Kreditderivate-Handel am Pranger

Die internationale Wirtschaftspresse fordert angesichts der griechischen Finanzkrise eine stärkere Regulierung des Derivatehandels. Der Economist und die Financial Times kommentieren den Einstieg von Indiens größtem Mobilfunkanbieter in Afrika. Vedomosti beleuchtet russische Pläne für ein eigenes „Silicon Valley“. Fundstück: Parmesan statt Edelmetall für Olympioniken.

Das Wall Street Journal meint, dass der „griechische Notfall“ die Notwendigkeit einer Reform beim Handel mit Kreditderivaten wie den CDS noch ein Mal vor Augen geführt habe. Wenig Transparenz und versteckte Hebelwirkungen dieser Wertpapiere, die nicht an der Börse gehandelt würden, hätten bereits 2008 das Systemrisiko vergrößert. Aufseher und Politiker hätten seitdem jedoch keine echten Verbesserungen erreicht. Zwei Sachen müssen laut WSJ passieren: „Preise und Volumen der Swap-Geschäfte müssen offengelegt werden. Das würde Investoren zeigen ob die Preise die wirkliche Marktstimmung spiegeln“, meint das Blatt. Zweitens müssten alle nicht an der Börse gehandelten Derivate zentral verrechnet werden. Ein wichtige Lehre aus der Griechenland-Krise ist, dass ein hervorragender Handelspartner schon morgen zu einem schrecklichen werden könnte.

Auch die Financial Times Deutschland kritisiert, dass „Spekulanten mit Credit Default Swaps über die Kosten entscheiden, die den Staaten bei der Kreditaufnahme entstehen“. Dies sei jedoch kein Naturzustand, sondern ein Zustand den uns die Politiker eingebrockt hätten. Den Banken und Fonds gehe es gar nicht um Absicherung von Krediten, sondern um Spekulation. „Man kann mit ihnen vorzüglich darauf wetten, dass sich die Kreditwürdigkeit eines Landes oder Unternehmens verschlechtert und die Kurse der von ihm emittierten Bonds fallen. Nicht nur das, man kann diese Entwicklung durch kräftige CDS-Käufe und damit steigende CDS-Preise auch herbeiführen“, erklärt das Blatt. Obwohl auch bekannt sei, dass der Anstieg der CDS-Prämien im Fall Griechenland dem Kursverfall griechischer Staatsbonds häufig massiv vorausgelaufen sei, und obwohl bisher keine guten Gründe für die Existenz der CDS vorgebracht worden seien, gehörten sie nach wie vor fest zu den internationalen Finanzmärkten. „Die Finanz- und Wirtschaftspolitik unterwirft sich dem Diktat erratischer Märkte“, schimpft die Zeitung.

Die Griechenland-Krise hat einen „ernsthaften Subprime-Touch“ bekommen, schreibt der australische Business Spectator, und zwar seit bekannt geworden sei, wie Investmentbanken von der Wall Street dem Land geholfen hätten, seine Schulden zu verschleiern und dabei noch Hunderte Millionen Euro verdienten. Die Wall Street-Taktiken hätten ihren Anteil zur schwierigen finanziellen Lage Griechenlands geleistet und den Euro untergraben. „Griechenland konnte die Transaktionen als Währungsgeschäfte und nicht als Anleihen verbuchen, und bot den Banken im Gegenzug künftige Staatseinnahmen“, erläutert die Zeitung. „Im Ergebnis hat Griechenland nun einen Großteil seiner künftigen Einnahmen, etwa aus Flughafengebühren oder der Lotterie, den amerikanischen Banken überschrieben“. Die Europäische Union müsse sich reichlich Vorwürfe gefallen lassen, nicht genauer auf die griechischen Finanzen geschaut zu haben.

Nach Ansicht der Börsen-Zeitung versucht die Bundesregierung, die Debatte um eine mögliche Rettung Griechenlands „unter der Decke zu halten“, vor allem weil sie ihr innenpolitisch sehr wehtäte. Denn klar sei, dass Deutschland wesentliche Teile eines Rettungspakts, das die Staats- und Regierungschefs gerade bei ihrem informellen Treffen mit Blick auf die Stabilität des Euro global versprochen hätten, würde schultern müssen.  „Doch auch das vergleichsweise reiche Deutschland muss kämpfen“, warnt die Zeitung. Der Maastricht-Vertrag sei hierzulande ebenfalls verletzt und der Weg zur Konsolidierung schwer genug. Spielraum, auch noch die Probleme anderer Länder zu lösen, gebe es nicht. „Höhere Steuertarife für bestimmte Verbrauchsgüter und geringere Zulagen für öffentlich Bedienstete – wie sie Griechenland nun einführen muss – wären auch hier die Folgen, wenn Athen diese Auflagen nicht verwirklicht“, prophezeit das Blatt.

