Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die weitreichenden Folgen der Ölpest und fordert von dem betroffenen Ölkonzern BP, in Zukunft ernsthafter als je zuvor die Risiken des Geschäfts unter die Lupe zu nehmen. Und das auch zum Wohle der gesamten Branche. Denn die stehe mit dem Debakel in den USA nun vor einer ungewissen Zukunft.
Die Financial Times nimmt den soeben von der BP publizierten Energiebericht „Annual Statistical Review of World Energy“ zum Anlass, die optimistischen Angaben des Konzerns zu zerpflücken: Seit Jahren schreibe das Unternehmen da unverdrossen, die Welt habe noch für 40 Jahre Ölreserven und betone, dass fortschreitende technische Möglichkeiten in den kommenden Dekaden noch viel mehr Ölquellen erschließen würden. „Doch das Desaster im Golf von Mexiko schafft Zweifel an der Machbarkeit der Tiefseebohrungen, auf der diese Prognosen beruhen.“ Sollten folglich die Vorhersagen der BP über die ausbeutbaren Reserven tatsächlich falsch sein, werde der Energiemangel zu einer Krise im Ausmaß der jüngst erlebten Finanzkrise führen. BP habe jedoch bislang immer Optimismus verbreitet und die Frage angesichts der neuesten Ausgabe des BP-Energieberichts sei jetzt: Wie findet BP neue Wege, um mit dem Risiko des sinkenden Ölnachschubs umzugehen? Ab sofort müsse dieses Geschäftsrisiko „ernsthafter analysiert werden als je ein Geschäftsrisiko zuvor“, fordert das Blatt.
BP-Konkurrenten wie Exxon und Shell profitieren kaum von dem Debakel im Golf von Mexiko, beobachtet das Manager Magazin, die gesamte Branche stehe vor einer „unsicheren Zukunft“. An den fallenden Kursen der wichtigsten Unternehmen der Ölindustrie ließe sich bereits ablesen, „dass die gesamte Branche für das BP-Debakel in Mithaftung genommen wird.“
Der australische Business Spectator nimmt das Öldesaster zum Anlass für die Forderung, künftig die Silbe „Öko“ als Teil des Wortes Ökonomie wahrzunehmen. Die 70 Milliarden Dollar an Marktwert, die BP innerhalb von sechs Wochen eingebüßt habe, seien schließlich „nur ein Tropfen im Ozean“ verglichen mit UN-Zahlen, die besagen, dass sich die Umweltkosten der 3000 größten Unternehmen der Welt in 2008 auf 2,2 Billiarden Dollar beliefen – rund ein Drittel ihrer in dem Jahr gemachten Profite. Die UN-Initiative Green Economy, die diese Zahlen lieferte, werde von Pavan Sukhdev, einem Investmentbanker der Deutschen Bank geführt, aus dessen Analysen hervorgehe, dass sich der Schutz von Biotopen und der Artenvielfalt tatsächlich rechne: „Das gibt uns die Chance, die Begriffe Wirtschaft und Politik für das 21. Jahrhundert neu zu definieren.“ Eine erste Möglichkeit dazu biete sich auf dem G20 Meeting in Toronto, wo Vorschläge zur Diskussion stünden, künftig die Subventionen für fossile Energiequellen zu streichen.
Banken schlagen zurück
Während die Finanzminister der EU die Zögerlichkeit der G20 ignorieren und weiterhin neue Auflagen für die Banken entwickeln wollen, arbeiteten die Banker selber am Gegenschlag, berichtet die BusinessWeek. Beim Treffen des Institute of International Finance in Wien versammelten sich Vertreter von 375 Finanzdienstleistern, denen es die hohe Staatsverschuldung vieler Nationen nun erleichtere, gegen weitere Auflagen zu argumentieren. Unter Vorsitz des CEO der Deutsche Bank, Josef Ackermann, würden die Bankiers vor allem das „Risiko für Wachstum und Arbeitsplätze“ diskutieren, das eine weitere Regulierung der Finanzbranche mit sich brächte. Die Lobbyorganisation spreche sich auch gegen Größenbeschränkungen aus, seien Großbanken doch „entscheidend für die Finanzierung globaler Konzerne und zur Unterstützung ganzer Volkswirtschaften.“ Für die Bankiers stehe ja auch viel auf dem Spiel, schreibt das Magazin, setze sich das Basel Committee on Banking Supervision mit seinen Vorstellungen durch, müssten ihre Unternehmen 375 Milliarden Dollar an frischem Kapital auftreiben.
