Zwischen Angst-Sparen und Job-Wunder

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die überraschend niedrigen Arbeitslosenzahlen im Februar in Deutschland. Die FTD kritisiert das Krisenmanagement italienischer Konzerne in der Geldwäsche-Affäre. Forbes zweifelt an den neuen Schranken für Leerverkäufe in den USA. Fundstück: Promis im eigenen Haus.

„Können wir jetzt also aufatmen und die Krise abhaken?“, fragt die Wirtschaftswoche angesichts der jüngsten Arbeitslosenstatistik, nach der die Arbeitslosenquote in Deutschland im Februar gegenüber dem Vormonat nur um 0,1 Prozentpunkte auf 8,7 Prozent geklettert ist. Gibt aber keine Entwarnung, da bei vielen Verbrauchern das „Virus des Angst-Sparens“ um sich greife.

Das Manager Magazin freut sich, dass Deutschlands vergleichsweise guten Arbeitslosenzahlen sogar auf den Titelseiten internationaler Tageszeitungen erscheinen. Aus heutiger Sicht gebe es sogar Gründe anzunehmen, dass sich Deutschlands „Jobwunder“ fortsetze. Als Beleg für die These verweist das Magazin auf den Lohnabschluss in der Metall- und Elektroindustrie

Starke schwedische Zahlen

Die Wirtschaftszeitung Veckans Affärer freut sich über die positive Stimmung unter Schwedens Konsumenten. Laut Konjunkturindex sei das Vertrauen der Haushalte in die Wirtschaft beinahe wieder so groß wie vor der Finanzkrise. Auch bei der Kreditvergabe habe sich der Trend seit langem wieder umgekehrt. Zwar steige der Kreditbedarf der Haushalte nach wie vor, aber nicht mehr ganz so rasant wie noch im Dezember. Moderate Inflationserwartungen ließen nicht zuletzt die schwedischen Reichsbank laut aufatmen. Die Vertrauenswerte der Industrie in die schwedische Konjunktur zeigten ebenso steil nach oben, und das nunmehr seit elf Monaten. Bis auf die Baubranche hätten alle Branchen den historischen Durchschnittswerte bereits überschritten. Das Tüpfelchen auf dem i, so die Zeitung: Sogar die Kreditvergabe an die Privatwirtschaft habe sich stabilisiert, der Rückgang scheine gestoppt. Die schwedischen Zahlen könnten sich sehen lassen, vor allem auf internationaler Ebene, bekräftigt das Blatt.

Falsche Opfer im Mafiaskandal

Die Financial Times Deutschland kritisiert das Krisenmanagement der italienischen Unternehmen Fastweb und Telecom Italia in der Affäre um die Geldwäsche der ’Ndrangheta mit Hilfe von börsennotierten Konzernen. Dass die Verantwortlichen der betroffenen Telekommunikationsunternehmen die Schuld von sich wiesen, obwohl beide Firmen über Jahre hinweg gut an Scheingeschäften mit Briefkastenfirmen verdient hätten und die Staatsanwaltschaft bereits 2007 gegen sie ermittelt habe, sei fragwürdig.

Im Geldwäsche-Skandal hat sich nun Claudio Scajola, Minister für wirtschaftliche Entwicklung eingeschaltet. Laut Ilsole24ore begrüßt der Minister die gerichtlichen Untersuchungen, fordere aber eine „stärkere Moral“, ohne jedoch das System zu destabilisieren. La Repubblica stellt die Rückkehr von Silvia Scaglia in den Mittelpunkt der Berichterstattung. Die Nummer Eins von Fastweb sei mit einem Privatflugzeug angereist und sehe die Affäre sehr gelassen. Der Vorstandsvorsitzende habe nicht die Absicht zurückzutreten, sondern sei überzeugt von der Richtigkeit seiner Arbeit, so das Blatt.

