Google im europäischen Zangengriff

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Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert kontrovers über die Anschuldigungen von Microsoft & Co. gegen Google. Das Wall Street Journal wirft der deutschen Regierung in ihrer Iran-Politik Heuchelei vor. Expansión berichtet über den Zorn des Iberdrola-Chefs über eine Reform des Aktionärsrechts. Fundstück: Superman wehrlos.

Der Internetkonzern Google erleidet in Europa gleich mehrere Rückschläge: Ein Amateurfilm von der Misshandlung eines Behinderten im Videoportal von Google Italien hat drei leitenden Mitarbeitern des Internetunternehmens Bewährungsstrafen eingebracht. Die EU-Kommission geht mehreren Beschwerden gegen den US-Suchmaschinenbetreiber nach, darunter ist das britische Preisvergleichsportal Foundem, die französische Suchmaschine Ejustice.fr und Google-Rivale Microsoft.

Das französische Wirtschaftsblatt Les Echos nimmt Google in Schutz. Das Unternehmen aus Kalifornien müsse das „eherne Gesetz des Innovators“ hinnehmen, nach dem der Weg stets euphorisch beginne und schließlich regelmäßig vor dem Kadi ende. Diese Erfahrung hätten auch Edison, Microsoft und Steve Jobs gemacht. „Eine Innovation ist per Definition ein nützlicher Bruch, ein kleines Wunder für den Verbraucher. Wer könnte abstreiten, dass sich unser aller Leben durch die außergewöhnliche Suchmaschine verändert hat?“ Vor diesem Hintergrund müsse sich Google darauf einstellen, dass sich irgendwann eine mächtige Koaltion der Gegner formieren werde – Amazon, Microsoft, Yahoo und ATT seien schon auf dem Kriegspfad.

Während seine „eiserne“ Vorgängerin Neelie Kroes regelmäßig Microsoft ins Visier genommen habe, habe es der neue EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia offenbar auf Google abgesehen, vermutet die britische Financial Times . Brüssel sei von einer umfassenden Untersuchung noch weit entfernt – die vorläufigen Ermittlungen seien bei Beschwerden Routine. Dennoch sei es richtig, dass die EU-Kommission sich mit Google beschäftige. Sollte Google tatsächlich Webseiten der Konkurrenz bei den eigenen Suchergebnissen absichtlich weiter nach unten stellen, wäre dies eine Wettbewerbsverzerrung. Wichtiger seien jedoch andere Fragen: Bei den Anzeigen-Preisen betone Google, dass der Markt die Preise bestimme – doch dabei müsse geklärt werden, ob diese Preise nicht weitaus niedriger ausfielen, würde Google nicht 80 bis 90 Prozent des Anzeigenmarktes kontrollieren.

Bloomberg kritisiert den Richterspruch in Italien, der darauf hinauslaufe, dass jeder Internet-Host den gesamten Inhalt, den die Nutzer ins Internet laden, kontrollieren. Da die schiere Masse des User Generated Content dies verhindere, müssten Internet-Manager auf der ganzen Welt heute „sehr, sehr nervös“ sein. Wäre diese Regel in den USA Gesetz, zitiert der Wirtschaftsdienst den Jura- und Technologie-Dozenten Eric Goldman von der Santa Clara University in Kalifornien, hätten Ebay, YouTube, Facebook und der Rest solcher Portale schon vor ihrem Start die Segel streichen müssen. Offenbar seien es kulturelle Unterschiede, die man in Ländern wie Italien und den USA anders über die Freiheit im Internet urteile, meint Bloomberg: „Die Amerikaner wissen nicht, wie es ist, von einem anderen Land besetzt zu werden, wie es die Italiener kennen, oder wie es ist, wenn eine jahrhundertealte Kultur und tief verankerte Werte von Technologie-Invasoren verschluckt und weggeworfen werden.“

Berlins Heuechelei in der Iran-Politik

Das Wall Street Journal kritisiert den Umgang der deutschen Wirtschaft und Politik mit dem Iran. Zwar hätten kürzlich die Ankündigungen von Siemens und Munich Re, sich vom iranischen Markt zu verabschieden, für Schlagzeilen gesorgt. Dennoch wollten Hunderte deutscher Firmen weiterhin „business as usual“ mit Teheran betreiben; viele Geschäfte blieben unentdeckt, weil sie über Dubai liefen. Delikat sei besonders die Rolle der Deutsch-Emiratischen Industrie-und Handelskammer, die im Mai 2009, unter Anwesenheit des damaligen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg, gegründet worden sei. Die Einrichtung, die teilweise vom Steuerzahler finanziert werde, habe erst im November eine „Arbeitsgruppe Iran“ gegründet, die erörtern solle, wie deutsche Firmen über die arabischen Emirate im Iran investieren können. Dies widerspreche unmittelbar der offiziellen Linie der deutschen Regierung, nach der Berlin deutsche Firmen davon abhalten wolle, Geschäfte mit dem Iran zu machen. Die Deutschen müssten sich jetzt entscheiden, ob sie wirklich Druck auf Teheran ausüben wollten, um eine iranische Atombombe zu verhindern – oder dies nur vortäuschen wollten, um Israelis und Amerikaner von weiteren Maßnahmen abzuhalten.

