Das China-Syndrom der Amis

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Ängste der USA, von China überholt zu werden, Reuters beleuchtet die nächste Runde im Kampf um 3PAR, die Financial Times Deutschland sieht die deutsche IBM im Visier der Mutter und die Börsen-Zeitung blickt in die Gräben an Wall Street. Fundstück: Der Wirtschaftskrieg, den kaum einer bemerkt.

Amerika plage sich mit der “fixen Idee” von einer unausweichlichen chinesischen Hegemonie, seitdem China Japan überholt habe und zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt herangereift sei, schreibt Forbes. Diese Sorge sei “massiv übertrieben”, denn Länder würden erfahrungsgemäß nie lange Hyperwachstum genießen. Irgendwann begännen die Kosten ebenso zu steigen wie der innere soziale Druck und die Grenzen der Natur wirkten ebenfalls bremsend. Es gäbe daher fünf Gründe für die Annahme, dass die USA noch ein halbes Jahrhundert “die dominante Wirtschaftsmacht der Erde” bleiben werden: “Wasser ist das neue Öl und China hat eine durstige Zukunft”, China verfüge schließlich nur über ein Fünftel der Wasserreserven pro Bürger wie die USA. Überdies steige Chinas Energiehunger – und dem stünden keine ausreichenden heimischen Ressourcen gegenüber. Auch bleibe die Lebensmittelversorgung ein drängendes Problem für die Chinesen. Zudem altere die Bevölkerung schnell, die Zahl der Arbeitskräfte sinke und schließlich könne eine Diktatur auf Dauer nicht mit offenen Gesellschaften konkurrieren – zumindest nicht in reiferen Wachstumsphasen. “Amerikas größter Feind ist daher wohl kaum China, sondern Amerika selber,” schreibt das Blatt, es sei an der Zeit, dass die USA mehr in die eigene Bildung, Infrastruktur und Produktivität investieren.

“Aus Gründen der nationalen Sicherheit” wollen acht US-Senatoren verhindern, dass Chinas größter Hersteller von Telefonieausrüstung, Huawei, zum Zulieferer für Sprint Nextel in den USA werden darf, meldet Fortune. Das US-Wirtschaftsmagazin findet es normal, dass das Committee on Foreign Investments die Kapitalströme kontrolliert, die ins Land kommen, hält es aber für höchst bedenklich, den Eindruck zu erwecken, chinesisches Geld sei in den USA nicht willkommen. Denn Amerika brauche die mit chinesischem Geld geschaffenen Jobs bei einer Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent. Außerdem sei es wegen der vielen Auflagen und Gesetze ohnehin schon hart für China, in den USA Geschäfte zu machen. Erlaube man hingegen den Chinesen den Markteintritt, hätten amerikanische Argumente bei Handels- und Währungsstreits plötzlich viel mehr Gewicht. Die Regulierungsbehörden würden den Chinesen schon vorschreiben, wie sich sich in den USA zu verhalten hätten. “Einen riesigen Stunk im Hinblick auf die nationale Sicherheit zu machen,” erübrige sich daher sowieso.

Das Wall Street Journal beschäftigt sich gleich mit dem Niedergang der kommunistischen Partei in China. Die hätte das Problem, das Konflikte innerhalb der Eliten nun öffentlich würden: “Das steinerne Gesicht der Führung nach Tienamen zeigt sichtbare Risse.” Ein Zeichen für den beginnenden Zerfall sei die Verbreitung von Memoiren verschiedenen Persönlichkeiten – darunter die des ehemalige Premiers Li Peng – die sich von ihrer eigenen autoritären Vergangenheit distanzieren. Auch sei die für 2012 geplante Nachfolge im Generalsekretariat wegen diverser Konflikte öffentlich umstritten. Dieses Klima des Dissens erleichtere es freiheitlich Denkenden wie Tian Jiyun, kritische Kommentare abzugeben und demokratische Wahlen zu fordern. Die Partei habe schon vieles überlebt – die Privatisierung der Wirtschaft, das Internet, die Falun Gong Bewegung und nicht zuletzt auch die Tienamen-Massaker – aber nur, weil die Eliten die Reihen geschlossen hätten, schreibt das Blatt. Das sei nun vorbei und dass die Langlebigkeit der kommunistischen Partei trotz aller Streitereien immer so weitergehe, wäre ein ungewöhnlicher Bruch mit historischen Mustern, befindet das Blatt. Der Kollaps der Sowjetunion sei schließlich auch die Folge von Fraktionsbildungen im Moskauer Politbüro gewesen. “Die Geschichte legt nahe, dass solche Verwerfungen immer Vorläufer sind von unkontrollierbaren Differenzen, die eines Tages zu einem Sprung in die Demokratie führen.”