Indische Mobilfunker entdecken Afrika

Der größte indische Mobilfunkanbieter Bharti Airtel dränge auf den afrikanischen Wachstumsmarkt, berichtet das Wirtschaftsmagazin Economist. Die Inder seien in Verhandlungen mit der kuwaitischen Telekomgesellschaft Zain, um deren Afrikageschäft für mehr als zehn Milliarden Dollar zu übernehmen. Sollte der Deal klappen, bekomme Bharti rund 42 Millionen Kunden in 15 afrikanischen Ländern. „Auch wenn der indische Mobilfunkmarkt boomt, hat sich das Wachstum verlangsamt; es herrscht unerbittlicher Preiskampf zwischen den zwölf Anbietern in dem Land“, schreibt das Magazin zu den Hintergründen der Offensive. Afrika dagegen sei eine der am schnellsten wachsenden Regionen in diesem Geschäft. „Die Inder haben viele Erfahrungen damit, wie man in einem armen Land und bei steigendem Wettbewerb Profite macht“, ist das Blatt zuversichtlich.

Nach zwei fehlgeschlagenen Fusionsversuchen von Bharti Airtel mit den südafrikanischen MTN gelingt den Indern letztendlich der Einstieg in Afrika, bemerkt die Financial Times anerkennend. Der Preis von 10,7 Milliarden Dollar sei zwar nicht gering, doch der Wettbewerb im heimischen Markt habe zunehmend gedrückt. Afrika sei dagegen noch ein offenes Feld. „Doch warum wollte die kuwaitische Zain ihr Afrikageschäft verkaufen“, fragt die Zeitung. Erstens hätten einige Aktionäre Bargeld benötigt, und zweitens habe Zain zu wenig Profit aus dem Afrikageschäft schlagen können. „Für die Kuwaitis hat Afrika 45 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet, allerdings nur zehn Prozent des Gesamtprofits abgeworfen“, berichtet das Blatt. Kein Wunder, dass die Aktionäre von Bharti Airtel nervös seien. Der Aktienkurs von Bharti sei am Montag um neun Prozent eingebrochen.

Fusion keine Sache der Politik

Die spanische Regierung interessiert sich nicht für Spekulationen über eine mögliche Fusion zwischen Telefónica und Telecom Italia, zitiert die Wirtschaftszeitung El Economista den spanischen Industrieminister Miguel Sebastián. Viele Unwahrheiten seien in letzter Zeit über die beiden Unternehmen verbreitet worden, habe der Minister während seiner Eröffnungsrede des Mobile World Kongresses in Barcelona festgestellt und bekräftigt, dass sich die spanische Regierung aus sämtlichen Verhandlungen zwischen privaten Unternehmen heraushalte. Diese Haltung habe er auch seinem Kollegen, dem italienischen Industrieminister Claudio Scajola nahegelegt. Immer wieder sei in den letzten Wochen über eine bevorstehende Fusion zwischen Telefónica und Telecom Italia spekuliert worden, was zu einem rasanten Kursanstieg der Aktie von Telecom Italia geführt habe. Weniger begeistert habe die Regierung in Rom reagiert und ihrer Sorge Luft gemacht, das italienische Fernmeldenetz könne womöglich in ausländische Hände gelangen.

Russland plant eigenes „Silicongrad“

Die russische Regierung plane als Gegenstück zum amerikanischen Silicon Valley, eine eigene „Innovationsstadt“ zu errichten, meldet die Wirtschaftszeitung Vedomosti. Der Bedarf an Modernisierung und Innovationen sei in letzter Zeit eines der wichtigsten Themen der Regierung, allerdings habe die Führung keinen echten Plan. „Die staatlichen Wagniskapital-Fonds, der Nanotechnologie-Konzern Rosnano und die Entwicklungsbank haben mehr als bescheidene Ergebnisse erzielt“, kritisiert das Blatt. Die Regierung meine, dass allein die staatliche Nachfrage Anreize für Innovationen schaffen könne. „Innovationen sind jedoch Ideen, die Unternehmen Vorteile im Wettbewerb verschaffen und keine Vorteile bei der Besteuerung“, moniert das Blatt. Bisher blieben die Innovationen für den Präsidenten Dmitri Medwedew und Premier Wladimir Putin vor allem ein Selbstzweck, unabhängig vom Markt und Konsumenten.

Fundstück: Parmesan statt Edelmetall für Olympioniken

Die Winterspiele sind die Olympiade, bei der Amerika nicht von China, sondern von Deutschland überholt werde, erklärt das amerikanische Wirtschaftsmagazin Smart Money. Diesmal könnten die Amerikaner jedoch etwas besser abschneiden als in Turin 2006. Was gebe es da Besseres als viel Edelmetall, das ständig im Wert steige, um die Athleten zu belohnen? Smart Money macht einige Vorschläge. Silber habe etwa im Vergleich zum Jahr 1980 an Wert verloren, Käse dagegen 68 Prozent zugelegt. „Vielleicht sollte jeder Zweitplatzierte lieber einen Laib Parmigiano Reggiano bekommen“, schlägt das Magazin vor. Gold sei seit 1980 gestiegen – um 82 Prozent. Noch besser aber sei es Kupfer ergangen. „Vielleicht ist es an der Zeit, Bronze vom dritten Platz zu befördern. Oder wir nehmen statt Gold einfach Heizöl, das sich zu 1980 ebenfalls im Preis verdreifacht hat“, scherzt die Zeitung.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer

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