Steigende Löhne in China
Steigenden Lohnkosten in China könnten das Land in eine Volkswirtschaft verwandeln, die vor allem von der Kaufkraft der eigenen Bevölkerung lebt, vermutet das Wall Street Journal. Hinter den Lohnsteigerung um 30 oder 50 Prozent steckten die schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft von der Krise und eine längerfristige demographische Entwicklung, die den bislang unerschöpflich wirkenden Nachschub an Arbeitskräften derzeit abbremse. Der Trend sei „eine positive Entwicklung“, könnten höhere Löhne und steigender Konsum in China doch Wachstumsimpulse für die schwächelnden Konjunkturen in USA, Europa und Japan liefern. Die Streiks bei globalen Unternehmen – wie zuletzt der bei Honda – stellten aber auch ein Problem für internationale Konzerne dar, die sich auf China als Niedriglohnland verlassen hätten. Die Produktion dort werde nun „komplexer“, insbesondere, da chinesische Arbeitskräfte „zunehmend mutiger werden, die Grenzen auszutesten.“ Gleichzeitig gebe es aber auch Raum für Lohnerhöhungen, sei doch die Arbeitsproduktivität in China in den vergangenen fünf Jahren jährlich um neun Prozent gestiegen.
Bescheidener Superbetrüger
Die Financial Times Deutschland beschäftigt sich mit dem Prozess gegen Jérôme Kerviel, dem Milliardenbetrüger, der seinen Arbeitgeber Société Générale knapp fünf Milliarden Euro gekostet haben soll. Er präsentiere sich dem Gericht als „bescheidener Normalo“, schließlich hätte die Bank den Milliardenverlust bemerken können, wie er sagt. Die Verteidigung wolle Kerviel als Opfer des Systems darstellen: Erfolgsdruck, fehlende Kontrollen, die hemdsärmelige Atmosphäre im Handelssaal hätten automatisch dazu geführt, dass einer mal über die Stränge schlage – „so wie die gesamte Branche.“ Die Verteidigung scheine zu hoffen, dass Kerviel die kritische Stimmung gegenüber den Banken nutzt. Das Verfahren sei auf drei Wochen angesetzt, Zeit für seine Anwälte, um „aus Kerviel, dem Finanzmonster den Menschen Kerviel zu machen. Einen unschuldigen.“
Ganz normale Steuerhinterziehung
„Aufsehenerregend“ findet die Börsen-Zeitung die Entscheidung des Schweizer Parlaments, die Namen und Kontoinformationen von 4450 amerikanischen UBS-Kunden nun doch nicht wie eigentlich vertraglich vereinbart an die USA auszuliefern. „Das Bankgeheimnis bleibt (vorerst) gewahrt.“ Schuld daran, dass sich das Parlament in der Sache überhaupt äußern musste, sei das Bundesverwaltungsgericht der Schweiz. Im Januar urteilte es, dass 95 Prozent der UBS-Kunden, welche die Regierung gerne unter der Rubrik „Steuerbetrüger“ an die USA verraten hätte, tatsächlich nur einfache Steuerhinterzieher waren. Deshalb könnten sie weiterhin den Schutz des Bankgeheimnisses in Anspruch nehmen. Nur mit dem Segen des Parlamentes oder gar des Volkes dürfe die Schweiz die verlangten Kundendaten nach Amerika liefern. Doch da spiele das Parlament nicht mit.
