Die internationale Wirtschaftspresse findet, dass Intel mit dem Zukauf bei Infineon ein Schnäppchen gemacht hat. Infinion müsse dagegen noch an seiner Strategie feilen. Reuters mahnt das Management von HP zu mehr Disziplin. Der Business Spectator attestiert den Zentralbanken von Japan und USA wenig Einfluss auf das Wachstum. Fundstück: Keine Mikro- und Kartoffelchips in Russland.
Das Wall Street Journal begrüßt die Übernahme der Handysparte des Chipherstellers Infineon durch Intel für rund 1,1 Milliarden Euro. Angesichts der Marktsättigung bei Computerchips, Intels eigentlicher Domäne, komme der Einstieg „keinen Augenblick zu früh“. In seinem Kerngeschäft erwarte Intel künftig eine schwächere Nachfrage. Bisherige Einstiege in das Mobilfunkgeschäft seien weitgehend gescheitert. Intels „Atom“-Chip für Handys steuere nach wie vor nur einen winzigen Teil des Umsatzes bei. Infineon dagegen sei unter den führenden Lieferanten der Handyhersteller und liefere für das neue iPhone vier Teile im Wert von 14 Dollar pro Gerät. „Der Schritt in dieser Richtung sollte die Intel-Investoren aufheitern“, ist sich das Blatt sicher.
In einem zweiten Artikel warnt das Wall Street Journal den deutschen Technologiekonzern Infineon vor feindlichen Übernahmen und empfiehlt eine Gegenstrategie. In den vergangenen Jahren sei Schrumpfen die Devise gewesen. So habe Infineon einst seine Speicherchiptochter Qimonda ausgegliedert und die Wireline-Sparte für 250 Millionen Euro verkauft. Mit einer Marktkapitalisierung von fünf Milliarden Euro sei das Unternehmen „extrem anfällig für feindliche Übernahmeangebote“. „Der letzte deutsche Halbleiter-Hersteller wird ein Schnäppchen sein“, ist sich das Blatt sicher. Das Management müsse vom Schrumpfen auf schnelles Wachsen umschalten, um feindliche Angebote zu vermeiden. „Investoren hoffen, dass die Unternehmensführung kaufen genauso einfach findet wie verkaufen“, schreibt das WSJ.
Die Börsen-Zeitung steht dem Geschäft dagegen deutlich skeptischer gegenüber. „Infineon befindet sich seit einer Dekade im Prozess des Selbstverstümmelung“, kritisiert das Blatt. Die Argumente des Vorstandes für den Verkauf der Sparte – die Investitionen in neue Produkte wären zu hoch, und dem Unternehmen fehle die nötige Größe im Massenmarkt – seien letztlich ein Eingeständnis des eigenen Scheiterns.
Mangelnde Disziplin bei Hewlett Packard
„Eine Unze an Vorbeugen ist oft besser als ein Pfund Heilung“, schreibt der Wirtschaftsdienst Reuters mit Hinblick auf die Übernahmeschlacht um den Speicherspezialisten 3Par. Investoren fürchteten, dass HP sein 15 Milliarden Dollar umfassendes Cash-Polster für Spielereien vergeude. Nun soll ein Zehn-Milliarden-Dollar-Aktienrückkauf die Investoren beruhigen. „Sich von solchen Schlachten zurückhalten, wäre noch besser“, schreibt der Dienst. Drei Angebote innerhalb einer Woche an 3Par hätten HP-Investoren ein mulmiges Gefühl gegeben – die Aktie verlor fünf Prozent in der vergangenen Woche und rund 25 Prozent im bisherigen Jahr. HP möge zwar die strategischen Folgen einer 3Par-Übernahme durch Dell fürchten, ein Preis von zwei Milliarden Euro sehe jedoch nach mangelnder Disziplin aus. „Den Investoren zu iersprechen, Ihnen einen Teil ihres Geldes zurückzugeben, ist deshalb ein vernünftiger Schritt“, meint Reuters. Der beste Weg, die Angst der Investoren vor Geldverschwendung zu senken, sei natürlich, auf solche Geschäfte wie die Übernahme von 3Par zu verzichten.
Die Ohnmacht der Zentralbanken
Der australische Business Spectator glaubt nicht, dass die Entscheidung der japanischen Zentralbank vom Montag, noch mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, das Wachstum ankurbeln werde. Das Problem für japanische Banken sei nicht der Mangel an Liquidität, sondern an guten Geldnehmern. Ähnlich könne es auch für die USA laufen. „Vor dem Hintergrund, dass das Bruttoinlandsprodukt im letzten Jahr um 563 Milliarden Dollar gewachsen ist, während die Staatsschulden um 1,6 Billionen gestiegen sind, sieht es so aus, als ob das positive Wachstum der letzten Quartale größtenteils durch die erhöhten Staatsausgaben und nur geringfügig durch die Politik der Zentralbank getrieben wurde“, zitiert das Blatt einen Analysten. Während das globale Wachstum ins Stocken gerate, forderten Märkte von den Staaten und Zentralbanken eine zweite Runde an Hilfsmaßnahmen. „Das Risiko ist, dass Staaten und Zentralbanken mit der übriggebliebenen Munition die Märkte kaum werden beeindrucken können“, warnt das Blatt.
