Griechenland zeigt Europas Schwächen

Die internationale Wirtschaftspresse grübelt über die Zukunft der EU nach der Griechenland-Krise. Das Wall Street Journal berichtet über den Katerzustand der europäischen Autoindustrie nach den Abwrackprämien. Laut BusinessWeek ist der Versicherer AIG auf dem Weg der Besserung. Fundstück: Preis schlägt Geschmack beim Wein.

Zu behaupten, die griechische Krise habe ihre Wurzeln im Entwurf der Währungsunion, sei bereits eine Binsenweisheit. „In Wirklichkeit ist es noch viel schlimmer“, schreibt der australische Business Spectator . Die Krise drehe sich um die Basis, auf der Europa bereits sei 60 Jahren gebaut werde. Das Risiko für die EU bestehe darin, dass die Politik – als Reaktion auf die Lage Griechenlands – die europäische Integration stoppe. „Ein logische Antwort wäre die Schaffung eines Mechanismus für große Finanztransfers zwischen den Mitgliedsstaaten oder die Einführung gemeinsamer europäischer Steuern“, analysiert das Blatt. Für solche Schritte gebe es aber keine Anzeichen. „Europa steckt fest“. Die meisten Europäer fühlten sich zu ihrer Nation weitaus mehr hingezogen als zur Union und seien nicht bereit, anderen Ländern unter die Arme zu greifen. Sollten weitere Länder in eine ähnliche Lage kommen, könnte die Euro-Zone schwächere Mitglieder hinausschmeißen. „Bei der Währung wird es allerdings nicht bleiben, denn dann werden Brüssels Vollmachten auch auf anderen Gebieten in Frage gestellt“, prognostiziert die Zeitung. In Griechenland sei mehr auf dem Spiel als nur Geld.

Die Börsen-Zeitung begrüßt dagegen die Tatenlosigkeit der EU im Fall Griechenland. Es gebe keine Pläne, ein milliardenschweres Hilfspaket für das Land zu schnüren, und das sei auch gut so. „Durch eine europäische Unterstützung den Druck aus dem griechischen Kessel zu nehmen, wäre auch völlig kontraproduktiv“, meint das Blatt. Das aber ändere nichts an der Tatsache, dass die Währungsunion Griechenland ein Sicherheitsnetz unterspannen müsse, sollten die Investoren bei der nächsten Auktion hellenischer Staatspapiere in den Käuferstreik treten. Ein Flächenbrand käme die gesamte Eurozone teuer zu stehen. Es seien daher noch einige Fragen offen, zum Beispiel wer die Steuerung einer abgestimmten Rettungsaktion übernehmen würde und wie es um die Implementierung strikter Auflagen – an die die Hilfe der Euroländer gekoppelt sein soll – steht.

Die Financial Times Deutschland echauffiert sich über die Briten, die in letzter Zeit „den allergrößten Spaß daran haben, den Euro zu zerpflücken“. Griechenlands Problem sei demnach, dass das Land seine Währung nicht abwerten könne, um seine Wettbewerbsfähigkeit mit einem Federstrich wiederherstellen zu können. „Die Briten wissen, wie das geht“, meint das Blatt. Hätten Deutsche in den 60ern noch 11 DM für einen Pfund bezahlt, seien es jetzt umgerechnet noch etwas mehr als 2,2 D-Mark.

Das Risiko von Staatsbankrotten in fortschrittlichen Volkswirtschaften steigt exorbitant. Zu diesem Schluss kommt The Globe and Mail aus Kanada. Es sei kein griechisches Problem, sondern ein Problem von Demokratien. Der permanente Ruf nach mehr Staat – nach öffentlichen Almosen, staatlichen Investitionen und Subventionen – treibe reiche Länder Richtung Insolvenz. Viele Industrieländer, darunter auch Großbritannien, die USA, Japan oder Kanada, hätten ihre Staatsverschuldung gefährlich in die Höhe getrieben. Fast alle demokratischen Staaten teilten eine ähnliche destruktive Dynamik: „Die Lösung für jedes wahrgenommene soziale oder wirtschaftliche Problem ist Geld“, analysiert das Blatt. Es sei charakteristisch für die aberwitzigen Ausgaben, dass Politiker jeden neuen Anstieg von Schulden nicht als steigendes Risiko betrachteten, sondern als eine Errungenschaft darstellten.

Böses Erwachen nach der Abwrackparty

Die europäische Autoindustrie trifft auf die Realität, nach dem „Gelage auf Kosten der Steuerzahler“, berichtet das Wall Street Journal. Fiat habe sechs einheimische Fabriken angehalten, PSA Peugeot-Citroën sage einen Einbruch für den europäischen Automarkt um neun Prozent voraus, und die Zulassungszahlen in Deutschland seien im Januar auf dem niedrigsten Niveau seit der Wiedervereinigung. Die Subventionen könnten die Lage noch schlimmer gemacht haben, in dem sie die Hersteller von den Signalen abgeschottet hätten, die auf eine notwendige Kapazitätskürzung und Effizienzsteigerung hinwiesen. Einige Länder versuchten dieser Realität zu entkommen, indem sie die Förderprogramme verlängerten. Auch europäische Autobauer riefen dazu auf. Wie man im Falle Griechenlands sieht, werde die Rechnung für solche staatliche Freigebigkeit allerdings irgendwann fällig. „Je früher die Subventionen für Autokäufer gestoppt werden, desto weniger schmerzhaft wird es werden“, schreibt das Blatt.

