Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert Fords Verkauf von Volvo an den chinesischen Autobauer Geely. Forbes porträtiert den Goldanleger Tom Kaplan. Die französische Capital ergründet das Erfolgsrezept von Samsung. Die Business Times empfiehlt flüssige Geldanlagen. Fundstück: Frauen – die Geißel der Wall Street?
Volvo geht nach China: Der US-Autohersteller Ford hat sich nach Monaten der Verhandlung mit der Geely Holding Group auf einen Kaufpreis von 1,8 Milliarden Dollar geeinigt.
Ein “richtungweisendes Abkommen, das die chinesische Autoindustrie auf die globale Autobühne holt”, sieht das Wall Street Journal in dem Deal. “Der Zuschlag für Geely verdeutlicht, wie Chinas wirtschaftlicher Aufschwung weite Teile der Weltwirtschaft verändert. Nachdem China die USA im vergangenen Jahr als weitweit größter Automarkt überholt hat, gelangt nun erstmals ein chinesischer Autobauer in die Verantwortung für eine der großen, weltweit bedeutenden Automarken.” Geely stehe damit vor keiner leichten Aufgabe: “Das Unternehmen hat wenig Erfahrung mit dem Verkauf von Autos außerhalb der Grenzen Chinas, von der Herausforderung, einen gewichtigen Autobauer in einem Land zu managen, das so weit entfernt liegt und eine vollkommen andere Kultur hat, ganz abgesehen.” Geelys Mangel an globaler Struktur und sein Ruf als Produzent von Billigautos könne der Reputation von Volvo schaden. “Ungeachtet der wachsenden Bedeutung der chinesischen Unternehmen, haben sie doch bislang nur bescheidenen Erfolg mit Akquisitionen im Ausland gehabt”, gibt das Blatt zu Bedenken.
“Erfolgreiche, grenzüberschreitende Fusionen von Autoherstellern kann man an einer Hand abzählen”, gibt sich die Financial Times zurückhaltend in der Bewertung des Deals, zumeist sei doch stets der Nebeneffekt dabei, dass der Käufer die Übernahme am Ende bedauere. “Entweder geht dieser Deal als weiteres Montagsmodell einer Fusion in die Geschichte ein – oder Geely gelingt es tatsächlich, sich einen Namen zu machen. In beiden Fällen aber bedeutet er eine Verschiebung in der globalen Industrie nach Osten.” Auf dem Papier mache der Kauf Sinn: Geely stelle kleine Billigautos her und entwickle eine Mittelklasse-Modelllinie. Nun fehle nur noch die Luxusklasse. “Doch das setzt voraus, dass Geely das gelingt, was Ford nicht gelungen ist: Volvo profitabel zu managen.” Geely habe zuletzt an Marktanteil verloren, andere chinesische Autobauer hätten das Unternehmen überholt. Andererseits verkaufe Volvo derzeit 22.000 Autos pro Jahr in China, da sei in jedem Fall mehr drin, zumal die Nachfrage im Reich der Mitte nach gehobenen Autos anziehe. “Schließlich hat Geely gute Beziehungen zur Regierung: Sollte diese sich mit Volvos eindecken, würde das den Absatz erheblich ankurbeln.”
Tom Kaplan verführt mit Gold
Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes porträtiert Tom Kaplan, den Mann hinter NovaGold Resources – ein Bergbauunternehmen aus Vancouver, in das George Soros und John Paulson gerade zusammen 175 Millionen Dollar investiert haben. “Kaplan glaubt an Gold als wieder erstarkende Geldanlage. Sein Familienunternehmen, Tigris Financial Group, managt derzeit Goldanlagen im Wert von rund zwei Milliarden Dollar.” Gold werde tatsächlich wieder entdeckt, von Milliardären, Geldmanagern und Wall-Street-Bankern. Sein Preis sei in den vergangenen drei Jahren um 70 Prozent gestiegen. Warum Soros & Co. an Kaplan glauben, sei jedoch nicht ganz nachvollziehbar. Kaplans Geschichte sei vielfältig, auch Betrug komme darin vor. NovaGold sei Januar 2009 gestartet, in einem Tal in Alaska und einem Tal in British Columbia. “Beide Projekte liegen fernab der Zivilisation und sind schwer zu bearbeiten, eins ist bereits eingestellt, wegen der Kosten. NovaGold schätzt den jährlichen Ertrag bei Gold im Wert von 1.000 Dollar auf 12,3 Porzent, eher marginal für ein Abbau-Projekt wie dieses.”
