Die internationale Wirtschaftspresse beleuchtet die Reaktionen auf Googles Rückzug nach Hongkong, Fortune glaubt, dass Griechenland mit dem „Gyro“ seine eigene Währung schaffen könnte. Und Forbes betrachtet den größten Fall von Insiderhandel seit Jahren in Großbritannien. Fundstück: Bill Gates will Atomreaktor bauen.
Das Wall Street Journal beschäftigt sich mit den Reaktionen in der Volksrepublik China auf den Rückzug von Google nach Hongkong, einer „Mischung aus Abneigung und Verwirrung“. Ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums verwarf den Vorwurf, Chinas Image würde leiden: „Die einzige Reputation, die hier leidet, ist die von Google.“ Derweil seien chinesische Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner des Providers dabei, sich auf den Showdown einzustellen. Bislang bleibe unklar, ob Google seine anderen Geschäfte wie den Anzeigenvertrieb und Entwicklungssarbeit weiter in der Volksrepublik betreiben kann und will. Auch sei offen, was aus den Kooperationsverträgen mit chinesischen Unternehmen wie dem Internetportal Sina.com und dem Staatsbetrieb China Mobile LTD werde. Allerdings zögen sich bereits erste Unternehmen wie die Mediengruppe TOM aus Hongkong zurück und kippten Google von ihren Seiten. Ihre Begründung: „Als chinesisches Unternehmen halten wir uns an die Regeln der Volksrepublik, wo wir unsere Geschäfte machen.“
Vielleicht sei Google einfach „zu clever“ für China, wendet die Financial Times ein und zitiert Fang Xingdong, einen Internetunternehmer, der als Vater der chinesischen Bloggerszene gilt: „Google hat sich so selber in die Ecke manövriert.“ Sei die entscheidende Frage doch, wie die Volksrepublik langfristig mit der Site in Hongkong umgehen werde. Wenn Peking schlau sei, lasse es erst mal alles, wie es ist und ziehe nicht weiter die Aufmerksamkeit der Welt auf seine Zensurpraktiken. Der eigentliche Verlierer sei jedenfalls der chinesische Bürger, Google habe nichts weiter erreicht, als nach seinen eigenen Standards „gut auszusehen“. Google hätte besser die Bedürfnisse seiner Nutzer in den Vordergrund stellen sollen, klagt Fang, „denn wenn Google nicht die Verantwortung für das Filtern der Nachrichten übernimmt, dann macht das eben die chinesische Regierung.“
Auch andere Unternehmen aus dem Ausland wollen sich der Arroganz und Selbstherrlichkeit der kommunistischen Machthaber nicht länger beugen, kommentiert die Wirtschaftswoche. Die Regierenden machten den ausländischen Unternehmen das Leben immer schwerer. So fühlen sich 38 Prozent aller amerikanischen Unternehmen in China nicht mehr willkommen, zeige eine aktuelle Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in China.
Athen: Vom Euro zum Gyro?
Griechenland überlege, die Eurozone zu verlassen und sich eine neue eigene Währung zu geben, der „hungrige Ökonomen“ schon den Namen „Gyro“ gegeben hätten, wie Fortune frotzelt. Es wäre ja schön, wenn man die griechischen Probleme so einfach einwickeln könnte wie einen Gyros, meint das Magazin, aber Angela Merkel wolle da nicht mitkochen. Nun sitze der IWF in den Startlöchern um zu helfen, aber es sei unwahrscheinlich, dass die anderen Euro-Nationen diese Schmach zulassen würden. Während die griechische Regierung beteuere, ein Verlassen der Eurozone käme nicht in Frage, könnte es durchaus sein, dass ihr keine Wahl bleibe, weil Athen schlicht aus dem Verbund geworfen werden könne. Ökonomen wie Michael Arghyrou von der Cardill Business School und John Tsoukalas von Nottingham School of Economics würden derweil zwei Eurozonen vorschlagen: eine für schwache Länder wie Griechenland oder Portugal, eine andere für den Rest.
