Die internationale Wirtschaftspresse ist nicht begeistert von den Quartalszahlen der Deutschen Bank, die alles andere als solide seien. Die britische Financial Times läutet das Ende der Ära globaler Öl-Giganten ein. Die Economic Times hält das indischer 35-Dollar-Tablet für einen schlechten Witz. Fundstück: Kommt Darth Vader in eine Bank…
Das Wall Street Journal sucht nach Gründen, warum Deutschland dem neuen Entwurf zur „Basel III“-Reform so skeptisch gegenüberstehe. Bislang hätten die Deutschen betont, dass sich die eigenen Sorgen auf die kleineren Banken beziehen. Doch tatsächlich scheine „Basel III“ ein „Dorn im Auge der Deutschen Bank“ zu sein. Denn anders als viele US-Institute würden die Frankfurter das Kriterium der ab 2018 geplanten Höchstverschuldungsgrenze (Leverage Ratio) nicht erfüllen – nach dem Willen der Basel-Aufseher sollen Banken für ihre Bilanzsumme dann mindestens drei Prozent hartes Eigenkapital vorhalten. Während die Bank of America, Citigroup und J.P. Morgan Chase bei über fünf Prozent und Wells Fargo sogar über sechs Prozent lägen, scheine die Leverage Ratio der Deutschen Bank nur bei rund 2,5 Prozent zu liegen.
Das Manager Magazin greift die Aussage von Bankenchef Josef Ackermann auf, sein Institut habe ein „solides Ergebnis vor Steuern“ vorgelegt. Die Vorgabe von Finanzchef Krause, im kommenden Jahr vor Steuern zehn Milliarden Euro verdienen zu wollen, zeige, dass Eigen- und Fremdwahrnehmung bei den Frankfurtern aktuell auseinanderklafften. „Gut möglich, dass die zehn Milliarden in Zukunft als Chiffre für Größenwahn neben den 25 Prozent Eigenkapitalrendite stehen“, lautet das Fazit des Wirtschaftsmagazins.
Bloomberg berichtet, dass sich die Deutsche Bank von einer ganzen Abteilung trennen wolle, die Firmen in der gewerblichen Immobilienfinanzierung berate. Die von Warren Friend in New York geleitete Division solle geschlossen werden, weil sich das Institut noch immer mit Verlusten auseinandersetzen müsse, die in diesem Bereich vor der Kreditklemme entstanden seien, beispielsweise bei zwei Casinos in Las Vegas. Der Umsatz der Banken im Geschäft mit gewerblichen Hypothekenbriefen sei 2008 um 95 Prozent auf 11,2 Milliarden Dollar eingebrochen.
BP: Flucht nach Russland?
Fast alle großen Blätter kommentieren erneut den Führungswechsel bei BP. Die russische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Forbes vermutet, dass dem Russland-Engagement des Ölkonzerns jetzt eine größere Bedeutung zukommen werde. Das Joint-Venture TNK-BP sei der größte unabhängige Arm des Unternehmens und biete gleichzeitig den höchsten Schutz vor der amerikanischen Justiz. „Einige lukrative Aktiva des Unternehmens könnten nach Russland umziehen, um so vor US-Klagen sicher zu sein“, mutmaßt das Blatt. Das Unternehmen glaube, dass es sich, anders etwa als Youkos und Hermitage Capital, mit der russischen Justiz werde einigen können. Kaum einer kenne sich besser aus in Russland, als der ehemalige TNK-BP-Chef und neue Vorstandsvorsitzende des Mutterkonzerns Robert Dudley. Die Reaktion von Obama auf einen solchen „Umzug“ sei hingegen unschwer zu erraten.
Das Wall Street Journal geht nach dem angekündigten Abschied von Hayward der Frage nach, ob sich der Verwaltungsratsvorsitzende Carl-Henric Svanberg werde halten können. Zwar habe dieser gestern erklärt, das Board habe ihm wiederholt gesagt, dass er bleiben solle. Doch Svanbergs Leistung während der Deepwater-Horizon-Krise werde in der Branche als „glanzlos“ betrachtet. Aktionäre würfen ihm vor, besonders in den ersten Wochen der Krise durch Abwesenheit geglänzt zu haben; bei entscheidenden Fragen habe er Hayward außerdem nicht unterstützt. Als möglicher Nachfolger werde bereits Paul Anderson, Ex-Chef des australisch-britischen Rohstoffkonzerns BHP Billiton, gehandelt.
In der britischen Financial Times schreibt der Ex-BP-Manager und heutige Energieforscher Nick Butler, dass die Ära der globalen Öl-Giganten vorbei sei. Dass die Aktien von BP, Shell und Total in den vergangenen zehn Jahren massiv an Wert verloren hätten, sei darin begründet, dass es nicht gelungen sei, die Vielfalt mit einem globalen Geschäftsmodell zu vereinen, in dem alle Wege zur Zentrale in London oder Den Haag führen. Stattdessen sei ein neues Modell im Kommen: ein Patchwork an Aktivitäten, bei dem kleinere nationale und größere internationale Ölfirmen in neuen Partnerschaften zusammenarbeiteten. Diese neuen Einheiten seien von ihrer Natur her lokal ausgerichtet, besäßen aber Zugang zu globalen Skills und globalem Kapital. Als Beispiel nennt Butler das Joint-Venture TNK-BP, zu dem Tony Hayward als Non-Executive-Director wechsele: eine 50-50-Allianz von lokalen Investoren und einem internationalen Partner.
Indischer 35-Dollar-Tablet ist ein schlechter Witz
Für die Economic Times aus Indien ist die Vorstellung des neuen indischen Tablet-PCs, der nur 35 Dollar kosten soll, ein schlechter Witz. „Wie viele Flops braucht es eigentlich, um Regierungen die grundlegenden Fakten über Produkte und Technik beizubringen“, fragt das Blatt. Man stelle keine Produkte vor, bevor es das eigentliche Produkt gebe, denn dann werde es zur Luftnummer. Man zeige keine Prototypen, solange sie nicht funktionierten. „Die Erfolgsgeschichte des Kleinwagens Nano nachzumachen, sei kein Kinderspiel. Es brauche mehrere Jahre, Expertise, Innovationen, viel Glück und viele Patente, um ein Produkt auf den Markt zu bringen, das ein Zehntel des gegenwärtigen Marktpreises koste. Es sei aber nicht die Aufgabe von Regierungen, billige PCs herzustellen. Stattdessen solle lieber in die IT-Infrastruktur investiert werden. „Für Indien könnte es sich sogar mehr lohnen, zehn Millionen Laptops aus dem vergangenen Jahr zu bestellen und den Verkaufspreis auf 35 Dollar zu subventionieren“, schlägt die Zeitung vor.
Fundstück: Kommt Darth Vader in eine Bank…
Seitdem George Lucas seine siebenteilige Star-Wars-Saga beendet hat, suchen die Akteure und Fans offenbar händeringend nach neuen Engagements. In den USA hat sich ein Räuber zumindest in Darth-Vader-Schale geschmissen, bevor er eine Bank überfiel. Das eigenartige Kostüm führte dabei laut New York Daily News zunächst für Verwirrung. Ein Kunde am Schalter hielt den Auftritt von “Darth Robber” für einen Scherz – bis dieser ihn mit Waffe im Anschlag aus dem Weg schubste. Möglicherweise ist der verwirrte Kunde ein paar Wochen vorher in der U-Bahn mitgefahren, in der ein paar Star-Wars-Fans die Verhaftung von Prinzessin Leia nachgespielt haben (s. YouTube--Video)? Dies würde zumindest die Konfusion erklären.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Maxim Kireev
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