Basel III weckt Widerstand

Die internationale Wirtschaftspresse meldet vor der Zusammenkunft des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht am morgigen Dienstag Änderungswünsche für Basel III an. Forbes sieht im 787 Dreamliner nicht das einzige Problem von Boeing. Der Economist stellt Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann eine große Aufgabe. Les Echos beobachtet Air France-KLM beim Wandel zum Spezialisten. Fundstück: Bettler sind auch ehrlich.

“Ein Korsett für alle Finanzakteure” fordert die Financial Times Deutschland mit Blick auf die neuen Bankenregeln – kurz Basel III -, die Thema einer Sitzung des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht am morgigen Dienstag sind. Basel III müsse, so das Blatt, auch für andere Finanzmarktakteure gelten.

“Die Schwellenländer sollen neue Bankenkapitalregeln akzeptieren, auch wenn sie selbst der Auffassung sind, über ausreichende Regulierungen zu verfügen”, kritisiert die Business World aus Manila die in Aussicht gestellten Basel III-Regeln. Nicht die Frage, ob die Schwellenländer zur Finanzkrise beigetragen haben oder nicht, sei von Bedeutung: “Sie fürchten vielmehr um ihr Wirtschaftswachstum.” Die Reform des globalen Finanzwesens überschatte schon heute die makroökonomischen Probleme, denen sich die Schwellenländer ausgesetzt sehen. “Basel III berücksichtigt nicht die Auswirkungen auf den Kapitalfluss in Schwellenländer”, moniert das Blatt. Schließlich sei fraglich, ob Basel III auf alle Banken anwendbar sei. Insider meinten, Großbanken in den entwickelten Ländern könnten mit Basel III arbeiten, nicht aber kleine Banken in den sich entwickelten Nationen.

“Basel III wird Fannie Mae und Freddie Mac für immer an den US-Steuerzahler binden”, befürchtet CNBC aus den USA mit Blick auf die Neufassung der Bankenregulierung. Eine kleine, kaum bemerkte Änderung in den Regelungen habe katastrophale Auswirkungen für die seit zwei Jahren von der US-Regierung gestützten Hypothekenbanken. Basel III schreibe den Banken vor, hochqualitative flüssige Mittel vorzuhalten, um einem 30 Tage anhaltenden Kapitalabfluss standzuhalten. “Das Problem ist die Definition von hochqualitativen flüssigen Mitteln: Basel III zählt Staatsanleihen dazu, auch Anleihen von Government Sponsored Entities – wie im Falle von Fannie und Freddie – sowie hypothekarisch gesicherte Wertpapiere von Fannie und Freddie.” Es bestehe die Gefahr, dass Banken künftig verstärkt Staatsanleihen erwerben würden, was Staatspleiten begünstige und Signale am Markt aussende, die Fannie und Freddie dazu verleite, wieder mehr Risiko auf sich zu nehmen. “Es entstünde dieselbe toxische Situation, die zum Kollaps von Fannie und Freddie führte”, warnt CNBC.

Boeing kämpft nicht nur mit dem Dreamliner

Forbes analysiert die Lage des US-Konzerns Boeing. Die abermalige Verschiebung der Auslieferung des 787 Dreamliners in das erste Quartal 2011 sei ein Problem – aber nicht das einzige. “Da sind die Kosten aufgrund der Verzögerungen bei der Wiederauflage des Boeing 747-Programms und die Frage, ob sich der Konzern darauf verlassen kann, auch künftig mit seiner Waffen- und Verteidigungssparte Verluste im Geschäft mit Linienflugzeugen wett machen zu können.” Der Umsatz mit Waffen- und Verteidigungssystemen sei zwar seit 2005 recht stabil gewesen, doch im ersten Halbjahr 2010 um fünf Prozent zurückgegangen. Die operativen Gewinne in dem Bereich seien gar um 13 Prozent eingebrochen. Die Ankündigung der US-Regierung, sich aus dem Irak zurückzuziehen und die US-Streitkräfte in Afghanistan nur kurzzeitig aufzustocken, lasse die Gewinnaussichten Boeings fraglich erscheinen. “Als der 787 angekündigt wurde, gingen die Aktienkurse nach oben. Inzwischen sind bereits 863 bestellt. Die Frage ist nur, ob der Dreamliner, wenn er denn endlich startet, dann die möglichen Verluste in der Waffen- und Verteidigungssparte wettmachen kann.”