Europas Financial Times geht dagegen deutlich nüchterner an Chinas Entwicklung heran und analysiert, wie immer mehr große Banken der Welt Schritte unternehmen, um ihren Geschäftskunden den Renminbi (Rmb) statt dem Dollar als Währungseinheit im Handel mit China schmackhaft zu machen. Die HSBC habe nicht nur gerade ihren Vorstand von London nach Hongkong versetzt, sondern biete nun auch verbilligte Konditionen an für den Einsatz des Rmb. Citigroup und JP Morgan starteten gerade Promotionstouren durch Asien, Europa und USA, um den Rmb als Handelswährung bei den Kunden zu bewerben. “Dieses Phänomen wird Pekings Ansatz Schwung verleihen, den Renminbi von einer heimischen Währung in ein globales Austauschmedium wie den Dollar oder den Euro zu verwandeln,” schreibt das Blatt. Der grenzüberschreitende Handel in Chinas Währung liege im ersten Halbjahr bereits bei 3,6 Milliarden Rmb – und damit schon 20 mal höher als in der zweiten Jahreshälfte 2009.

Neue Runde im Bieterkampf um 3PAR

Die Wirtschaftsagentur Reuters wundert sich über die neue Schlacht im Bieterkampf zwischen Hewlett-Packard und Dell um die Datenspeichergesellschaft 3PAR Inc in Höhe von 1,8 Milliarden Dollar. Dieser August sei zwar ein ungewöhnlich aktiver Monat für Übernahmen – mit Intels Milliardengebot für McAfee, Ciscos Übernahme von ExtendMedia sowie dem bereits verkündeten Einstieg von HP bei Stratavia – aber Analysten fänden die Preise inzwischen “unvernünftig hoch”. 3PAR sei nun mit dem Achtfachen seines Umsatzes bewertet und eigentlich gelte bei Technologieübernahmen das Fünffache schon als ziemlich ambitioniert. 3PAR habe schließlich seit seiner Gründung in 1999 kaum je Geld verdient. HP sei dank seiner riesigen, weltweiten Vertriebskanäle indes in der besseren Position, die Akquisition profitabel zu machen und sei deswegen wohl auch bereit, mehr zu bezahlen; aber Dell brauche 3PAR dringender, schließlich sei Dell gerade erst dabei, sich das Geschäft mit Software und Service zu erschließen.

Miese Stimmung bei IBM Deutschland

Die Financial Times Deutschland meldet, die schwachen Geschäfte in Deutschland gefährdeten das Gewinnziel von IBM und daher sei die “Atmosphäre zwischen dem US-Mutterkonzern und seiner Auslandstochter vergiftet”. In Deutschland würden Mittelstandskunden vernachlässigt und große Deals blieben aus.

Gräben in der Wall Street

Die Börsen-Zeitung macht tiefer werdende Gräben aus, nicht nur zwischen der florierenden Wall Street und der von Arbeitslosigkeit gepeinigten “Main Street”, sondern auch innerhalb der Finanzgemeinde. Dass heute Vermögensverwalter mit Sarkasmus die “Umverteilung vom Steuerzahler zur Wall Street” attackierten, sei ein Symptom, ein anderes, dass sich Branchenvertreter den Zorn ihrer Kollegen zuziehen, wenn sie beispielsweise eine Steuererhöhung für Private-Equity-Manager mit Hitlers Einmarsch in Polen verglichen.

