Europa in den Händen einer Diktatur

Die Pläne des EU-Rettungsschirms EFSF, China mit ins Rettungsboot zu holen, ernten viel Kritik. Besonders die Perspektive, Europa könnte Anleihen in Renminbi ausgeben, besorgt die Medien-Kommentatoren. Die Presseschau.

Der Economist zweifelt an de Bereitschaft der Chinesen, viel Geld in die Eurozone zu pumpen. „Die Europäer übernehmen mehr Risiken, aber das bedeutet nicht, dass sie anderen Käufern viel Schutz bieten können.“ Hinzu komme, dass es einige Zeit dauern werde, bis entsprechende Strukturen aufgebaut werden. So werde China viel mehr Details verlangen und sehen wollen, wie der Tausch von griechischen Staatsanleihen durch private Investoren verläuft, bevor Geld fließen werde. Schließlich seien „politische Geschäfte“ – die China beispielsweise im Gegenzug für Europa-Geld eine verstärkte Vertretung beim Internationalen Währungsfonds verschaffen würde – höchst unwahrscheinlich.

Die Wall Street Journal-Schwester Marketwatch berichtet, dass die chinesische Regierung unter einem hohen Druck stehe, weil ein interneterfahrener Teil der Bevölkerung gegen Finanzspritzen für Europa sei, während Millionen Chinesen gegen die Besorgnis erregenden sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse sowie Umweltbedingungen und sogar Armut kämpften. „Wir sollten besser in die Infrastruktur in Schwellenländern investieren oder High-Tech-Firmen in Europa kaufen“, zitiert der Mediendienst eine „gut vernetzte chinesische Quelle“.
Bloomberg zeigt, wie Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy im eigenen Land wegen seines china-freundlichen Kurses unter Beschuss gerät. Allen voran kritisiere Martine Aubry, Generalsekretärin der Sozialistischen Partei, die europäische China-Politik: „Das ist schockierend. Die Europäer zeigen ihre Schwäche, indem sie sich an die Chinesen wenden. Wie sollte Europa dann noch in der Lage sein, China dazu aufzufordern, die Unterbewertung der Währung zu stoppen oder auf Gegenseitigkeit beruhende Handelsbeziehungen zu akzeptieren?“

Die Business Times aus Singapur meint, das hauptsächliche Problem der Europäer bestehe darin, die restlichen 16 Euro-Länder vor dem griechischen Schicksal zu bewahren. Denn sollten auch Irland, Portugal, Spanien, Italien oder gar Frankreich irgendwann nicht mehr zahlen können, würden Investoren das Weite suchen, die Märkte würden Staatsanleihen abstoßen, die europäischen Banken würden riesige Verluste einfahren und das europäische Finanzsystem kollabieren. Um das zu verhindern, seien nun zwar Rettungspakete geschnürt worden. Was Europa aber eigentlich brauche, sei ein gewaltiger, wenn auch befristeter Bailout, um Zeit zu gewinnen für neue Ausrichtungen, neue Regulierungen und Angleichungen innerhalb Europas. Passiere dies nicht, sei nicht sicher, ob das europäische Rettungspaket eine wirkliche Lösung oder nur eine Notlösung sei.

Fundstück: Sex-Offerten für Occupy-Demonstranten

Der Business Insider recherchiert, wie verbreitet sexuelle Motive in den „Occupy“-Camps sind. Hintergrund: In Kleinanzeigen-Portalen wie Craig’s List seien viele solcher Anzeigen zu lesen: „Wall Streeter möchte mit Occupy Wall Streeter schlafen. (…) Warum auf kalten Straßen schlafen und sich darüber beschweren, dass Du kein Geld hast, wenn Du mit einem Mausklick und einer E-Mail alle Deine Wünsche erfüllen kannst?“ Zitat aus einer anderen Anzeige von einer „sexy Börsen-Händlerin“: „Willkommen bei den 1%. Besetze mich!“

1 Kommentar zu “Europa in den Händen einer Diktatur”


  1. 1 Blog - start-trading.de
    Trackback on Nov 1st, 2011 at 13:37

Kommentar schreiben




Internationale Wirtschaftsnachrichten