Revolution im Eisenerzhandel

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die neuen Konditionen für Eisenerz, das Wall Street Journal interpretiert den Brief an die G20, die Financial Times Deutschland kommentiert Apples Strategiewandel und die Business Week beobachtet, dass Nissan ein neues Blatt aufschlägt. Fundstück: New York City bezahlt Arme für gutes Betragen.

Dass Eisenerzverträge neuerdings alle drei Monate neu verhandelt werden und nicht wie seit vier Dekaden üblich nur ein Mal im Jahr, werde zur Entwicklung eines veritablen Derivate-Handels führen, prognostiziert die Financial Times. Da sei ein neuer Markt im Entstehen begriffen, ähnlich dem für Öl-, Aluminum- oder Kohle-Derivate. Die Broker säßen schon in den Startlöchern, um dieses bis zu 200 Milliarden Dollar schweren Geschäft zu erschließen. Dieser Derviate-Markt werde es aber nicht nur Spekulanten erlauben, auf die Preisentwicklung von Eisenerz zu wetten, m meint das Blatt, sondern werde auch Stahl-Produzenten erlauben, durch Hedge-Strategien ihre Preisrisiken zu verringern.

Die europäische Stahllobby sei alles andere als begeistert von den neuen Regeln und drängten die EU, Preissteigerungen für Eisenerz zu verhindern, beobachtet The Australian in Sydney. Die Organisationen Eurofer und Orgalime befürchteten Preissteigerungen von bis zu 80 Prozent, dabei seien der faire Zugang zu erschwinglichem Stahl doch entscheidend für die Erholung der Weltwirtschaft. “Weitere massive Preissteigerungen sind nicht mit einem fundamentalen Plus in der Nachfrage zu begründen.” Deswegen forderten Eurofer und Orgalime das sofortige Einschreiten der Europäischen Kommission und das der deutschen Kartellbehörden und eine weitere “gründliche” Untersuchung des geplanten Joint Venture von BHP Billiton und Rio Tinto. Orgalime steht für 130.000 metallverarbeitende Unternehmen in 22 europäischen Ländern, Eurofer spricht für 60 Stahlunternehmen in 23 Staaten, unter anderem für den Giganten der Branche, ArcelorMittal.

Die Börsen-Zeitung meint, die mächtigen Rohstoffkonzerne, allen voran BHP, Vale und Rio Tinto, seien überzeugt, durch Quartalskontrakte und eine stärkere Orientierung an den Spotmarktpreisen eine noch höhere Rendite einfahren zu können. Die Stahlkonzerne würden daher zurzeit in Kurzfristabschlüsse hineingedrängt, die Planungssicherheit leide: “Dies kommt einer kleinen Revolution in der Branche gleich, weil ein Großteil der bisherigen Kunden- und Lieferbeziehungen neu ausjustiert wird.” Die großen Stahlverbraucher aus der Automobilindustrie oder dem Maschinenbau werden dies sehr zu spüren bekommen, schreibt das Blatt. “Die Stahlkocher werden die gestiegenen Kosten und Risiken nämlich rasch weiterreichen.”

Rüffel für die G20-Nationen

Die Regierungschef von USA, Kanada, Südkorea, Großbritannien und Frankreich wendeten sich in einem Brief an die anderen 15 Köpfe der G20-Mitgliedsstaaten. In dem Schreiben warnten sie davor, nach dem Abflauen der Finanzkrise wieder zur wirtschaftspolitischen Tagesordnung überzugehen, meldet das Wall Street Journal. Die Politiker brächten so vor allem ihre Ängste um die Stabilität des Finanzsystems zum Ausdruck. Mit der Veröffentlichung versuchten die fünf Staatenlenker, jetzt schon die Agenda festzuschreiben für das im Juni anstehende Treffen der G20 in Kanada. Die fünf Regierungschefs brächten bei den anderen Mitglieder mit ihrem Brief vor allem das in Erinnerung, was bereits beschlossen sei: Die “Ausbalanzierung” des Wirtschaftswachstums, strengere Eigenkapitalvorschriften für Banken, neue Auflagen für den Derviate-Handel und die Erarbeitung von Regeln für das Abwickeln gescheiterter Finanzdienstleister. Was die Politiker allerdings in ihrer Epistel nicht schrieben, bemängelt das Blatt, sei wie eine Einigung erzielt werden könnte über all die strittigen Punkte zwischen den USA und Europa.