Schlacht ums Wohnzimmer
Bislang hätten sie friedlich ko-existiert, aber mit der Ruhe sei es nun vorbei: die Chipproduzenten Intel und ARM rüsteten sich nun zum Kampf um die Wohnzimmer, prognostiziert Fortune. Intel regiere bislang im Markt für Personalcomputer, während AMD vor allem im Geschäft mit den Smartphones dominiere. Jetzt werde jedoch der Fernseher im Wohnzimmer immer mehr zum Medienzentrum der Menschen, „und ARM ist dabei, sich da mit dem Ellbogen Platz zu verschaffen.“ Immer mehr TV-Geräte und Accessoires kämen jetzt mit ARM-Chip auf den Markt, so vermutlich auch das neue Apple TV. Google TV dagegen wolle künftig mit Intel arbeiten. „Die Schlacht um die Oberhoheit im Wohnzimmer“ sei am Ende segensreich, sorge der Wettbewerb doch für technischen Fortschritt. Am schönsten sei jedoch, dass der Nutzer „in jedem Fall einen Platz in der ersten Reihe“ einnehmen werde.
Up in the Air für Luftfahrtgesellschafen
Airlines seien aus der stürmischen Zone heraus und flögen in Richtung sonnigem Himmel, berichtet die Business Times aus Singapur. Zwar habe die Aussichten vor etwa drei Monaten noch nicht so rosig ausgesehen. Doch laut der Internationalen Flug- und Transportvereinigung (IATA) könnten die Fluggesellschaften rund um den Globus in diesem Jahr ein Plus von 2,5 Milliarden Dollar verbuchen. Dies sei eine riesige Erleichterung, beliefen sich doch die Verluste auf 47 Milliarden Dollar seit dem Jahr 2000. Allen Erwartungen nach würden bei diesem Aufschwung die Fluglinien aus dem asiatisch-pazifischen Raum führend sein. Dabei werde sich wahrscheinlich das Premium Segment besonders gut entwickeln. Europas Gesellschaften, die durch die Aschewolke des isländischen Vulkans erhebliche Verluste erlitten, seien im Moment im „Epizentrum“ eines wirtschaftlichen Bremsprozesses. Die Prognose der Passagierzahlen sei jedoch generell weltweit positiv: 7,1 Prozent an Zuwachs soll es geben; im Cargo-Bereich 18,5 Prozent. Beides sei jeweils mehr als zunächst gedacht.
Fundstück: Mit röhrendem Auspuff durch die Krise
„CNN-Effekt“ nennt Sebastian Habr das Phänomen, dass ihn nach jeder Hiobsmeldung der Medien Schnäppchenjäger anrufen, die billig an einen Ferrari 430 kommen wollen. „Die Leute sehen die Schlagzeilen und glauben, dass wir jetzt endlich Konkurs sein müssten“, sagt der Finanzchef des Autoclubs Gotham Dream Cars in New Jersey. Habr sitze jedoch mitnichten auf edler Konkursware, im Gegenteil, der Laden laufe ausgezeichnet, amüsiert sich Forbes. In der Krise werde ein Neuwagenkauf schon mal verschoben, da tue es dann auch eine geliehene Edel-Karrosse aus dem Autoclub. Auch kämen immer mehr Leute, die sich mit nur einem Auto langweilten: Testfahren mit sechs verschiedenen Luxusschlitten am Tag, die der Club für 900 Dollar offeriere, hätten gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent angezogen. Wer auch eine Mitgliedsgebühr von 50 000 Dollar locker habe, könne die edlen Clubfahrzeuge auch ohne weitere Kosten spazieren führen. Den einzigen Sparzwang, den die Club-Betreiber bei ihrem Klientel wahrnähmen, sei die neue Beliebtheit des Mercedes S550, leihweise für 2442 Dollar die Woche. Der werde jetzt schon mal lieber genommen als der Bentley Continental GTC für 7440 Dollar.
Mitarbeit: Kerstin Herrn.
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