Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Streiks bei der Lufthansa. Das WSJ hinterfragt die Übernahme von Smith International durch Schlumberger. Laut Report on Business ist Kalifornien das Griechenland der USA. La Tribune sieht den Chef der Société Générale angezählt. Fundstück: Alan Greenspans Lack ist ab.
Die Lufthansa-Piloten streikten zu Recht, meint die Financial Times Deutschland . Im deutschen Recht sei ausdrücklich vorgesehen, dass auch Spartengewerkschaften ein Streikrecht hätten. Insofern treffe derjenige, der die Piloten – oder die Krankenhausärzte oder die Lokführer – schlage, immer auch den Gesetzgeber. Für die Piloten erkennt das Blatt jedoch einen Sonderfall: Die Berufsgruppe sitze nicht nur am Schaltknüppel eines Flugzeugs, sondern trage auch im Ausstand eine besondere Verantwortung.
Aus Sicht des französischen Wirtschaftsblatts Les Echos illustriert der Konflikt bei Lufthansa die wachsende Sorge der deutschen Arbeitnehmer, ihren Job zu verlieren. „Für sie scheint die Erholung der deutschen Wirtschaft, immerhin die Nummer Eins in der Europäischen Union, zu stagnieren.“ Die jüngsten Tarifabschlüsse bei Volkswagen und in der Metallindustrie untermauere dies: „Arbeitsplatzsicherheit im Tausch gegen Lohn- und Gehaltskürzungen scheint derzeit die beste Reaktion auf die Angst der deutschen Verbraucher zu sein.“
Das Manager Magazin geht davon aus, dass sich die volkswirtschaftlichen Folgeschäden des Streiks in Grenzen halten. So habe zwar Lufthansa Cargo mit all ihren Tochtergesellschaften einen Anteil am weltweiten Luftfrachtverkehr von zehn Prozent. Von den 40 durch den Streik betroffenen Flügen habe die Lufthansa jedoch nach eigenen Angaben 90 Prozent neu organisieren können.
“Schlumberger übernimmt Smith International für ca. elf Milliarden Dollar – und zementiert damit seine Position als weltweit größtes Unternehmen im Bereich Ölfelddienstleistungen”, kommentiert das Wall Street Journal den bislang kostspieligsten Deal in diesem Jahr. Der Preis liege deutlich über dem von Analysten erwarteten, doch die “Investition” lohne sich für Schlumberger. “Es gab seit längerem Gerüchte über den Zusammengang der beiden Konkurrenten, die bereits zusammenarbeiten und ein Joint Venture für die Herstellung von Schmiermitteln betreiben. Nun steigt Schlumberger auch im Wettbewerb um Bohrer zu einem Schwergewicht auf – einer der wenigen Bereiche, in dem Schlumberger bislang nicht mitmischen konnte.”
Die Übernahme, so das Blatt weiter, setze eine Entwicklung fort: So habe Weatherford 500 Millionen Dollar für das Ölfeldservicegeschäft der russischen Ölfirma TNK-BP gezahlt, und Baker Hughes werden den kleineren Konkurrenten BJ Services für rund 5,5 Milliarden Dollar übernehmen. “Finanzielle Größe und eine breite Produkt- und Dienstleistungspalette werden in diesem Sektor immer wichtiger: Immer mehr Öl wird außerhalb der USA gefördert, von oftmals staatlichen Firmen. Und die erwarten einen Komplettservice.” Eine neuerliche Übernahmewelle sei aber nicht zu erwarten: Zwar erhöhe sich nun der Druck auf Rivalen wie Halliburton, Baker Hughes oder Weatherford. Doch der Deal zwischen Schlumberger und Smith ändere den Sektor nicht so dramatisch, dass nun rasche, drastische Reaktionen folgten.
“Schlumberger war Pionier bei der Entwicklung von Techniken und Ausstattungen zum Richtbohren”, merkt die Financial Times an. Öl- und Gasbohrungen seien horizontal erweitert worden, manchmal mehrere Meilen von der Bohrinsel entfernt, um auf Öl- oder Gasvorkommen zu stoßen. “Doch Schlumberger fehlten bislang zwei Produkte, die Smith nun mitbringt: Die Bohrer und die Flüssigkeiten, die den Bohrprozess schmieren.” Die Übernahme des Konkurrenten ermögliche es Schlumberger, alle Komponenten des Bohrprozesses zusammenzubringen – und so noch anspruchsvollere, integrierte Systeme zu entwicklen.
