In seinem Buch „Kartell der Plattmacher“ (Econ) durchleuchtet der Jurist Andree Wernicke das Geschäft der Insolvenzverwalter. Da es keine formalen Anforderungen an ihre Qualifikation und keine Kontrolle ihrer Tätigkeit gebe, seien Korruption, Selbstbedienung und Unregelmäßigkeiten eher die Regel als die Ausnahme, behauptet der Fachanwalt für Insolvenzrecht. Im Interview mit ecolot.de erklärt er, warum seine Münchner Kanzlei inzwischen Insolvenz-Mandate ablehnt und wie er sich für die zu erwartende Kritik an seinem Buch aus eigenen Reihen wappnen wird.
Mit diesem Buch werden Sie sich in Ihrer Branche nicht nur Freunde machen. Wie wappnen Sie sich für die Kritik?
Wer Kritik übt, muss selbst Kritik vertragen. Ich decke die Hauptgründe dafür auf, warum in unserem Land so wenige Betriebe saniert werden und warum am Ende der Insolvenzverfahren für die Geschädigten meist nichts herauskommt. Wer also Kritik übt, weil er sich in diesen Rollen wiederfindet , kommt meist aus dem Kreis der Verantwortlichen. So werden Namen genannt, die ich aus juristischen Gründen in meinem Buch nicht nennen durfte.
Ihre Münchner Kanzlei lehnt nach langjähriger Erfahrung inzwischen Insolvenz-Mandate ab. Warum?
Drei Aufgabenkreise haben mich hierzu bewogen.
Aufgrund meiner Beratungs- – und Sanierungstätigkeit habe ich immer mehr erfahren, wie im Allgemeinen Insolvenzverwalter vorgehen; zum großen Teil ist das sehr beschämend, selbstherrlich, arrogant und ohne darüber nachzudenken, was eigentlich ihre Aufgabe ist.
Ich war von Anfang an im Team des Sanierungsportals und habe versucht, den Insolvenzplan voranzutreiben. Das ist nicht unbedingt auf Gegenliebe bei Gericht gestoßen.
Auch bei der Gläubigerschutzvereinigung wirke ich von Anfang an mit. Dort wird massiver Kritik an der Vergabepraxis für Insolvenzen, den zuständigen Richtern und der laxen Abwicklung von Insolvenzen geübt.
Sie schreiben, dass uns die unfähigen Insolvenzverwalter rund 100.000 Arbeitsplätze und 10 Milliarden Euro kosten. Wer hat schuld?
Ich hoffe, mit diesem Buch meinen Teil dazu beizutragen, den Schaden peu a peu zu vermindern. Eine der Hauptursachen ist, dass der Wechsel von der Konkursordnung zur Insolvenzordnung im Bereich der Sanierungsmöglichkeiten nicht konsequent umgesetzt wurde. Die in der Konkursordnung bevorzugte Liquidierung blieb leider die Regel.
Andree Wernicke: Kartell der Plattmacher: Wie mit Insolvenzen Milliarden versenkt werden.
Econ 2010, 16,95 Euro



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