Die internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die amerikanischen Banken, während viele Institute schon wieder Mega-Boni verteilen. Toyotas Chef verbeugt sich vergeblich vor dem US-Kongress, so The Australian. Die Börsen-Zeitung berichtet, dass es keine Sondergesetze für Griechenland geben wird. Fundstück: Wo es auch mit Apple-Gadgets weiterhin Melonen gibt.
Die Zahl der Bankenpleiten in USA im laufenden Jahr könnte die des vergangenen Jahres noch übertreffen, zitiert Fortune die amerikanische staatliche Einlagensicherung – die Federal Deposit Insurance Corporation. Im vergangenen Jahr meldeten 140 Institute Konkurs an, momentan hätten 702 Banken Probleme. Im vierten Quartal sei das Geschäftsergebnis der US-Banken schneller geschrumpft als je zuvor. Und in 2010 sei das Volumen der Geschäftskredite bereits um 134 Milliarden Dollar zurück gegangen, was besonders den kleinen Unternehmen das Leben schwer mache, wo die Mehrzahl der Arbeitsplätze angesiedelt sei. Die Situation erinnere stärker an japanische Verhältnisse, als dem Beobachter lieb sein könne, schreibt das Wirtschaftsmagazin. Dass der Chef der Fed, Ben Bernanke, in der vergangenen Woche die Refinanzierungszinsen der Banken erhöhte, sei nicht gerade hilfreich.
Leider hätten die Probleme, die im vergangenen Jahr die Großbanken erschütterten, nun auf die Regionalbanken vor allem in Arizona, Nevada, Kalifornien and Florida durchgeschlagen, beschreibt der Chefökonom der Federal Deposit Insurance Richard Brown die Bewegung von der Wall Street an die High Street. Derzeit beliefen sich die faulen Kredite in ihren Büchern auf über 402 Milliarden Dollar. Einziger Lichtblick, laut Financial Times: Obwohl die Zahlen sehr erschreckend seien, könne die akute Krise doch nicht mit der Bankenkrise von 1987 mithalten, als über 2000 Institute als gefährdet galten.
Nicht für die Finanzwirtschaft zeigen die Indikatoren nach unten. Die Konsumentenzuversicht der Amerikaner sei im Februar auf den tiefsten Stand seit zehn Monaten gefallen, meldet Bloomberg und zitiert den Index der New Yorker Forschungsgruppe Conference Board. Der fiel seit Januar um über zehn Punkte auf 46. So eine scharfe Trendwende habe es seit 1987 nicht gegeben, dem Jahr, in dem der Index eingeführt wurde. Das zog auch die Märkte in den Keller, und Analysten wie Steven Ricchiuto von Mizuho Securities USA meinen: „Die Wirtschaft ist vielleicht doch noch nicht aus dem Gröbsten heraus.” Dazu passen auch andere Umfrageergebnisse: Nur noch 9,5 Prozent der Befragten erwarten für die kommenden sechs Monate ein steigendes Einkommen – im Januar waren es noch elf Prozent. Bloomberg prognostiziert eine US-Arbeitslosenquote für dieses Jahr von 9,8 Prozent.
Gleichzeitig stiegen einem Bericht des Staats New York zufolge die Banker-Boni an Wall Street für 2009 um 17 Prozent auf 20,3 Milliarden Dollar. 2008 lagen sie bei 14,4 Milliarden – was seinerzeit einen Rückgang von 47 Prozent bedeutete. Die Gesamtvergütung bei den großen Investmentbanken wie Goldman Sachs stieg 2009 um 31 Prozent, während die der gesamten Bankenbranche ein Plus von 27 Prozent verzeichnet, meldet das Wall Street Journal. Derweil fiel die Zahl der Arbeitsplätze in der Wertpapierbranche zwischen November 2007 und August 2009 um 17 Prozent oder 31.500 Stellen und legte erst zum Jahresende 2009 wieder um 3900 Jobs zu.
Toyotas Kotau kommt zu spät
Konzernchef Akio Toyoda will sich heute vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongress’ für die Pannenserie bei Toyota und die daraus resultierenden Todesfälle entschuldigen. Auch will er zugeben, dass sein Unternehmen verlernt habe, auf die Kunden zu hören. „Ich fürchte, das Tempo, in dem wir gewachsen sind, könnte zu schnell gewesen sein”, heißt es in einer Stellungnahme. Sein Kotau könnte zu spät kommen, schreibt The Australian, denn die Anhörung liefere den Verbraucherschutzanwälten nur noch mehr Munition für die Massenklagen gegen den größten Autohersteller der Welt.
