Die 140 Milliarden-Rechnung von BP

Die internationale Wirtschaftspresse diskutiert über die Haftung des Ölkonzerns BP für die Schäden der Öl-Katastrophe und kritisiert sein Risikomanagement. Der Business Spectator sieht Spanien auf wackeligen Beinen. Das Wall Street Journal hält die Rohstoffförderung in Afghanistan für zu gefährlich. Fundstück: Die hohe Kunst des Anprangerns.

Von Maxim Kireev

Reuters lehnt die Forderung amerikanischer Politiker, der Ölkonzern BP solle Geld in einen Treuhandfonds einzahlen, um daraus die Schäden der Ölkatastrophe zu bezahlen, ab. Die Idee sei unsinnig. Zweifel an BPs Fähigkeit und Bereitschaft zu zahlen, seien unangebracht. Das Risiko – selbst bei einem treuhänderisch verwalteten Konto – bestehe darin, dass BP für unberechtigte Forderungen aufkommen müsse. Allerdings habe BP diesem Vorschlag auch zuvorkommen können, wenn der Konzern die angekündigte Dividendenzahlung an die Aktionäre ausgesetzt hätte. Dies sei nun nicht mehr so einfach, und BP müsse in den Verhandlungen mit der US-Regierung nachgeben. „BP sollte vorschlagen, quartalsweise eine Summe von einigen Hundert Millionen Dollar auf ein Treuhandkonto zu zahlen, um dringende Ansprüche zu begleichen. Umgekehrt würde der Konzern die Flexibilität bewahren, wenigstens eine kleine Dividende statt gar keiner zu zahlen“, empfiehlt Reuters.

Die Financial Times Deutschland dagegen ruft den amerikanischen Präsidenten Barack Obama dazu auf, seine Druckmittel – Geld und Image – besser gegen BP zu nutzen. Angesichts der Katastrophe, die immer weiter ins öffentliche Bewusstsein vorrücke, könne sich Obama nur auf Kosten von BP aus der Gefahrenzone bringen.

Die kanadische Financial Post kritisiert ihrerseits das Risikomanagement des Ölgiganten. „Das am meisten Verstörende an dem Fall ist, dass der CEO Tony Hayward ursprünglich davon gesprochen hat, nur die Haftung für rund 75 Millionen Dollar Schadenssumme zu übernehmen“, meint das Blatt. Und retourniert: „Wer braucht schon Sicherheitsmaßnahmen, wenn ein Unfall so billig ist?“. Mittlerweile betrage die Rechnung, Kursverluste eingerechnet, rund 140 Milliarden Dollar, und sie steige weiter. Letztendlich habe das schlechte Risikomanagement das Unternehmen versenkt. Hätte die Konzernführung die finanzielle Verwundbarkeit erkannt, hätte es sich um bessere Sicherheitssysteme gekümmert. Das finanzielle Desaster um BP schrecke nun Investoren von Ölfirmen ab, was später zu Versorgungsengpässen führen könne. „Es fehlen Billionen Dollar, um neue Vorkommen zu erschließen und den Durst der wachsenden Volkswirtschaften zu stillen“, schreibt das Blatt.

Griechenlands Anleihen auf dem Wühltisch

Moody’s Entscheidung, den Anleihen Griechenlands einen Ramschstatus zu verleihen, würde dem Land nicht sofort weh tun, schreibt das Magazin Forbes . Seit der angekündigten Rettungsaktion habe das Land sich nämlich nicht mehr auf den Finanzmärkten bedient. Moody’s sei „ausgesprochen unsicher“ über den richtigen Zeitpunkt und die Auswirkungen des riesigen europäischen Rettungspakets. Nach Ansicht der Ratingagentur sei das Risiko eines Staatsbankrotts noch gering, es sei jedoch gestiegen. Zwar würde der EU-Rettungsplan Griechenland vor den Märkten abschirmen. Allerdings sei nicht sicher, ob Griechenlands Wirtschaft wachsen könne, während die Nachbarländer mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätten, und sogar riesige Länder wie die USA Probleme mit der mächtigen Schuldenlast auf ihren Schultern hätten.

Spanien wackelt

Die globalen Finanzmärkte seien laut Business Spectator über Nacht wieder von der Angst durchgerüttelt worden, dass sich spanische Banken nicht mehr finanzieren könnten und das Land – ähnlich wie Griechenland – um ein Rettungspaket bitten müsse. Spaniens Finanzminister Carlos Ocana habe zugegeben, dass einige spanische Banken keine Kredite auf dem Interbanken-Markt bekommen hätten. Die Sorgen um die spanische Schuldenkrise schürten ebenfalls Äußerungen wie die von Francisco Gonzalez, dem Chef der zweitgrößten spanischen Bank BBVA, für die Mehrheit der spanischen Unternehmen und Finanzinstitutionen seien die internationalen Märkte verschlossen. „Spanien ist die viertgrößte Wirtschaft in Europa, und alle Probleme Spaniens würden sofort auch Deutschland und Frankreich treffen“, ahnt das Blatt.

