Barclays greift in den USA und Europa an

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die Expansionspläne der britischen Großbank Barclays. Dr. Doom und die britische Finanzaufsicht haben Angst vor einer Double-Dip-Rezession. Laut Forbes ist ein Mexikaner reicher als Bill Gates und Warren Buffett. Fundstück: Der heißeste Banker-Nachwuchs.

Die Debatte über die Agenda 2010 der Barclays Bank ist eröffnet: Nach verschiedenen Medienberichten wollen die Briten in den USA und möglicherweise auch in Westeuropa Privatkundenbanken übernehmen. Hintergrund sind unter anderem striktere Regeln für das Liquiditätsmanagement, auf die sich Barclays mit der Abwendung vom Investmentbanking vorbereiten will.

Wie die Financial Times berichtet, tippen Analysten in den USA auf SunTrust, PNC Financial und US Bancorp – allesamt staatlich gestützte Institute – als Übernahmekandidaten; auch Citizens (gehört zur Royal Bank of Scotland) und Fifth Third würden heiß gehandelt. Die FT geht davon aus, dass die Wettbewerber BBVA und Santander – die bereits taumelnde US-Banken übernommen hätten – jeden größeren Deal der Briten torpedieren wollen. Für Barclays wäre der Schritt insofern eine Kehrtwende, als noch im September 2009 die Devise ausgegeben worden sei, dass Europa gegenüber den USA als Wachstumsmarkt Priorität habe. Doch inzwischen habe die Bank mit Antony Jenkins einen neuen Chef fürs Privatkundengeschäft.

Der Reuters-Wirtschafts-Kommentardienst Breaking Views geht nicht davon aus, dass Barclays allein durch finanzielle Motive zur Expansion getrieben werde. Die Bank habe ein gutes Jahr 2009 absolviert; die Kernkapitalquote habe über zehn Prozent gelegen. Stattdessen sei der Plan, sich zu einer globalen Universalbank aufzuschwingen, schon viel früher gefasst worden. Um in Washington jedoch ernst genommen zu werden, sei eine stärkere Präsenz beim US-Verbraucher wichtig. Dabei solle Barclays jedoch nicht vorschnell agieren, rät Breaking Views. Es gelte, die Auswirkungen der Basel-3-Reformen sowie die Pläne zum Verbot von Eigenhandel für Universalbanken abzuwarten.

Das Wall Street Journal berichtet, dass Barclays nicht nur in den USA, sondern auch in Europa nach Übernahmekandidaten im Retail-Bereich Ausschau hält. Dies wäre dann eine Ergänzung zu den jüngsten Übernahmen wie dem Kauf des Citigroup-Kreditkartengeschäfts in Portugal und Italien. „Barclays wittert die Chance, das Geschäft auszubauen, nachdem die Bank die Finanzkrise besser überstanden hat als viele der Rivalen. Sie ist besonders daran interessiert, die eigene Marke in den USA bekannter zu machen“, schreibt das WSJ. Übernahmeziele gebe es auf dem 8000 Banken starken US-Finanzmarkt zwar grundsätzlich genug – gleichwohl seien davon nur wenige groß und gesund genug, um für einen Riesen wie Barclays attraktiv zu erscheinen.

Deutschland muss Griechenland helfen

Das Manager Magazin richtet sich in einem Kommentar gegen die Stammtisch-Parolen, nach denen „wir sparsamen Deutschen“ unsere „sauer verdienten Euros“ nicht in ein griechisches Fass ohne Boden versenken dürfen. Tatsächlich habe Deutschland keine Alternative, als zu helfen, das wir nur so unser Geld vor politischen Übergriffen schützen könnten. Die Gemeinschaft könne es sich nicht leisten, ganze Regionen in die Pleite oder in die „austeritätsgetriebene Verarmung“ abrutschen zu lassen. „Zu gravierend wären die Wechselwirkungen auf den Handel und auf die Finanzsektoren in den übrigen Euro-Staaten.“ Den Warnungen der „deutschen Euro-Schwergewichte“ Jürgen Stark (Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank) und Axel Weber (Bundesbank-Chef), dass fiskalische Hilfen der Schuldenmacherei in der EU Tür und Tor öffneten und einen weichen Euro beförderten, hält das Blatt entgegen: „Die Euro-Zone ist längst eine Schuldengemeinschaft – wie fast alle westlichen Staaten. Dass der Euro dennoch bisher stabil ist, liegt daran, dass die Europäische Zentralbank (EZB) eine unabhängige Geldpolitik betreiben kann.“

Angst vor Double-Dip-Rezession

Lord Adair Turner, Chef der britischen Finanzaufsicht, hat nach einem Bericht der Financial Times neue Stresstests für britische Banken angeordnet. Damit solle die Möglichkeit einer Double-Dip-Rezession, bei der die Konjunktur nach einer Schwäche- und Aufschwungphase zum zweiten Mal hintereinander ins Minus rutscht, durchgespielt werden. Konkret müssten die Banken nachweisen, dass ihre Kernkapitalquote im Worst-Case-Scenario – bei dem die Wirtschaft um weitere 2,3 Prozentpunkte im Vergleich zu Ende 2009 schrumpft – über vier Prozent läge.