Neue Verstaatlichungswelle in Irland

Der irische Staat will insgesamt 81 Milliarden Euro an toxischen Immobilienpapiere aus den Bilanzen seiner heimischen Banken nehmen und sie auf die ‘bad bank’ der National Asset Management Agency übertragen, meldet die Wirtschaftsagentur Reuters. Die Regierung in Dublin sei aber offenbar nicht bereit, für die Wertpapiere auch nur annähernd den Nominalwert zu zahlen. Stattdessen sollen die Banken einen Abschlag von durchschnittlich 47 Prozent akzeptieren. Der irische Finanzminister Brian Lenihan habe dem Parlament gesagt: “Wo immer wir auch hinguckten wurden unsere schlimmsten Ängste noch übertroffen.” Irlands Bankensektor stehe nun vor der nächsten Verstaatlichungswelle. Denn Lenihan wolle zugleich die Kapitalanforderungen an die Banken erhöhen. Da diese das nicht aus eigener Kraft schaffen, werde der Staatsanteil an Allied Irish Banks voraussichtlich auf 70 Prozent erhöht werden, jener an der Bank of Ireland auf bis zu 40 Prozent.

Strategieschwenk bei Apple

Wenn Apple zunächst in den USA und später in anderen Ländern die exklusive Bindung des iPhone an einen einzigen Mobilfunkbetreiber aufgibt, wäre das für den Konzern der bedeutendste strategische Schwenk seit seinem Einstieg ins Mobilfunkgeschäft, meint die Financial Times Deutschland. Diese Kehrtwende wäre für Apple richtig, denn um seine Position als Innovationstreiber zu behaupten, müsse das Unternehmen hohe Wachstumsraten aufrechterhalten.

Nissan schlägt neues Blatt auf

Nissan Motor will der größte Anbieter von elektrischen Autos werden, schreibt die Business Week. Das neueste, Batterie betriebenes Modell Leaf des japanischen Herstellers werde dank Subventionen durch die US-Regierung in Höhe von 7.500 Dollar per E-Auto in USA nur 25.280 Dollar kosten und so mit dem Prius von Toyota konkurrenzfähig. Als Reaktion auf die steigenden Ölpreise und schärfere staatliche Regeln zum Schutz des Klimas bereiteten sich nicht nur Nissan, sondern auch General Motors und Toyota darauf vor, Elektroautos anzubieten. Carlos Ghosn, Nissans Vorstandsvorsitzender, habe ja auch bereits vorhergesagt, dass mit Batterien betriebene Autos bis 2020 rund zehn Prozent des jährlichen Autoabsatzes ausmachen werden und er wolle nun offenbar, dass Nissan dabei zum Marktführer werde, schreibt das Blatt. Der Leaf soll ab Dezember erhältlich sein.

Gejammer um Gen-Urteil

Das US-Wirtschaftsmagazin Fortune begrüßt das Urteil gegen die Patentierbarkeit von DNA-Sequenzen. Richter Robert Sweet habe in einem von Bürgerrechtsgruppen angestrengten Verfahren gegen Myriad Genetics – ein Unternehmen, das zwei Patente auf DNA-Sequenzen besitzt, die im Zusammenhang mit Brustkrebs stehen sollen – zurecht verkündet, dass niemand Eigentumsrechte auf Naturgesetze halten könne. Das Urheberrecht sei vielleicht gut genug für Toaster, aber nicht für biologische Strukturen. Statt um ihre Monopole zu kämpfen, sollten Biotech-Unternehmen sich lieber an den Gedanken gewöhnen, “dass Patente nicht der einzige Weg sind, um intellectual property zu erzeugen und zu schützen,” schreibt das Magazin. “Es ist an der Zeit, kreativ zu werden und bessere, kollektivere Formen der Zusammenarbeit zu finden.” Es sei nämlich nicht etwa so, dass die rechtliche Unsicherheit um die Patente die Forschung blockiere, sondern die Patente selber bauten unakzeptable Barrieren gegen die freien Fluss der Ideen auf.

