Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert kontrovers über die Bilanz von Daimler. Reuters ist empört über die Geschäftspraktiken von JP Morgan Chase. Laut BusinessWeek hat es nur Angela Merkel in der Hand, Europa vor sich selbst zu retten. Fundstück: Bernanke fassungslos.
Das Wall Street Journal verteidigt Daimler, nachdem die Aktie gestern bis zum Nachmittag sechs Prozent an Wert verloren hatte. „Der Auto- und Truckhersteller sollte nach seinen Zukunftsaussichten und nicht nach seiner Vergangenheit beurteilt werden – und die sehen besser aus als die vieler Wettbewerber.“ Mitten in der Wirtschaftskrise habe Daimler massiv in die Entwicklung investiert, was dem Unternehmen in den kommenden zwei Jahren neben den herkömmlichen besonders energieeffizienten Autos eine breite Palette an Hybrid-, Elektro- und Truck-Modellen in den Showrooms bescheren werde.
Auch die Financial Times Deutschland geht davon aus, dass der Absturz von Daimler vorüber ist. Wichtige Indikatoren zeigten nach oben: Der Automarkt werde in den nächsten zehn Jahren dank des Geschäfts in Asien solide wachsen; die neuen Modelle der S- und E-Klasse verkauften sich passabel.
Das Manager Magazin fragt, warum sich Daimler-Chef Dieter Zetsche gestern so gut gelaunt präsentiert hat. Dies sei damit zu erklären, dass der Vorstand vor einem Jahr vor dem Nichts gestanden habe. Die gesamte Branche habe tief in der Krise gesteckt. In diesem Jahr erwarte Zetsche demgegenüber wieder einen Gewinn.
US-Notenbank strafft die Zügel
Wann kommt der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik, rätselt die Finanzwelt seit Monaten. Jetzt hat die US-Notenbank ein erstes deutliches Signal gesetzt: Die Fed hob den Diskontsatz, über den sich Geschäftsbanken bei der Notenbank kurzfristig Geld leihen, um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent. Laut Wall Street Journal hat die Fed jedoch betont, dass dies kein Schritt zur Straffung der Kreditmärkte sei. „Der Schritt macht Sinn und ist überfällig, weil das Finanzsystem auf dem Weg zur Erholung ist“, applaudiert das WSJ. Die lockere Geldpolitik der Fed über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr trotz der sich abzeichnenden Gesundung bedeute, dass wir uns „auf unbekanntem Terrain“ mit Blick auf den Preisdruck befänden. „Je früher die Fed die Rückkehr zum Normalzustand beginnt, desto besser die Chancen auf ein dauerhaftes Wachstum.
Von JP Morgan übers Ohr gehauen
Der Wirtschaftsdienst Reuters ist empört über die Geschäftspraktiken von JP Morgan Chase. Im Zentrum steht ein Gerichtsprozess zwischen der Bank und Empresas Cablevisión, einer Tochter des mexikanischen Medienunternehmens Televisa. Laut Reuters hat die US-Großbank versucht, Firmengeheimnisse eines ihrer ältesten Kunden in Mexiko an einen der größten Rivalen, Carlos Slim, zu verkaufen: in Form eines Kredites, dessen Klauseln Televisa zwingen sollten, jegliche Information dem Kreditgeber zu offerieren. Den Kredit habe Televisa für die Übernahme des Glasfaserkabel-Unternehmens Bestel benötigt. Auf der Suche nach einem Partner für den syndizierten Kredit habe sich die Bank ausgerechnet an Inbursa, die Bank des mexikanischen Telekom-Unternehmers Slim, gewandt – eine Allianz, die ein Gericht jetzt untersagt habe.
Merkel, die Retterin
Die BusinessWeek widmet sich in einem großen Artikel der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die „mächtigste Staatschefin Europas“ habe es allein in der Hand, „Europa vor sich selbst zu retten“. Merkel sei die Schlüsselfigur bei den Bemühungen der EU, Griechenland zu retten. Zwar betone die Kanzlerin, dass sie die Hilfe an harte Reformbedingungen für die Griechen knüpfe. Gleichwohl werde sie am Ende auch bei nur zögerlichen Reformen viel Geld hinblättern müssen, weil sie es sich nicht leisten könne, dass der Euro durch weitere Attacken und den drohenden Kollaps von Spanien, Portugal und Italien noch stärker beschädigt werde. Bei der ökonomischen Erholung Europas werde Merkel zwangsläufig Deutschland eine größere Rolle zuweisen müssen, da es im Interesse Deutschlands liege, dass die Export-Märkte wieder gesund und stabil werden. Merkel werde zunächst dafür sorgen müssen, dass die Bedingungen für die Hilfe Griechenlands sowie die Kontrolle so hart ausfallen, dass kein anderes Land dem Beispiel folgen wolle.
Fundstück: Bernanke fassungslos
Die News-Parodie-Seite The Onion berichtet von einem denkwürdigen Auftritt von Fed-Chef Ben Bernanke. Die Meldung beginnt so: „Die US-Wirtschaft hat in dieser Woche aufgehört zu funktionieren, nachdem der Federal Reserve-Chairman Ben Bernanke die Amerikaner mit der Bemerkung schockte, Geld sei nur ein bedeutungsloses und unfassbares soziales Konstrukt.“ Mitten in einer Rede zur Leitzinspolitik der Fed habe Bernanke gestockt, den Kopf geschüttelt und erklärt: „Wissen Sie was? Das ist alles egal. Dieses ganze Zeug, das man Geld nennt, hat keinerlei Bedeutung.“ Dabei habe er aus der Brieftasche Geldscheine gezogen und langsam vor sich ausgebreitet, mit den Worten: „Bedeutungsloses Papier, mit aufgedruckten Nummern.“
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