Bei Barclays stinkt weder Geld noch Eigenlob

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Die internationale Wirtschaftspresse gratuliert Barclays zum finanziellen Comeback. Die New York Times und Japans Asahi Shimbun kritisieren Griechenlands Schleiertänze. Die US-Behörden haben Toyota am Wickel, meldet CNN Money. Und der Business Spectator will Chinas fehlende Billionen gefunden haben. Fundstück: Der Streik der Eismaschinen.

Barclays Präsident Robert Diamond lobt sich selber und seine Kollegen: Man könne „immens stolz sein“ auf das Geleistete. Er meint den für 2009 erwirtschafteten Rekordgewinn der britischen Bank von 11,6 Milliarden Pfund Sterling, meldet der Guardian. Diamond, der selber auf seinen Bonus für 2009 verzichtet, fragte gleichzeitig, warum sich die Welt über die geplanten Bonuszahlungen von 2,2 Milliarden Pfund an seine Mitarbeiter so aufrege. Barclays habe schließlich anders als die Royal Bank of Scotland oder Lloyds keine Milliardenstützen vom Steuerzahler gebraucht, um die Bank vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Barclays verkaufte stattdessen Aktien an Investoren im Nahen Osten. Die 23.000 Mitarbeiter von Barclays Capital sollen einen durchschnittlichen Bonus von 95.000 Pfund erhalten und damit eine durchschnittliche Gesamtvergütung von 191.000 Pfund.

Das Wall Street Journal schreibt den Erfolg von Barclays der mutigen Übernahme der nordamerikanischen Geschäfte der gescheiterten Bank Lehman Brothers zu, die der Amerikaner Diamond im September 2008 innerhalb weniger Stunden durchsetzte. Barclays Chief Executive John Varley nutzte das gute Ergebnis, um die Vorteile großer, komplexer Finanzinstitutionen zu betonen – Bemerkungen, die ganz klar gegen die Vorschläge der US-Regierung zur weiteren Regulierung gerichtet seien. Varley meint, „große Banken diversifizieren Risiko, anstatt es zu aggregieren“, schließlich habe der starke Arm im Investmentbanking Barclays geholfen, die hohen Verluste in anderen Bereichen zu verdauen.

Auch die Börsen-Zeitung gratuliert Barclays dafür, sich ohne staatliche Hilfen durch die Finanzkrise manövriert zu haben, denn dieses Kunststück sei nur zwei der vier britischen Großbanken gelungen. Das erstaunliche Rekordergebnis im Jahr eins nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers sei jedoch vor allem dem Milliardengewinn aus dem Verkauf der Fondssparte BGI an Blackrock geschuldet. Insofern sei es schon fraglich, wie nachhaltig die operativen Fortschritte bei Barclays tatsächlich seien. Mit einem Anteil von einem Drittel an den Konzernerträgen spiele das Investmentbanking eine geringere Rolle als bei Konkurrenten wie der Deutschen Bank. Vorsichtiger als andere agiere Barclays auch auf wachstumsstarken Schwellenmärkten, in denen die Bank in kurzer Zeit zu viel wollte und nun erst einmal mehr Wert auf Profitabilität legen müsse. Immerhin: Lohn der Anstrengungen sei ein fast verdreifachter Aktienkurs seit Februar 2009.

Foto: Barclays


Griechenland unter Zwangsverwaltung

Brüssel erwartet bin zum Ende der Woche konkrete Angaben aus Athen, welche komplexen Finanzinstrumente verwendet wurden, um die steigende Staatsverschuldung zu verschleiern, meldet die New York Times. Diese Ankündigung folgte nach einem Treffen der europäischen Finanzminister, die der Regierung in Athen weitere Sanktionen androhten, falls sie nicht minutiös nachweise, dass ihr Konsolidierungsprogramm die Verschuldung bis zum Jahresende von 12,7 Prozent des BIP auf 8,7 Prozent drücken wird. Im Hinblick auf den Einsatz von komplizierten derivativen Swaps, die den EU-Behörden nicht gemeldet wurden, kündigte EU-Kommissar Olli Rehn eine weitreichende Untersuchung an. Sollten sich Unregelmäßigkeiten herausstellen, würden weitere Maßnahmen folgen. Auch die beteiligten Banken müssten sich fragen, ob sie sich ethisch verhalten hätten.

