Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Ergebnisse der EU-Bankenstresstests. Aus Sicht der Financial Times sind sie zu vage, aber ein erster Schritt. Forbes hält das zugrunde gelegte Stresszenarion für zu moderat, die WirtschaftsWoche glaubt, dass der echte Stresstest noch bevor steht. Die Economic Times ist sich sicher, dass die Märkte heute enttäuscht reagieren. Fundstück: Der „Stresstest“ unter der Gürtellinie.
„Die Stresstests waren weder einheitlich, noch transparent noch anstrengend genug, aber sie sind, vorsichtig bewertet, ein guter Schritt vorwärts“, kommentiert die Financial Times aus London. Die Tests hätten zwar keine Staatspleite angenommen, die Ergebnisse seien dennoch informativ. Die Unsicherheit über eine einheitliche Methodik – nationale Behörden haben die Tests in ihrem Land überwacht – sei da problematischer: „Sieben Banken würden bei der Kernkapitalquote unter sechs Porzent rutschen, aber nicht unter die von den Behörden als Grenze gesetzten vier Prozent. Das ist Investoren zu vage, sie brauchen Detailinformationen, um sich ihr eigenes Urteil bilden zu können.“ Politiker sollten deshalb die Rettungsleinen zu den Banken kappen, wenn eine dabei bankrott gehe, gehöre das einfach zum Kapitalismus. „Die Regierungen sollten nicht nur demonstrieren, dass sich die meisten europäischen Banken gut über Wasser halten, sie sollten auch verdeutlichen, dass Steuerzahler nicht mehr als unbezahlte Rettungskräfte bereit stehen.“
Ein Minimum an Stress attestiert Forbes den EU-Stress Tests, ihre Ergebnisse seien deshalb irreführend. So sei u. a. das Stressszenario moderat angelegt gewesen: „Es ging nicht soweit, die Möglichkeit eines Staatsbankrotts in Betracht zu ziehen.“ Das passiere zwar selten, habe aber vor wenigen Monaten eine reale Gefahr dargestellt. Auch seien lediglich Staatsschulden beim Wertpapierhandel der Banken berücksichtigt worden, und keine Schulden nach der „Held to Maturity“-Kategorie: „Letztere haben aber einen großen, negativen Einfluss auf die Bilanz einer Bank.“ Darüber hinaus seien nur Kredit- und Marktrisiken, jedoch keine Liquiditätsrisiken betrachtet worden. Das Ergebnis, so das US-Wirtschaftsmagazin, sei vergleichbar mit dem Ratschlag eines Arztes an einen Patienten mit Schmerzen in der Brust: „So lang Sie noch ins Büro gehen können, ist alles in Ordnung.“ Die Banken müssten aber rennen können wie ein Windhund, der dem Hasen nachjagt: „Die globale Wirtschaft hat bereits einen Herzinfarkt erlitten, nun leidet sie erneut unter Brustschmerzen. Europas Banken mögen einen physischen Test bestanden haben, das heißt aber nicht, dass sie vollkommen gesund sind.“
„Die Europäische Union glaubte, die Stresstests, die letztes Jahr in den USA geholfen haben, der US-Bankenkrise zu begegnen, könnten ähnliche Wunder in Europa bewirken, doch der ganze Prozess war von Zweifeln begleitet“, urteilt das Wall Street Journal. Es sei schwierig gewesen, die nationalen Behörden in einen Gleichklang zu bekommen, auch sei bei den Tests kein Staatsbankrott angenommen worden: „Die Ergebnisse beantworten damit nicht die ultimative Frage von Investoren, ob Europas Banken einem äußerst schweren Abschwung widerstehen könnten.“ Auch die Möglichkeit, mithilfe der Test die miteinander verflochtenen Banken- und Eurozonekrisen zu lösen, sei gering, weil die Wirtschaft vieler EU-Länder in der Depression stecke: „Europas Banken haben deshalb nicht nur Milliarden Euro in Staatsschulden angelegt, sondern auch auf staatliche Rettungspakete gesetzt, die ihnen aus der Krise helfen.“
Einen nur „unvollständigen Stressabbau“ hätten die Stresstests den an Europa interessierten Anlegern gebracht, meint der britische Economist. Aller Kritik an den Kriterien der Tests zum Trotz hätten die Testergebnisse eins bewirkt: neues Vertrauen zu schaffen. Dies sei auch das wichtigste Ziel gewesen, räumt das Blatt ein. Gleichwohl hätten die Tests die Chance verpasst, das zentrale Problem des Interbankenmarktes anzugehen – das Ungleichgewicht in der Informationspolitik der Institute. „In dieser Hinsicht ist die Bank von Spanien ein Vorbild, sie hat alle ihre Anlagen in europäische Staatsschulden offen gelegt. In Deutschland z. B. hat nur die Landesbank Baden-Württemberg ihre Bücher so weit geöffnet. Zweifel über das deutsche Bankensystem werden deshalb bestehen bleiben.“ Fazit: Von einer vollständigen Entspannung sei Europas Finanzsystem noch entfernt. Die Märkte hätten entsprechend reagiert: „Keine Panik, aber die Nervosität hielt an.“