Lavendelduft in Hong Kong

Frankreichs La Tribune freut sich über die anstehende Notierung des französischen Unternehmens Occitane an der Hongkonger Börse. Die Entscheidung des Kosmetikhersteller für den asiatischen Finanzplatz zeige die enorme Bedeutung des asiatischen Marktes für westliche Unternehmen. Wachstumsraten in zweistelliger Höhe hätten eben eine sehr große Anziehungskraft. Wenn selbst die Modekette Louis Vuitton in der Mongolei präsent sei, wundere es niemanden, dass Occitane in China 40 Filialen eröffnen wolle. Natürlich könne Hong Kong als liberaler Wirtschaftsplatz bei den westlichen Investoren punkten: Zwei Klicks im Internet und ein Termin reichten bereits aus, um eine Niederlassung zu gründen. Die Börse hingegen habe strengere Auflagen und strebe offensichtlich danach, die “City” des 21. Jahrhunderts zu werden. Die Offensive befinde sich bereits in vollem Gang, denn neben Occitane sei mit dem englischen Versicherungskonzern Prudential das nächste Schwergewicht in Sicht.

Abu Dhabi an spanischen Unternehmen interessiert

Abu Dhabi streckt seine Fühler aus nach spanischen Unternehmen in den Bereichen erneuerbare Energien und Infrastruktur, meldet die Wirtschaftszeitung Expansión. Auf einem Spitzentreffen habe Sulaiman AlFahim, einer der bedeutendsten Investoren der arabischen Welt, sein Interesse an diesen beiden Wirtschaftssektoren bekundet und gleichzeitig spanischen Unternehmen zu mehr Geduld im Geschäft mit Arabien geraten. Man kenne sich eben noch nicht und sei es eher gewöhnt, mit Deutschland, den Vereinigten Staaten oder Großbritannien Geschäfte zu machen, zitiert ihn die Zeitung. Nur sehr wenige spanische Unternehmen seien bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten aktiv, was auf einen Mangel an gegenseitiger Vertrautheit schließen lasse, vermutet Expansión. Dabei biete Abu Dhabi als Krisengewinner vorzügliche Chancen für Aufträge. Gerade die Bereiche Infrastruktur und erneuerbare Energien seien bisher im Wüstenstaat so gut wie nicht vorhanden.

Fundstück: New York City bezahlt Arme für gutes Betragen

Ein Programm zu Bekämpfung der Armut, das einkommensschwache Bürger in New York City für gutes Benehmen bezahlt, sei nicht gerade ein Hit, schreibt die Straits Times aus Singapur. Einem zuvor in Mexiko und Brasilien erprobten Modell zufolge bekommt, wer zum Zahnarzt geht, einen Job halten kann und ein Bankkonto aufmacht, zwischen 25 und 150 Dollar für sein Wohlverhalten. Insgesamt seien so bereits 14 Millionen Dollar verteilt worden, im Schnitt gingen je 3000 Dollar an rund 2400 teilnehmende Familien. Die durch Spenden finanzierten Hilfsleistungen hätten jedoch nicht geholfen, junge Leute zum Schulbesuch und Erwachsene zum Arbeiten anzuhalten, schreibt das Blatt und zitiert New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg: “Das ist keine Lösung, um die Armut abzuschaffen. Man hofft zwar immer, dass man jetzt den Zaubertrick dazu gefunden hat, aber das passiert leider nie.”

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer, Maxim Kireev, Fridolin Pöschl

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