Aus Sicht von BusinessWeek ist der Deal auch für Smith mehr als vorteilhaft: Das Unternehmen habe zuletzt eine recht schwache Bilanz aufgewiesen und verfüge letztlich nur über eine kleine Produktpalette, so ein Analyst gegenüber dem Blatt. Langfristig sei es deshalb besser gewesen, von einem starken Konkurrenten geschluckt zu werden. Welche Auswirkungen die Übernahme für die Handelsspannen von Schlumberger haben werde, sei dagegen noch ungewiss: Smiths Produkte seien aufwendig in der Herstellung, und generierten deshalb schmale Handelsspannen. “Die Übernahme von Smith konnte die Marke Schlumberger als Technologielieferant mit hohen Margen schwächen”, warnt das Blatt. Auch müsse der Deal noch kartellrechtlich geprüft werden. Nach Einschätzung von Insidern überschneiden sich die Geschäftsfelder der beiden Unternemen aber nur marginal.
Kalifornien ist das Griechenland der USA
“Griechenlands Zustand ist miserabel, doch nichts im Vergleich zu Kalifornien”, warnt das kanadische Portal Report on Business. Wäre Kalifornien ein Staat für sich, würde dieser Rang 8 in der Liste der größten Wirtschaftsnationen einnehmen. Die Gefahr, die von dem Bundesstaat für die gesamte US-Wirtschaft ausgehe, sei deshalb sehr groß: “Kalifornien trägt 13 Prozent zur Wirtschaftsleistung der USA bei, Griechenland nur zwei Prozent zu der Europas.” Gefangen in patriotischem Gezänk, sei Kalifornien nicht in der Lage, seine Finanzen zu managen. “Trotz Steueranhebungen und Kürzungen der Staatsausgaben verlangt Gouverneur Arnold Schwarzenegger eine Hilfe von sieben Milliarden Dollar von Washington.” Das Defizit betrage inzwischen 22 Prozent des Bruttosozialprodukts, Serviceunternehmer hätten bereits Schuldscheine erhalten, weil der Staat nicht mehr zahlen könne. Kalifornien sei dabei nur ein Beispiel: 43 US-Staaten kämen zusammen auf ein Defizit von 194 Milliarden Dollar. “Europa sieht sich gezwungen, Griechenland zu helfen. Amerika wird derartige Verpflichtungen auch bald zu spüren bekommen – und Kalifornien beistehen müssen.”
Colonial wieder auf festem Boden
Die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días kommentiert das vorläufige Ergebnis langwieriger Verhandlungen zwischen der Immobiliengruppe Colonial und ihren Gläubigerbanken. Sämtliche Aktiva und die Beteiligung von über 50 Prozent an der französischen Firma SFL habe Colonial als Sicherheiten einsetzen müssen, um den enormen Schuldenberg von knapp fünf Milliarden Euro refinanziert zu bekommen. Zusätzlich werde das krisengeschüttelte Unternehmen sein Stammkapital um 3,3 Milliarden Euro erhöhen. Das habe zur Folge, dass zukünftig 90 Prozent von Colonial im Besitz ausländischer Banken seien. Dass die Vorstandsspitze der spanischen Immobiliengruppe die Vereinbarungen trotzdem als Sieg feiere, liege wohl auch daran, dass ein Scheitern derselben zum größten Konkurs in der spanischen Geschichte geführt hätte, resümiert die Zeitung.
Die Tage des Société Générale-CEOs sind gezählt
Den Absturz der Aktie der französischen Bank Société Générale an europäischen Börsen kommentiert der französische Wirtschaftstitel La Tribune . “Die Börse ist brutal, doch sie ist das Mittel zur Sanktion für enttäuschte Investoren.” Die Société Générale habe seit der Affäre um den Derivatehändler Jerôme Kerviel nicht den “Gral gefunden, der den Aufschwung verspricht.” Eine Kapitalerhöhung um 4,8 Milliarden Euro und die Hilfsgelder des Staates seien verpufft, die Schlankheitskur des neuen Chefs Frédéric Oudéa habe kaum Wirkung gezeigt, der Blick zur leidenden Tochter TCW in Kalifornien enttäusche die Bank jeden Tag. Selbst die Restrukturierung der russischen Filialen und die nun 100prozentige Kontrolle ihres Schadensversicherungsgeschäfts habe der Bank keinen neuen Atem verleihen können. Oudéa habe nun einen Umbau über fünf Jahre angekündigt, das Programm “Ambition SG 2015″. “Doch die Börse hat ihm signalisiert, dass er sich nicht noch mal irren darf. Seine Tage sind gezählt.”
