Die internationale Wirtschaftspresse beobachtet die jüngste Folge im Drama um Opel, in dem das letzte Wort noch nicht gesprochen sei, wie das Wall Street Journal prognostiziert. Nun komme eben wieder die Europäische Investitionsbank ins Spiel, die in den vergangenen zwei Jahren ohnehin vor allem als Autobank diente, vermutet die Wirtschaftswoche.
Das Drama um die europäischen Töchter von General Motors habe schon mehr Wendungen gesehen als eine lateinamerikanische Seifenoper, schreibt die
Financial Times. Leider habe sich GM inzwischen „mit der deutschen Regierung, mit der Wettbewerbspolitik der europäischen Gewerkschaften und in den Grabenkämpfen bei Opel selber verheddert.“ Mit der Verweigerung staatlicher Unterstützung habe der deutsche Wirtschaftsminister Rainer Brüderle nun „das Drama zum Höhepunkt getrieben.“ Noch vor einem Jahr wäre die Sache anders ausgegangen, mutmaßt das Blatt, aber inzwischen habe GM die deutsche Regierung gründlich verärgert, die in der Frage, wieso der heimische Steuerzahler die Niederlassung eines US-Unternehmens retten sollte ohnehin schon immer gespalten gewesen sei. Außerdem sei der Gipfel der Autokrise längst vorbei und die Deutschen wollten nun zu recht wissen, wieso ein Unternehmen, „das im ersten Quartal einen Profit von 1,2 Milliarden Dollar meldete und die Hilfen der US-Regierung frühzeitig zurückzahlen will, überhaupt Hilfe braucht.“
„Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“, zitiert das Wall Street Journal die Reaktion der deutsche Kanzlerin auf das Nein ihres Wirtschaftsministers zur Opel-Staathilfe. Das signalisiere, dass Angela Merkel noch ein paar Türen offen halten wolle für das heutige Treffen mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer mit Opel-Niederlassungen. Allerdings habe Merkel gerade einen Sparplan verkündet, der Milliarden aus den deutschen Sozialsystemen heraus kürzen werde und es sei dadurch nicht gerade einfacher geworden, GM deutsche Staatsgelder zu garantieren. Entsprechend ringe GM jetzt um „einen Plan B“. Europachef Nick Reilly mache sich dabei Hoffnungen, dass die Bundesländer ein Viertel oder die Hälfte der ursprünglich erbetenen 1,1 Milliarden Euro aufbringen könnten und dass es vielleicht doch noch Subventionen geben könnte, beispielsweise für die Entwicklung eines Elektroautos. Schließlich würde Merkel es „verabscheuen“, Opels Gewerkschaften zu verärgern und noch mehr Entlassungen bei der Autofirma zu riskieren.
Die WirtschaftsWoche meint, Brüderle habe mit seinem Nein einen Scheinsieg errungen. Die Kanzlerin bastele bereits an einer Alternative: „Es könnte am Ende auf eine Kombination von Länder- und EU-Mitteln hinauslaufen.“ Nun komme wieder mal die Europäische Investitionsbank ins Spiel, die in den vergangenen zwei Jahren ohnehin vor allem eine Autobank gewesen sei und unter anderem Ford, Skoda, Nissan, Daimler, Renault, Volkswagen und Peugeot-Citroën mit jeweils dreistelligen Millionensummen gesponsert habe. Helfe die EU und helfen die Bundesländer, dürften auch die zugesagten Mittel anderer EU-Staaten fließen und „Opel könnte schon morgen am Ziel sein.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel lasse Brüderle „seinen kleinen Pseudo-Sieg.“ Ab heute sitze sie jedoch wieder selbst bei Opel am Steuer.
