Die internationale Wirtschaftspresse wittert eine mögliche Lockerung der chinesischen Währungspolitik und analysiert die weitreichenden Folgen. Das Manager-Magazin kommentiert eine mögliche Bankenabgabe. Die russische Abwrackprämie erweist sich zunächst als Flop. Fundstück: Wall Street zu verkaufen.
Der monolithische Widerstand der Chinesen gegen eine Aufwertung der eigenen Währung habe einen Riss bekommen, schreibt die britische Financial Times . Die Dollarbindung sei eine Antikrisen-Maßnahme gewesen, die „früher oder später aufgegeben werden kann“, zitiert das Blatt den Chef der Chinesischen Zentralbank, Zhou Xiaochuan. Eine Aufwertung des Renminbi vom jetzigen Wechselkurs von 6,38 für einen Dollar wäre gut für Welt, meint die FT, weil dadurch eine Rückkehr der Welle billiger Kredite, die zur Subprime-Krise beigetragen habe, verhindert würde. Viel wichtiger jedoch: Sie sei auch gut für China, schließlich komme die Arbeit der Chinesen bisher vor allem westlichen Konsumenten zu Gute. Es sei absurd, dass sich die chinesischen Arbeiter die Früchte ihrer Arbeit nicht leisten könnten. Das Gros der Gewinne werde bisher gespart und als Kredite für den reichen Westen recycelt. „Eine stärkere Währung würde auch etwas Druck vom gefährlich heißen Dampfkessel der chinesischen Wirtschaft nehmen“, kommentiert das Blatt. So habe sich allein der Umsatz in der Immobilienbranche im vergangenen Jahr verdoppelt.
Das Wall Street Journal bleibt skeptisch und vergleicht die Aussagen Xiaochuans mit denen eines Diplomaten. „Er hat die Hoffnungen derer genährt, die auf ein Ende der Dollarbindung warten, sagte aber nicht, wie und wann China den Wert seiner künstlich unterbewerteten Währung steigen lassen wird“, moniert das Blatt. Bereits im Oktober habe sich der Chef der Chinesischen Volksbank ähnlich geäußert. Eine abrupte Aufwertung sei zwar der Wunsch einiger „ökonomischer Puristen“, wäre aber ein äußerst untypischer Schritt für die chinesische Führung. Eine Wiederaufnahme der Politik der stetigen Aufwertung wie in den Jahren 2005 bis 2008 würde allerdings die Kontrolle der Inflation von Konsum- und Assetpreisen erschweren. „Die Händler werden jedenfalls weiter in Hoffnung leben“, so die Zeitung.
Der australische Business Spectator interpretiert die Äußerung des chinesischen Zentralbankers hingegen als „äußerst wichtig“. Die USA und Europa hätten China schon lange dafür kritisiert, dass es den Wechselkurs seiner Währung künstlich niedrig halte, was den Chinesen einen „riesigen und unfairen Vorteil“ gegenüber amerikanischen und europäischen Herstellern auf dem internationalen Markt verschafft habe. Während der anhaltenden Wirtschaftskrise hätten die EU und USA ihre Kritik jedoch auch mit konkreten Zollschranken etwa auf chinesische Reifen oder Schuhe untermauert. „China wird extrem darauf bedacht sein, eine aufkeimende protektionistische Stimmung in den USA zu vermeiden“, vermutet das Blatt. Ökonomen gingen deshalb von einer fünfprozentigen Aufwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar aus. Das wäre zwar immer noch weit unter den 30 Prozent, die nötig wären, um „wettbewerbliche Neutralität“ herzustellen, allerdings genug, um zu signalisieren, dass die Kritik aus Europa und Amerika ankomme.
