-Mail-Plattform einführt.“ Immerhin habe Facebook 400 Millionen Nutzer.

Mogule sind ein schlechtes Geschäftsmodell

Die Existenzkrise des Medienkonzerns EMI nimmt der australische BusinessSpectator zum Anlass, strukturelle Probleme der Branche zu analysieren. „Hier arbeiten kreative Menschen, keine Erbsenzähler, Menschen, die Liebe brauchen – und offenbar auch Obst und Blumen im Wert von 200.000 Pfund, wie die Prüfer von Terra Firma, die Private-Equity-Firma hinter EMI, jetzt herausfanden.“ Medienkonzerne seien auf Mogule zugeschnitten, ihre Strukturen so aufgebaut, dass letztlich diese und ihre Familien die Kontrolle ausüben. „Doch ihre Ergbnisse waren nie berauschend. Und ihre Credos, von der globalisierten Unterhaltung bis hin zur Behauptung, „content is king“, können widerlegt werden: Erfolgreich sind die Medienunternehmen, die in Nischen arbeiten.“ Dass es eines Visionärs bedürfe, der Talente erkenne und zu Stars mache, der die Unterhaltungsindustrie kenne und für Investoren Gewinn schaffe, sei eine Mär. „Das Leben eines Moguls mag glamourös sein, aber nicht für die Investoren, die das Geschäft finanzieren.“ Die Lektion aus der Misere bei EMI sei, dass man auch in der Unterhaltungsindustrie eine Menge Geld verlieren könne – wenn man zu viel für ein schlechtes Geschäftsmodell zahle.

Fundstück: Kommerziell, aber kaum kreativ – der Valentinstag

Mit dem Mythos, der Valentinstag sei besonders für die Floristikbranche gewinnbringend, räumt das US-Magazin Fortune auf: Zwar könnten sich die Blumenhändler – wie überhaupt der ganze Einzelhandel – nicht beklagen über den Tag der Verliebten, habe ein durchschnittlicher Käufer doch rund 100 Dollar am 13. Februar 2010 für Geschenke ausgegeben. Doch die hohen Umsätze, die Floristen mit dem Valentinstag machten, würden durch Kosten aufgefressen: „Floristen, aber auch Speditionen, bereiten sich monatelang auf diesen Tag vor. Der Online-Spezialist 1-800-Flowers.com muss zusätzlich 6.000 Mitarbeiter anstellen, um den Ansturm zu bewältigen, das drückt die Gewinnmarge erheblich. Letztlich profitiert das Unternehmen eher durch rund eine Million neue Kunden, die sich zum Valentinstag registrieren.“ Doch nicht nur die Gewinne, auch die Kreativität der schenkenden Männer ließen zu wünschen übrig: „Rote Rosen sind nach wie die Nummer Eins unter den gewählten Blumen, Männer sind da nicht so kreativ wie Frauen. Aber das wussten wir ja schon.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer.

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