Obamas Vorurteile
Barack Obama hätte es geschafft, bei den Briten Nationalgefühle für British Petroleum zu wecken, weil er sich aufgeplustert habe wie für eine „betrunkene Kneipenschlägerei“ und in seiner Kritik an BP den britischen Charakter der tatsächlich multinationalen Unternehmung betonte, kommentiert Forbes. Wieder mal habe der US-Präsident den Eindruck vermittelt, dass er die Briten nicht ausstehen könne „und die fragen sich jetzt, ob sie seine Gefühle nicht erwidern sollten.“ Dabei hätten viel mehr Unternehmen „American“ im Firmennamen als „British“, und es sei schon fast eine Leistung, den ziemlich erlahmten Nationalstolz der Briten zu kitzeln. Nun müsse die neue Londoner Regierung nicht nur über künftige Verteidigungsausgaben entscheiden wie das Trident System von Lockheed, sondern auch über den weiteren Verbleib britischer Truppen in Afghanistan. „Sollte Obamas Briten-Prügel anhalten, könnte sich die neue Regierung veranlasst sehen“, meint das Blatt, „die Ehre von British Petroleum zu verteidigen.“
Öffentliches Geheimdossier
„Eine schwere Ermittlungspanne“ könnte ein Verfahren gegen Steuersünder gefährden, meldet die
Financial Times Deutschland. Der Bund und Niedersachsen hätten gemeinsam eine Schweizer CD mit Daten von Steuersündern gekauft, doch dann habe die Staatsanwaltschaft interne Dokumente mit Details verschickt. Das Dossier liege seit Tagen den Ermittlungsakten bei, könne von den Anwälten der Beschuldigten eingesehen werden und sei damit quasi öffentlich. Dies sei „desaströs“.
Ein Loch so groß wie der Grand Canyon
Ben Bernanke habe Jahre damit zugebracht, die Immobilienblase zu rechtfertigen und habe so lange behauptet, die Hypothekenkrise sein unter Kontrolle, bis diese die US-Wirtschaft schier überwältigte. Doch das Staatsdefizit sei inzwischen so dramatisch, dass nicht mal die Scheuklappen des Bundesbankchefs noch Wirkung entfalten könnten, schreibt Fortune. Bernake habe nun erstmalig Maßnahmen einfordert, um das US-Haushaltsloch zu stopfen. Das Problem sei jedoch nicht nur ein Lücke in der Größe von zehn Prozent der diesjährigen volkswirtschaftlichen Leistung, sondern die Demografie. 2030 werden jedem Pensionär in den USA nur noch drei Arbeitnehmer gegenüber stehen und das werde enorme Kosten für den Staat verursachen. Allerdings hätten schon „andere Eierköpfe mit größerer Statur als Bernanke“ staatliches Maßhalten gefordert und daher seien Zweifel weit verbreitet, „dass Washington handelt, bevor es zu spät ist.“ Wir sollten hoffen, schreibt das Magazin, „dass wir nicht eines Tages auf Bernanke anstoßen müssen, weil er zu den Leuten gehörte, die die nächste Krise vorhergesehen haben.“
Australiens Minenbaron tobt
Bergbaubaron Andrew Forrest hält die Beratungen der australischen Regierung über eine geplante Steuer auf Minenerträge für eine „Scharade“, schreibt der
Business Spectator. Die Regierung in Canberra plant, künftig alle Profite aus dem Bergbau, die über dem Ertrag einer Staatsanleihe liegen, mit 40 Prozent zu besteuern. Der erboste Chef der Fortescue Metals Group habe nach Gespräch mit Regierungsvertretern mitgeteilt: „Wenn du die Steuer ändern willst, musst du zuvor die Regierung ändern – das war das Erste, was die zu mir gesagt haben.“ Er könne sich jedoch nicht erinnern, dass irgendwer die Finanzbeamten demokratisch gewählt habe. Heute treffe Forrest nun auf den australischen Premierminister Kevin Rudd, doch glaube der Unternehmer nicht, dass sich die Regierung „auch nur drei Zentimeter weit bewegt.“ Die Architekten der neuen Steuer haben seiner Meinung nach „ganz offensichtlich keine Ahnung, wie unsere Branche funktioniert.“
Inditex krisenresistenter als erwartet
Das spanische Modeunternehmen Inditex hinter der Marke Zara erweise sich krisenresistenter als erwartet, analysiert die Wirtschaftszeitung Expansión. Selbst optimistische Prognosen habe das von Pablo Isla geführte Unternehmen übertroffen und einen Umsatzzuwachs im ersten Quartal von 37,4 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 bzw. 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Damit beweise Inditex nicht nur die Stabilität seines Geschäftsmodels, sondern auch die Fähigkeit, sich schnell an Marktveränderungen anzupassen. Für die Zukunft setze Inditex auf das Internetgeschäft und wolle in Ländern wie Deutschland, Spanien und Großbritannien ab Anfang September sämtliche Angebote auch online zur Verfügung stellen. Nicht zuletzt habe Pablo Isla während der Präsentation der Quartalsergebnisse auch sein Vertrauen und seine Zuversicht in die spanische Wirtschaft unterstrichen und damit vielen in schwierigen Zeiten neuen Mut gemacht, lobt die Zeitung.