Fed startet interessante Phase für die Weltwirtschaft
Steigt die US-Notenbank (Fed) aus der Bankenunterstützung aus, fragt sich der Financial Express aus Indien mit Blick auf die Anhebung des Fed-Diskontsatzes um 25 Basispunkte. Dieser Schritt sei zumindest als ein klares Signal dafür zu werten. Wenn eine Exit-Strategie die Zukunft der Weltwirtschaft wirklich beeinflussen könne, dann sei es die der US-Notenbank. Das Finanzsystem sei überflutet worden mit einer große Menge an “billigem Geld”, das habe die Fed besorgt. Wichtig sei aber nun, dass stufenweise Korrekturmaßnahmen folgen. Trotzdem werde nun der Dollar-Kurses wieder steigen, wie sich das auf die amerikanischen Produzenten und den amerikanischen Export auswirke, bleibe abzuwarten. Schließlich hätten die US-Politiker den Dollar zuletzt bewusst “abrutschen lassen”, um die Wirtschaft anzukurbeln. “Soviel aber ist klar: Für die Weltwirtschaft hat eine interessante Phase begonnen.”
Murdoch, der Hohepriester der digitalen Selbstüberschätzung
Der australische BusinessSpectator betrachtet “Rupert Murdochs digitales Desaster” – der Niedergang von MySpace. Seit der Medienmogul das Netzwerk 2005 für 580 Millionen Dollar übernommen habe, gehe es bergab: “MySpace hat an Boden verloren gegen Facebook, sein härtester Konkurrent. Es ist nicht mehr das Netzwerk, bei dem man sich mit seinen Freunden austauscht, und es hat das Potenzial, das Online-Musik bietet, nicht erkannt.” Facebook habe 470 Millionen Nutzer pro Monat, MySpace derzeit 122 Millionen. Zudem verließen mehr und mehr gute Manager MySpace, zuletzt Owen Van Natta. Nun bezweifelten Analysten sogar, dass es MySpace gelinge, seinen 300-Millionen-Werbedeal mit Google zu erneuern, und der “Hohepriester der digitalen Selbstüberschätzung” Murdoch habe zugegeben, dass MySpace nicht da stehe, wo es stehen sollte und müsste. “Murdoch kennt sich in diesem Geschäft überhaupt nicht aus. Wenn jetzt ein einigermaßen vernünftiges Angebot für MySpace käme, würde Murdochs News Corp zugreifen”, vermutet das Blatt.
Fundstück: Alan Greenspans Lack ist ab
Er galt als der coolste aller US-Notenbankchefs und mit seiner Reputation wuchs auch die der Wall Street. Doch nun schwindet die Schönheit aus Alan Greenspans Konterfei: Wie das Wall Street Journal berichtet, fristen die Porträts, die die einst aufstrebende Künstlerin Erin Crowe von Greenspan fertigte, ein jämmerliches Dasein: Zwischen 300 und 10.000 Dollar hätten Greenspan-Anhänger für die Porträts bezahlt, nun versteckten sie diese unter dem Bett oder in der Abstellkammer. Einer meint heute, dass er in dem bebrillten Mann nur noch zwei Marktpleiten sehen könne, den Bärenmarkt und die aktuelle Krise. Und so mancher, der glaubte, mit Verfielfältigungen der Porträts Geld zu verdienen, wurde eines besseren belehrt. “Kunstkenner bezweifeln, dass die Besitzer die Gemälde jemals zu dem Preis verkauft bekommen, den sie selbst gezahlt haben. Sie sind schlicht Produkte ihrer Zeit: Sie wurden gemalt, als die Blase in der Weltwirtschaft anwuchs, und so sind Erin Crows Gemälde letztlich auch nur Blasen.”
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Daniel Lenz.
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