Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt die guten Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Die Schweiz bleibe ein Paradies für Finanzjongleure, kritisiert die Neue Zürcher Zeitung. Cinco Días stimmt einen Lobgesang für einen humanistischen Bankier an. Fundstück: Das Omen des Blinden.
Nach dem stärksten Wachstums-Plus in Deutschland seit rund zwei Jahrzehnten im Frühjahr rechnen viele Experten mit einem Plus von drei Prozent oder mehr im Gesamtjahr 2010.
„Was Dich nicht umbringt, macht Dich stärker“, kommentiert das Wall Street Journal die Zahlen aus Deutschland, mit denen die Antwort des viel kritisierten Landes auf die Krise rechtfertigt werde – das Wachstum stamme eben nicht nur vom Export, sondern auch aus einer gestärkten Binnennachfrage. Gleichwohl sei das große Ungleichgewicht in Nord- und Süd-Europa Besorgnis erregend. Dies habe sich in den vergangenen Tagen auf den Bond-Markt niedergeschlagen. Selbst von den neuerlichen Spannungen auf den Märkten profitierten am Ende die Länder aus dem Norden, wegen des schwachen Euros, der geringeren Finanzierungskosten und der fortgesetzten lockeren Geldpolitik.
In einem zweiten Artikel prognostiziert das Wall Street Journal , dass der leichte Aufschwung in der EU in den kommenden Monaten abzuflauen drohe. Dann komme es vor allem auf die Verbraucher der Eurozone an, die aktuell aber nicht gerade in einer „heiteren Kauflaune“ seien; die deutschen Konsumenten seien sogar „konsumscheu“.
Die Financial Times erinnert an die Prognose von Siemens-Chef Peter Löscher vor 15 Monaten, nach der Deutschland als „Speerspitze einer neuen industriellen Revolution“ aus der Rezession hervorgehen werde. Was seinerzeit abenteuerlich gewirkt habe, scheine jetzt Realität zu werden. Die deutsche Export-Maschine führe den Kontinent aus der Krise. Die deutschen Firmen sonnten sich in einem Sommer-Optimismus, der im Widerspruch sowohl zu dem oft gesehenen Pessimismus des Landes als auch zur schlechten Stimmung in den USA sowie zur Unsicherheit in anderen Teilen Europas stehe. Doch der Aufschwung könnte im zweiten Halbjahr ausgebremst werden, mutmaßt das britische Blatt. Nicht nur drohten einige Branche zu überhitzen; hinzu komme, dass, sobald die Sparmaßnahmen der Regierung wirken, das Auffüllen der Lager abnehme. Viele Manager seien außerdem besorgt, dass das „neue Wirtschaftswunder“ der Deutschen in Wahrheit ein chinesisches Wirtschaftswunder sei. Denn die Nachfrage stamme in großen Teiulen der Wirtschaft, von Luxusautos bis Textilmaschinen, hauptsächlich aus China.
Schweizer Paradies für Finanzjongleure
Die Schweiz bleibe ein Paradies für Finanzjongleure, kritisiert die Neue Zürcher Zeitung. So werde der Fall des mutmaßlichen Betrügers Dieter Behring seit sechs Jahren untersucht – doch noch immer gebe es keine Anklage, obwohl Hunderte von Millionen Franken, die Investoren Behring anvertraut hätten, verschwunden seien. Inzwischen kehre Behring via einer neuen Website sogar bereits wieder zu seinen alten Jagdgründen zurück, bevor sein früheres Verhalten juristisch geklärt sei. Eine Ursache sei die Tatsache, dass es im Schweizer Strafgesetz für eine Verurteilung von Betrügern hohe Hürden gebe – der Betrugstatbestand setze voraus, dass jemand „arglistig“ und „vorsätzlich“ handele, während in Deutschland eine bloße Lüge reiche.