Josef Ackermann steht vor einer letzten, großen Aufgabe

Erfolgsrezept und Zukunftsaussichten der Deutschen Bank evaluiert der britische Economist. “Josef Ackermann hat die Bank geschickter durch die Krise gelenkt als andere CEOs – sie ist eine der wenigen Großbanken, die nicht auf direkte Staatshilfen angewiesen waren.” Gründe dafür seien das hohe Maß, mit der die Bank Anleihen und Wertpapiere gegen Risiken abgesichert habe, und das frühzeitige Reagieren auf Marktveränderungen. So habe die Deutsche Bank zwar viele Subprime-Papiere herausgegeben, sie sei aber einer der ersten Banken gewesen, die auf deren Zusammenbruch spekuliert haben. Auch habe sich die Bank rasch von fragwürdigen Anlagen getrennt und Angestellte entlassen. Und: “Die Deutsche Bank ist einer der größten Devisenhändler. Nahezu jeder fünfte Devisentransaktion läuft über sie.” So habe sie die Grenzen zwischen Investment- und Privatkundenbanking stets verwischt. Nach Wunsch der Investoren solle die Bank aber nun den Investmentbereich zurückfahren, auch wenn sie bewiesen habe, dass damit stabile Ergebnisse erzielt werden können. “Immerhin verspricht Privatbanking bessere Margen.” Die Beteiligung an der Postbank sei ein erster Schritt, nun gelte es, sie profitabler zu machen. “Ackermanns Vertrag endet 2013. Er hat bewiesen, dass Investmentbanking ziemlich öde sein kann. Das Privatkundengeschäft aufregender zu machen, könnte seine letzte große Aufgabe sein.”

Air France-KLM lernt von RyanAir & Co.

Als “Lektion in neuer Wirtschaft” interpretiert Les Echos die Überlegung von Air France-KLM, eine eigene Low-Cost-Sparte aufzubauen. “Die Neuordnung auf dem europäischen Linienflugmarkt wurde in jüngster Zeit von einer Strategie bestimmt: Kostenersparnis aufgrund von Größe. So entstanden die drei großen Schwergewichte Air France-KLM, Lufthansa und British Airways. Doch die Strategie Big is beautiful hat ihre Grenzen”, kommentiert das französische Wirtschaftsblatt. So seien es zumeist die Kleinen, die für Innovation sorgten. EasyJet und RyanAir hätten es gezeigt, mit ihrer Spezialisierung auf Kurzstreckenflüge, ihrer extremen Rationalisierung und der Einbindung des Internets. “Dass Air France nun auch eine Billigfluglinie plant, zeigt offenbar, dass die Großen zwar stark sind, aber nicht agil genug und ohne Imaginationskraft.” Erhebungen zeigten, dass die Kunden heute lieber Spezialisten wählen statt Generalisten. Das müsse nicht heißen, dass Air France-KLM vor einer Aufspaltung stehe. Die Hinwendung zu dieser “neuen Wirtschaft” könne Erfolg versprechend sein, und nicht nur ein Hirngespinst.

Erfolgreiche Investionen in unruhigen Zeiten

Die Tage, in denen man praktisch in alles investieren konnte und gute Renditen erhielt, seien lang vorbei, resümiert die Business Times aus Singapur. In der vergangenen Dekade habe sich, im Vergleich zu den 1980er und 1990er Jahren, die wirtschaftliche und finanzielle Situation auf den Märkten drastisch verändert. Hätten Globalisierung, IT-Revolution oder die positive demografische Entwicklung damals teilweise spektakulären Erträge begünstigt, gebe es solch gute Rahmenbedingungen heute nicht mehr. “In was soll man investieren, in diesen unruhigen Zeiten?”, sei die Frage, die sich aufdränge. Doch es gebe noch Anlagemöglichkeiten mit attraktiven Ertragsaussichten, meint das Blatt. Optionen, die bescheidenere Erträge und sicheren Kapitalzuwachs versprechen, seien heute der Schlüssel zur erfolgreichen Geldanlage. Asiatische und australische Aktien zählten zu den Erfolg versprechenden Anlagen, da diese großes Wachstumspotenzial offerierten, aufgrund der zukünftigen Entwicklung in diesen Regionen. Mit Investitionen in Gewerbeimmobilien und in Infrastruktur seien ebenfalls gute Gewinne zu erzielen.

Fundstück: Bettler sind auch ehrlich

In einem Experiment auf den Straßen Torontos versuchte die Tageszeitung The Star zu klären, wie Bettler mit Kreditkarten statt Kleingeld umgehen. Ein Redakteur bot mehreren Bettlern auf ihre Bitte nach Geld Kreditkarten im Wert von 50 oder 75 Dollar an, fünf akzeptierten letztlich das Angebot. Zwei gaben die Karte nach ihren Einkäufen zurück, einer Bettlerin wurde die Karte gestohlen, und zwei brachten die Karte nicht wie verabredet zurück, wobei einer von ihnen die Karte nie nutzte. “Dass Bettler ehrlich sein können, sollte uns nicht überraschen”, meint das Blatt. Gekauft wurden stets Lebensmittel, und diejenigen, die die Kreditkarte ablehnten, hatten ihre Gründe: “Sie wollten ihren Posten nicht verlassen, aus Sorge, ihnen könnte Geld entgehen.”

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Mitarbeit: Kerstin Herrn.

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