Jagd aufs weiße Kali-Gold

Die internationale Wirtschaftspresse hinterfragt das Milliarden-Angebot des weltgrößten Bergbaukonzerns BHP Billiton für den Weltmarktführer der Düngemittelbranche Potash. Zwar verspreche der Sektor langfristig attraktive Wachstumsraten. Andererseits drohe nach dem Austrocknen der Finanz- und Immobilienmärkte eine neue Rohstoff-Blase.

Der weltgrößte Bergbaukonzern BHP Billiton bietet 38,6 Milliarden US-Dollar für den Weltmarktführer der Düngemittelbranche Potash; doch der kanadische Kaliproduzent lehnte den Vorstoß am Dienstag ab, jetzt droht eine Übernahmeschlacht.

Das Wall Street Journal vergleicht die geplante Übernahme mit dem erst Anfang der Woche bekannt gegebenen Milliardendeal in der Bergbaubranche – der britisch-indische Bergbaukonzern Vedanta übernimmt 60 Prozent an der indischen Rohölfördergesellschaft Cairn India. Ähnlich wie Vedanta wolle BHP-Chef Marius Kloppers seine Aktionäre mit dem Argument überzeugen, dass möglichst vielfältige Einnahme-Ströme für vergleichsweise stabile Kapitalflüsse und Dividenden in einem bekanntermaßen zyklischen Geschäft sorgen. Doch anders als BHP sei Vedanta bislang nicht in dem „Ziel-Geschäft“ tätig; hinzu komme, dass sich BHP bei einer Übernahme finanziell nicht sehr stark „strecken“ müsste.

Die Börsen-Zeitung beobachtet die Jagd auf das „weiße Gold“ Kaliumchlorid. Neben BHP Billiton seien auch die brasilianische Vale und der Bergwerksbetreiber Rio Tinto auf der Suche nach dem Einstieg in einen Markt, der langfristig attraktive Wachstumsraten verspreche. Auch K+S werde wieder als Übernahmekandidat gehandelt – die mit dem fremdfinanzierten Kauf des Salzherstellers Morton Salt aufgetürmten Schulden seien schon wieder so weit zurückgeführt, dass Erwerber dadurch nicht mehr abgeschreckt werden könnten. „Wer Kali will, denkt zwar nicht automatisch an Streusalz, aber solche Assets lassen sich auch gewinnbringend wieder verkaufen und es gibt nicht viel Auswahl bei den möglichen Übernahmezielen.“

Das Angebot für Potash komme nicht aus heiterem Himmel, analysiert die New York Times. Schon vor Jahren habe BHP Billiton ein Auge auf die Kanadier geworfen. Potash würde BHP eine größere geografische Vielfalt verschaffen, darunter Entwicklungsländer außerhalb von Asien und Australien; hinzu komme, dass die Nachfrage nach Lebensmitteln in den kommenden Jahren steigen werde, besonders vor dem Hintergrund der sinkenden russischen Weizenproduktion, was die Nachfrage nach Düngemittel stärken werde. Zwar habe BHP in der Heimat von Potash, in Saskatchewan, bereits ein eigenes Projekt („Jansen development“) initiiert, um Kali-Minerale abzubauen, doch durch eine Übernahme würde der Prozess beschleunigt.

Die britische Financial Times geht davon aus, dass das BHP-Angebot der Auftakt eines „Mega-Fusions-Kampfes“ ist – das größte Übernahmeangebot in dem Sektor, seit BHP die feindliche Übernahme von Rio Tinto 2008 abgeblasen habe. Im vergangenen Jahr, als die Wettbewerber mit der eigenen Verschuldung hätten kämpfen müssen und reihenweise Bezugsrechtsemissionen gestartet hätten, sei BHP dafür kritisiert worden, zu viel ungebrauchtes Geld in den Büchern liegen zu haben. Das Angebot für Potash sei jedoch für viele Analysten irritierend, weil BHP sie offenbar in die Irre geführt habe: Bislang habe BHP stes betont, im Alleingang das Geschäft in dem Sektor ausbauen zu wollen, ohne einen großen Kali-Produzenten zu übernehmen.

Die geplante Übernahme ist aus Sicht von MarketWatch der „öffentliche Ausbruch“ des Konsolidierungsdrucks, der sich seit einiger Zeit in der Branche entwickelt habe. Die Hintergründe seien die wachsenden Getreidepreise, die wiederum durch die Trockenheit in Russland und weltweit steigender Nahrungsmittelpreise bedingt seien. „Das ist eine Ausweitung der jüngsten Rohstoff-Blase, die verdächtigerweise der Blase von 2008 ähnelt“, warnt die Wall Street Journal-Schwester. „Das passiert, wenn die Finanz- und Immobilienmärkte trockengemolken wurden.“

Finanz und Wirtschaft aus der Schweiz führt das wachsende Interesse von Bergbaukonzernen an Herstellern von Düngemitteln wie Kali, Stickstoff und Phosphor auf die wachsende Weltbevölkerung zurück. Bis 2050 dürfte diese um weitere 2,3 auf 9,1 Milliarden Menschen wachsen, was zu einem gesteigerten Bedarf an Lebensmitteln führe, der von den Produzenten kaum gedeckt werden könne.

Börse Online verfolgt den „heißesten Trend am Rohstoffmarkt“: das Geschäft mit „seltenen Erden“, mit 17 Metallen (darunter Scandium, Yttrium oder Lanthan), die in jedem Smartphone, Solarmodul, Flachbildschirm und Elektromotor steckten. Aktien aus diesem Sektor – darunter vor allem hochriskante Nebenwerte – hätten in den vergangenen Monaten eine wahre Rally hingelegt.

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