Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert die Gefahr der Rückkehr einer Rezession in der Weltwirtschaft. Cinco Días und Financial Times widmen sich der spanischen Sparkassen-Krise. Der Business Spectator rechnet mit der australischen Regierung ab und wirft afrikanische Methoden vor. Fundstück: bester Job der Welt in Athen.
Das Wall Street Journal spricht vorsichtig von einer möglichen zweiten Rezessionswelle in der Weltwirtschaft. Neben den Problemen in Europa habe sich auch das Wachstum in China verringert, ebenso wie die Kreditvergabe amerikanischer Banken. Der deutsche Alleingang beim Verbot von Leerverkäufen habe die Investoren verunsichert. „Viele sehen dies als Auftakt für neue, gegen den Markt gerichtete Maßnahmen an“, meint das Blatt. Beunruhigend seien auch die steigenden Zinsen, zu denen sich die Banken in London gegenseitig Geld liehen. Dies könne schlimmstenfalls eine neue Kreditkrise auslösen, falls Finanzinstitute mit griechischen Staatsanleihen in der Bilanz das Vertrauen anderer Geldhäuser verlören.
„Die Angst vor dem Double-Dip, also einer zweiten Krisenwelle, ist zurück“, titelt die Börsen-Zeitung . Gleichzeitig kritisiert das Blatt die Ökonomen für ihren „Hang zur Dramatisierung“. Nun heiße es plötzlich, der synchrone Schuldenabbau werde das Wachstum einbrechen lassen. „Aber waren es nicht dieselben Ökonomen, die zuletzt zur Bewältigung der Schuldenkrise und zur Stützung des Euro noch weitere Sparanstrengungen gefordert und für den Fall des (erwarteten) Scheiterns der Konsolidierung das Monster der Inflation an die Wand gemalt hatten“, fragt das Blatt. Die veränderte Argumentation der Ökonomen und ihr „bisweilen selbstreferenzielles Verhalten“ könne die Realwirtschaft tatsächlich aus den Angeln heben. „Der Aufschwung wackelt. Er wird regelrecht kaputt prognostiziert, nur weil die Herde der Ökonomen plötzlich eine neue Richtung eingeschlagen hat“,kritisiert die Zeitung.
Gespräche über eine zweite Krisenwelle, die wegen guter Konjunkturdaten Ende 2009 verstummten, seien wieder in Mode, beobachtet die russische Ausgabe des Forbes -Magazins. Der Stimmungsumschwung von einem leichten Plus zu einem dicken Minus sei etwas verwunderlich und alarmierend. Seit Beginn der Krise habe der Euro 20 Prozent an Wert verloren. Auch die chinesische Börse – die letzte Bastion in Zeiten der Weltwirtschaftskrise – habe seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent eingebüßt. Die Rohstoffpreise, die 2008 in den Keller gesunken seien, hätten sich mittlerweile erholt und lasteten auf den Schultern der Industrie. Vor diesem Hintergrund sei es klar, dass die Finanzmärkte früher oder später nervös würden. Noch reiche das alles aber nicht für eine neue Rezession aus. Allerdings sei es auch eine undankbare Aufgabe, Krisen vorherzusagen. „Irgendwann haben auch Ökonomen Recht, wie eine stehende Uhr die zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigt“, vergleicht das Magazin.
Sparkassen-Fusion gescheitert
Die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días kritisiert den Abbruch der Fusionsverhandlungen zwischen den andalusischen Sparkassen Cajasur und Unicaja. Dass sich die von der katholischen Kirche geführte Cajasur lieber von der spanischen Zentralbank helfen lasse, als sich mit Unicaja zusammenzuschließen, sei bedenklich, verspiele sie sich damit doch die Chance einer verhältnismäßig schonenden und reibungslosen Fusion mit einem Wettbewerber aus der gleichen Region. Werde Cajasur, wie zu erwarten, von einem ausländischen Institut übernommen, so seien weitaus unbequemere Anpassungsmaßnahmen zu erwarten. Davon abgesehen könne sich die gescheiterte Fusion negativ auf die Glaubwürdigkeit der spanischen Wirtschaft auswirken, befürchtet die Zeitung. Neben persönlichen Differenzen und Mangel an Vertrauen zwischen den Vorsitzenden von Cajasur und Unicaja habe vor allem die – im Angesicht der aussichtslosen Lage der Cajasur – völlig irrationale Vorgehensweise der Kirchenvertreter für das Scheitern der Verhandlung gesorgt.
