Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert weiter über Schuld und Folgen der Griechenland-Misere. Vedomosti berichtet über einen Korruptionsfall von Ikea in Russland. Expansión beobachtet den Siegeszug der auf erneuerbare Energien spezialisierten Firmengruppe Renovalia in Mexiko. Fundstück: Bei Ken allein zu Haus.
Die griechische Regierung soll 2008 gegenüber dem europäische Statistik-Amt Eurostat behauptet haben, keine komplexen Finanztransaktionen wie Cross-Currency-Swaps eingesetzt zu haben, um das eigene Budget-Loch zu verschleiern. Dies berichtet das Wall Street Journal . „Die Bilanzierungsregeln der EU für Derivate sind unklar, dennoch hat Eurostat in den vergangenen Jahren mehrere Berichte dazu vorgelegt, wie die Regierungen diese Transaktionen erfassen sollen“, schreibt das Blatt. Athen habe gestern erklärt, dass die Cross-Currency-Swaps 2001 keinen Einfluss auf die Entscheidung genommen hätten, ob Griechenland in die Euro-Zone eintreten darf – damals sei das Land bereits Mitglied gewesen. Die betreffende Transaktion sei ein „herkömmliches Swap-Geschäft“ gewesen, zitiert das Wall Street Journal in einem weiteren Artikel den früheren Finanzminister Yannos Papantoniou.
Die Financial Times Deutschland kritisiert die Vorurteile der „Normalbürger“, Kommentatoren, Fernsehmoderatoren und Wissenschaftlern mit Blick auf die Griechenlandkrise, die aus deren Sicht quasi genetisch bedingt sei. „Mit den Details des Problems muss man sich da gar nicht mehr befassen. Immer kräftig drauf auf die Ouzotrinker.“ Vor diesem Hintergrund sei die Gefahr der Griechenlandkrise für Deutschland keine ökonomische – es gehe gerade mal um zwei Prozent Wirtschaftsleistung der Euro-Zone. „Die Gefahr ist, dass wir von dem hohen moralischen Ross, auf das wir uns gerade setzen, nicht herunterkommen.“
Das Wirtschaftsblatt aus Österreich warnt vor dem täglichen Kesseltreiben an den Märkten, das seit Lehman zu beobachten sei und das durch düstere Prophezeiungen ausgelöst werde. Die aktuellen Zahlenspiele und Horrorszenarien weckten Erinnerungen an Prophezeiungen u.a. von Nobelpreisträger Paul Krugman vor einem Jahr, nach denen die osteuropäische Kreditblase platzen werde.
Banken-Bashing hausgemacht
Wer hat Schuld am Banken-Bashing?, fragt die Börsen-Zeitung. Und antwortet: Zunächst die Banker selbst. Eine im Urteil der öffentlichen Meinung „außer Rand und Band geratene Branche“ mit von „Gier und Dummheit“ getriebenen Akteuren dürfe sich nicht wundern. Dabei werde aber von denen, die die Prügel austeilten, allzu gerne übersehen, dass nur eine kleine radikale Minderheit der Banken das System an den Rand des Abgrunds getrieben habe. „Zum anderen gilt es doch festzuhalten, dass volljährige Geldanleger, wenn nicht eine einschlägige gesundheitliche Beeinträchtigung oder eine kriminelle Handlung vorliegt, für ihre Anlageentscheidungen grundsätzlich selbst verantwortlich sind.“
Ikeas russischer Korruptionsskandal
Ikea, das immer stolz auf seine Ablehnung von Korruption verwiesen hat, steckt in Russland mitten in einem Korruptionsskandal, berichtet Vedomosti. Zwei – mittlerweile entlassene – Top-Manager hätten demnach Schmiergeldzahlungen eines beauftragten Bauunternehmens an die Petersburger Stadtwerke bei der Errichtung eines Ikea-Marktes in Sankt-Petersburg toleriert. Das sei sicherlich nicht der einzige Fall für Ikea. „Schmiergeld zahlen alle und in zunehmend größerem Ausmaß“, kritisiert das Blatt. Die Unternehmen seien schlichtweg gezwungen zu zahlen, um alle nötigen Genehmigungen fristgerecht zu erhalten. Andernfalls müssten sie die Gesetze brechen, um ihre Verträge mit den anderen Mietern nicht zu verletzen. Ikea habe einen Mittelweg gewählt und bei jedem neuen Einkaufscenter Probleme gehabt. So habe im Moskauer Vorort Chimki erst die Spende von einer Million Dollar für den lokalen Jugendsport die einjährige Wartezeit beendet. In Samara habe sich die Eröffnung um ganze drei Jahre verzögert. „Das Warten erschien dem Konzert wohl zu teuer“, vermutet die Zeitung.
