Merck kauft sich Wachstum

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert das Übernahmegebot des Pharmakonzerns Merck an den US-Laborzulieferer Millipore. Economist und Financial Times sorgen sich um die Stabilität des Pfunds. Die russische Vedomosti kritisiert Premier Wladimir Putin für seine Großzügigkeit auf fremde Kosten. Fundstück: Wirtschaftsamateure sind besser als Volkswirte.

Familiengeführten Unternehmen wird eine solide, langfristige Strategie nachgesagt. Der deutsche Pharmakonzern Merck setze mit seiner kostspieligen 7,2 Milliarden Dollar schweren Übernahme des amerikanischen Laborzulieferers Millipore auf Risiko und dürfe sich keine Fehler leisten, schreibt das Wall Street Journal . Der Preis für Millipore entspreche dem Fünfzehnfachen seines Gewinns, üblich seien in der Branche das Zehn- oder Elffache. Merck habe bereits mit dem Biotech-Spezialisten Serono gute Erfahrungen mit Zukäufen gesammelt. „Millipore verspricht neues Wachstum im Chemiebereich, der seit jeher Mercks Umsätze ankurbelt. Millipores Expertise in der Herstellung von Reinstwasser und Präparaten, die in der Zellzüchtung gebraucht werden, passt zu Mercks kleinerem Laborgeschäft“, analysiert das Blatt. Trotzdem müsse Merck den breiteren Vertrieb der Amerikaner nutzen, um auf den steigenden Verkäufen Millipores aufzubauen und den hohen Übernahmepreis zu rechtfertigen. „Außerdem muss sich Merck vom Zweig der rezeptfreien Medikamente, der laut Société Générale mindestens zwei Milliarden Dollar kostet, trennen. Damit würde die Merck-Familie beweisen, dass sie an die kurz- und langfristig denkt“, kommentiert die Zeitung.

Die Financial Times Deutschland warnt vor den Risiken, mit denen das Übernahmegeschäft verbunden sei. Erstens sei der Kauf kostspielig. Merck zahle das 4,1-Fache des Umsatzes von Millipore. Analysten hätten „prompt kritisiert“, dass dies deutlich über dem Branchenschnitt liege. Außerdem sei der Deal noch nicht so sicher, wie es scheine, schließlich könne Merck von unterlegenen Bietern noch in einen Bieterstreit verwickelt werden.

Die Börsen-Zeitung sieht Merck dagegen auf dem richtigen Weg. „Für den deutschen Konzern ist die amerikanische Verbindung ein weiterer Schritt auf dem Weg, das Portfolio in die Balance zu bringen und eine Risikostreuung zu verwirklichen“, attestiert die Zeitung. Der Umsatzanteil der Chemie steige von 25 auf 35 Prozent – damit sei Pharma zwar immer noch dominant, doch die kleine Schwester hole auf. Auch den Preis für Millipores sieht das Blatt nicht so dramatisch. Es sei zwar ein stolzer Preis, er liege aber im Rahmen bisheriger Deals der Branche

Der britische Pfund unter Beschuss

Der Economist hinterfragt den beachtlichen Wertverfall des britischen Pfunds, der kurzzeitig auf 1,10 Euro und 1,50 Dollar gerutscht sei. Die Märkte hätten Angst, dass nach den anstehenden Wahlen in Großbritannien keine starke konservative Regierung an die Macht kommt, die die öffentlichen Finanzen in Ordnung bringt. Das Budgetdefizit sei mit 13,2 Prozent des BIP das höchste aller G20-Staaten, und bei der Neuverschuldung kämen die Briten direkt hinter Japan. Dabei hätten die Händler bisher nachsichtig reagiert, weil einige Punkte für Großbritannien sprächen – etwa das Mehrheitswahlsystem, das stabile Regierungen an die Macht bringe, die schmerzvolle Kürzungen durchdrücken könnten. „Trotz des guten Starts der Konservativen ins Wahljahr schmelze ihr Vorsprung vor der amtierenden Regierung Gordon Browns. Die Wahrscheinlichkeit einer Pattsituation im Parlament steige. Investoren hätten Angst, ein unentschlossenes Wahlergebnis würde die Sanierung der Staatsfinanzen behindern.

Das Vereinigte Königreich ist über Nacht zum Opfer der Finanzmärkte geworden, schreibt der australische Business Spectator. Der Anlass seien Umfrageergebnisse gewesen, die den Vorsprung der Konservativen vor der Labour-Partei schmelzen ließen. „Politische Unsicherheit hat die rasenden Verkäufe des Pfunds angeheizt, die die Währung gegenüber dem Dollar auf den tiefsten Stand seit Mai 2009 gedrückt haben“, erklärt die Zeitung. Seit Jahresbeginn habe die Sorge um das massive Staatsdefizit der Briten und die sich stapelnden Staatsschulden das Pfund gegenüber dem Dollar um rund acht Prozent sinken lassen. Außerdem gebe es Gerüchte, dass Hedge Fonds gegen die britische Währung wetteten. Britische Anleihen würden ausverkauft. Seit November sei die Zinsdifferenz zwischen deutschen und britischen Anleihen von 0,35 auf einen vollen Prozentpunkt angeschwollen. „Die Regierung in London muss für ihre Anleihen eine etwas kleinere Rendite zahlen als Portugal und die höchste aller ,Triple-A’ bewerteten Länder“, warnt das Blatt.