Auch in der Heimat sieht sich Toyota ungewohnter Opposition gegenüber, berichtet die New York Times. Viele Zulieferer sähen mit grimmiger Freude auf die Probleme des Autoherstellers, der sie seit Jahren mit immer neuen Kostensenkungsrunden quäle. Früher hätten sich ganze Kommunen als Teil der Toyota-Familie gefühlt, dann aber änderte der Konzern sein Verhalten, und nun fühlen sich Mitarbeiter und Zulieferer im Stich gelassen. Zulieferer Sankyo Seiko beispielsweise bekommt heute von Toyota 30 Prozent weniger für das gleiche Teil wie vor zehn Jahren – und nun tat der Chef des Unternehmens etwas in der japanischen Konsensgesellschaft bisher Undenkbares: Er kritisierte Toyota öffentlich im Fernsehen. „Ich habe nur formuliert, was alle denken, sich aber nicht zu sagen trauen. Toyota betrügt uns.“
EZB lehnt eine „Lex Griechenland“ ab
Die Europäische Zentralbank schließt Änderungen an ihren Statuten bei den Refinanzierungsgeschäften zur Stützung Griechenlands aus. Es sei „nicht denkbar, die Regeln zu ändern, um die spezifischen Probleme einzelner Länder oder Banken zu lösen“, zitiert die Börsen-Zeitung das Direktoriumsmitglied José Manuel González-Páramo. Der Notenbanker ging auch auf Distanz zu den Spekulationen um eine externe Rettung Griechenlands. Athen müsse selber Maßnahmen zur Verbesserung seiner Haushaltslage ergreifen. Auf die Rettungs-Rhetorik der Politiker angesprochen, sagte er: „Die Euro-Länder sind verpflichtet, die Stabilität des Finanzsystems in der Währungsunion zu gewährleisten.” Der Rest sei Interpretationssache. Die Verpflichtung zu koordiniertem Handeln heiße vor allem, die Funktionsfähigkeit der Währungsunion sicher zu stellen.
Baltische Papiertiger kränkeln
Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen halten den europäischen Negativrekord beim Wirtschaftswachstum, berichtet das russische Wirtschaftsmagazin Expert. Von den ehemaligen „baltischen Tigern“ sei nicht mehr viel übrig. Auch dieses Jahr werde den Balten nichts Gutes bringen. „Das österreichische Wifo-Institut prognostiziert beispielsweise einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von mindestens zehn Prozent für die drei Länder“, schreibt Expert. Selbst im nächsten Jahr, wenn fast alle Staaten auf den Wachstumspfad zurückkehren dürften, würden die baltischen Volkswirtschaften noch um zwei bis drei Prozentpunkte schrumpfen. Ein großes Problem sei die steigende Arbeitslosigkeit. Während noch vor zwei Jahren in Lettland quasi Vollbeschäftigung geherrscht habe, so sei das Niveau mit nun elf Prozent das höchste nach der Unabhängigkeit 1991.
Stillstand bei Merck
Ernüchternde Verkaufszahlen habe der deutsche Pharma- und Chemiekonzern Merck vorzuweisen, kommentiert die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días. Um magere 0,2 Prozent liege der Nettogewinn der Firmengruppe über dem Ergebnis des Vorjahres. Trotzdem zeige sich die Unternehmensspitze erleichtert. Bei einem Umsatzrückgang von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr sei das kaum verwunderlich. Allein der drastischen Senkung außergewöhnlicher Ausgaben und der verhältnismäßig stabilen pharmazeutischen Sparte der Firmengruppe sei es zu verdanken, dass das Endergebnis nicht schlechter ausgefallen sei. Bessere Zahlen erhoffe sich Merck 2010 durch die Verkaufssteigerung nicht verschreibungspflichtiger Medikamente um fünf bis zehn Prozent. Auch bezüglich der Wiederbelebung des Geschäftes mit Flüssigkristallen zeige sich Merck durchaus optimistisch, beobachtet die Zeitung.
Fundstück: Apples Puritanismus hat Löcher
Kaum hat Apple 6000 Applikationen mit erotischem Inhalt aus seinem Store verbannt, zeigt der Business Insider, wo es auch für den iPad immer noch sexy Inhalte gibt. Der Playboy sei noch erhältlich, ebenso die berüchtigte Bademoden-Ausgabe von Sports Illustrated oder die Site von Victoria’s Secret, einem Wäscheunternehmen mit betont freizügiger Werbung. Was genau künftig bei Apple nicht mehr über den Tresen geht, sei nicht bekannt, doch ein Apple-Entwickler habe gesagt, künftig seien Bikini-Fotos, Haut und Anzüglichkeiten aller Art verboten. „Wenn es etwas Berechenbares gibt bei Apple, dann ist es deren Unberechenbarkeit“, schreibt die vom New Yorker Broker Henry Blodget mitbegründete Publikation über die Ware in dem 2008 eröffneten App Store.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev, Florian Käfer
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