Die internationale Wirtschaftspresse ist uneins in der Frage, ob die US-Wirtschaft mit weiteren Programmen stimuliert werden solle. Wall Street Journal und Zeit erkennen in der Sarrazin-Debatte immense Risiken für Bundesbank-Chef Axel Weber. Die Wirtschaftswoche spricht sich für die Entlassung von HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher aus. Fundstück: Spartipps vom Multimilliardär.
Wohin steuert die US-Wirtschaft? Der Kurs bleibt unklar, nachdem neue Daten am Dienstag zeigten, dass sich das Verbrauchervertrauen zwar leicht verbesserte, andere Statistiken aus der Region um Chicago aber weisen auf eine Abkühlung der weltgrößten Volkswirtschaft hin.
Die britische Financial Times stellt sich gegen die Stimulus-Kritiker in den USA. US-Präsident Barack Obama habe nicht zu viel Geld im Kampf gegen die Finanzkrise ausgegeben, sondern zu wenig. Doch immerhin hätten die Stimuli dazu geführt, dass die Wirtschaft nicht noch stärker ausgebremst wurde. Ein Bericht des früheren Vize-Chairman der Federal Reserve habe gezeigt, dass das Bruttoninlandsprodukt ohne die Maßnahmen der Politik auf dem Höhepunkt der Krise um bis zu zwölf statt vier Prozent zurückgegangen wäre. Auch die Arbeitslosenquote würde weitaus höher ausfallen.
Forbes zweifelt an der Forderung von Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman und der Obama-Beraterin Laura Tyson, dass die US-Regierung ein weiteres Stimulus-Programm auflegen solle. Nicht nur sei die Definition des Erfolgs solcher Maßnahmen schwierig – die Arbeitslosenquote sei heute höher als zum Zeitpunkt des Beginns der Stimulus-Programme. Außerdem stelle sich die Frage, wie man reagieren solle, falls das nächste Maßnahmen-Paket auch scheitere. „Soll man dann ein drittes versuchen? Ein viertes? Weder Tyson noch Krugman haben eine kohärente Exit-Strategie. Das manifeste Risiko besteht darin, dass jede Wiederholung von gescheiterten Stimulus-Programmen private Investments im Keim erstickt und so den Tag der Gesundung weiter verzögert.“
Die Wall Street Journal-Schwester MarketWatch wundert sich über die Hoffnungen, die an die Verbesserung des Verbrauchervertrauens geknüpft sind. Jeder vierte US-Amerikaner habe heute keine Vollzeitstelle, Millionen Familien seien bis über beide Ohren verschuldet und arbeitslos. „Und sie bekommen keine Kredite, weil die Kreditgeber die Sorge habe, dass sie das Geld nicht zurückzahlen können. Das Problem sind also nicht die Kreditgeber. Unter diesen Umständen wäre ich mehr besorgt, wenn mir jemand sagen würde, das Verbrauchervertrauen boomt wieder“, schreibt der MarketWatch-Kommentator.
Sarrazin-Debatte: Immense Risiken für Axel Weber
Das Wall Street Journal beschreibt das Dilemma von Bundesbank-Chef Axel Weber in der Debatte um die Äußerungen von Thilo Sarrazin. Weber sei einerseits verpflichtet, seine Belegschaft gegen politische Eingriffe zu schützen – insbesondere sein Recht auf freie Meinungsäußerung. Andererseits seien die politischen Risiken des Schutzes immens. „Ob absichtlich oder nicht, indem Sarrazin seine Agenda mit dem Namen der Bundesbank verknüpft, bringt er das Bild der Unabhängigkeit der Zentralbank in Verruf“, schreibt das Blatt. Und erinnert daran, dass es das Verdienst der Bundesbank war, dass die Zentralbanken in der modernen Welt unabhängig vom Druck der Regierungen die Leitzinsen festlegen. „Sollte Weber Sarrazin den Hunden zum Fraß geben, wer wird ihn dann vor der Wut der Regierungen schützen, die gegen Verschuldung und Deflation kämpfen, falls er Trichet an der Spitze der EZB folgt?“
Die Zeit erinnert daran, dass Weber schon einmal bei dem Versuch gescheitert sei, Sarrazin loszuwerden, als dieser vor knapp einem Jahr mit den gleichen Thesen an die Öffentlichkeit gegangen sei.
Nonnenmacher muss gehen
Die Wirtschaftswoche spricht sich in der Spitzel-Affäre für die Entlassung von HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher aus. Nonnenmacher und seinem Aufsichtsratsvorsitzender Hilmar Kopper sei es nicht gelungen, für die für die Sanierung der Bank notwendige Ruhe zu sorgen. Stattdessen sei die Außenwirkung der Bank „desaströs“, sie drohe sämtliches Vertrauen zu verspielen.
TUI muss Hapag-Lloyd verkaufen
Die Financial Times Deutschland begrüßt die Fokussierung von TUI auf das Reisegeschäft. Hintergrund: Die Aufsichtsräte von Europas größtem Reiseanbieter prüften gerade den Aufkauf der noch ausstehenden Anteile an der britischen Reisetochter TUI Travel; außerdem solle die Containertochter Hapag-Lloyd verkauft werden. Ein Unternehmen, dessen beide Standbeine stark und gleichlaufend konjunkturabhängig seien, sei extrem angreifbar.
Fundstück: Spartipps vom Multimilliardär
Mark Cuban ist Self-Made-Milliardär und Inhaber des Baseball-Teams Dallas Mavericks und des Medien-Unternehmens 2929 Entertainment, das unter anderem die Lizenzrechte für „Sex and the City“ hat. Laut Forbes Magazine besitzt Cuban ein Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar und rangiert somit auf Platz 446 der reichsten Menschen der Welt. In seinem Weblog gibt er auch Investment-Tipps – allerdings ungewöhnliche, die einen Gegensatz zu den üblichen „brandheißen Aktientipps“ bilden. „Zinseszins ist Dein Feind“, schreibt Cuban beispielsweise und empfiehlt, auf bestimmte Kreditkarten zu verzichten. Zudem erläutert er, warum derzeit das Motto gelte: „Cash is King“. Allerdings hat auch Cuban selbst noch viele Möglichkeiten, um zu sparen. Seit er die Dallas Mavericks besitzt, musste Cuban bereits 1,5 Millionen Dollar an Strafen für Schiedsrichterbeleidigungen bezahlen.
ecolot.de stellt börsentäglich für handelsblatt.com eine internationale Presseschau zusammen, die dort gegen 9 Uhr und nachmittags auf ecolot.de veröffentlicht wird.



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