Die internationale Wirtschaftspresse rät Deutschland zu Abschied aus dem Euro-Club und begrüßt die Abwertung des Euros. El Economista und FTD beleuchten die Folgen der Fusion spanischer Sparkassen. Veckans Affärer feiert die Abfuhr für chinesische Unternehmen auf dem indischen Mobilfunkmarkt. Fundstück: Megaboni nur in Demut.
Auch am gestrigen Dienstag hat der Euro weiter an Wert verloren. Ausschlaggebend war unter anderem die Sorge um das spanische Bankensystem.
Der Wirtschaftsdienst Bloomberg blickt zurück auf das Verbot ungedeckter Leerverkäufe und meint, die Euro-Krise sehe zunehmend wie eine Krise Deutschlands aus. Falls die Deutschen gegen den massiven Transfer von Reichtum der wohlhabenden zu den ärmeren Ländern seien, müssten sie aus dem Euro-Club austreten. „Es ist sinnlos, den Schiedsrichter zu erschießen und sich darüber zu beschweren, dass man die Regeln des Spiels nicht mag. Falls Europas mächtigste Regierung keine bessere Antwort hat, ist es nicht verwunderlich, dass sich die Investoren um die Zukunft des Euros sorgen.“ Merkels Attacke auf die Märkte zeige nur etwas sehr Deutsches: Angst. Die Deutschen hätten erkannt, dass der Euro keine harte Währung sein werde wie die Deutsche Mark. Oder dass der Euro nicht immer den deutschen Interessen entgegen komme.
Die Börsen-Zeitung spöttelt über die von EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy vorgebrachte Idee einer Euro-Staatsanleihe, also einer Art Bonitätsleihe durch die EU-Kommission, bei der die deutsche Bonität leerverkauft werde. Die Anleihe sei ganz im Sinn der deutschen Wirtschaft, schreibt das Blatt ironisch: Sie verwische und vermische die Länderbonitäten, Deutschlands Refinanzierung verteuere sich, die Zinslast steige, die Schuldenbremse greife nicht und der Euro-Kurs rutsche weiter ab – mit der Folge, dass Deutschlands exportierende Wirtschaft noch wettbewerbsfähiger auf den Weltmärkten agieren könne.
Noch im Januar sei es für jeden, der als Experte gelten wollte, ein Muss gewesen, den Euro als die Leitwährung schlechthin zu verkünden, erinnert sich die Business Times aus Singapur. Auf den Doller habe niemand gesetzt, Amerika habe sein riesiges Handels- und Haushaltsdefizit nach unten gezogen. Im Moment jedoch „schnappt der Euro nach Luft“ – er fiel um fast 22 Prozent im Vergleich zu seinem Spitzenwert vom Juli 2008. Seit seinem Launch vor elf Jahren sei der Euro meist eine Erfolgsgeschichte gewesen und habe Optimismus verbreitet über seine „marktbeherrschende Zukunft“. Es habe sogar Verschwörungstheorien gegeben, dass zwischen verschiedenen Erdöl produzierenden Ländern eine stille Übereinkunft bestanden hätte, den Dollar zu entmachten zu Gunsten des starken Euro. Heute sei der Dollar zurück als scheinbar sicherer Hafen. Werde er letztlich also doch dominieren, obwohl die amerikanische Wirtschaft Probleme habe? Im Moment sei nicht ganz klar, welche Währung als Leitwährung die Zukunft bestimmen werde. Rücke nun vielleicht die Zeit des chinesischen Yuan näher?
Die britische Financial Times begrüßt die Abwertung des Euros als Voraussetzung seiner Rettung. Die Märkte hätten zwar den Euro eher aus Furcht statt aus einem Verständnis heraus herabgesetzt, dass genau darin die Lösung zu finden ist. Der Euro habe einen große Spielraum bei seiner Wertminderung im Vergleich zu den Währungen der USA und von Schwellenländern. Die Wertminderung habe keine großen direkten Auswirkungen, weil der Großteil des Handels innerhalb der Eurozone stattfinde. Eine 30-prozentige Wertminderung des Euros würde das griechische Handelsdefizit signifikant senken und die Exporte ankurbeln – da der Tourismus 70 Prozent der griechischen Exporte einnimmt. Auch Deutschland würde von der Abwertung profitieren, da 40 Prozent seiner Exporte in Länder außerhalb der Eurozone gingen. Diese günstige Situation könnten die Deutschen ausnutzen, um ihre Binnennachfrage zu steigern.
