Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Verurteilung von vier Angestellten des australischen Konzerns Rio Tinto durch ein chinesisches Gericht. Forbes Russia attestiert dem russischen Aktienmarkt „hochgradigen Zynismus“. La Tribune schaut auf die negativen Auswirkungen des Förderbooms bei Erdgas. Fundstück: Frauenhygiene bei Apple.
Der australische Bergbaukonzern Rio Tinto akzeptiere die langjährigen Haftstrafen wegen Bestechung und Industriespionage für seine Mitarbeiter in China, schreibt das Wall Street Journal. Der Verdacht, der Prozess und die langjährigen Strafen seien zumindest teilweise politisch motiviert, sei für die Aktionäre von Rio Tinto und andere westliche Investoren in China aber beunruhigend. “Es ist richtig, dass China härter gegen die zügellose Korruption im eigenen Land vorgeht”, kommentiert das Blatt. Die Härte der Urteile und die unklaren Details bezüglich der Spionage-Anklage legten jedoch den Verdacht einer breiteren politischen Agenda nahe. Die vier Mitarbeiter seien schließlich kurz nach dem Platzen des geplanten Einstiegs des chinesischen Staatskonzern Chinalco bei dem britisch-australischen Unternehmen verhaftet worden. Zudem stecke Rio momentan in schwierigen Verhandlungen mit China über den Preis für Eisenerz. Rio Tinto sei sich zwar sicher, dass seine Beziehung zu China den Skandal überstehen werde, aber “die Launen der chinesischen Gesetze sollten Rio daran erinnern, dass diese Partnerschaft mit Risiken verbunden ist”, resümiert das Blatt.
Die Chinesische Regierung habe gezeigt, dass sie bei Verbrechen auf eigenem Boden kein Auge zudrückt, nur weil der Angeklagte einen ausländischen Pass besitzt oder bei einem internationalen Konzern arbeitet, schreibt der australische Business Spectator . Die australische Regierung habe die Urteile als “zu hart” kritisiert. Doch in der Vergangenheit seien Chinesen für Schmiergeldzahlungen zu 18 Jahren und mehr verurteilt worden. “Es hätte also noch viel schlimmer kommen können, und ein milderes Urteil hätte eine Vorzugsbehandlung für Ausländer bedeutet”, argumentiert die Zeitung. Statt über die Urteile zu schimpfen, sollte die australische Regierung die heimischen Unternehmen auffordern, ihre Geschäftsstrukturen und ihre Arbeitsweise in China zu überprüfen. “Nicht nur, um die Geschäftspraktiken in Einklang mit den Gesetzten zu bringen, sondern auch um eigene Mitarbeiter nicht der Versuchung auszusetzen, Schmiergelder anzunehmen”.
Die Shanghai Daily hingegen nimmt die chinesische Justiz vor den Vorwürfen der Willkür durch “westliche Medien” in Schutz. Der Fall habe nichts mit einem Vorgehen gegen ausländische Unternehmen zu tun. Auch der Vorwurf, Rio Tinto werde aus politischen Motiven härter verfolgt, könne nicht gelten. “Jeder Journalist kann recherchieren, wie viele Chinesische Beamte und Geschäftsleute wegen Schmiergeldzahlungen verhaftet und sogar zu Todesstrafe verurteilt wurden”, schreibt das Blatt. Die chinesischen Gesetze seien für alle klar, die den Markt betreten wollen, und auch Rio Tinto habe sie vorher gekannt. /p>
Kein Selbstläufer für Griechenland
Griechenland bekomme tatsächlich noch Geld am Euro-Staatsanleihemarkt, wie der gestrige Bond-Auftritt über fünf Milliarden Euro bewiesen habe, konstatiert die Börsen-Zeitung . Ein Selbstläufer sei der Deal allerdings nicht gewesen. Die Investoren seien deutlich zurückhaltender als bei einer ähnlichen Emission griechischer Staatspapiere Anfang des Monats. Die Nachfrage nach griechischen Anleihen summierte sich auf rund sechs Milliarden Euro. Vor vier Wochen seien es allerdings noch ganze 16 Milliarden gewesen. Auch die Zahl der Interessenten sei um mehr als die Hälfte geschrumpft. Zwar könne ein Teil der Zurückhaltung auch auf die anstehenden Osterfeiertage zurückgeführt werden. Die Zögerlichkeit hänge jedoch auch damit zusammen, dass Griechenland noch bis Mai rund zehn Milliarden Euro Schulden refinanzieren muss.