In seiner Forbes-Kolumne warnt der Ökonom Nouriel Roubini („Dr. Doom“) ebenfalls vor einer Double-Dip-Rezession. Besonders den USA drohe diese im zweiten Halbjahr, falls die fiskalischen Stimuli zurückgefahren werden. Doch auch in Europa sei durch die Schuldenkrise eine Double-Dip-Gefahr gegeben. Sollte in Großbritannien eine Sterling-Krise anbrechen, hätte Europa große Schwierigkeiten, für die US-Exporte eine Nachfrage-Quelle darzustellen – was das Wachstum der globalen Nachfrage bedrohen und in eine Double-Dip-Rezession in den reichen Ländern münden könnte.

Mexikaner erobert die Spitze der Reichen

Forbes legt außerdem das aktualisierte Ranking der reichsten Menschen der Welt vor. An der Spitze hat es demnach ein Revirement gegeben: Der mexikanische Milliardär Carlos Slim Helú (geschätztes Vermögen: 53,5 Milliarden Dollar) hat die Vorjahres-Reichsten Bill Gates und Warren E. Buffett auf dem Spitzenplatz abgelöst – und das, obwohl alle drei Männer ihr Vermögen mächtig hätten ausbauen können. Auf Platz zehn rangiert Aldi-Mitgründer Karl Albrecht (23,5 Milliarden Dollar).

Spanischer Konjunkturplan umstritten

Hinter Schloss und Riegel wünsche sich die spanische Stromindustrie den Konjunkturplan ihrer Regierung, schreibt El Economista. Der Plan, mit dem der spanische Präsident José Luis Zapatero das Wirtschaftswachstum ankurbeln wolle, führe zu einem erheblichen Anstieg der Strompreise für Endverbraucher, argumentiere Unesa, der Verband spanischer Stromerzeuger. Bis zu 65 Prozent könne der Strompreis aufgrund eines dramatischen Angebotsüberschusses von Strom aus Wind- und Sonnenenergie steigen. Denn der Überschuss führe dazu, dass Strom an den Märkten annähernd kostenlos zu haben sei, wodurch teilweise erhebliche Investitionen in erneuerbare Energien nicht mehr gedeckt werden können. Dafür müsse dann der Verbraucher bezahlen. Davon abgesehen habe sich die spanische Regierung bei der Berechnung der Stromnachfrage schlichtweg verkalkuliert, zitiert die Zeitung den Stromverband.

Großbritannien weiß noch nicht wohin

Zehn Wochen vor der Wahl scheine Großbritannien nicht zu wissen, wo es stehe und wo es hin wolle, meint die Business Times aus Singapur. Eine Ursache der Orientierungslosigkeit sei der „finanzielle Trübsinn“, der vorherrsche. In den vergangenen zwei Jahren sei das Parlament von Geldverschwendungsskandalen erschüttert worden. Anschließend sei gleich die Rezession gekommen, und das Land habe feststellen müssen, dass die Finanzdienstleistungsbranche keine Ahnung von Geld habe – während die Regierungen die Kapitalvernichtung unterstützt und begünstigt hätten. Heute kündigten die potenziellen Landeslenker zwar an, dass sie die Rezession bekämpfen und die „guten Zeiten zurückbringen“ werden. Dabei sei aber „kein Politiker oder keine Partei in der Lage, zu sagen, was sie wirklich tun werden“. Sollte der Pessimismus der Briten anhalten, drohe könnte Britannien seine Vorsilbe „Groß“ zu verlieren, und die Anleihen könnten zum Verkauf stehen.

Fundstück: Der heißeste Banker-Nachwuchs

Der Business Insider widmet sich den Töchtern und Söhnen von Bossen auf dem Finanzmarkt, die es per se gut hätten im Leben: gute Connections, gute Gene und attraktive Lebensläufe. Viele von ihnen seien jetzt alt genug, um bald “die Welt zu erobern”. Unter den Porträtierten (Überschrift: “Der heißeste Nachwuchs”) sind die Kinder von Blackrock-Mitgründer Laurence Fink, Barclays-CEO Bob Diamond, Blackstone-Boss Steve Schwarzman – und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Tochter Catherine sei gerade dabei, sich als Schauspielerin einen Namen zu machen. Sie sei in einigen Spielfilmen aufgetreten und habe an einer iPhone-Werbung mitgewirkt.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer

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