Die Übernahme der Sparkasse Cajasur durch die spanische Zentralbank sei ein Warnschuss gewesen, nicht nur für die „Priester-Direktoren“ der Caja, sondern für den gesamten spanischen Finanzsektor, schreibt die Financial Times . Die Botschaft sei gewesen, dass der Staat keine weiteren Verzögerungen bei Fusionen und Kostensenkungen innerhalb der nicht börsennotierten spanischen Sparkassen in Kauf nehmen werde. Eine Reform der Sparkassen, die mehr als die Hälfte des spanischen Finanzsystems auf sich vereinen und oft eng mit regionalen Politikern verbunden seien, sei bereits seit 2007 diskutiert worden. Es habe jedoch kaum Fortschritte gegeben. „Nachdem die Zentralbank die Cajasur übernommen hat, die Führung ersetzt und die Bank zum Verkauf vorbereitet, wird sich der Prozess deutlich beschleunigen“, prognostiziert die FT.
Australien regiert mit afrikanischen Methoden
Der Business Spectator kritisiert die Einführung einer 40-prozentigen Sondersteuer auf Gewinne aus Rohstoffförderung in Australien. Deren Ankündigung habe bereits zu einem Investitionsstopp des Bergbauriesen Rio Tinto auf dem Kontinent geführt. Dabei sei die Steuer an sich „sogar ziemlich sinnvoll“, nur der Umgang der Regierung mit den Unternehmen erinnere eher an Afrika und Südamerika. „Die Regierung hat im Vorfeld keinerlei Detailarbeit und Konsultationen mit den betroffenen Konzernen unternommen“, wirft das Blatt vor. Bisher sei das geringe „Länderrisiko“ der Vorteil Australiens im Vergleich zu anderen Rohstoffnationen gewesen, der das Land reich gemacht habe. Die Steuer basiere in ihrer jetzigen Form auf „Viertelwahrheiten“ und auf einer umstrittenen Studie. „Dies wäre einfach unnötig gewesen, hätte es eine Anständige Untersuchung gegeben“, meint das Blatt.
Facebook-Gründer im Dilemma
Die Financial Times Deutschland sieht das soziale Netzwerk Facebook in einem Dilemma. Gründer Mark Zuckerberg habe zwar einige Fehler beim Datenschutz eingeräumt, allerdings ignoriere er, dass Facebook für Investoren weniger Interessant wird, sobald die Nutzer ihre Daten besser kontrollieren könnten. „Zuckerberg ist naiv, wenn er glaubt diesen Konflikt vollständig auflösen zu können“, kommentiert die Zeitung. Die frei zugänglichen Daten der bald 500 Millionen Nutzer seien für Anzeigenkunden deshalb so interessant, weil sie viel über die Interessen der Nutzer verrieten und so zielgenaue Werbung möglich machten.
Fundstück: Bester Job der Welt in Athen
Das Wirtschaftsblatt aus Österreich findet, dass der griechische Premierminister Giorgos Papandreou zweifellos den besten Job der Welt hat. Der Grund dafür sei einfach: „Der Mann hat einfach nichts zu verlieren“. Die Erwartungen an ihn seien so gering, dass er eigentlich nur gewinnen könne. Bei einem Teilerfolg sei immerhin eine Top-Position in der EU möglich. „Führt er das Land aus der Krise, ist ihm ein Platz im politischen – verzeihen Sie die Platitüde – Olymp sicher“, so die Zeitung. Sollte sich die Katastrophe als zu überwältigend erweisen sei ihm immerhin ein Schulterklopfen und „du hast es immerhin versucht“ sicher. Papandreou wirke angesichts dieser Voraussetzungen befreit. Dies mache Mut und Mut sei das, was Europa momentan brauche.
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