Fusionswelle spanischer Sparkassen

Über 90.000 Angestellte seien derzeit von Fusionsverhandlungen zwischen Sparkassen in Spanien betroffen, berichtet die Wirtschaftszeitung Expansión und sieht die Sparkassenmitarbeiter bereits als jüngste Opfer der Finanzkrise. Beispiellos seien die drastischen Konsolidierungsmaßnahmen innerhalb des spanischen Finanzsystems, um der von Experten auf 25 Prozent geschätzten Überkapazität im Bankensektor die Stirn zu bieten. Von insgesamt 45 Sparkassen seien 36 in Fusionsgesprächen. Noch zwischen 2004 und 2007, dem letzten gewinnreichen Jahr, seien 5000 neue Banken- und Sparkassenfilialen eröffnet worden, die sich seither als unrentabel erwiesen haben, kommentiert die Zeitung. Schon deshalb verwundere es kaum, dass die ersten Filialschließungen bereits im Gang seien. Hinzu kommen ein ohnehin schleppendes Geschäft und die Tatsache, dass immer mehr Kreditnehmer ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen können, ergänzt das Blatt.

Afghanistan zu unsicher als Rohstoffparadies

Obwohl die USA seit 2001 bereits 940 Milliarden Euro für den Krieg in Afghanistan ausgegeben hätten, werden von den Rohstofffunden in Afghanistan – einer Schatztruhe mit seltenen Metallen wie Lithium,Gold, Cobalt, Kupfer und Eisenerz – vor allem russische und chinesische Firmen profitieren, fürchtet das Wirtschaftsportal Daily Finance. So habe der chinesische Staatskonzern „China Metallurgical Group“ bereits einen 2,9 Milliarden Dollar-Vertrag mit Kabul abgeschlossen, um die Kupferförderung am Aynak-Vorkommen zu beginnen, einem der größten Vorkommen. Der afghanische Bergbauminister habe sich den Zuschlag an die Chinesen angeblich mit 30 Millionen Dollar vergolden lassen. Die guten Beziehungen zwischen den Regierungen Russlands und Chinas und den Bergbaukonzernen der Länder hätten ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber amerikanischen Firmen verschafft. Die USA auf der anderen Seite hätten keine Programme, um die heimischen Bergbaukonzerne zu unterstützen. „Die Ironie besteht darin, dass die amerikanischen Geologen im Auftrag der US-Regierung Vorkommen entdecken, die anschließend von China und Russland ausgebeutet werden“, meint das Blatt.

So nützlich die Rohstoffvorkommen für Afghanistan eines Tages auch sein werden, noch brauchten die Rohstoff-Analysten ihre Vorhersagen über die Versorgung nicht anzupassen, schreibt das Wall Street Journal. Öl liefere hier ein Beispiel. Die Welt verfüge noch über Ölreserven für mindestens 46 Jahre. Politische Hürden schränkten die Förderung jedoch ein und hielten die Preise oben. „Allein der Irak könnte seine Förderung verfünffachen, wenn nicht ständige Gewalt und baufällige Infrastruktur dazwischen kämen“, schreibt das Blatt. Afghanistan seinerseits ist ein stammesbezogenes Binnenland, vom Krieg zerrüttet und von Nachbarn wie Iran, Pakistan und Turkmenistan umgeben, durch die die potenziellen Reichtümer transportiert werden müssten. „Wer das für eine sichere Sache hält, der glaubt auch an Märchen“, schreibt das Blatt.

Fundstück: Die hohe Kunst des Anprangerns

Das Weiße Haus hat das öffentliche Anprangern zu einer Kunstform erhoben, meint das Wall Street Journal. Am Wochenende habe der US-Botschafter in Großbritannien in einem Interview gesagt, dass Präsident Barack Obama eine bestimmte unbeliebte Ölgesellschaft nicht mehr als British Petroleum bezeichnen werde. Die Administration gibt der Kritik nach, mit nationalen Gefühlen zu spielen, indem sie den „etwas provinziellen“ Namen wiederbelebten, den BP selber seit etwa 12 Jahren nicht mehr benutze. Sollte der Bezug zu British Petroleum tatsächlich politisch motiviert gewesen sein, so hätte das Weiße Haus eine gute Gelegenheit verpasst, noch weiter in der Geschichte von BP zu wühlen. „Bis 1954 hieß der Konzern nämlich noch Anglo-Iranian Oil. Wenn es um populistischen Eifer geht, was könnte ein besserer Name sein, als eine Verbindung der britischen ,Rotröcke’ mit Amerikas Gegenspieler aus dem Mittleren Osten?“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Florian Käfer.

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

0 Kommentare zu “Die 140 Milliarden-Rechnung von BP”


  1. Keine Kommentare

Kommentar schreiben




Internationale Wirtschaftsnachrichten