Griechenlands Sparkurs reicht nicht

Die internationale Wirtschaftspresse zweifelt daran, dass der griechische Sparplan die Schuldenkrise eindämmen kann. Laut FTD droht bis zu 300 Mitarbeitern von Sal. Oppenheim die Arbeitslosigkeit. Expert berichtet über ein millionenschweres Geschäft des französischen Transportkonzerns Alstom in Russland. Fundstück: Regulierung in Obamas Schlafzimmer.

Mit drastischen Steuererhöhungen und Kürzungen im öffentlichen Dienst will der griechische Premierminister Giorgos Papandreou das Staatsdefizit drücken. Die britische Financial Times warnt davor, dass die Steuererhöhungen bei den Bemühungen, sich der EU-Defizitgrenze anzunähern, kontraproduktiv ausfallen könnten. Angesichts der fehlenden Maßnahmen zur Verbesserung des Außenhandels drohe die Senkung eines großen Teils der Binnennachfrage in kurzer Zeit die griechische Wirtschaft auszubremsen. In dieser Situation wäre ein „Stand-By-Agreement“ des IWF die beste Lösung, meint die FT.

Der Spar-Plan der Griechen sei zwar ehrgeizig, schreibt das Wall Street Journal , aber auch riskant. Denn anders als die meisten EU-Länder stecke Griechenland noch mitten in der Rezession – sollten die Verbraucherausgaben und Investitionen sinken, würden die erhofften Steuermehreinnahmen bedroht. Die größte Unsicherheit bestehe jedoch darin, ob es Griechenland gelingen werde, das Vertrauen in die griechischen Finanzen wiederherzustellen. Das Land müsse Investoren anlocken, um sich in den kommenden zwei Monaten 20 Milliarden Euro leihen zu können, mit denen die Gläubiger bedient werden sollen.

Les Echos aus Frankreich begrüßt den Sparkurs der Griechen, der vergleichbar sei mit dem der Iren, die die Gehälter der Beamten um 15 Prozent gekürzt hätten. „Das ist der logische Preis, den man zahlen muss, wenn man sich bis zum Hals verschuldet, von niedrigen Zinsen in der Eurozone profitiert und bei den Zahlen geschummelt hat.“ Doch der Schritt werde nicht ausreichen. Seit Wochen würden in Europa zwar Pläne für „den Fall, dass“ geschmiedet. „Jetzt ist die Zeit, um mehr dazu zu sagen. Die Karten hat dabei Berlin in der Hand. Deutschland muss verstehen, dass ein Anschub für Griechenland der Preis ist, den man zahlen muss, um die Zukunft des Euro zu sichern.“

Kahlschlag bei Sal. Oppenheim

Bis zu 300 Mitarbeitern des Traditionshauses Sal. Oppenheim droht laut Financial Times Deutschland die Arbeitslosigkeit: Alle Firmenteile, die nicht vom neuen Eigner Deutsche Bank weitergeführt werden und die nicht an die Australier von Macquarie verkauft wurden, würden geschlossen.

Jazztel präsentiert ehrgeizige Pläne

Gewohnt aggressiv sei der Ton beim spanischen Netzbetreiber Jazztel bezüglich der Geschäftserwartungen für die nächsten drei Jahre, beobachtet die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días. Sowohl den Umsatz als auch die Zahl der Kunden wolle Leopoldo Fernández Pujals, Hauptaktionär und Geschäftsführer von Jazztel, bis 2012 verdoppeln. Kaum eine Zielangabe scheine ihm zu riskant, rechne er doch fest damit, dass diese sogar noch übertroffen werde. Noch vor zwei Jahren sei die Kritik der Marktanalysten bezüglich allzu optimistischer Erwartungen laut und deutlich gewesen. Davon sei jetzt nichts mehr zu hören, schließlich habe sich Jazztel trotz der Wirtschaftskrise gut gehalten. Mit der Etablierung des Internetanbieters im spanischen Aktienindex Ibex stehe für den ehrgeizigen Unternehmer auch der nächste große Schritt längst fest, kommentiert die Zeitung. Nur eine Zahl werde laut Geschäftsplan wohl kaum steigen: die der Mittel für Investitionen.