Es gibt gute Gründe für die Schwäche des Pfunds, schreibt die Financial Times. „Die wichtigsten Indikatoren der britischen Wirtschaft sind einmalig miserabel“, so das Blatt. Die wirkliche Finanzsituation sei ähnlich schlimm wie in Griechenland. Die Finanzschwäche des Landes resultiere größtenteils aus eigenen Fehlern und nicht aus der Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Anteil der öffentlichen Ausgaben am BIP sei auch in den Boomjahren vor der Krise sukzessive gewachsen. Griechenland und Großbritannien müssten deswegen beide rund acht bis neun Prozent des BIP an Staatsausgaben einsparen. „Der Unterschied liegt darin, dass Griechenland dazu – ohne Hilfe von außen – nicht in der Lage ist, da die Gesellschaft tief gespalten ist.” Das Vereinigte Königreich dürfte dagegen im Stande sein, eine Lösung zu finden. Bei klarem Wahlausgang sei es so gut sicher, dass die neue Regierung Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen durchdrücken werde. Andernfalls müsse die britische Politik-Elite erst die Kunst der Koalitionsbildung lernen.

Wladimir Putin ist Ladas neuer Marketingchef

Auf dem neuen Formel-1 Auto von Renault und auf dem Rennanzug der Fahrer des Teams werde demnächst das Lada-Logo prangen, berichtet Vedomosti. Das habe Premier Wladimir Putin dem Chef von Renault-Nissan versprochen. Im nächsten Jahr werde erstmals ein Russe den Renault-Boliden steuern. Allein das würde ja schon für ein Sponsoring ausreichen, scherzt das Blatt. Aber Lada plane immerhin eine gemeinsame Produktion auf Renault-Basis. „Wir werden unsererseits einen ersten Schritt machen und dieses Sponsoring übernehmen“, zitiert das Blatt Putin. „Doch wer ist ,wir’ nach Putins Verständnis?“, fragt das Blatt. Dabei könne es sich offensichtlich nur um den Lada-Hersteller AutoWAZ handeln. Dann müsse die Frage lauten: „Woher nimmt Putin das Recht, eigenmächtig über das Werbebudget des Autoriesen zu verfügen?“

Marks & Spencer bereut Abzug aus Spanien

Es sei ein großer Fehler gewesen, den spanischen Markt aufzugeben, zitiert die Wirtschaftszeitung Cinco Días Stuart Rose, den Vorstandsvorsitzenden der englischen Modehaus-Kette Marks & Spencer. Aus politischen Gründen habe diese im Jahr 2001 ihre Geschäfte in Madrid, Barcelona und anderen großen spanischen Städten geschlossen. Eine Fehlentscheidung, wie der scheidende Chef von Marks & Spencer einräume. Insgesamt habe das von ihm geführte Unternehmen allerdings kaum Grund zur Klage. Schließlich habe sich Englands führende Kaufhaus-Kette trotz der Rezession gut gehalten und kehre als eines der ersten führenden Unternehmen des Landes der Wirtschaftskrise den Rücken zu. Dass der Umsatzeinbruch in erträglichem Rahmen geblieben sei, verdanke Marks & Spencer insbesondere seinen bekannten Marken, zitiert das Blatt den Kaufhaus-Chef. Damit das auch in Zukunft so bleibe, wolle Marks & Spencer gezielt in neue Technologien investieren, um den Bedürfnissen der steigenden Zahl von Online-Einkäufern Rechnung zu tragen, berichtet die Zeitung.

Fundstück: Wirtschaftsamateure besser als Volkswirte

Ein Kolumnist des Wirtschaftsdienstes Bloomberg ruft die Leser zu einem Wettbewerb im Vorhersagen der Wirtschaftsentwicklung auf. Die Wettbewerber sollen dabei verschiedene Indikatoren vorhersagen, darunter das Wachstum, die Arbeitslosigkeit oder die Inflation. Einige der früheren Wettbewerbe wurden von Finanzspezialisten gewonnen, darunter ein Vertreter der Federal Reserve und Finanzmanger aus Chicago und New York. Alle anderen Gewinner seien Amateure. In einem Jahr habe eine Absolventin gewonnen, die noch keinen Job nach der Uni gefunden hatte. „Ein Volkswirt ist bisher nicht unter den Siegern gewesen, obwohl sich schon einige Ökonomen an den Vorhersagen versucht haben“, schreibt Bloomberg.

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Mitarbeit: Florian Käfer

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