Mit dem Bruttodenken in die Steuerfalle

Ist die Firma fast pleite und „Himmel, hilf”“ nicht mehr fruchtet, ist Stefan Hagen zur Stelle. Der Kabel Eins-Unternehmensberater („Hagen hilft“) hat besonders seit Anbruch der Wirtschaftskrise gut zu tun. Im Interview mit ecolot.de gibt der Coach einen Ausblick auf sein bei Redline erscheinendes Buch und verrät, in welchen Fällen auch ein Hagen hilflos ist.

Sie dürften angesichts der Finanzkrise und der Kreditklemme Hochkonjunktur bei kleinen und mittleren Unternehmen haben. Überwiegt Freude oder Mitleid?
Es stimmt, dass die Finanzkrise bei vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen ihre Spuren hinterlassen hat. Das geht aber nicht automatisch mit einer guten Auftragslage für die Berater einher. Denn zum einem mussten und müssen viele Unternehmen erhebliche Kosten einsparen, dazu gehören auch die Beratungskosten, und zum anderen konnten viele Unternehmen im letzten Jahr die Berater als Folge der Krise gar nicht mehr bezahlen. Für das Jahr 2010 geht die Branche aber wieder von steigenden Umsätzen aus.
Freude und Mitleid sind vielleicht nicht die richtigen Begriffe. Natürlich freut man sich über eine gute Auftragslage. Aber man darf nie die Not der Unternehmen, die ja meistens zu den Aufträgen führt, vergessen. Schließlich sind von wirtschaftlich schwierigen Situationen immer Menschen betroffen. Das dürfen wir Berater nie aus den Augen verlieren.
Mitleid hilft niemandem. Ich ärgere mich mit meinem Kunden, bin auch manchmal mit ihm wütend. Genau das ist nicht selten ein guter Antrieb, um weiterzukämpfen. Ein anderer Kampf  ist es zurzeit leider, neue Darlehen zu bekommen. Auch wenn das nie einfach war, ärgert es einen, wenn die Hausbank einer Finanzierung zustimmt und die KfW-Bank dies aus formalen Gründen ablehnt. Dann fehlt einfach jegliches Verständnis. Und das kommt, entgegen den politischen Verlautbarungen, leider momentan häufiger als vor zwei Jahren vor.

Was ist der häufigste Fehler, den Kleinbetriebe machen?
Scherzhaft antworte ich auf diese Frage immer, dass viele Menschen „in Fehlern denken, und nicht in Stärken“. Sie konzentrieren sich meist zu sehr auf die Dinge, die nicht gut laufen. Meine Aufgabe ist es dann, diesen Menschen die Augen zu öffnen und ihnen in einer schwierigen Situation zu zeigen, dass es trotzdem auch Dinge gibt, die gelingen. Genau da liegt der Anknüpfungspunkt, den Unternehmen zu helfen.
Natürlich gibt es auch Fehler, die Unternehmer machen.  Eine wirtschaftliche Schieflage entsteht nie aufgrund von einem einzelnen Fehler. Wenn ich jedoch einen häufigen Fehler herausstellen soll, dann ist es sicher das von mir sogenannte „Bruttodenken“.  Dabei wird der Gewinn am Ende des Monats als Einkommen betrachtet. Leider wird gleichzeitig vergessen, dass davon noch Steuern zu entrichten sind. So tappen viele Unternehmer in die selbst gestellte Steuerfalle. Sehr häufig muss ich feststellen, dass zusätzlich die privaten Lebenshaltungskosten höher als der Ertrag des Unternehmens sind. Und das, weil man sich mit diesen Kosten erst  gar nicht auseinandersetzt.
Abgesehen vom „Bruttodenken“ unterlaufen den Unternehmen aber auch  viele strategische Fehler.

Wie oft mussten Sie bisher bei angeschlagenen Unternehmen passen und sagen: Hagen hilflos?
So etwas kommt leider mitunter vor. Oft befinden sich die Unternehmen schon in einer Situation, in der man als Berater zu spät gerufen wird. Oder Fälle, wo bereits bei der Gründung so gravierende Fehler gemacht wurden, wie z.B. falscher Standort, so dass man nicht mehr helfen kann. Außerdem gibt es Fälle, bei denen es mir nicht gelingt, die Unternehmer so zu motivieren, dass sie die wirklich notwendigen Schritte einleiten.
Manchmal ist es aber auch eine Hilfe, jemanden bei der Auflösung eines Unternehmens, beim Loslassen  und bei einer Neuorientierung zu begleiten.

Ihre Unternehmensberatung ähnelt oft einer Lebensberatung oder einem Motivationstraining. Wie wichtig sind solche nicht-klassischen Qualifikationen?
Oh, sehr wichtig. Das ist ein Kern meiner Arbeit, denn ich behaupte, dass sich dies bei klein- und mittelständischen Unternehmen gar nicht voneinander trennen lässt. Die Zahlen sind schließlich immer Ergebnisse des Handelns von Menschen. Um die Zahlen positiv zu entwickeln, muss ich die Menschen positiv entwickeln. Es geht immer nur über den Menschen, den Unternehmer. Ich kann in einem Unternehmen viel verändern. Wenn der Unternehmer das allerdings nicht wirklich will, dann kann ich leider nicht weiterhelfen. Daher handelt mein Buch, das im April  erscheinen wird, auch nicht nur vom Tun, sondern auch vom Wollen.

Wie geht es mit Ihrer Sendung bei Kabel Eins weiter?
Nach meinem jetzigen Stand wird die Sendung nicht fortgesetzt.

Stefan Hagen: Hagen hilft!
… Ihrem Unternehmen auf die Sprünge

Redline April 2010
24,90 Euro

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