Bankenabgabe zwischen Vorsorge und Populismus
Das Manager Magazin gibt sich fassungslos angesichts der Ideenlosigkeit der Bundesregierung, wie die Banken an den Kosten ihrer eigenen Rettung beteiligt werden sollen. „Wie bitte? Anderthalb Jahre nach der Lehman-Pleite und nicht weniger als fünf Monate nach der Verstaatlichung der Hypo Real Estate befindet sich unsere Regierung, die doch gerade ihren 80-Milliarden-Euro-Neuverschuldungshaushalt verabschiedet hat, bezüglich der Refinanzierungsmöglichkeiten noch in der Ideenfindungsphase?“, empört sich das Blatt. Dabei rutsche die regierende Koalition mit Forderungen nach einer „Bankabgabe“ in Populismus ab.
Asiatische Frauen stark benachteiligt
Anlässlich des gestrigen Internationalen Frauentags macht die indische Economic Times auf die schwierige Situation der Frauen im Wirtschaftsleben des asiatisch-pazifischen Raums aufmerksam. So seien zum Beispiel die Produktionsmittel sehr ungleich verteilt. „Nur rund sieben Prozent der Landwirtschaftsbetriebe gehören Frauen, während in vielen Teilen der Welt rund 20 Prozent üblich sind“, vergleicht das Blatt. Und fordert: „Es muss institutionelle Anreizmechanismen geben, zum Beispiel eine niedrigere Einkommenssteuer für Frauen“. Außerdem müsse das Erbrecht der Frauen gestärkt werden. Der wirtschaftliche Effekt von Gleichberechtigung wäre immerns. Einem UN-Bericht zu Folge könne das BIP Indiens durch eine höhere Beschäftigungsquote der Frauen um mehrere Prozentpunkte wachsen.
Abwrackprämie zunächst gefloppt
Gestern ist in Russland eine Variante der Abwrackprämie an der Start gegangen, berichtet Vedomosti. Das Programm verschaffe den Käufern neuer Autos aus russischer Produktion einen Rabatt von rund 1250 Euro im Tausch für ein mindestens zehn Jahre altes Auto, das anschließend verschrottet werde. Doch der Start sei wenig erfolgreich verlaufen: „Die Moskauer Autosalons verzeichneten mitunter sogar noch weniger Besucher als an normalen Tagen“, schreibt das Blatt. Eine der größten Moskauer Autohaus-Ketten Automir habe rund 100 Interessenten gemeldet, von denen allerdings nur zwei ihren alten gegen einen neuen Lada getauscht hätten. Ein Ansturm wie in den USA sei also ausgeblieben. Dort seien die staatlichen Zuschüsse in Höhe von einer Milliarde Dollar, die eigentlich für vier Monate reichen sollten, bereits nach einer Woche weg gewesen.
Mapfre ist nicht zu bremsen
Trotz denkbar schwieriger Rahmenbedingungen rechne der Versicherer Mapfre fest mit Gewinnen in sämtlichen Geschäftsbereichen, berichtet die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días. Um jeden Preis wolle das von José Manuel Martínez geführte Unternehmen wachsen. Einfach werde das Geschäftsjahr 2010 sicherlich nicht, zitiert die Zeitung den Firmenchef. Bereits jetzt habe das Wetter in Spanien und an der Ostküste der USA dem Versicherer allerhand Sorge bereitet; vom Erdbeben in Chile ganz zu schweigen. Davon lasse sich Mapfre scheinbar nicht beeindrucken und setze weiterhin auf den Ausbau seines Geschäfts im Ausland. Den Umsatz von 18,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr wolle Mapfre 2010 insbesondere durch neue Produkte und gezielte Investition in internationale Märkte weit übertreffen.
Fundstück: Wall Street zu verkaufen
Kevin Lessin, Ex-Broker bei Merrill Lynch, will wissen, wie viel die Wall Street wirklich wert ist, schreibt das Wall Street Journal. Referenzobjekt ist ein Straßenschild von 1890, das einst die Kreuzung Wall Street / Broad Street markierte. Dummerweise hat sich der Ex-Banker die denkbar schlechteste Zeit für sein Experiment ausgesucht: Wegen der Finanzkrise und der Verärgerung in der Bevölkerung steht die lässt die aktuelle Ebay-Auktion unter keinem guten Stern. 125.000 Dollar will Lessin für das Schild haben – was bisher noch kein Wall-Street-Fan zahlen wollte.
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