Wird Deep Water ein Waterloo?

Die internationale Wirtschaftspresse untersucht die juristischen, energiepolitischen und Image-Folgen der Ölkatastrophe  im Golf von Mexiko. El Economista lauscht dem Säbelrasseln von Telefónica und Portugal Telecom. Vor der wachsenden Macht Chinas warnt La Tribune. Fundstück: Mickys Querulanten.

Während der jüngste Versuch zur Abdichtung des Öllecks im Golf von Mexiko (Operation „Top Kill“ ) nach Angaben des Ölkonzerns BP bislang nach Plan verläuft, sucht Bloomberg nach juristischen Möglichkeiten, die Schuldigen an der Ölkatastrophe zur Rechenschaft zu ziehen. Die Staatsanwälte könnten zumindest unter der Maßgabe des „Clean Water Act“, einem Gesetz, das alle US-Oberflächengewässer, die zur Wasserversorgung oder als Erholungsgebiete verwendet werden, schützt, eine Verurteilung erzielen, schreibt der Wirtschaftsdienst. Doch die Klagen könnten schnell ausgeweitet werden, sollten falsche Berichte oder manipulierte Testergebnisse ans Tageslicht kommen. Dann würde aus dem Clean-Water-Fall schnell ein Verbrechensdelikt, das so aggressiv wie möglich verfolgt werden müsse.

Das US-Wirtschaftsmagazin Forbes wendet sich gegen Forderungen von Umweltschützern, Offshorebohrungen künftig ganz zu unterbinden. Seit dem 11. September sei die „Energiesicherheit“ ein großes Thema in den USA. Und vor diesem Hintergrund sei es wichtig, US-Energiequellen wie bei Deepwater Horizon zumindest zu konservieren, um in der Zukunt die Möglichkeit zu haben, im Notfall eine eigene Energieversorgung sicherzustellen. Dieser trete beispielsweise ein, sollte das Land vom Öl im Persischen Golf abgeschnitten werden, wodurch der Ölpreis auf 200 Dollar pro Barrel oder mehr ansteigen könnte.

Im Wall Street Journal untersuchen zwei Kommunikationsexperten die Auswirkungen der Ölkatastrophe für BP. Die Werbekampagne des Ölkonzerns unter dem Motto „Beyond Petroleum“, mit der man sich auf der grünen Seite der Energieentwicklung habe positionieren wollen, sei durch die gesunkene Ölplattform unterminiert worden – jetzt sei BP wieder im „schmutzigen Kohle-Territorium“. „Egal wie groß die Berühmtheit, 15 Minuten der Schande können darüber entscheiden, wie man in den kommenden 20 Jahren wahrgenommen wird“, bezieht sich das Autorenduo auf die Aussage von Andy Warhol, nach der in Zukunft „jeder 15 Minuten berühmt sein“ kann. So löse der Firmenname Exxon bei vielen immer noch die Erinnerung an den gesunkenen Valdez-Tanker aus, 21 Jahre nach der Katastrophe.

Newsweek berichtet, dass BP und Vertreter der Regierung Fotojournalisten dabei behindern, die Folgen der Ölkatastrophe zu dokumentieren. Sie würden daran gehindert, die Orte zu inspizieren, an denen die Auswirkungen des Öllecks am deutlichsten zu sehen seien. Selbst Überflüge würden teilweise untersagt. Einem Kamerateam von CBS, das einen mit Öl bedeckten Strandabschnitt filmen wollte, sei sogar eine Verhaftung angedroht worden.

Telefónica: feindliche Übernahme möglich

Der Ton wird schärfer zwischen Telefónica und Portugal Telecom, beobachtet die spanische Wirtschaftszeitung El Economista. Die spanische Telefongesellschaft halte sich bewusst die feindliche Übernahme ihres portugiesischen Wettbewerbspartners als Option offen, falls sich dieser weiterhin weigere, dessen brasilianische Mobilfunktochter Vivo an Telefónica abzugeben. Wie ein unglückliches Ehepaar verhalten sich Telefónica und Portugal Telecom in Brasilien, zitiert die Zeitung aus einem Interview des Finanzchefs von Telefónica, Fernández Valbuena, mit der Financial Times. Ein Zustand, den dieser durch die Fusion von Vivo mit der brasilianischen Telefónica-Tochter Telesp so schnell wie möglich beenden wolle. Portugal Telecom lasse sich indes von der Drohung nicht einschüchtern und fordere im Gegenzug den Ausschluss von Valbuena aus dem Vorstand der portugiesischen Telefongesellschaft.