Google will teilen
Google sei bereit, nach Formeln für eine Umsatzbeteiligung der Netzbetreiber zu suchen, berichtet die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días vom Mobile World Congress in Barcelona. Google-Geschäftsführer Eric Schmidt habe klargemacht, er wolle aktiv auf Telekommunikationsdienstleister wie Telefónica zugehen und nach Möglichkeiten für eine bessere Zusammenarbeit suchen. Mit dieser Stellungnahme mache das Unternehmen deutlich, dass es keine Konfrontation mit den Netzbetreibern riskieren wolle. Erst vor wenigen Tagen habe sich César Alierta, der Präsident von Telefónica, über die Ungerechtigkeit der aktuellen Situation beschwert und von Google gefordert, sich an den Instandhaltungs- und Investitionskosten der Netzbetreiber zu beteiligen.
Renovalia schnell wie der Wind
„Schnell wie der Wind“ entwickele sich das Geschäft von Renovalia in Mexiko, titelt die spanische Wirtschaftszeitung Expansión. Eben erst habe die auf erneuerbare Energien spezialisierte Firmengruppe mit dem Bau des zweitgrößten Windparks in Mexiko begonnen. Durch die Investition von 300 Millionen Euro in das Projekt positioniere sich Renovalia optimal auf einem Energiemarkt mit viel Potenzial für einen weiteren Ausbau der Windenergie, beobachtet die Zeitung. Bis zu 871 Gigawatt Strom werde die neue Anlage pro Jahr generieren, was einem Jahresverbrauch von 200.000 Haushalten entspreche. Zusätzlich werde die neue Windkraftanlage den Kohlendioxid-Ausstoß der Region um eine halbe Million Tonnen reduzieren, versichere das Unternehmen.
Italiens Tourismusbranche unter Druck
Am Vorabend der BIT, der internationalen Tourismusbörse in Mailand, hat die italienische Statistikbehörde ISTAT die aktuellen Zahlen der Weihnachtsferien vorgelegt, berichtet der Wirtschaftstitel ildenaro.it Die Vereinigung der italienischen Reisebranche Fiavet habe von einem katastrophalen Jahr 2009 gesprochen; und der Anfang des Jahres 2010 sei auch nicht beruhigend verlaufen. Zwischen dem 23. Dezember und 6. Januar seien zwar mehr Urlauber gekommen, diese seien jedoch kürzer geblieben, so das Blatt. Das Plus bei den ausländischen Touristen sei vor diesem Hintergrund kein Trost.
Fundstück: Bei Ken allein zu Haus
Freunde der Finanzbranche, die nicht in den Genuss kamen, von Ex-Bank of America-CEO Kenneth Lewis zum Dinner eingeladen worden zu sein, können ihre Neugierde auf dessen Wohnsitz jetzt befriedigen. Der Ex-Banker verkauft gerade sein bescheidenes Eigenheim in Charlotte, North Carolina für schlappe 4,5 Millionen Dollar, berichtet das Wall Street Journal. In dem 790 Quadratmeter großen Schlösschen, das auf einem 5200 Quadratmeter großen Grundstück steht, gibt es, wie der Makler verspricht, luxuriöse Bäder, eine Garage für drei Autos und „förmliche Gärten“. Die Bilder zeigen, dass Lewis eine Schwäche für Marmor und historische Möbel hat.
Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Maxim Kireev
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