Moskaus zynische Börsenwelt
Die russische Börse reagierte gestern mit Zynismus auf die Anschläge in der Moskauer Metro,schreibt das Wirtschaftsmagazin Forbes Russia. “Während die Nachrichtenseiten immer neue Fotos und Opferzahlen zeigten, hat die Börse nicht ein Mal den Versuch einer Korrektur unternommen”, so das Blatt. Der traurige Grund dafür liege darin, dass die modernen Märkte hochgradig zynisch seien. Solche “punktuellen” Anschläge, die die Infrastruktur nicht nachhaltig schädigen, hätten kaum Einfluss auf die Wirtschaft. Man habe sich mehr oder weniger daran gewöhnt. “Leider stimuliere die potenzielle Gefahr die Wirtschaft sogar noch”, meint das Magazin. Die Budgets der Sicherheitsdienste stiegen, die Militärausgaben kletterten in die Höhe. Ein Einfaches Gesetz des Marktes laute: “Der Preis folgt unerwarteten Ereignissen”. Ein Anschlag auf eine U-Bahn, so schrecklich es klingen man, sei wohl kein unerwartetes Ereignis. “Der gestrige Anstieg des Ölpreises sei wohl der wichtigere Faktor gewesen”.
Erdgas ohne Ende?
Einen bitteren Beigeschmack habe die weltweite Euphorie über die enormen Vorkommen an nichtkonventionellem Erdgas meint die französische Wirtschaftszeitung La Tribune . Dank neuer Fördermethoden stürzten sich die Energieriesen auf jenes Gas, das bislang unerreichbar in dichten Ton- und Schieferschichten eingelagert war. Gewiss sei es beruhigend zu wissen, dass der technische Fortschritt das scheinbar Unmögliche immer wieder möglich mache. Mittlerweile spreche niemand mehr über eine Verknappung der weltweiten Erdgasreserven. Im Gegenteil: Die Aussicht auf eine Schwemme an nichtkonventionellen Gasvorkommen drücke längst auf die Preise. Dennoch hätte diese spektakuläre Neuigkeit einen bitteren Beigeschmack. Dass die Fördermöglichkeiten nicht gerade umweltverträglich seien, werde von der Branche gerne verschwiegen. Die Eroberung dieses neuen “Eldorados” zeige ganz klar: Das Raubtier Mensch kenne keine Grenzen. Sobald er über die technischen Möglichkeiten verfüge, müssten auch die unzugänglichsten Reserven bis auf den letzten Tropfen gefördert werden, ohne Rücksicht auf kommende Generationen. Die grüne Revolution im Energiesektor sei wohl doch nur eine Illusion.
Übernahmekampf um SOS spitzt sich zu
Die spanische Wirtschaftszeitung El Economista sieht den Lebensmittelkonzern SOS umringt von kampfbereiten Käufern. Die katastrophale finanzielle Lage des Unternehmens habe zu einem regelrechten Wettkampf um das beste Übernahmeangebot geführt. Neben Rumasa habe auch José Arozamena, der ehemalige Besitzer von La Casera, mit Hilfe des amerikanischen Investitionsfonds Lindsay Goldberg bereits letzte Woche ein verbindliches Angebot über 300 Millionen Euro abgegeben. Dieses wolle er nun auf bis zu 400 Millionen Euro aufzustocken, zitiert die Zeitung Insiderquellen. Das übertreffe den aktuellen Börsenwert von SOS um zwölf Prozent. Wer letztendlich tatsächlich SOS übernehme, sei allerdings noch offen. Denn auch die von der Familie Ruiz Mateos kontrollierte Firmengruppe Nueva Rumasa habe bereits angekündigt, ihr Angebot falls nötig erheblich zu verbessern.
Fundstück: Frauenhygiene von Apple
Die Bezeichnung iPad für das neue Apple-Gadget, die für reichlich Spott gesorgt habe,werde laut Marken-Experten den Verkauf des Geräts nicht behindern, schreibt das Magazin Businessweek . Viele Fans hätten anfangs die Bezeichnung iPad eher mit Hygieneprodukten für Frauen assoziiert. Pad steht im Englischen für Tampon. Einige Witze hätten sich auf einen Sketch aus dem Jahr 2006 bezogen, als in der Sendung MadTV ein mysteriöses Apple-Produkt für Frauen mit dem Namen iPad gezeigt wurde. Weibliche Marketingspezialisten, die das Magazin befragt habe, hätten die Assoziation allerdings abwegig und den Namen “iPad” treffend bis toll gefunden. “Solche Witze seien auf dem Niveau von Schülern aus der Unterstufe”, zitiert das Blatt eine Expertin.
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