Caja Madrid auf Privatkundenjagd

Die Wirtschaftszeitung Expansión sieht durch ein neues Zinsangebot der Caja Madrid den Kampf der spanischen Finanzinstitute um die Ersparnisse ihrer Kunden neu entflammt. Mit vollem Schwung stürze sich die von Rodrigo Rato geführte Sparkasse mit ihrem Zinsversprechen von vier Prozent auf Spareinlagen mit einjähriger Laufzeit in die Schlacht um die heiß umworbene Privatkundschaft, kommentiert das Blatt. Mit dieser Maßnahme versuche Caja Madrid, der Abwanderung vieler Privatanleger entgegenzuwirken. Allein im ersten Halbjahr 2010 hätten sich deren Kapitaleinlagen um knapp 3,3 Milliarden Euro verringert, was einem Rückgang von 3,7 Prozent im Vergleich zu 2009 entspreche. Zu lange habe sich die Madrider Sparkasse in den letzten Monaten im Hintergrund gehalten und es so den Banken ermöglicht, die durch die Neustrukturierung des Sparkassensektors entstandene Verwirrung zum eigenen Vorteil zu nutzen, urteilt die Zeitung.

Marchionne bemängelt mangelndes Vertrauen

Hart gehe der Fiat-Chef mit Italien ins Gericht, analysiert der Wirtschaftstitel Milanofinanza eine aktuelle Rede von Sergio Marchionne in Rimini. In Italien fehle der Wille, etwas zu ändern und es gäbe eine große Angst vor Veränderungen zitiert das Blatt den Manager aus Turin. Er beschwerte sich, dass in Italien weder Interesse noch Vertrauen bestünde in die weltweite Führungsposition von Fiat, die der Autobauer dank Chrysler habe. Marchionne sähe Fiat als großes internationales Unternehmen mit einem globalen Ansatz, das die führende Marktposition in Lateinamerika inne habe und sich erlauben könne, Gelegenheiten wie Chrysler wahrzunehmen.

Fundstück: Der Wirtschaftskrieg, den kaum einer wahrnimmt

Der “rabiate Sozialist” Evo Morales habe unlängst seine Überzeugungen vergessen und die “überschwänglich kapitalistische Gastfreundschaft” der Südkoreaner in vollen Zügen genossen, schreibt The Australian. In der Brieftasche des bolivianischen Präsidenten steckte dabei ein “wild großzügiges Memorandum der Freundschaft von einer der wichtigsten Volkswirtschaften Asiens” sowie einer ihrer Ehrendoktorentitel: “Nicht schlecht für einen ehemaligen Lamahirten.” Hinter dem Geheimnis, warum Südkorea nun ein bettelarmes Land umwerbe, das es 45 Jahre lang ignorierte, stecke Lithium – ein Material, das Samsung, Hyundai und LG dringend bräuchten, um im Geschäft zu bleiben. Noch habe kein Gramm davon Bolivien Richtung Südkorea verlassen, doch Experten meinen, in Boliviens Salzsees lagere genug davon, um demjenigen die Herrschaft über das Reich der Batterien für elektrische Autos, Laptops und Mobiltelefone zu geben, der als erster seine Hand auf die Vorhaben legen kann. Evo Morales habe einfach schneller kapiert als andere, das technologische Mächte wie Japan, Südkorea oder Deutschland bald ins Schwimmen geraten, ohne den Zugriff auf bestimmte, seltene Rohstoffe wie Lithium. “Wir sind mitten in einem Wirtschaftskrieg,” zitiert das Blatt den Experten Jack Lifton, nur viele hätten das offenbar noch nicht bemerkt.

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de

Mitarbeit: Cornelia Bruckner, Florian Käfer

ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.

0 Kommentare zu “Das China-Syndrom der Amis”


  1. Keine Kommentare

Kommentar schreiben




Internationale Wirtschaftsnachrichten