Schuldenkrise in Europa – Teil zwei
Das amerikanische Wirtschaftsportal Daily Finance warnt vor einer Wiederholung der Schuldenkrise in Europa und womöglich sogar in den USA und im Rest der Welt. Die Krise im vergangenen Frühling sei durch die finanziellen Nöte südeuropäischer Staaten entstanden, wodurch auch die finanzielle Gesundheit anderer Länder und sogar Banken in Frage gestellt wurde. „Wirtschaftsdaten aus USA und China, Warnungen der Nobelpreisträger wie Joseph Stiglitz vor einer zweiten Rezession in Europa und der Widerstand der Menschen gegen weitere Sparmaßnahmen könnten die Länder mit angespannten Finanzen in die Enge treiben“, schreibt das Portal. Angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre werde es nicht sehr lange dauern, bis eine mögliche neue Schuldenkrise auch Auswirkungen auf die USA habe.
Die Financial Times erklärt die Vorbereitungen einiger irischer Banken zur Rückzahlung von 25 Milliarden Dollar an Krediten zu einem Test für das Vertrauen in Europas Finanzsektor. Anleihemärkte öffneten in dieser Woche nach der Sommerpause. Europäische Banken hätten fast das ganze Jahr um den Zugang zu Anleihemärkten gekämpft. Im Mai und Juni seien sie buchstäblich von den Märkten ausgeschlossen worden, nachdem die Schuldenkrise in einigen Staaten der Eurozone für Aufruhr gesorgt habe und so die Kreditkosten für Staaten und Banken habe steigen lassen. Eine bessere Stimmung im Juli habe sogar einigen Banken aus schwächeren Euro-Ländern wie Spanien ermöglicht, Anleihen zu verkaufen. Wachsende Bedenken angesichts der Probleme der irischen Wirtschaft hätten die Zinsen für das Land steigen lassen. „Das erhöht den Preis, den das Land für seine Schulden schließlich zahlen muss“, schreibt die FT.
Fundstück: Konkurrenz verbieten
Die russische Zeitung Vedomosti macht sich über die Regulierungswut und Wirtschaftspolitik der russischen Regierung lustig, die Importzölle und teilweise sogar Verbote auf mikroelektronische Teile einführen wolle. „Warum sollten wir da aufhören?“, fragt das Blatt ironisch. Für eine umfassende Modernisierung und die Unterstützung der heimischen Produzenten solle Russland allen Beamten, Staatsbediensteten und staatlichen Unternehmen den Konsum importierter Waren verbieten. Russische Beamte sollen russische Autos und keine BMWs, Audis und Mercedes’ fahren, mit russischen Handys telefonieren, auf russischen Uhren den Zeitvergleich machen und russischen Wein trinken. Ebenso sollte das Verbot für alle Regierungskantinen gelten. „Schließlich kann man nicht nur ausländischen Mikro-, sondern auch Kartoffelchips nicht trauen“, spottet das Blatt. Als letzter Punkt müssten noch die heimischen Wirtschaftskolumnisten vor der ausländische Konkurrenz geschützt werden, dann bräuchten diese endlich nicht mehr über den dringenden Bedarf von mehr Konkurrenz zu schreiben.
Mitarbeit: Kerstin Herrn, Florian Käfer, Maxim Kireev.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 11 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



Betreff: Infineon Selbstverstümmelung
Es ist schon erstaunlich, wie wenig Anteil oder gar Kommentare die Unternehmenspolitik der Firma Infineon in Deutschland gefunden hat. Weder Presse, Regierung, Parteien, oder Bürger empfinden diese Art der Selbstverstümmelung als einen Akt der Bedrohung, als einen Entzug eigenen Könnens (Steuermittel). Dies auf zwei wichtigen Feldern des internationalen Wettbewerbes. Kommunikations- und Speicherfähigkeit sind zwei der drei unabdingbaren Voraussetzungen jeder Art von zukünftigen Prozessen, die sich zwischen Produktion und Verbrauchern abspielen. Dort aufzugeben kommt einem industriellen Selbstmord gleich, es wird nur noch eie Frage der Zeit sein. wann der Rest verschwindet.
Gott sei Dank, wenn diese Meute der Versager und inzestösen Narren es endlich schafft, von der Toilettenbrille in den Abort der Geschichte zu springen, jede Hilfestellung ist willkommen.
Die Reaktion unserer Gesellschaft ist bezeichnend.
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