Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert den Tod von Aldi-Gründer Theo Albrecht und sit dabei uneins in der FRage, ob sein Geschäftsmodell noch zeitgemäß ist. Für die Börsen-Zeitung sind die Mietverhandlungen bei Karstadt nur der Prolog zu einem Drama. Expansion hinterfragt die Vivo-Übernahme durch Telefónica. Fundstück: Prediger wütet gegen UBS.
Aus Sicht des Manager Magazins hat Aldi in Deutschland mit seinem dichten Filialnetz die Sättigungsgrenze erreicht und wolle die margenschwächeren Wettbewerber mit Dumping in den Ruin treiben. Neuerdings sei der Dumpingtrend gestoppt worden; die GfK beobachte seit Mai wieder steigende Preise der Discounter.
Les Echos aus Frankreich untersucht die unterschiedlichen Strategien von Aldi Nord und Süd. Während die Geschäfte von Karl Albrecht ihre Produktpalette ausgeweitet hätten, um auf die verschärfte Konkurrenz von Lidl & Co. zu reagieren, habe Theo Albrecht die Kostenreduktion forciert. Sein Vertrauensmann Hartmuth Wiesemann, der seine gesamte Karriere bei Aldi erlebt habe, regiere mit harter Hand und lehne eine alternative Strategie zum Preiskampf rigoros ab. Die Söhne von Theo Albrecht, Theo Junior und Berthold, mischten sich in die Geschäftsführung nicht ein, weshalb kein Kurswechsel zu erwarten sei.
Die Financial Times Deutschland erkennt in Theo Albrecht ein Vorbild gleich für mehrere Märkte: Sein Geschäftsmodell habe auch in anderen Industrien „schöpferische Zerstörungskräfte“ entfaltet, darunter in der Luftfahrtbranche, bei den Mobilfunk-Anbietern und in der Hotellerie.
Karstadt: Prolog zum Drama
Die Börsen-Zeitung kommentiert das „Drama“ um Karstadt, das eine Zumutung für Beschäftigte, Zulieferer und Gläubiger sei. Entscheidend sei was der Einzelhandelslaie Berggruen mit Karstadt wolle und wie er die Warenhauskette sanieren werde.
Die US-Bankenreform ist schlampig
Einer genaueren Analyse der US-Bankenreform nimmt sich Les Echos an. „Diese Reform ist schlampig gemacht“, lautet das vernichtende Urteil der französischen Wirtschaftszeitung. Die Gründe seien in der Geschichte des Bankenwesens selbst zu sehen: Früher hätten Banken dazu gedient, die Wirtschaft zu finanzieren. Weil Unternehmen mit Aktien und anderen Papieren sich neue Einnahmequellen schufen, seien Banken selbst zu Akteuren auf ihren eigenen Finanzmärkten geworden. Instrumente wurden geschaffen – die die US-Reform nun nicht angreife oder verbiete, sondern weiter zulasse. „Vergütungsregeln, Derivate, Schuldenratio, Volcker-Regel – sie alle bleiben Bestandteil der Struktur. Mehr noch: Der US-Notenbank Fed wird mehr Macht verliehen, die Institution, deren laxe Politik zur Bildung der Immobilienblase beigetragen hat.“ Diese Reform bestehe aus einem „Haufen Maßnahmen“, von denen nur wenige nützlich erweisen werden. „Sie ist nicht das Ergebnis von kohärenten Überlegungen. Dabei ist sie so wichtig für die Zukunft der US-Wirtschaft und die daraus resultierende Wirkung für die Weltwirtschaft.“
Applaus zur Vivo-Übernahme durch Telefónica
Nun ist sie also endlich unter Dach und Fach, die Übernahme des brasilianischen Mobilfunkanbieters Vivo durch die spanische Telefónica, schreibt die Wirtschaftszeitung Expansión. Nachdem auch die portugiesische Regierung ihre bisherige Blockadehaltung bezüglich des Verkaufs der Vivo-Anteile der staatlichen Portugal Telecom an den spanischen Rivalen aufgegeben habe, stehe Telefónicas Siegeszug in Brasilien nichts mehr im Weg. Einen strategisch wichtigen Schritt könne Telefónica-Chef César Alierta damit abschließen und mache sich gleichzeitig zu seinem zehnjährigen Jubiläum an der Firmenspitze ein ganz besonderes Geschenk. Hinzu komme der fünfte Jahrestag der erfolgreichen Übernahme des international etablierten Mobilfunkanbieters O2, freut sich die Zeitung. Zusammen mit den Beteiligungen an der Telecom Italia und China Unicom sei es diesen Übernahmen zu verdanken, dass sich Telefónica heute auf Platz vier der weltweit größten Telekommunikationskonzerne wiederfinde.
Iberia lässt Renfe links liegen
Zum ersten Mal seit der Einführung der Zugverbindung zwischen Madrid und Barcelona lässt die Fluggesellschaft Iberia ihren Konkurrenten auf der Schiene links liegen, berichtet die Wirtschaftszeitung Expansión . Seit 2008 verbinde der Schnellzug AVE die beiden wichtigsten Städte Spaniens und habe den Airlines insbesondere Geschäftskunden erfolgreich abgeworben. Einen Marktanteil von fast 25 Prozent halte Spaniens größte Fluggesellschaft derzeit zwischen Barcelona und Madrid. Das liege vor allem an strukturellen Veränderungen bei der Passagierabfertigung und Preisnachlässen von bis zu 35 Prozent, analysiert die Zeitung. Die staatliche Bahngesellschaft Renfe sei davon allerdings kaum betroffen, denn der Zuwachs bei Iberia gehe vor allem zulasten der konkurrierenden Airlines Spanair und Air Europa. Entsprechend sei man bei Renfe durchaus zufrieden mit den Halbjahresergebnissen und hoffe insbesondere in den Sommermonaten darauf, die Zahl der Flugpassagiere doch noch übertreffen zu können.
Fundstück: Prediger wütet gegen UBS
Kaum haben sich die Wogen in den USA für die UBS geglättet, wartet ein neuer Gegner auf. Reverend Billy Talen, Gründer der “Church of Life after Shopping”, wütet auf allen Kanälen – im Fernsehen, in der Kirche und im Internet – gegen die Schweizer, die angeblich die Hauptfinanzier von Umweltzerstörung in den Appalachen seien. Das YouTube- Video zeigt, wie Talen mit Megafon vor der UBS-Zentrale in New York gegen das Leugnen des Klimawandels durch die UBS predigt.
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