Big Ed hat GM ins Chaos gestürzt

Die internationale Wirtschaftspresse rechnet mit Blick auf den Börsengang von General Motors mit dem scheidenden GM-Chef Edward Whitacre ab. Das Wall Street Journal und El Economista sind uneins, ob Deutschland als Konjunktur-Lokomotive taugt. Cinco Días analysiert die Krise der spanischen Baubranche. Fundstück: Props für Elizabeth Warren.

General Motors löst sich langsam aus der staatlichen Obhut. Der einst größte Autohersteller der Welt hat bei der Börsenaufsicht sein Listing unter dem Kürzel „GM“ beantragt und erste Details offengelegt, wie der Börsengang aussehen soll.

Daily Finance erinnert angesichts des 500-seitigen Prospekts zum Börsengang daran, dass der Autobauer noch vor einem Jahr ein anderes Dokument bei den US-Behörden eingereicht habe: den Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nach Chapter 11. Seitdem habe GM genug Zeit gehabt, um sich zu restrukturieren. So seien Prozesse im Unternehmen verändert worden – beispielsweise im Netzwerk der Händler – und einige Marken eliminiert worden, darunter Pontiac, Hummer, Saturn und Saab; schließlich habe GM Schulden und schlechte Assets abgestoßen. Heute sei der Autobauer eine Art „leerer Tafel“ für Investoren. „Sicherlich ist GM noch nicht überm Berg“, kommentiert der Wirtschaftsdienst. Besonders die Tatsache, dass die Kontrollmechanismen im Unternehmen unzureichend seien, sei besorgniserregend.

Die Financial Times fährt schwere Geschütze gegen den scheidenden GM-Chef Edward Whitacre auf. Dessen „Hemmungslosigkeit“ und die Tatsache, dass er sich nach nur sechs Monaten im Amt verabschieden wolle, stellten eine große Belastung für seinen Arbeitgeber dar. Mit seiner Ankündigung im Januar, „ein Teil der großen Zukunft von GM“ sein zu wollen, habe Whitacre im Rückblick für Chaos gesorgt. Mit seinem „unbeständigen Verhalten“ mache der frühere AT&T-Chef nicht nur seinem Spitznamen „Big Ed“ alle Ehre, stichelt das britische Blatt. Hinzu komme, dass er damit die Planungen im Verwaltungsrat des Autobauers, der in 18 Monaten vier CEOs „verbrannt“ habe, unterminiert habe. Als Ausweg aus der Personalkrise schlägt die FT vor, dass auch der neue Chef von GM, Daniel Akerson, seinen Hut nimmt und den Weg für Ex-HP-Chef Mark Hurd freimacht. „Er benötigt einen Job und hat HP vor seinem Abschied zu einer guten Leistung geführt. Dies wäre nicht dümmer als das, was der Verwaltungsrat von GM bislang ausgeheckt hat.“

Merkel will Europa zur Frömmigkeit führen

Das Wall Street Journal beobachtet die neuerlichen Differenzen in der deutschen Regierung. Hintergrund: Die von FDP-Chef Guido Westerwelle vorgeschlagene Wachstums-Dividende für den Steuerzahler sei offenbar mit der Rückkehr von Angela Merkel aus dem Urlaub wieder kassiert worden. „Das ist mehr als ein Tadel für Westerwelle und seine verzweifelte Hoffnung, doch noch Steuererleichterungen durchsetzen zu könnnen. Merkel hat unmissverständlich klar gemacht, dass ihre Regierung gewillt ist, Europa wieder zur fiskalischen Frömmigkeit zu führen und dabei die Erholung der Wirtschaft als Unterstützung zu nutzen.

Die spanische Wirtschaftszeitung El Economista sieht allzu optimistische Hoffnungen bezüglich guter Wachstumszahlen aus Deutschland unbegründet. Trotz der überraschend guten Wirtschaftsergebnisse könne Deutschland keineswegs die Welt retten, warnt das Blatt. Viel zu unsicher sei, wie sich die deutsche Wirtschaft in den nächsten Monaten weiter entwickele. Aufgrund minimal steigender Konsumausgaben im Inland sei Deutschland nach wie vor von der Entwicklung des weltweiten Exportmarktes abhängig, die von Unsicherheit geprägt sei. Von der Lokomotive Deutschland könne schon deshalb keine Rede sein, schließlich sei die deutsche Wirtschaft trotz allem krank, zitiert die Zeitung José Carlos Díez, Chefökonom von Intermoney. Optimistischer gebe sich Àngel Laborda, Generaldirektor von Funcas, demzufolge der Aufschwung in Deutschland schon deshalb positiv sei, weil er früher oder später auch den Volkswirtschaften anderer Euroländer den Rücken stärke.

Spanische Baubranche kriselt

Zu viele Bauunternehmer für einen immer kleiner werdenden Kuchen, bringt die Wirtschaftszeitung Cinco Días den Zustand der spanischen Baubranche auf den Punkt. Dass gerade unter den kleinen und mittelständischen Unternehmen Fusionen überlebensnotwendig werden könnten, liege angesichts abnehmender öffentlicher Ausschreibungen des Staates als größtem Bauherren auf der Hand. Zwar werde offiziell noch nichts verkündet, im Hintergrund seien Sondierungsgespräche aber bereits in vollem Gang, zitiert die Zeitung Branchenkenner. Am meisten bekämen allerdings die fünf größten der Baubranche – Acciona, ACS, FCC, Ferrovial, OHL und Sacyr Vallehermoso – den Sparkurs der spanischen Regierung zu spüren. Immerhin handele es sich bei dem Sparpaket um die Aufschiebung und Aussetzung von Investitionen in die Infrastruktur im Wert von 3,4 Milliarden Euro, gibt die Zeitung zu bedenken – ein Schlag, den kaum ein Bauunternehmer mühelos einstecken könne.

Wohlstand braucht Stärke

„Realistisch, aber nicht sicher“, so kommentiert die indische Economic Times die glänzende Prognose eines Morgan-Stanley-Report für den Subkontinent. 2013 werde Indien beim Wachstum an China vorbeigezogen sein, sagt der Bericht voraus. Einer der Hauptgründe sei, dass die demografische Entwicklung auf Indiens Seite ist: Im kommenden Jahrzehnt werde das Land 136 Millionen Arbeitskräfte dazugewinnen, China nur 23 Millionen. Doch nach Einschätzung der Zeitung lässt die Studie die politischen Risiken außen vor. Dabei sei klar, dass die wirtschaftliche Entwicklung ganz schnell vom prognostizierten „rosigen Pfad des stetigen Aufschwungs“ abkommen könne. Denn ein Aufschwung bei Kapitalbildung und Produktivität setze voraus, dass sich die Staatsführung ebenfalls positiv entwickle. Allerdings gebe es kaum Anzeichen dafür, dass der politische Wille überhaupt vorhanden sei.

Fundstück: Props für Elizabeth Warren

Elizabeth Warren, voraussichtlich die neue Chefin der Consumer Protection Agency von Präsident Barack Obama, ist offenbar eine hoch respektierte Frau in der Rapper-Szene. Das YouTube-Video zeigt, wie ein cowboybehüteter und schweres Dollar-Zeichen tragender Rapper unter dem Titel „Got a New Sheriff“ die Wall Street zur Achtsamkeit ermahnt – und sich, unterlegt von fetten Beats, für die Ernennung Warrens ausspricht.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer

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