Cajastur – Retter in der Not
Erneut habe die spanische Sparkasse Cajastur ihre „Retterweste“ angezogen, um einem notleidenden Konkurrenten zur Hilfe zu eilen, kommentiert die Wirtschaftszeitung El Economista die Fusion der Sparkassen Caja Mediterráneo, Cajastur, Caja Extremadura und Caja Cantabria. Um der angeschlagenen Caja Mediterráneo (CAM) allerdings die nötige Luft verschaffen zu können, rechne Cajastur fest mit Finanzhilfen von bis zu 1,6 Milliarden Euro aus dem staatlichen Restrukturierungsfonds (Frob). Nach wochenlanger Spekulation über mögliche Fusionspartner von CAM stehe durch den Zusammenschluss der Institute nun der Gründung der drittgrößten Sparkasse Spaniens nichts mehr im Weg. Mit Aktiva von insgesamt 135 Milliarden Euro positioniere sich die neue Sparkassengruppe gleich hinter der katalanischen La Caixa und der Caja Madrid. Als Geschäftssitz stehe Madrid fest, wobei noch geprüft werde, ob die verschiedenen Markenidentitäten der fusionierenden Sparkassen erhalten bleiben, berichtet die Zeitung.
Die Financial Times Deutschland geht davon aus, dass die spanische Zentralbank mit der Fusion in erster Linie die befürchtete Kettenreaktion durch den Ausfall einer besonders schwachen Caja verhindern wolle.
China nicht willkommen
Eine Riesenchance sei der indische UMTS-Ausbau für den Netzwerklieferanten Ericsson meint Schwedens Veckans Affärer. Nach der Versteigerung der UMTS-Lizenzen und dem Ausschluss chinesischer Unternehmen durch die indische Regierung am Bieterverfahren für den Ausbau des UMTS-Netzes habe der schwedische Konzern alle Trümpfe in der Hand. Zwar hätten Nokia Siemens und Alcatel Lucent noch ein Wörtchen mitzureden, dennoch könne sich der schwedische Konzern aufgrund der bisherigen Geschäftsentwicklung in Indien berechtigte Hoffnungen auf diesen Markt machen. Der chinesische Mitbewerber Huawei sei nun unter Zugzwang, denn mit dem „Aus in Indien“ fehle dem Unternehmen ein wichtiges Puzzlestück für die angekündigte Umsatzsteigerung von 20 Prozent in diesem Jahr. Huawei könne sich eine Schlappe auf dem indischen Wachstumsmarkt eigentlich nicht leisten, dennoch reagiere das Management des Konzerns ziemlich gelassen auf diese brisanten Entwicklungen. Bestätigten sich damit nicht die in der Branche kursierenden Übernahmegerüchte, fragt sich das Blatt. Möglicherweise sei einer der Mitbewerber Ericssons in naher Zukunft in chinesischer Hand?
Fundstück: Megaboni nur in Demut
Die US-Satire-Seite The Onion berichtet exklusiv über das bislang schärfste Regulierungsgesetz seit der Großen Depression. Bevor CEOs künftig Riesenboni kassieren können, so die neuen Auflagen, müssten sie demütig mit den Schultern zucken und schüchtern lächeln. “Nie mehr wird es möglich sein, dass die fetten Katzen unter den CEOs massive Boni kassieren, es sei denn, sie zeigen zumindest eine ‘Naja-Ich-denke-ich-sollte-eigentlich-nicht’-Miene und sagen so etwas wie ‘Na gut, aber nur, wenn Sie darauf bestehen’”, zitiert The Onion die Chefin der US-Börsenaufsicht SEC, Mary Schapiro. Auch US-Präsident Barack Obama freue sich, dass die Tage des Jubels mit High-Fives und “Cha-Ching”-Gebrüll in den Chefetagen vorbei seien.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Fridolin Pöschl
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