Russische Eisenbahn tauscht Aufträge gegen Technologie

Der französische Energie- und Transportkonzern Alstom steigt beim größten russischen Waggonhersteller Transmashholding (TMH) ein, berichtet das Wirtschaftsmagazin Expert. Alstom werde mindestens 250 Millionen Euro für 25 Prozent plus eine Aktie von TMH zahlen. Auch die russische Eisenbahngesellschaft RZD halte eine Sperrminorität an Transmash. „TMH kann durch den Einstieg der Franzosen Zugang zu neuen Technologien erhalten“, schreibt das Blatt. Alstom und seine russischen Partner würden bereits an der Entwicklung einer neuen Lokomotive arbeiten, die später in Russland gefertigt werden soll. Außerdem habe RZD angekündigt, neue Züge und Doppelstock-Wagen von den Franzosen zu kaufen. „Somit würden beide Seiten von dem Geschäft profitieren. Alstom winken satte Profite aus den Geschäften mit der Staatsbahn, und Transmash kann auf französische Technologien zugreifen“, zitiert das Blatt Analysten.

Schweden essen aus dem Netz

Nahrungsmittel im Internet einzukaufen, werde in Schweden immer populärer, berichtet die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri. Dass man statt im Supermarkt die täglichen Einkäufe im Internet erledigen könne, sei nicht neu. In Zeiten der Dotcom-Blase hätte es wohl mehr Anbieter als Abnehmer für diese Geschäftsidee gegeben. Doch die Situation habe sich gewandelt, so die Interessenvertretung des schwedischen Handels. Die Kunden seien reifer geworden. Heute kämpften die verbliebenen und neuen Akteure auf diesem Markt bereits gegen Lieferengpässe an. Mathem, einer der „Newcomer“ im Geschäft, sei praktisch ausgebucht. „Unser größtes Problem ist es, den Aufträgen Herr zu werden“, zitiert das Blatt den Geschäftsführer: Zehn neue Mitarbeiter pro Woche müsse er einstellen; den Umsatz werde er im kommenden Jahr verzehnfachen. Der Pressechef von Axfood, eines der Unternehmen, das die Dotcom-Blase überlebt habe, sei angesichts der steigenden Nachfrage ebenso euphorisch: Der Markt wachse offensichtlich, da trotz zahlreicher neue Anbieter Axfood selbst keine Kunden verloren habe.

Neue Lokomotive für Asiens Wirtschaft

Das Abkoppeln vom Westen sei für die Wirtschaften Asiens immer wieder ein großes, wichtiges Thema, meint die Business Times aus Singapur. Inzwischen gebe es in Asien allerdings eine neue Art von Abhängigkeit aufgrund der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung Chinas. Der Bedarf der Volksrepublik nach Fertigprodukten oder Rohstoffen habe dabei besonderen Einfluss auf die Wirtschaft in Japan und Südkorea. China sei jedoch eine andere Art von Lokomotive als die USA oder Europa, schon allein, weil das Land immer noch ein Schwellenland sei und auch noch anfällig für Rückschläge. Noch sei das Land nicht so stabil wie die „alten Wirtschaften“, und die Gefahr von „Blasenbildung“ sei groß. Der Terminus der Abkopplung führe daher nur in die Irre und verberge, dass sich einfach nur die Abhängigkeitsverhältnisse in Asien änderten.

Fundstück: Regulierung in Obamas Schlafzimmer

Noch nie wurde das Thema Regulierung so komisch aufgegriffen: Ein Star-Ensemble aus u.a. Will Ferrell, Chevy Chase, Dan Aykroyd und Jim Carrey (Foto) tritt in diesem fünfminütigen Film auf, den das Portal Funny or Die zeigt. Der Spot beginnt damit, dass sich US-Präsident Barack Obama abends zu Gattin Michelle ins Bett legt. Letzte sorgenvolle Gedanken vor dem erwünschten Einschlafen: Warum gibt es nur so viel Widerstand gegen die geplante Verbraucherschutzbehörde bei Finanzdienstleistungen? Der Boden bebt, und nach und nach treten die alten Herren der US-Politik wie George W. Bush, Bill Clinton, Jimmy Carter und sogar Ronald Reagan ins Schlafzimmer, um Obama Mut zu machen…

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev, Fridolin Pöschl

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