Griechen gelingt die Kehrtwende

Die internationale Wirtschaftspresse sieht in der erfolgreich platzierten Anleihe einen deutlichen Fortschritt für Griechenland – für die EU-Länder bleibe jedoch noch viel zu tun. Fortune sorgt sich um den Giganten Apple. Bloomberg schlägt Goldman Sachs vor, den eigenen schlechten Ruf durch Zerschlagung aufzubessern. Fundstück: Delikate Inneneinsichten eines Chefs.

Aus Sicht der Financial Times ist die gestern platzierte milliardenschwere Anleihe der Griechen möglicherweise die Kehrtwende in der Schuldenkrise des Landes. Der Erfolg der Platzierung werde die Investoren nach tubulenten Monaten beruhigen. Zwar gingen Optimisten schon jetzt davon aus, dass das griechische Debakel keinen bleibenden Schaden am fragilen Gebäude der Währungsunion hinterlassen werde: Nach Einschätzung von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sei die Verschuldung der Eurozone zwar insgesamt zu hoch, im Vergleich zu den USA, Japan und Großbritannien bleibe sie aber moderat – während der Schuldenstand im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt im Euroraum bei 78,2 Prozent liege, betrage er in Japan 190 Prozent und in den USA 83,1 Prozent. Doch die FT gibt keine Entwarnung: „Da aber Spanien, Irland und Großbritannien die Zügel straffen, werden die kommenden fünf Jahre ein monumentaler Test für die politische Courage aller europäischer Staatschefs.“

Wenn Politiker und Aufsicht damit beginnen, nach den Schuldigen einer Krise zu suchen, ist ihr Ende nah, versichert die Wall Street Journal-Schwester MarketWatch . In der Debatte über die griechische Schuldenkrise, in der besonders Hedge-Fonds ins Visier genommen würden, sei dies ebenfalls der Fall. Jetzt werde sich die Debatte voraussichtlich zurück zur Beschneidung „obszöner Gewinne“ verlagern, zumindest bis zur nächsten Krise. Mit Blick auf die Anschuldigungen gegenüber Hedge-Fonds verweist der Wirtschaftsdienst auf die kluge Einschätzung von Lord Adair Turner. Der Chairman der britischen Finanzmarktaufsicht FSA habe erklärt, dass es „wichtige Fragen“ zum Nutzen des Handels mit Credit-Default-Swaps gebe, besonders wenn die Spekulanten kein Interesse an den Schulden selbst hätten, auf denen diese Instrumente basierten.

Das Wall Street Journal glaubt, dass die griechische Anleihe durch das sich abzeichnende Nein aus Berlin zu Finanzhilfen motiviert gewesen sei. Unglücklicherweise habe sich Griechenland in eine Position gebracht, in der es anfällig sei für Entwicklungen außerhalb der eigenen Kontrolle, die das Land vom Bond-Markt abtrennen könnten. Für Versicherungszwecke werde die Regierung möglicherweise weiterhin eine Auffangfazilität benötigen, also Geld für den Notfall, um den Sparplan durchziehen zu können. Fazit des WSJ: Die erfolgreiche Anleihe sei vielleicht nicht das Ende des Kampfes ums finanzielle Überleben, möglicherweise aber „das Ende des Anfangs“.

Goldman soll sich zerschlagen

Der Wirtschaftsdienst Bloomberg widmet sich dem angeschlagenen Image von Goldman Sachs. Während die Manager der Investmentbank monatelang so getan hätten, als ob die Empörung in der Bevölkerung und das negative Bild des Unternehmens in den Medien sie nicht tangierten, enthalte der jüngste Quartalsbericht eine Risiko-Anmerkung, nach der die schlechte Presse und das daraus folgende verstärkte Engagement der Aufseher die Geschäfte der Bank beeinträchtigen könnten. Als Ausweg aus der Imagekrise schlägt der Wirtschaftsdienst vor, einen „drastischen“ Schritt wie die Zerschlagung ins Auge zu fassen, um die „Reputation zu entgiften“. Das öffentliche Ansehen von Goldman Sachs aufzubessern, müsse für Bankenchef Lloyd Blankfein höchste Priorität haben. „Gleichwohl gibt es keinen Hinweis darauf, dass er eine Vorstellung hat, wie ihm das gelingen kann.“

Wird Apple evil?

Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune hinterfragt den harten Kurs von Apple gegenüber dem taiwanesischen Handyproduzent HTC. Hintergrund: Der iPhone-Hersteller hatte HTC jüngst beschuldigt, Patente missachtet zu haben und den taiwanesischen Hersteller daraufhin in den USA verklagt. Apple versuche wie die meisten großen Technologiefirmen, das System der Software-Patente für defensive Zwecke zu nutzen, kritisiert das Blatt. Und argumentiert auf einer Wellenlänge mit dem US-Technologie-Experten John Gruber, der davon ausgehe, dass der jüngste Streit kein Patent-Disput oder der Beginn von Verhandlungen sei, sondern zeige, dass sich Apple-Chef Steve Jobs persönlich gekränkt fühle. „Wenn Apple die Firma wird, die ihre Macht nutzt, um Wettbewerb zu zerstören, statt die guten Ideen der Wettbewerber weiterzuentwickeln, wird das dazu führen, dass die findigsten Köpfe dem Unternehmen den Rücken kehren. Sie wissen das, Sie haben das bei Microsoft gesehen“, zitiert das Blatt aus einem Offenen Brief des Mac-Entwicklers Will Shipley an Jobs.

Sal. Oppenheim endet als kleines Rädchen im Deutsche-Bank-Getriebe

Das Manager Magazin kommentiert den Abschluss der Übernahme von Sal. Oppenheim durch die Deutsche Bank. Künftig werde die einst so schillernde Kölner Privatbank nur noch ein kleines Rädchen im Getriebe des größten deutschen Geldhauses sein. Rückblickend schreibt das Blatt, dass Gier und Größenwahn die Bank der Schönen und Reichen die Unabhängigkeit gekostet hätten.

Fundstück: Delikate Inneneinsichten eines Chefs

David Sokol, der im Firmenimperium von Warren Buffet den Energiekonzern MidAmerican Energy Holdings (16.800 Mitarbeiter, Jahresumsatz 12,7 Milliarden Dollar) führt, hat im Eigenverlag das Buch „Pleased, But Not Satisfied“ veröffentlicht. Offenbar enthält das Buch heißbegehrte Informationen, denn bei Amazon sind laut Wall Street Journal aktuell nur vier Exemplare zwischen 35 und 120 Dollar zu haben. Das WSJ weiß, dass Buffett höchstpersönlich das Vorwort geschrieben hat. Und dass Sokol in seinem Buch zugibt, dass er eine interne Abschussliste führt: mit Namen von Mitarbeitern, die er als erstes feuern würde. Mit Blick auf die Fallstricke im M&A-Geschäft wählt Sokol einen Vergleich zur Ehe: Wenn ein Mann seiner Traumfrau den Antrag mache, gehe er davon aus, dass diese sich niemals ändern werde. Im Gegenzug habe die Frau alle Eigenschaften des Mannes studiert, die sie nach dem Eheschluss sicherlich werde ändern können – beide Annahmen seien grundlegend falsch.

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