Die internationale Wirtschaftspresse beschäftigt sich mit den geplanten Richtlinien der EU gegen Spekulation. Der Economist beklagt den Protektionismus der Amerikaner im Wettstreit von Boeing und EADS. Und das Wall Street Journal zeigt, wie Sony von 3D profitieren will. Fundstück: „I need Spain“.
Die geplante Richtlinie der EU zur Eindämmung der Spekulation mit so genannten Credit Default Swaps (CDS) als Kreditversicherung stoße in USA auf Wohlwollen und sei künftig auch hoch auf der Agenda der G20-Nationen. Das sagte der griechische Premierminister Giorgos Papandreou nach Gesprächen mit US-Präsident Barack Obama und seinem Finanzminister Timothy Geithner laut Financial Times . „Die Reaktion der Amerikaner ist sehr ermutigend“, so Papandreou. Washington sei der Meinung, dass die Initiative zur Eindämmung der Spekulation mit den CDS-Papieren, die im Zuge der Griechenland-Krise in Verruf geraten waren, gut zu den eigenen Reformplänen für das Finanzsystem passe, zitiert das Blatt einen nicht weiter genannten Regierungsbeamten. Die Pläne des US-Präsidenten würden den Handel mit Derivaten künftig transparenter machen und den Kontrollbehörden verbesserte Mittel in die Hand geben, mit Marktmanipulationen aufzuräumen.
Der Wirtschaftsdienst Reuters hingegen meint, Papandreous Bitten, der Spekulation mit Credit Default Swaps künftig einen Riegel vorzuschieben, stoße in USA auf taube Ohren. Stattdessen gebe es in Washington nur einen guten Rat für den griechischen Premier: Er solle lieber in den Spiegel schauen, statt die Reaktion der Märkte für seine Schulden-Misere verantwortlich zu machen. Es sei üblich, immer die Spekulanten zu beschuldigen, sage Edwin Truman, ehemaliger Mitarbeiter der Federal Reserve, „aber manchmal haben die Spekulanten einfach recht.“ Tatsächlich habe die US-Regierung nicht mehr gesagt, als dass sie den Derivate-Markt künftig reformieren werde, indem sie ihn transparenter machen und mit Auflagen für höhere Kapitalreserven versehen wolle. „Wenn die Eurozone den Handel mit CDS einschränkt, die USA aber nicht, oder umgekehrt, kann man davon ausgehen, dass die Händler schon einen Weg über die Grenzen finden werden für diese Transaktionen“, zitiert die Agentur Denis McCusker, Partner in der Anwaltskanzlei Bryan Cave.
Auch die Business Week beschäftigt sich mit dem Papandreou-Besuch und den Folgen etwaiger Einschränkungen der Finanzmärkte für die USA. Die Ökonomien der Euro-Region seien im vierten Quartal 2009 nur 0,1 Prozent gewachsen, und die Versuche, die Finanzkrise mit Regularien einzudämmen, könnten das Wachstum auch künftig bremsen. Das wiederum beeinflusse auch die US-Wirtschaft negativ und behindere Obamas Versuche, die Arbeitslosenrate von 9,7 Prozent zu senken. Trotzdem sagte Robert Gibbs, Sprecher der US-Regierung, die Europäer sollten die Führung in der griechischen Frage übernehmen: „Das ist ein Thema für die EU.“
Protektionismus made in USA
Die britische und die deutsche Regierung befürchten, das Pentagon könnte den freien Wettbewerb behindern, um Boeing bei der Vergabe des Tankflugzeuge-Auftrags im Wert von 35 Milliarden Dollar zu unterstützen. Die EU drohe den Amerikanern gar mit Sanktionen. Vorausgegangen war die Meldung, dass Northrop Grumman und sein europäischer Partner EADS nicht einmal mehr bieten für den Großauftrag. 2008 habe Northrop-EADS den Deal eigentlich schon gewonnen, doch als das Pentagon das Verfahren noch mal neu aufrollte, sei klar geworden „dass die neuen Bedingungen für Boeing günstiger sind“, schreibt der Economist. Diese Entwicklung habe nicht nur das Potenzial, „die europäisch-amerikanischen Handelsbeziehungen zu vergiften“, sondern auch böse Folgen für EADS: Nicht nur sei der Versuch gescheitert, weniger abhängig vom zyklischen zivilen Markt für Flugzeuge zu werden, sondern Erzrivale Boing sitze jetzt auch noch „bequem auf einem dicken Polster aus dem Verteidigungshaushalt.“