Iberdrola-Chef entzürnt

Nicht das geringste Verständnis zeige Iberdrola Präsident Ignacio Galán für die Pläne der spanischen Regierung, Aktionären in Zukunft Stimmrechte für mehr als zehn Prozent des Kapitals zu erlauben, berichtet die Wirtschaftszeitung Expansión. Der spanische Präsident José Luis Rodríguez Zapatero solle sich lieber um eine umfassende Arbeitsmarktreform kümmern und das Staatsdefizit reduzieren, zitiert die Zeitung den Chef des Stromkonzerns. Dessen heftige Reaktion sei verständlich, schließlich wehre er sich seit längerem gegen den Versuch des Bauunternehmens ACS, aufgrund seines Aktienanteils von zwölf Prozent einen Sitz im Vorstand von Iberdrola zu erzwingen. Die neue Regelung stärke die Position von ACS und schade womöglich dem Interesse der anderen Aktionäre.

Microsoft – der große Verlierer

Immer mehr Menschen kauften immer mehr Smartphones, analysiert Schwedens Veckans Affärer die von Gartners veröffentlichte Marktanalyse über die „smarten Modelle“. 172 Millionen Stück habe die Branche vergangenes Jahr abgesetzt. Welcher Produzent habe nun in diesem Zukunftsmarkt die Nase vorne, fragt sich das Blatt. Apples iPhone verbuche mit 14 Prozent Marktanteil einen beachtlichen Erfolg, der auch den Mobilfunkbetreibern zugute komme. Nokia habe mit dem Betriebssystem Symbian 81 Millionen neue Anwender gewinnen können und arbeite bereits an der Markteinführung des Symbian-Nachfolgers Meego. Auch Google verbuche mit der Android-Plattform eine beachtlichen Erfolg: 3,5 Prozent Marktanteil innerhalb eines Jahres habe sich Google erkämpft. Als großer Verlierer stehe Microsoft mit Markteinbußen von drei Prozent da. Trotz Milliarden-Investitionen habe Steve Ballmer noch immer kein geeignetes Rezept für den Mobilfunkmarkt gefunden. Komisch, meint das Blatt, gehe es doch auch in diesem Markt immer mehr um das ureigene Geschäft von Microsoft: Betriebssysteme und Plattformen.

Kaufstarke Chinesen

Die neuesten Zahlen zu den Tax-free Einkäufe, herausgegeben von Global Refund, kommentiert Ilsole24ore aus Italien. Überall im Land seien die Umsätze rückläufig, mit Ausnahme von Como und Verona. Unverändert folgten viele amerikanischen Touristen den Spuren des Filmstars George Clooney am Comer See, mutmaßt das Blatt. Als „exzellente Performance“ bezeichnet das Blatt die Umsatzsteigerung von 68 Prozent in Neapel, dank der chinesischen Touristen. Trotzdem sei insgesamt ein Rückgang der Tax-free Umsätze von 13 Prozent zu verzeichnen, dies sei vor allem auf das Fernbleiben der russischen Touristen zurückzuführen. Besonders Mailand sei davon betroffen – die Russen machten fast ein Drittel der Touristen aus.

Fundstück: Superman wehrlos

Selbst Superman ist ungezügelten Spekulationsblasen wehrlos ausgesetzt, konstatiert El Economista aus Spanien. Weder der chinesische Immobiliensektor noch Derivate über die griechische Staatsverschuldung seien das neueste Ziel der Spekulanten, sondern das Comic-Heft. Ein Exemplar der ersten Superman-Geschichte aus dem Jahr 1938 habe in dieser Woche für eine Million US-Dollar den Besitzer gewechselt. Noch vor drei Jahren sei ein Heft der gleichen Serie für ein Drittel des Preises zu haben gewesen. Scheinbar bräuchten immer mehr Menschen das, was andere nicht haben, um sich glücklich zu fühlen. Wen wundere es da, dass urmenschliche Beweggründe wie Neid und Geiz das Geschick der internationalen Märkte regieren. Dagegen komme selbst Superman nicht an.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Fridolin Pöschl

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