Iberdrola will ACS nicht im Vorstand
Die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días zeigt sich wenig überrascht über den Verlauf der Hauptversammlung von Iberdrola vor wenigen Tagen. Wie erwartet habe sich eine Mehrheit gegen die Präsenz von ACS im Vorstand ausgesprochen, da das Unternehmen mit Iberdrola im Wettbewerb stehe. Für wilde Spekulationen habe allein der überraschende Rücktritt von Juan Luis Arregui gesorgt. Nach fünfzehn Jahren im Vorstand von Iberdrola wolle dieser laut offizieller Version das Unternehmen verlassen, um möglichen Interessenskonflikten zuvorzukommen. Inoffiziell wolle er sich wohl dem sich zuspitzenden Machtkampf zwischen Iberdrola-Chef Ignacio Sánchez Galán und der Führungsspitze von ACS aus dem Weg gehen. Denn ACS sei nach dem “Nein” zum Iberdrola Vorstandsposten fest entschlossen, sich diesen bei Gericht zu erstreiten.
Flüssige Geldanlagen
Wer nach alternativen Anlagemöglichkeiten suche, solle über Wein nachdenken, empfiehlt die Business Times aus Singapur. Es gebe inzwischen sogar Anlageverwalter, die sich mit derartigen Alternativen beschäftigten und z. B. auf Wein-Investment spezialisiert hätten. Sie legten Investorengelder in Wein-Fonds an, die professionelle Analysen und sorgfältige Prüfungen der Weingüter vornehmen, ehe diese ins Portfolio aufgenommen würden. “Das Universum der Wein-Fonds” sei zwar noch klein, doch könne das Interesse durchaus wachsen. Attraktiv an dieser Anlagemöglichkeit sei außerdem, so das Blatt, dass es kaum Überschneidungen mit klassischen Anlagen wie Aktien oder Rentenpapieren gebe. Die große Herausforderung sei, das richtige Weingut auszusuchen. In den vergangenen 50 Jahren seien vier Preiskorrekturen bei guten Weinen beobachtet worden – darauf seien jeweils Jahrzehnte mit stabilen Erträgen gefolgt, von durchschnittlich 15 bis 23 Prozent.
Die Dell-Erfolgsstrategien
“Das Dell-Experiment” überschreibt der Business Spectator eine Analyse des Konzepts von Michael Dell. Dieser mache zwar nicht so viel Profit wie vergleichbare IT-Superstars. Und Dell stehe nach Meinung von Analysten kein besonders gutes Jahr bevor. Dennoch zähle Dell zu den erfolgreichsten Unternehmern der USA – dank diverser Schlüsselstrategien: “Dell sieht sich nach wie vor als Unternehmer, der Neues erfinden und anstoßen will. Die Strukturen und Produktlinien sind aufgebaut wie in einem kleinen Unternehmen, damit sich der Unternehmer entfalten kann.” Experimente seien das A und O, Scheitern keine Schande, solange man aus Fehlern lerne. Auch wäge Dell bei einem neuen Produkt Gewinnmarge gegen Marktpräsenz ab, für Marktführerschaft in einem Segment könne man auch niedrigere Margen akzeptieren. Und letztlich setze Dell auf Talent: “Man kann große Ideen haben oder Träume, aber man muss vor allem die Kapazitäten haben.”
Fundstück: Frauen – die Geißel der Wall Street?
“Was, wenn Frauen die Wall Street beherrschten?”, sinniert das New York Magazine: “Es gäbe keine Blasen, denn die Wall Street ist letztlich wie ein angstverströrter Halbwüchsiger, hauptsächlich gesteuert von Hormonen.” Diese pulsierten durch die Adern der Händler, machten sie zu Abhängigen ihrer Gefühle und verführten zu riskanten Entscheidungen. Wie die feminine Wall Street aussehen könnte, zeigt ein Porträt der New York Times über Elizabeth Warren. Die Chefin des TARP Congressional Oversight Panel und Wortführerin für eine neue Agentur zum Schutz der Verbraucher wird als Geißel der Wall Street Banker bezeichnet.” Sie zitiere den Methodisten John Wesley als Inspiration, sei nach Aussage ihres Ehemanns in der Lage, Männer zum Weinen zu bringen und sei in ihrer Gesprächsführung “wie ein Maschinengewehr.” Spätestens jetzt sollte die Wall Street vor Angst zittern.
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