Die internationale Wirtschaftspresse spekuliert über die Rolle Deutschlands bei der Konzeption eines Rettungsplans für Griechenland. Fortune interpretiert den Jahresbrief Warren Buffets an die Aktionäre von Berkshire Hathaway. Die Financial Post erklärt den Euro zur „Subprime-Währung“. El Economista protokolliert die Gewinne spanischer Bauunternehmer. Fundstück: Ist Apple sexuell verklemmt?
“Deutschland und Frankreich planen, Griechenland mit einem 30 Milliarden Euro schweren Rettungspaket zu unterstützen”, gibt sich das Wall Street Journal überzeugt. Dabei sollen beide Staaten über staatseigene Finanzinstitute, aber auch private Investoren Schulden des südeuropäischen Landes erwerben. “Die Verantwortlichen in Deutschland und Frankreich werden sich noch weiter beraten wollen, doch alle spüren inzwischen, dass die Finanzmärkte eine Lösung erwarten.” Der Weg über staatseigene Banken sei dabei nötig, damit die französische und deutsche Regierung Staatsschulden Griechenlands erwerben können: “In Deutschland könnte zum Beispiel die KfW-Bank diese Rolle übernehmen”, vermutet das Blatt. Und selbst wenn der Rettungsplan zustande komme, blieben noch genügend Staatsschulden für Privatinvestoren. “Griechenland hofft offenbar, dass ein Deal mit Deutschland und Frankreich in Höhe von 30 Milliarden Euro von Investoren als ausreichend angesehen wird, um Griechenlands Problem wirklich zu lösen – und dass diese hernach wieder bereit sind zu investieren.”
Die Financial Times Deutschland glaubt, dass ein solcher Plan auch deutschen Banken zugute käme. “Eine Rettungsaktion für Griechenland wäre nicht nur eine nette Geste an eine südeuropäische Kulturnation. Sie würde auch die hiesigen Kreditinstitute, die große Bestände an griechischen, spanischen oder portugiesischen Staatsanleihen halten, vor den turbulenten Folgen einer Griechenland-Pleite schützen.”
Auch wenn Deutschland als “Europas Wirtschaftskraftwerk” eine führende Rolle bei einem möglichen Rettungsplan für Griechenland zugewiesen werde, dürfe nicht übersehen werden, dass die Euro-Zone derzeit vor einem weniger offensichtlichen, aber viel schwerer zu lösenden Problem stehe: die deutsche Sparsamkeit, gibt die Washington Post zu Bedenken. “Wenn Griechenland seine Ausgaben kürzen und seine Finanzen in Ordnung bringen muss, um das Vertrauen in den Euro wiederherzustellen, dann muss auch Deutschland etwas tun: mehr konsumieren.” In Deutschland stagnierten die Löhne, der Staat gebe weniger aus, die Sparrate sei hoch. Das Land habe bei der Einführung des Euro profitiert, weil Länder wie Griechenland mehr aus Deutschland importierten. Deutschland aber importiere kaum etwas von seinen europäischen Nachbarn, sowohl die Binnennachfrage als auch der Konsum nichtdeutscher Produkte lasse zu wünschen übrig und gefährde letztlich genauso den Euro. Stimuluspakete wie die Abwrackprämie hätten da kaum geholfen. “Wenn die Bürger nur ein wenig mehr konsumierten, würde das zur Erholung der EU-Wirtschaft beitragen.”
Buffets simple Lösung für selbstgefällige Banker
Das US-Magazin Fortune beschäftigt sich mit dem jüngsten Jahresbrief Warren Buffets an die Berkshire-Aktionäre, in dem er fordert, dass Vorstandsvorsitzende von Banken mit ihrem eigenen Vermögen haften sollten. “Buffet kritisiert seit Jahrzehnten Manager und Direktoren, die selbstgefällig sind oder über das Ziel hinaus schießen. Die Frage, wie man Motive für eine gute Unternehmenskultur schafft, ist tatsächlich hoch aktuell in den Debatten, die in Washington geführt werden. Dafür liefert Buffet nun eine einfache Lösung.” Es sei bemerkenswert, dass die meisten CEOs den Crash unbeschadet an der Spitze ihrer Finanzinstitute überstanden hätten: “Vikram Pandit führt noch immer die Citigroup, und Ken Lewis musste erst kürzlich den Vorsitz bei der Bank of America abgeben.” Andere Beispiele seien Jimmy Coyne (ehemals Bear Stearns) und Dick Fuld (ehemals Lehmann Brothers), die ihre Banken mit prall gefülltem Geldbeutel verließen. Zwar verpflichteten Firmen wie Goldman Sachs seit jüngstem ihre Vorstände, Aktien für eine bestimmte Zeit nicht zu verkaufen. Doch Buffet fordere nun, dass die Führungsriegen weit umfangreicher Verantwortung übernehmen.
Der Euro als Stoßdämpfer
“Der Euro ist zur Subprime-Währung geworden”, behauptet die Financial Post aus Kanada mit Blick auf die aktuelle Krise in der Euro-Zone. Es sei offenbar, dass Europas Zentralbanker auf das Wort der jeweiligen Finanzminister vertraut hätten, statt die Finanzen der Mitgliedsstaaten zu kontrollieren: “Das ist vergleichbar mit der Bush-Regierung, die die Finanzinstitute und die Wall-Street-Cowboys Amok laufen ließ. Staaten wie Portugal, Irland, Griechenland oder Spanien sind das europäische Äquivalent zu Fannie Mae, Freddie Mac und der Wall Street.” Nun werde über die Existenz der Euro-Zone spekuliert, aber letztlich habe der Euro die schlecht gemanagten Nationen vor desaströsen Abwertungen bewahrt: “Der Euro ist wie der US-Dollar ein Stoßdämpfer für gigantische, ungleich entwickelte Wirtschaftsgebiete.” Zwar stehe der kanadische Dollar im Vergleich zum US-Dollar oder zum Euro gesund da, aber: “Das ist nur ein schwacher Trost, wenn sich die USA und Europa nicht endlich erholen.”
