Euroländer zwischen Reformen und Stagnation

Die internationale Wirtschaftspresse sieht die Regierungsschefs beim heutigen EU-Gipfel an einem Scheideweg. Challenges geißelt den scheinheiligen Umgang mit Subventionen in der Luftfahrtbranche. Fundstück: Verführerische Männer in Badeanzügen.

Die Financial Times beschreibt mit Blick auf den heutigen EU-Gipfel das Dilemma der Regierenden: Eine Pleite von Griechenland könnte einen „Finanz-Feuersturm“ auslösen. Eine Rettung der Griechen wiederum würde dazu führen, dass jedes Land der Eurozone davon ausgehe, im Fall der Fälle die Rückendeckung von Deutschland und Frankreich zu haben – „das moralische Risiko würde regieren“. Vor diesem Hintergrund sei die Haltung der Deutschen, Griechenland solle beim Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten, die richtige. Auch die Forderung der Deutschen nach einer neuen Steuerung der Eurozone sei richtig. Diese jedoch müsse mehr leisten, als verschwenderische Länder bestrafen.

Das Wall Street Journal sieht die 16 Mitgliedsländer der Eurozone an einem Scheideweg: Entweder könnten sie das wirtschaftliche Wachstum dadurch ankurbeln, dass sie hohe Handelsüberschüsse einzelner Länder beschnitten und die Arbeitsmärkte liberalisierten. Die Alternative sei ein Jahrzehnt der ökonomischen Stagnation. „Die Länder in der Eurozone haben im ersten Jahrzehnt der gemeinsamen Währung an Dynamik verloren, mit einem Jahreswachstum von 1,7 Prozent zwischen 2000 und 2008 gegenüber einem Wachstum von zwei Prozent in den 1990ern. Das nächste Jahrzehnt könnte schlimmer werden: Eine höhere Verschuldung und ein Anstieg der Rentner-Zahlen wird die Steuern hochtreiben und Unternehmen sowie Verbraucher belasten“, blickt das Blatt in die Zukunft.

BBVA und Santander trotz Schulden stabil

Gemeinsam sind Santander und BBVA höher verschuldet als alle anderen spanischen Banken zusammen, stellt die Wirtschaftszeitung Expansión fest. 37,6 Milliarden Euro an Verbindlichkeiten habe das mächtige Banken-Duo angehäuft und stehe trotzdem besser da als die meisten anderen Kreditinstitute. Schließlich habe weder Santander noch die baskische BBVA auf staatliche Hilfen zurückgreifen müssen. Davon abgesehen hätten beide Banken bei der Wiederbelebung des europäischen Kreditmarktes nach der schweren Finanzkrise eine wichtige Rolle gespielt. Zum Beispiel habe Santander bereits im März des vergangene Jahres eineinhalb Milliarden Euro in europäische Pfandbriefe angelegt – mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Trotz der hohen Schulden mache die Finanzstruktur der beiden Banken einen erstaunlich guten Eindruck und verfüge über ausreichend Diversifikation, lobt die Zeitung.

Volle Kraft zurück

Heftig habe Fiat-Chef Sergio Marchionne auf erste Gerüchte über den neuen Businessplan von Fiat reagiert, der erst am 12. April der Öffentlichkeit vorstellt werde, berichtet Milano Finanza. Im Moment sei Turin gerade mit der Erstellung der Zahlen für den Businessplan für die nächsten vier Jahre beschäftigt; eine Berichterstattung zum jetzigen Zeitpunkt sei verfrüht und entbehre jeglicher Grundlage, schimpfe die Nummer Eins von Fiat. Den Gerüchten zufolge plant Fiat die Reduzierung von zwölf auf acht Modelle. Trotz der Produktionssteigerung von 600.00o auf 900.000 Fahrzeuge, die auf den großen Erfolg des Fiat Panda in Italien basiere, seien außerdem 5000 Arbeitsplätze – zehn Prozent der Belegschaft von Fiat Auto – in Gefahr.

Scheinheiliger Umgang mit Subventionen

Heuchelei wirft Challenges der Welthandelsorganisation (WTO) mit Blick auf deren Entscheidung zu Boeing/Airbus vor: Die WTO hatte nach Airbus-Angaben die Starthilfekredite für den europäischen Flugzeughersteller gebilligt und 70 Prozent der Beschwerden des amerikanischen Konkurrenten abgewiesen. Zwar habe die WTO – wieder einmal – zwischen zwei Wettbewerbern gestanden, doch letztlich seien Subventionen in der Flugbranche normal – auf beiden Seiten des Atlantiks. „Russland geniert sich nicht, Sukhoi zu finanzieren, China unterstützt Comac und Avic, Kanada greift Bombardier unter die Arme“, argumentiert das französische Wirtschaftsblatt. Einen Sieger gebe es in der Affäre Boeing/Airbus nicht, am Ende werde die WTO wie gewohnt jedem ein wenig Recht geben. Der ganze Streit sei reine Geldverschwendung: „Gewinner sind nur die amerikanischen Anwälte, die Boeing vertreten, und die Flugzeugbauer der Schwellenländer.“

Amerikaner greifen nach spanischem Lebensmittelkonzern

Mit dem nordamerikanischen Fonds Lindsay Goldberg habe sich José Arozamena einen mächtigen Partner ausgesucht, um gemeinsam die Übernahme des spanischen Lebensmittelkonzerns SOS in Angriff zu nehmen, kommentiert die Wirtschaftszeitung El Economista. 9,5 Milliarden Euro habe Lindsay nach eigenen Angaben im Geldbeutel. Genug, um die geplante Kapitalerweiterung bei SOS über 300 Millionen Euro zu finanzieren. Auch die spanische Aufsichtsbehörde habe wohl nichts gegen das Engagement der Amerikaner, schließlich nehme Lindsay Goldberg im Gegensatz zu anderen Investitionsfonds als Geschäftspartner aktiv am Geschick der erworbenen Unternehmen teil und beschränke sich nicht auf schnellstmöglichen Profit. Seit 55 Jahren investiere der von mächtigen jüdischen Investoren betriebene Fonds in Betriebe aller Art und habe sich darauf spezialisiert, diese wieder flott zu machen, beobachtet die Zeitung.

Fundstück: Verführerische Männer in Badeanzügen

Der Porno-Skandal bei der US-Börsenaufsicht SEC ist größer als gedacht. Nachdem Ende Februar ein Mitarbeiter des Dauer-Surfens auf Pornoseiten überführt wurde – Begründung: der Stress durch die Überstunden zu Hause habe ihn tagsüber veranlasst, Pornoseiten anzusteuern -, gibt es jetzt Ermittlungen gegen 16 weitere Mitarbeiter, darunter eine Frau. Sie sollen nach einem Bericht von Gawker mindestens 8273 Mal versucht haben, auf Computern der US-Behörden pornografische Seiten anzusteuern. Er habe nicht länger als eineinhalb Stunden pro Arbeitstag auf entsprechenden Webseiten verbracht, zitiert Gawker aus dem Verhör eines Beschuldigten. Angefangen habe alles damit, dass er sich immer häufiger Fotos von Männern in Badeanzügen angeschaut habe…

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Kerstin Herrn, Florian Käfer, Peggy Pfaff

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Foto: Europäische Kommission

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