Schranken für Leerverkäufe

Forbes kommentiert die von der US-Börsenaufsicht SEC auferlegten neuen Regeln zur Eindämmung hochspekulativer Geschäfte. Das Wirtschaftsblatt erinnert daran, dass sich die Überwacher mit diesem Schritt wieder die Kontrollmöglichkeit verschafft haben, die sie bis zur Abschaffung der „Uptick-Rule“ 2007 schon besessen hätten – diese sollte Leerverkäufer daran hindern, den Handel mit einer Aktie zu bestimmen und ihren Preis nach unten zu treiben. Nach der Abschaffung habe die SEC viel Kritik einstecken müssen; viele Analysten gingen davon aus, dass die Entscheidung seinerzeit zum verschärften Ausverkauf besonders von Finanzaktien geführt habe. Monate nach der Aufhebung sei Bear Stearns implodiert – gerüchteweise, weil eine Gruppe von Händlern gemeinschaftlich einen Angriff auf die Bear-Aktie unternommen habe. Verglichen mit der „Uptick-Rule“ sei das neue Kontrollinstrument jedoch beschränkt, weil es sich nur auf Titel beziehe, die an einem Tag zehn Prozent oder mehr an Wert verloren haben.

Rohstoffhändler rückt ins Rampenlicht

Capital porträtiert den „mächtigsten Rohstoffhändler der Welt“, Willy Strothotte, Westfale mit Wohnsitz in der Schweiz, der in der Öffentlichkeit fast unbekannt sei, den die Finanzkrise jedoch jetzt zwinge, sein verschwiegenes Reich zu öffnen. Der 65-Jährige ist der Verwaltungsratschef und Großeigentümer von Glencore, dem größten und geheimnisumwittertsten Rohstoffhandelskonzern der Erde.

Toyota: Nachwirkungen zu großen Ehrgeizes -

Der Economist führt die Toyota-Misere auf die selbst auferlegten Wachstumsziele zurück. James Womack, einer der Autoren des Buchs „The Machine that Changed the World“, das sich den Innovationen von Toyota in der Branche widmet, macht den Wendepunkt im Jahr 2002 fest, als die Japaner entschieden hätten, ihren weltweiten Marktanteil von 11 auf 15 Prozent zu steigern – dies sei für den Kunden „total irrelevant“ gewesen und nur „vom Ego“ getrieben worden. Als Folge habe die Ausweitung der Lieferkette dazu geführt, dass Toyota plötzlich jenseits der Heimat mit Zulieferern zusammengearbeitet habe, die die „Toyota-Kultur“ nicht verstanden hätten und die nicht von den Managern hätten eingeführt werden können.

Ferrovial darf englische Flughäfen vorerst behalten

Eins zu null für Ferrovial im Kampf gegen die englische Wettbewerbsaufsicht, titelt die spanische Wirtschaftszeitung Expansión. Vorerst habe sich Ferrovial des Drucks der Behörde entledigt, nach Gatwick drei weitere Flughäfen in England verkaufen zu müssen. Die Entscheidung des zuständigen englischen Berufungsgerichtes zugunsten von Ferrovial verschaffe dem Unternehmen neuen Handlungsspielraum für die kommenden Jahre, ohne unmittelbare Zwangsverkäufe befürchten zu müssen. Denn selbst falls die Wettbewerbsbehörde an einem höheren Gericht Berufung einlege, sei ein rasches Ende der Verhandlungen nicht wahrscheinlich. Auch eine neue Untersuchung der Kartellbehörde brauche ihre Zeit und könne dem spanischen Flughafenbetreiber vorerst nicht gefährlich werden, kommentiert die Zeitung.

Fundstück: Promis im eigenen Haus

Here is the City, das Finanzportal aus London, macht sich einen Spaß mit Namedropping. Wer von Ihren (Ex-)Kollegen aus der Finanzbranche hat einen berühmten Namen?, hat das Portal gefragt – und prominente Antworten bekommen: von Michael Douglas (Bank of America), Paul Newman (BNP Paribas), Jennifer Lopez, Indiana Jones und Yasar Arafat (alle Citi) über Ricky Martin und Janet Jackson (Deutsche Börse), James Bond, Michael Jackson und Elizabeth Hurley (JP Morgan) bis hin zu Gordon Brown (Royal Bank of Scotland). Gute Idee der Londoner Kollegen. Haben Sie auch „berühmte Kollegen“.

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Fridolin Pöschl

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1 Kommentar zu “Zwischen Angst-Sparen und Job-Wunder”


  1. 1 Webschau Wirtschaftsblogs 1.03.2010 « Blick Log

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