Die japanische Asahi Shimbun fragt, wie der einheimische Steuerzahler wohl reagieren würde, wenn er für den Bankrott eines anderen Landes zahlen müsse. Sicher werde es Widerstand von Seiten der Steuerzahler geben, wenn diese die „Unordnung aufräumen müssten“, die in Griechenland herrsche. Bei den Deutschen beispielsweise sei die Stimmung dahingehend, dass sie die Regierung eher von Rettungsaktionen abhalten würden. Ein kurzfristig anberaumter EU-Gipfel habe gezeigt, dass Europa in der Zwickmühle sei: Auch wenn es Griechenland aktive Hilfe versprochen habe, gebe es doch wenig Zustimmung zu konkreter finanzieller Unterstützung. Das Problem, sei dass die Euro-Zone nicht als Staat funktioniere, so dass die Lösung eines Problems von solcher Tragweite eben schwierig sei.

Toyota zu langsam

Die US-Behörden verdächtigen Toyota, sie nicht schnell genug über die Sicherheitsmängel informiert zu haben, die mittlerweile rund sechs Millionen Autos in den USA betreffen, meldet CNN Money. Eigentlich muss die National Highway Traffic Safety Administration innerhalb von fünf Tagen von möglichen Defekten unterrichtet werden. Die Behörde strenge nun eine Untersuchung der Vorgehensweise Toyotas an und konzentriere sich dabei auf die Frage, wann und wie Toyota die Mängel entdeckte und ob das Unternehmen danach wie gewohnt weiter produzierte. Der Hersteller habe nun 30 Tage, um entlastende Dokumente beizubringen und 60 Tage, um zu beweisen, dass die Rückrufaktion adäquat war. Sollten das Unternehmen sich regelwidrig verhalten haben, könnte eine Rekord-Strafe von bis zu 16,4 Millionen Dollar drohen.

Chinas fehlende Billionen

Morgan Stanley vermutet, dass Chinas Angaben zum Bruttosozialprodukt für 2008 rund 30 Prozent zu niedrig ausfielen, meldet Australiens Business Spectator. Offiziellen Angaben zufolge lag das BSP der Volksrepublik bei 4,4 Billionen, doch die Investmentbank halte 5,7 Billionen für wahrscheinlicher. Ebenso vermutet die Bank, dass die Konsumentenausgaben pro Kopf in Wahrheit knapp 80 Prozent über dem lagen, was China offiziell angibt. Das seien gute Nachrichten, findet das Blatt, bedeute es doch, dass das Ungleichgewicht zwischen den Exporten Chinas und seiner Binnennachfrage nicht ganz so dramatisch sei wie von vielen Marktbeobachtern angenommen.

Milliarden für die Atomwirtschaft

US-Präsident Barack Obama will das Unternehmen Southern Co mit 8,3 Milliarden Dollar für den Bau von zwei Reaktoren im Bundesstaat Georgia unterstützen, meldet Reuters. Die Nuklearanlage wäre die erste neue seit 30 Jahren und könnte bis 2017 ans Netz gehen. „Um unseren wachsenden Energiebedarf zu decken und die schlimmsten Konsequenzen des Klimawandels abzuwenden, müssen wir ganz einfach unseren Anteil an Nuklearenergie vergrößern,“ sagte Obama. Er wolle sich so die Unterstützung der Republikaner für seine Energiepolitik sichern, vermutet die Agentur. Ob das gelinge, sei jedoch fraglich, weil die Opposition die Pläne der Regierung für einen Emissionshandel ablehne. Zunächst einmal profitierte nicht das Klima, sondern die Energiewirtschaft: Der Aktienkurs von Southern Co legte 2,3 Prozent zu und zog andere Stromversorger mit sich.

Fundstück: GM ist an allem schuld

In der Welt der Eisaufbereitungsmaschinen sei eine Zamboni, was das Tempo unter den Taschentüchern sei. Sportveranstalter, die etwas auf sich halten, ließen daher ihr Eis von Zambonis glätten. Nicht so bei den Olympischen Spielen in Vancouver. Da seien Geräte der Marke Olympia im Einsatz, und seither gehe nichts mehr, berichtet die Financial Times Deutschland. „Kreuzgefährliche“ Pfützen und Rillen löcherten die olympische Bahn. Der böse Verdacht: Schuld an allem sei General Motors, ein Hauptsponsor der Spiele. GM stellt Chassis und Elektromotor der Zamboni-Konkurrenz Olympia her. Zamboni hingegen hat jahrzehntelang Motoren des GM-Konkurrenten Ford bevorzugt. Die Verbandsvertreter der Eisläufer witterten nun ein Komplott: Sponsoreninteressen, nicht Qualitätsfragen sollen die Auswahl der Maschinen bestimmt haben. Die Organisatoren schwiegen dazu und ließen aus dem 1000 Kilometer entfernten Calgary eine Zamboni einfliegen.

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Mitarbeit: Kerstin Herrn.

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