AIG ist über den Berg

„Die Todesspriale bei AIG ist beendet“, schreibt das Wirtschaftsmagazin BusinessWeek. Der Finanzkonzern, der die US-Wirtschaft in den Abgrund zu reißen drohte, zeige stabile Einkünfte aus dem Versicherungsgeschäft. Die Sach- und Haftpflichtversicherung, die rund ein Drittel des Geschäfts von AIG ausmache, habe im dritten Quartal in Folge zugelegt. Nach der „Nahtod-Erfahrung“ im September 2008 sei dieser Bereich um rund 23 Prozent eingebrochen. „Die Aussichten der Steuerzahler auf eine Rückzahlung der 182 Milliarden Dollar, mit denen AIG gerettet wurde, haben sich verbessert“, meint das Blatt. Nach der Rettungsaktion 2008 sei der Aktienkurs um 97 Prozent eingebrochen; Kritik wegen hoher Boni und die Angst vor der großen Kundenflucht hätten das Unternehmen unter Druck gesetzt. „Sie haben das Schiff gut über Wasser halten können“, lobt ein Analyst die AIG-Führung.

Japans High-Speed Züge für Obama

Die Japan Times findet, dass die japanischen Hochgeschwindigkeitszüge von den USA nachgeahmt werden sollten. „Wenn es etwas auf der Insel gibt, dass alle Amerikaner – die zu Hause nur die Transportmöglichkeit per Auto kennen – an Japan mögen, dann sind es die Hochgeschwindigkeitszüge“, glaubt die Zeitung. Außerdem seien Hochgeschwindigkeitszüge Bestandteil des „Green New Deal“, mit dem Obama angetreten sei, um die Treibhausgas-Emissionen einzudämmen. Der amerikanische Osten, die Westküste, der Mittlere Westen und Florida hätten alle Interesse an der Errichtung einer High-Speed Zugverbindung signalisiert. Im letzten Monat hätten amerikanische und japanischer Verantwortliche die Einführung von Hochgeschwindigkeitszügen in den USA diskutiert; die amerikanische Verkehrsministerin werde in einigen Monaten nach Japan kommen, um mit dem Shinkansen-Zug zu fahren.

Die USA scheinen auf den ersten Blick im Wettbewerb der Hochgeschindigkeitszüge hinter Ländern wie China zurückzubleiben, schreibt das Portal Daily Finance. Diese vermeintliche Niederlage reflektiere jedoch Amerikas wertvollste Ressource: „ein fortschrittlicheres politisches und wirtschaftliches System, das mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse der Menschen nimmt“. Ein Problem sei das Privateigentum, das dem – für die schnellen Züge notwendigen – Gleisbau im Weg steht. „Das bedeutet verärgerte Hauseigentümer, endlose Versammlungen und eine Menge von Steuergeldern, die für den Kauf der Grundstücke gebraucht werden“, schreibt das Blatt. In China könnten die Machthaber ganze Dörfer problemlos aus dem Weg räumen. Außerdem fehle in den USA die billige Arbeitskraft, schließlich seien beim Bau der Peking-Schanghai Strecke rund 130.000 Arbeiter im Einsatz gewesen. Ein Schlüsselfaktor seien die Passagiere. In den USA müssten die Züge mit Autos und Flugzeugen konkurrieren,während sie in China oft das einzige Transportmittel seien.

SOS-Ergebnis schlechter als erwartet

Weit schlechter als von Analysten erwartet sei das Geschäftsergebnis von SOS ausgefallen, kommentiert die spanische Wirtschaftszeitung El Economista. Einen Verlust von 217 Millionen Euro vor Steuern habe das von Mariano Pérez Claver geführte Unternehmen 2009 erwirtschaftet. Eine Zahl, die im Vorstand von SOS durchaus den ein oder anderen Herzinfarkt auslösen könne. Denn bereits 2008 habe die Firmengruppe einen Verlust von 192,8 Millionen Euro verbuchen müssen. Kaum ein Marktanalyst glaube deshalb an den Optimismus von SOS, dass unterm Strich doch noch mit Gewinn zu rechnen sei. Mit einem geschätzten SOS-Netto-Verlust für 2009 von 14,3 Millionen Euro liege Banesto Bolsa weit unter den von der Mehrheit der institutionellen Makler erwarteten 100 Millionen Euro und mehr. Schließlich sei allein das für die Lebensmittelgruppe wichtige Speiseöl-Geschäft 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent eingebrochen, beobachtet die Zeitung.

Fundstück: Preis schlägt Geschmack beim Wein

In Frankreich seien zwölf Weinhersteller der Fälschung überführt worden, berichtet das Magazin Smart Money. Sie hätten gefälschten Pinot Noir in die USA verkauft. Die Machenschaft sei aufgeflogen, weil mehr Pinot Noir an einen einzigen amerikanischen Händler verkauft worden sei, als überhaupt in Frankreich hergestellt werde. Das System habe jahrelang funktioniert, und keiner der amerikanischen Konsumenten habe sich beschwert. Der Skandal übertöne den eigentlichen Betrug, der einen Schatten auf die gesamte Weinindustrie werfe: und zwar die Idee, dass Weinexperten und Konsumenten den Unterschied zwischen einem Wein hoher und niedriger Qualität ausmachen könnten. Weinliebhaber könnten zwar gerne glauben, die Differenz zwischen einer 95 Dollar und einer 19 Dollar teuren Flasche merken zu können, die Wissenschaft sei allerdings anderer Meinung. „Experimente zeigen, dass der Genuss einer Weinflasche vom Preis abhängt und nicht andersherum“, berichtet das Magazin.

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Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer

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