Lobgesang für den humanistischen Bankier
Einen humanistischen Bankier sieht die Wirtschaftszeitung Cinco Días in José Oliu Creus, dem Präsidenten der Banco Sabadell. Obwohl dieser eigentlich Architekt werden wollte, gehöre José Oliu längst zu den bedeutendsten Finanzmanagern Spaniens. Und das nicht zuletzt aufgrund der von ihm eingeleiteten erfolgreichen Wandlung der Lokalbank zum international aufgestellten Finanzinstitut, das inzwischen zu den vier größten des Landes gehöre. Auch sein jüngster Schachzug, die freundliche Übernahme der baskischen Banco Guipuzcoano, passe zur Vision des Bankiers, ein großes Bankunternehmen aufzubauen. Auch Mitarbeiter, Geschäftsfreunde und Bekannte seien voller Lob über den an Kunst, Musik und Literatur interessierten Bankenchef, den nichts mehr störe als Mittelmäßigkeit oder Mangel an Professionalität. Seit 1968 sei José Oliu zudem Mitglied des Círculo de Economía und Vizepräsident des spanischen Komitees der europäischen Liga zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit und glänze auch hier durch Beständigkeit und Perfektion.
Bundesdruckerei selbst schuld
Die Börsen-Zeitung bringt wenig Verständnis für die Proteste der Betriebsräte der Bundesdruckerei auf. Diese fürchten, bei der Produktion neuer Euro-Geldscheine zum ersten Mal in dem seit drei Jahren üblichen Ausschreibungsverfahren leer auszugehen. Zunächst sei zu fragen, warum die Bundesdruckerei kein wettbewerbsfähiges Angebot vorgelegt habe, denn immerhin arbeite die Firma seit der 2009 erfolgten Rückverstaatlichung wieder gut profitabel.. Doch offenbar habe die Herstellung der neuen elektronischen Personalausweise dazu geführt, dass die Ausschreibung nicht sorgfältig genug vorbereitet worden sei – für die Bundesdruckerei sei der Banknotendruck mit weniger als einem Fünftel des Umsatzes nur noch ein Randgeschäft.
Hohe Steuern machen unattraktiv
Waren die Green Card und die amerikanische Staatsbürgerschaft immer begehrt, vor allem bei wohlhabenden Asiaten, so ändere sich dies im Moment, meint die Business Times aus Singapur. Die hohen Steuersätze in den USA seien verantwortlich dafür, dass die amerikanische Staatsbürgerschaft oft sogar wieder aufgegeben werde. 2009 habe sich die Anzahl derer, die ihre US-Staatsangehörigkeit wieder aufgaben, laut offiziellen Berichten verdoppelt – die hohen Steuern sowie intensive Bemühungen der Regierung, nicht offengelegte ausländische Anlagen aufzuspüren, seien die wesentlichen Gründe dafür. In diesem Jahr seien außerdem neue Gesetze verabschiedet worden, um ausländische Finanzinstitutionen zu zwingen, über ihre amerikanischen Klienten zu berichten. Am besten sei es, einen Anwalt oder einen US-Steuerberater zu konsultieren, ehe man sich in den Vereinigte Staaten niederlasse, rät das Blatt.
Fundstück: Das Omen des Blinden
Freitag, der 13. hat gestern verschreckt, heute sorgt das „Hindenburg-Omen“ für Angst und Schrecken. Das nach dem 1937 nahe New York in Flammen aufgegangenen Zeppelin benannte „Omen“ ist ein technischer Indikator, der auf Grundlage der Anzahl neuer 52-Wochen-Hochs und -Tiefs der an der New York Stock Exchange (NYSE) gehandelten Aktien erstellt wird. Jüngste Prognose von Mr. Omen, des blinden Mathematikers Jim Miekka: Im September würden die Märkte abschmelzen, berichtet das Wall Street Journal. An der Wall Street bleibt so manch einer aber extrem gelassen: „Da hat jemand sein Wochenende-Besäufnis vorgezogen“, zitiert das Wall Street Journal einen Manager von Guggenheim Securities, der Investmentbanking- und Capital-Markets-Einheit von Guggenheim Partners.
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