China gewährt der Welt Kredit

Vor der wachsenden Macht Chinas warnt La Tribune. „Alle Krisen führen nach Peking: Die Krise Koreas, wo nur China in der Lage ist, Kim Jong-Il zu beruhigen, die Krise des Euro, für den sich nun die „G2“ zusammentun – China und die USA – um die europäische Währung zu stützen, und die Krise des abendländischen Finanzsystems, das durch amerikanische Obligationen, im Besitz von Chinesen, vor dem Ruin bewahrt wird“, begründet das französische Wirtschaftsblatt seine Sorge. Wo auch immer man in der Welt nach Geld suche, es liege in Peking: „Nur China hat Kredit, alle anderen leben auf Kredit.“ Das Reich der Mitte habe sich unbemerkt ins Zentrum der Welt gerückt: China beherrsche die Kunst der Kriegsführung und nun das Wichtigste im Krieg überhaupt: Geld. Naiv sei, wer beruhigt hinnehme, dass China untrennbar mit der Welt verbunden sei, und gleichzeitig glaube, dem Land seine Politik vorschreiben zu können: „Ohne Zweifel kommt der Tag, an dem uns China seine Rechnung präsentiert.“

Der Aufstieg von Megafon

Vedomosti gratuliert dem russischen Mobilfunkanbieter Megafon zu einem rasanten Aufstieg innerhalb von nur neun Jahren zum zweitgrößten russischen Handyprovider. Im Jahr der Gründung 2001 seien viele Experten skeptisch gewesen, ob sich der Neuling gegen die großen Konkurrenten MTS und Vimpelkom werde durchsetzten können. Sie seien nun eines Besseren belehrt worden. Megafon habe mit 52 Millionen Abonnenten mehr Kunden als der alte Rivale Vimpelkom, und das Duopol sei dem Wettbewerb gewichen. „Telefonieren mit dem Handy ist in Russland billig wie in kaum einem anderen Land“, argumentiert das Blatt. Das Unternehmen, das lange mit dem Image des ewigen Dritten zu kämpfen gehabt habe, senke die Tarife jedoch weiterhin und könne dadurch auf das größte Gewinnwachstum verweisen.

Französisches Unternehmen baut Hochgeschwindkeitszug für Italien

Für September 2011 ist der Start des Hochgeschwindigkeitsnetzes NTV in Italien geplant, berichtet
ilSole24Ore. NTV ist ein privates Unternehmen, das neben der staatlichen Eisenbahn FS mit sechs Strecken die wichtigsten Städte Italiens (Turin, Rom, Mailand, Neapel, Bologna, Florenz und Salerno) verbinden will. Allerdings sollen in Rom und Mailand nicht die zentralen Hauptbahnhöfe, sondern Sekundärbahnhöfe angefahren werden. Derzeit würden die ersten Prototypen des französischen Unternehmens Alstom getestet. Das Investitionsvolumen liege schätzungsweise bei einer Milliarde Euro, 929 zusätzliche Arbeitsplätze seien geplant. Im Gegensatz zu den staatlichen Hochgeschwindigkeitszügen habe die private Linie eine Breitband-Internetverbindung im Zug, und einige Abteile seien mit Bildschirmen für die TV-Übertragungen oder Filme ausgestattet.

Fundstück: Mickys Querulanten

Die Financial Times widmet sich genüsslich einem Insidertrading-Fall bei Disney. Die US-Börsenaufsicht SEC wirft einer Mitarbeiterin der Disney-Presseabteilung und ihrem Freund vor, dass diese im großen Stil vertrauliche Informationen zu den Quartalszahlen im Vorfeld der Berichte an Hedge-Fonds verkaufen wollten. Bonnie (Jean Hoxie) und Yonni (Sebbag) hätten sich allerdings nicht besonders geschickt angestellt und hätten ihre Akquise-Mails zu breit gestreut, worauf einige Fonds direkt die Börsenaufsicht eingeschaltet hätten. Schließlich habe das FBI einen fingierten Deal mit Bonnie und Yonni abgeschlossen und diese verhaftet. „Vergesset Wall Street II. Pixar sollte sich die Rechte an Bonnie, Yonni und Mickey sofort sichern“, rät das Blatt.

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Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer, Maxim Kireev

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