Nach Einschätzung der Wirtschaftszeitung Cinco Días verdiene das spanische Bankensystem maximales Vertrauen, selbst wenn sich die spanische Wirtschaft in den nächsten 18 Monaten extremen Situationen stellen müsse. Das habe das Ergebnis der Stresstests gezeigt, denen sämtliche spanische Banken und Sparkassen unterzogen worden seien. Damit dürfte das aufgrund der niedrigen Wachstumserwartungen und überzogenen Immobilienspekulationen getrübte Vertrauen in den spanischen Finanzmarkt wieder hergestellt sein, vermutet die Zeitung. Keineswegs dürfe man sich von der Tatsache täuschen lassen, dass fünf der sieben beim europaweiten Test durchgefallenen Institute spanisch seien. Denn als einziges europäisches Land habe Spanien sämtliche Kreditinstitute dem Test unterworfen und nicht nur die großen, börsennotierten Banken. Diese seien alle in bester Verfassung. Und auch das Problem der teilweise angeschlagenen Sparkassen sei dank einer aktuellen Reform so gut wie gelöst. Nach Monaten der Spekulation und Unruhe sei es nun an der Zeit, dass Normalität einkehre und anstehende Reformen – wie die des Arbeitsmarktes – Schritt für Schritt abgearbeitet werden, fordert die Zeitung.
Als „Striptease“ bezeichnet La Tribune aus Frankreich den EU-Bankenstresstest, als „Schönheitswettbewerb“, der offenbart, welche Bank über genügend Kaptial verfügt, um neuen Stürmen in der Finanzwelt zu überstehen. „Die Herausforderung ist, Vertrauen wieder herzustellen, und das ist nur möglich über eine transparente Kommunikation. Doch die Untersuchung basiert auf der Glaubwürdigkeit der Kriterien, die die Zentralbanken formuliert haben. Daher die berechtigte Frage der Märkte: Welches Vertrauen vermitteln Tests, die von denen stammen, deren Aufgabe es ist, systemische Risiken zu verhindern und dabei erfolgreich zu sein?“ Es bestehe die Gefahr, dass das ein oder andere Land die Ergebnisse beschönigte – und den Deckel geschlossen halte über den tatsächlichen Zustand seiner schwächsten Banken.
„Das Urteil über die Stresstest-Ergebnisse fällt der Markt am heutigen Montag“, ist die Economic Times aus Indien überzeugt. Nur sieben Banken seien nicht ausreichend mit Kapital ausgestattet, ihr prognostizierter Kapitalausfall in Höhe von 3,5 Milliarden Euro sei „unerwartet gering“ und könne zurecht mit „Skepsis“ bewertet werden. „Analysten äußerten sofort Zweifel und meinten, dass die Barriere für die Banken zu niedrig aufgehängt worden sei.“ Insider gingen davon aus, dass der Markt deshalb mit „einiger Enttäuschung“ reagieren werde. Die Ergebnisse der Stresstests stellten „nur einen ersten Schritt in Richtung Transparenz“ dar, für „eine schnelle und umfassende Verbesserung des Vertrauens in das europäische Bankensystem sind sie ungeeignet.“
Fundstück: Der Stresstest unter der Gürtellinie
Mit den überraschenden Ergebnissen eines ganz anderen „Stresstests“ wartet das US-Portal Here is the City auf: Ivana Takitall, Autorin des Bestsellers „Bankers, Bonuses & Big Divorce Settlements“, habe Banker weltweit auf ihre Qualität als Liebhaber und Ehemänner geprüft. „Beim Date mit einem Banker muss die Singlefrau schließlich vorsichtig sein, sie neigen dazu, Frauen als Trophäe und die Ehe als Transaktion zu sehen.“ Hier einige der Ergebnisse von Takitall: „Bank of America/Merrill Lynch: Für eine lebenslange Beziehung ungeeignet. Citigroup: Ganz ordentliche Jungs, Mütter würden sie mögen. Commerzbank: Erwarten Sie keinen romantischen Abend. Deutsche Bank: Cool, poliert, elegant. Die Italiener unter den Deutsche-Bank-Bankern sind die besten Liebhaber. Societé Générale: Fantastischer Sex, aber Vorsicht, er könnte schon glücklich verheiratet sein. UBS: Mit ihnen kann man viel Spaß haben, aber halten Sie sich fern von jenen, die Leder und Latex bevorzugen.“



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