Toyota wirbt, als sei nie was gewesen
Während die internationale Presse voll sei von Berichten über den Prius-Besitzer, der die Polizei anrief, weil sein Gaspedal in voller Fahrt auf einer kalifornischen Autobahn festhakte, werbe Toyota mit einer Kampagne, die kein Wässerchen trüben könne, wundert sich Fortune. Die Rückrufaktion werde in den Spots gar nicht erwähnt, nur die derzeit extrem niedrigen Kaufpreise der Wagen. Marketingexperten jedoch fänden die Aktion genau richtig: Die Baby Boomer hätten schließlich schon seit 30 Jahren immer wieder Toyotas in der Garage und mit ihnen auch gute Erfahrungen gemacht, beobachte beispielsweise John Wolkonowicz, ein auf Autos spezialisierter Berater bei IHS Global Insight. „Die wollen doch jetzt nicht hören, dass sie über Jahrzehnte das falsche Produkt gekauft haben“, meint Wolkonowicz. Solange es nicht wirklich peinlich werde, Toyota zu fahren, blieben die Boomer ihrer Marke auch treu. Deswegen sei das Letzte, was Toyota jetzt tun sollte, weiter über seine Probleme zu reden.
Sony will von 3D profitieren
Künftig will Sony 70 Prozent mehr Fernseher verkaufen und dabei aggressiv seine 3D-Geräte in den Markt drücken. Premiere für das neue Angebot sei im Juni – ganze drei Monate, nachdem Konkurrenten wie Samsung, LG und Panasonic ihre 3D-Novitäten vorstellen. Der Erfolg der Aktion wird entscheidend werden für Sonys schwächelndes TV-Geschäft, schreibt das Wall Street Journal. Dieses Segment bei Sony verliere schon seit sechs Jahren immer nur Geld, aber das Unternehmen hoffe, das Interesse an 3D werde auch das an seinen technisch aufwendigen, teuren und daher auch margenstarken Geräten anfachen.
Iberia rüstet sich für die Zukunft
Die spanische Wirtschaftszeitung Expansión erörtert die zukünftige Rolle von Iberia im internationalen Flugreisegeschäft. Durch die Fusion mit British Airways habe die spanische Fluggesellschaft einen starken Partner zur Seite, der dabei helfe, die gemeinsame Wettbewerbsposition in einem zunehmend konsolidierten Markt zu stärken. Das sei auch dringend nötig, schließlich verhandele die Europäische Union bereits mit den Vereinigten Staaten über die gegenseitige Gewährung weitreichender Freiheiten der Lüfte (Freedoms of the air). Dadurch entstehe neben lukrativen Chancen auch neuer Wettbewerb. Das wisse Antonio Vázquez, der Präsident von Iberia, und versuche wohl auch deshalb, die geplante Fusion mit den American Airlines als amerikanischem Partner zügig voranzutreiben. Sowohl europäische als auch amerikanische Airlines müssten sich anstrengen, um sich auf dem globalen Markt gegen Fluggesellschaften aus Ländern wie China oder Indien weiter behaupten zu können, warnt die Zeitung.
Fundstück: ‘I need Spain’
So sieht sie also aus, die brandneue, 7,5 Millionen Euro teure Kampagne zur Vermarktung der Tourismusdestination Spanien im Ausland, kommentiert die Wirtschaftszeitung Expansión. ‘I need Spain’, ich brauche Spanien, sei der Slogan, mit dem internationale Größen wie der Sternekoch Ferrán Adriá, die spanische Fußball-Nationalmannschaft oder die sechsfache Kitesurf-Weltmeisterin Gisela Pulido in über 40 Ländern für Urlaub in Spanien werben sollen. Konsolidieren und stärken wolle er die spanische Vorherrschaft für Urlaubsreisen, zitiert die Zeitung den zuständigen Staatssekretär für Tourismus, Joan Mesquida. Schließlich müsse die Welt erfahren, dass Spanien außer ausgezeichneten Stränden noch viel mehr zu bieten habe. Dass Spanien unwiderstehlich sei, davon können sich bis zu 400 Millionen Fernsehzuschauer dank der Imagekampagne in sechs Sprachen zukünftig selbst überzeugen, resümiert die Zeitung.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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