Griechen-Ratings – Verdammt in alle Ewigkeit

Die Internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Rolle der Ratingagenturen im Griechenland-Drama. Das Wall Street Journal kündigt eine Fusion in der Luftfahrtbranche an. Die Börsen-Zeitung applaudiert dem Start der neuen SAP-Doppelspitze. Fundstück: Der Economist hilft den europäischen Staaten beim Umzug.

Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) die Bonität Griechenlands auf Ramschniveau heruntergestuft hat, stehen die wegen der Finanzkrise umstrittenen Institute erneut unter Beschuss.

Die Financial Times fragt sich: „Warum sollten Investoren wieder Vertrauen in diese überbewerteten Anleihenmarktwächter setzen?“ Die Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s spielten eine zentralere Rolle als jede Investmentbank beim Verlust so vieler Investmentgrade-Sicherheiten. „Wenn all die Sicherheiten auf Subprime-Hypotheken, die sie Triple A gerated hatten sich nicht in Junk verwandelt hätten, wären keine Rettungsprogramme nötig gewesen“, kommentiert die FT. Nie sei ihr Versagen größer gewesen, als in der Hauskrise. Und doch gebe es wenige Anzeichen, dass ihr „quasioffizieller Status – oder ihr Geschäftsmodell – substanziell geändert werden würden“. Bedauernswert, findet das Blatt. „Wenn die Krise irgendetwas beweist, dann dass die Agenturen zuviel Autorität unter Investoren und Regulierern genießen.“ Jede Reform, die ihren Griff auf den Anleihenmarkt lösen würde, verdiente einen Versuch, ist die Wirtschaftszeitung überzeugt.

Die Ratingagenturen führten diese Woche einen globalen Ausverkauf an den Märkten herbei, als sie ihren Job taten und die Ratings von Krediten und Anleihen von Griechenland, Portugal und Spanien auf Junkniveau senkten, hält ein Blogger der US-Wirtschaftszeitung Forbes fest. „Und raten Sie mal: Die Europäer beschuldigen die Ratingagenturen, die Probleme von EU und IWF bei der Rettungsaktion für Griechenland zu verschlimmern. Europäische Staatschefs beschwerten sich, die Herabstufungen schüre Ängste, dass der Rettungsfonds nicht reichen werde, um die Inhaber griechischer Bonds vor 50 bis 70 Prozent Verlust zu bewahren. Was potenzielle Anleihenkäufer davon abhalte, die benötigte Unterstützung bei der Restrukturierung der griechischen Staatsschulden zu geben. „Verdammt, wenn sie herabstufen – verdammt, wenn sie es nicht tun“, fasst der Blog des Wirtschaftsmagazins das Dilemma der Ratingagenturen zusammen.

Neuer Fusionsversuch von Conti und United Airlines?

Das Wall Street Journal berichtet exklusiv, Insider gingen davon aus, dass Continental Airlines Inc. und UAL Corp.’s United Airlines am Montag ihre Fusion zur weltgrößten Fluggesellschaft bekannt geben werden. Zwar könnten die Verhandlungen wie bereits 2008 in letzter Minute scheitern, räumten die Insider ein. „Aber nach einem Schluckauf über den Preis für die Transaktion, scheinen die Gespräche planmäßig zu verlaufen“, zitiert das WSJ die Kreise.

Quartalsbericht verschafft SAP-Doppelspitze Rückenwind

Der erste Zwischenbericht der neuen Doppelspitze bei SAP, Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott könne zwar besser kaum sein, meint die Börsen-Zeitung . Er sei aber nur zum Teil Verdienst der beiden Neuen. Die Trendwende beim Lizenzumsatz habe sich bereits angedeutet, als Léo Apotheker mitten überraschend den Platz an der Spitze geräumt haben.

Santander nimmt Regierung in Schutz

Als schlechte Nachricht verurteile Santander die von der Ratingagentur Standard & Poor’s vorgenommene Abwertung des spanischen Schuldenmanagements, titelt die Wirtschaftszeitung Cinco Días. Alfredo Sánez, der Vorstandsvorsitzende von Santander, habe während der Präsentation der Quartalsergebnisse seines Instituts deutliche Zweifel an der Richtigkeit dieser Entscheidung der Ratingagentur geäußert. Gleichzeitig habe er die Regierung aufgefordert, bereits beschlossene Maßnahmen zur Bekämpfung der hohen Staatsverschuldung und einer Arbeitslosenquote von über 20 Prozent dringend in Angriff zu nehmen. Für Santander selbst prognostiziere Sánez für dieses Jahr einen Gewinn von 9 Milliarden Euro, was in etwa dem Ergebnis des Vorjahres entspreche. Bereits im ersten Quartal habe Santander 2,2 Milliarden Euro Nettogewinn erwirtschaftet, und sich damit im Vergleich zum Vorjahr um 5,7 Prozent verbessert. Eine erfreuliche Tatsache, die laut Emilio Botín, dem Präsidenten der Bank, insbesondere auf die geografische Diversifikation von Santander zurückzuführen sei, berichtet die Zeitung.

Begehrlicher Blick nach Europa

Der italienische Gasversorger ENI blicke begehrlich in die europäischen Nachbarländer, doch er habe im Heimatmarkt Italien nicht die Absicht, seinen Marktanteil von aktuell 40 Prozent auf 60 Prozent zu erhöhen, stellt Milano Finanza fest. In Europa habe ENI einen Anteil von 21 Prozent und sei damit wohl zufrieden, wie das Blatt den Vorstandsvorsitzenden Paolo Scaroni zitiert, der künftig mehr europäisch und weniger italienisch sein wolle. Zufrieden zeigte sich der Manager auch für der bisherigen Geschäftsentwicklung des Energieriesen. Jahrelang habe ENI mit seinen Jahresergebnissen über den Erwartungen gelegen, und sogar für 2009 werde ein satter Reingewinn von 4,37 Milliarden Euro präsentiert. Einzig seine Entscheidung, die Produktion von Kohlenwasserstoffen leicht zu reduzieren, nachdem die Nachfrage nach Gas europaweit zurückgegangen sei, musste Scaroni auf der Hauptversammlung der Aktionäre verteidigen.

Fundstück: Umzugshilfe für Europa

Leute, die ihre Nachbarn ermüdend finden, können umziehen, während Länder dies nicht können, stellt das britische Wirtschaftsmagazin Economist fest. Aber angenommen, sie könnten. „Ein bisschen schütteln – und gleich sähe die europäische Landkarte viel logischer und freundlicher aus“, findet das Blatt. Da schmiegt sich die Schweiz an die Südküste Skandinaviens, gleich zwischen Norwegen und Schweden. Lettland, Litauen, Estland und Polen leisten Irland ein wenig im Meer Gesellschaft. Schottland, Nordirland, Wales und England gruppieren sich derweil in respektvollem Abstand höflich vor der Küste Portugals. „Deutschland mit der ukrainischen Grenze nun nur 100 Kilometer vor Berlin, müsste die europäische Integration des Landes nun ernst nehmen“, erwartet das Blatt. Und Italien? Von Rom abwärts würde sich das Land abspalten und als „Königreich der zwei Siziliens“ (Spitzname: „Bordello“) eine Währungsunion mit Griechenland eingehen – aber sonst niemandem.

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer

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1 Kommentar zu “Griechen-Ratings – Verdammt in alle Ewigkeit”


  1. 1 Anleihen

    Alle Ewigkeit ? Wie mies ;)

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