Erklärt Deutschland der EADS den Krieg?
Einen hinter den Kulissen ausgefochtenen Krieg zwischen EADS und Deutschland glaubt Challenges zur Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin auszumachen. Der Schuldige sei das deutsche Verteidigungsministerium: „Minister zu Guttenberg scheint unsere Haut zu wollen“, zitiert das französische Wirtschaftsblatt einen Insider. EADS müsse damit rechnen, dass der deutsche Verteidigungsminister bis zu sieben Bestellungen des A 400 M zurücknehme, weiterhin die Auslieferung der Kampfhubschrauber Tiger der EADS-Tochter Eurocopter verzögere und das Unternehmen in der deutschen Presse schlecht dastehen lasse. „Und beim Projekt der Talarion-Drohnen hat Deutschland eine Vollbremsung hingelegt. Das Land scheint nun auf Regalware zurückgreifen zu wollen, auf den Predator B des amerikanischen Herstellers General Atomics.“ Das Verhältnis sei äußerst gespannt, so sehr, dass nun Deutschland gar einen anderen Nachfolger für EADS-CEO Louis Gallois wolle als den bisher gehandelten Tom Enders. Gewünscht sei nun Aufsichtsratspräsident Bodo Uebber. „Es sei denn, Louis Gallois will in diesem Krieg länger dienen.“
Streit zwischen ACS und Iberdrola spitzt sich zu
Die spanische Wirtschaftszeitung Expansión kommentiert den sich zuspitzenden Machtkampf zwischen dem Energieversorger Iberdrola und der Baugesellschaft ACS. Neben Ignacio Sánchez Galán und Florentino Pérez, den Präsidenten der betroffenen Unternehmen, lieferten sich nun auch die hinzugezogenen Anwaltskanzleien – Albiñana & Suárez de Lezo für Iberdrola und Clifford Chance für ACS – laute Wortgefechte. Keine Gelegenheit sei den beiden Parteien zu schade, um die eigene Position zu unterstreichen, beobachtet die Zeitung. Entstanden sei der Konflikt durch den Beschluss der Regierung, die bisher gültige Stimmenbeschränkung der Aktionäre auf zehn Prozent aufzuheben. Diese Regelung wolle ACS als größter Aktionär von Iberdrola ausnutzen und einen Sitz im Vorstand des Energiekonzerns erzwingen. Dagegen wehre sich Iberdrola mit der Begründung, dass ACS in Konkurrenz zu den eigenen Geschäften stehe, meint die Zeitung.
Fundstück: Der Apple-Gründer, der von Sozialhilfe lebt
Ron Wayne gestaltete 1976 als Mitbegründer von Apple das Logo des Konzerns, schrieb die Gebrauchsanweisung für den Computer Apple I und entwarf den Gründungsvertrag des damals neugeborenen Unternehmens. Der gab ihm einen Anteil von zehn Prozent an der Gesellschaft, der heute rund 22 Milliarden Dollar wert wäre, hätte Wayne ihn behalten, schreibt die Chicago Tribune. Hat er aber nicht. Wegen Steve Jobs „wildem Ausgabeverhalten“, Steve Wozniaks unkontrollierbaren „Höhenflüge der Phantasie“ und aus Angst, dass ihn die Kreditgeber belangen könnten, habe er nach nur zwölf Tagen die Flinte ins Korn geworfen. Für seinen Anteil hätte er seinerzeit 800 Dollar bekommen. Inzwischen lebe Wayne von der Sozialhilfe.
Mitarbeit: Peggy Pfaff, Florian Käfer
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



0 Kommentare zu “Die Seifenoper um Opel”