Strategische Revirements sind im Trend
“Coca Cola verabschiedet sich von seinen Prinzipien”, kommentiert La Tribune die Nachricht, dass der weltgrößte Erfrischungsgetränke-Hersteller plane, die Nordamerika-Sparte seines größten Abfüllers, Coca Enterprises, -Cola für ca. 15 Milliarden Dollar zu übernehmen. Bislang habe das Unternehmen seinen Erfolg mit der guten Zusammenarbeit mit Drittfirmen begründet, doch nun vollziehe Coca Cola ein strategisches Revirement: “Konkurent Pepsi hat vor kurzem Abfüllbetriebe übernommen, um an Reaktionsfähigkeit zu gewinnen.” Und auch andere änderten ihre Strategie grundlegend, darunter General Motors, die Opel behalten, oder Accor, die sich plötzlich von ihrer “Milchkuh” Ticket-Restaurant trennen wollen. “In einer Zeit, wo die Börse Druck ausübt und der Ölpreis unvorhersehbar schwanken, wo eine Innovation den Markt oder den Vertrieb rasch verändern kann, ist Reaktionsfähigkeit das A und O”, meint das französische Wirtschaftsblatt. Auch wenn man nun über Coca Cola spotten mag, das Wichtigste sei, lebensfähig zu bleiben.
Spanische Bauunternehmer melden Gewinn
Trotz der schwierigen Wirtschaftslage im Land habe es die Gruppe der größten spanischen Bauunternehmen geschafft, im Geschäftsjahr 2009 ihren Gewinn nahezu zu verdoppeln, stellt die Wirtschaftszeitung El Economista fest. Unternehmen wie ACS, FCC, Ferrovial, Acciona und OHL sei es gelungen, die geringe Nachfrage nach Immobilien durch die Konzentration auf strategisch wichtige Geschäftsbereiche und rigorosen Schuldenabbau auszugleichen. Der Netto-Gewinn der großen spanischen Bauherren von über drei Milliarden Euro liege fast 85 Prozent über dem des Jahres 2008. Allerdings seien auch teilweise erhebliche Verkäufe von Vermögenswerten Grund für das gute Ergebnis. So habe allein Ferrovial durch die Veräußerung des Flughafens London Gatwick seine Schulden deutlich reduzieren können und ein andernfalls weit schlechteres Betriebsergebnis verhindert, kommentiert die Zeitung.
Toyota sollte auf seine Kunden hören
Das Vertrauen der Kunden in Toyota werde nicht sofort zurückkehren, kommentiert die Asahi Shimbun den Auftritt des Unternehmenspräsidenten vor dem US Kongress. Dieser habe sich dort für die verspäteten Rückrufaktionen der Toyota-Modelle mit den fehlerhafter Gaspedal-Funktion entschuldigt. Die Gründe für die “größte Krise seit Gründung des Unternehmens” seien u. a. in der Unternehmensführung zu suchen. Toyota habe offensichtlich versäumt, ein effektives System zu entwickeln, um auf nützliche Hinweise oder Beschwerden von Kunden zu reagieren. Dabei würden Urteil und Erfahrungsberichte der Kunden aufgrund der immer ausgefeilteren Technik an Bedeutung gewinnen. “Nachdem Toyota auf globaler Ebene in halsbrecherischer Geschwindigkeit expandiert hat, entwickelte sich dieser Fehler im System zur Schwachstelle.” Für Toyota sei nun die Herausforderung, ein offenes Managementsystem aufzubauen, das Kunden-Informationen wirkungsvoll nutzt. Solche Systeme könnten Unternehmen dabei helfen, das Vertrauen ihrer Kunden zu halten. Toyota müsse sicher stellen, dass seine Mitarbeiter fünfmal nach dem “Warum” fragten, wenn jemand Probleme mit einem Toyota-Modell habe.
Fundstück: Ist Apple sexuell verklemmt?
Heuchelei und doppelte Moral wirft der US-Wirtschaftsdienst Bloomberg Apple Inc. vor. Das Unternehmen habe Anwendungen für iPhone und iPod Touch, die sexuell anzüglich waren, aus seinem Store verbannt. Andere Anwendungen, z. B. “Fußballerfrauen-Bodypaint” oder das “Badeanzug-Wechsel-Spiel” aber seien nach wie vor erhältlich, “Anwendungen u. a. von Time Warner – ein Partner, den Apple beim Launch des iPad Media Service braucht. Da wäre es wohl unangenehm, mit Time Warner zu streiten.” Abgesehen davon sollte Apple aber anerkennen, dass Innovation im Verbrauchertechnologiebereich von Sex angetrieben werde: “Kabelfernsehen, Videokassette, Internet – all diese wurden durch Sexinhalte in ihrer Entwicklung befeuert.” Apple solle die fraglichen Anwendungen lieber kontrolliert zulassen und zum Beispeil einen Downloadbereich für Erwachsene einrichten, statt den Moralapostel zu spielen, meint der Dienst.
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