WTO schlägt sich auf die Seite von Boeing
Die World Trade Organization unterstütze die Beschwerden der Amerikaner über die europäischen Subventionen für die Luftfahrtindustrie, meldet die BusinessWeek. Airbus hätte seinen wachsenden Marktanteil niemals ohne die illegale staatliche Unterstützung der Europäer zustande gebracht, sei die Interpretation des Votums durch die amerikanische Regierung. John Clancy, Sprecher der Europäischen Kommission für Handel, meint jedoch, dass noch keiner den Sieg für sich beanspruchen solle, die WTO habe nämlich den größeren Teil der amerikanischen Klagen zurückgewiesen. In Toulouse verkündete Airbus derweil, die WTO habe die Legalität der zurück zu zahlenden so genannten „Starthilfe“ für das neue Modell A350 bestätigt. Das Urteil der WTO sei zwar zunächst bindend, aber mit den zu erwartenden Einsprüchen könne es noch bis 2013 dauern, bis die Sache endgültig entschieden sei, schreibt das Magazin.
Insiderhandel bei der Deutschen Bank?
Während amerikanische Hedgefund-Manager noch damit angeben, dass sie die riskanten Geschäfte vermieden hätten, die der Wall Street so viele Probleme verursachten, gab es in Großbritannien eine Razzia bei gleich drei bekannten Finanzdienstleistern wegen Insiderhandel: Deutsche Bank, BNP Paribas und einer der größten Hedgefunds der Welt, Moore Capital, wurden durchsucht und einige Mitarbeiter wurden auch verhaftet, schreibt Forbes. 150 Beamte untersuchten 16 verschiedene Örtlichkeiten und reagierten so auf die Vorwürfe beiderseits des Atlantiks, dass die Behörden „während der Blasenjahre im Job versagt haben“. Jetzt sei nur die Frage, ob die Anschuldigungen auch in Verurteilungen umgewandelt werden könnten, denn nicht nur in den USA würden die Gerichte es zunehmend schwierig finden, Schuldsprüche zu erzielen.
Patente-Boom in Frankreich
Endlich hätten Frankreichs Unternehmen wieder Lust bekommen ihre Erfindungen beim Patentamt zu schützen, kommentiert die französische Wirtschaftszeitung Les Echos die alljährlich veröffentlichte Statistik des französischen Patentamts INPI. Die Hitliste bei den Patentanmeldungen im Jahr 2009 werde von PSA-Peugeot angeführt. Der Autohersteller habe im vergangenen Jahr um ein Drittel mehr Patente registrieren lassen als im Vorjahr. Der Konzern schlage damit offensichtlich einen Weg ein, der in Asien bereits zum Status Quo in Sachen Innovations-Strategie gehöre: Spüle jegliche Ambitionen deiner Konkurrenten mit einer Patentlawine einfach weg. Sehr erfreulich an der Statistik des INPI sei zudem, dass es drei öffentliche Forschungseinrichtungen unter die zehn Erstplatzierten geschafft hätten. Das Vorhaben der Regierung, eine kohärente Forschungspolitik einzuschlagen, scheine somit erste Früchte zu tragen. Das Fazit, so die Zeitung: Frankreichs Innovationspolitik sei auf dem richtigen Weg, nun müsse noch daran gearbeitet werden, geschützte Erfindungen auch anwendungsorientiert umzusetzen.
Fundstück: Bill Gates will Atomreaktoren bauen
Die von Bill Gates kontrollierte Firma TerraPower will gemeinsam mit Japans Toshiba Corp. einen kleinen Atomreaktor bauen. Der so genannte „Traveling Wave“ Reaktor soll bereits genutztes Uran weiterverwenden und für Dekaden funktionieren, ohne dass Brennstoff nachgeladen werden müsse, meldet die Wirtschaftsagentur Reuters. Vor allem in Schwellenländern gibt es augenscheinlich große Nachfrage für diese Technologie. Microsoft-Gründer Gates ist offenbar dabei, mehrere Milliarden Dollar aus der eigenen Schatulle in das Projekt zu stecken, dessen kommerzielle Anwendbarkeit noch mehr als zehn Jahre dauern könnte, zitiert die Agentur die japanische Presse.
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