Gibt Angela Merkel ihren Widerstand gegen Euro-Bonds bald auf? Die Medien zeigen sich unentschieden. Während die einen die Standhaftigkeit der Kanzlerin loben, glauben andere an ihr baldiges Einknicken. Die Presseschau.
Das ZDF erkennt im Veto von Angela Merkel zu den Vorschlägen von Europas Kommissionschef José Manuel Barroso die „Wiedergeburt der ,Mrs. No’“, die mit deutschem Geld nicht für die Fehler der Nachbarn einstehen wolle. Dem Konflikt zwischen Brüssel und Berlin gewinnt der Sender etwas Positives ab, denn inzwischen sei erkennbar, wohin Merkels „unglamouröse Politik der kleinen Schritte“ hinführen solle: zu einer politisch gesteuerten „Fiskalunion“, die von Deutschland kontrolliert werde. „Sparen bis es quietscht, Kürzungen, Streichungen, Verzicht auf Privilegien – die eiserne Härte, die sich Merkel dem deutschen Wähler nicht mehr zuzumuten traut, hat sie zum Prinzip im Kampf um die deutsche Führungsrolle in Europa auserkoren.“
Das Wall Street Journal geht nicht davon aus, dass Berlin auf die Linie von Barroso einschwenken wird. Merkel gehe es aktuell primär um die nächsten Wahlen, weshalb sie bei ihrer Haltung bleiben werde, dass die EU-Verträge zunächst verändert werden müssten. Doch solche Veränderungen dauerten oft Jahre, hält das Blatt dagegen. „Berlin bevorzugt zwar vielleicht diesen Weg, aber am Ende könnte er sich als viel zu lang herausstellen.“
Da sich die Krise von der Peripherie Europas an Deutschland herangearbeitet habe, würden die umstrittenen Euro-Bonds immer wahrscheinlicher, kommentiert dagegen n-tv.de. Zwar sei neben der Wirtschaft auch die deutsche Regierung dagegen, doch Merkel werde voraussichtlich bald einknicken, da die Zeit dränge. „Für ,Wünsch dir was’ ist es zu spät. Europa muss große Kaliber auffahren.“ Im Rückblick habe sich das deutsche Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“ nicht bewährt.
„Auf dieses Signal hat so mancher gewartet: Nun schmollen die Investoren auch mal mit Deutschland“, kommentiert Les Echos die verpatzte Anleiheemission der Deutschen Finanzagentur. Nur 3,64 Milliarden Euro habe das Volumen der Emission betragen, statt der erhofften sechs Milliarden, für den Rest habe die Deutsche Bundesbank einspringen müssen.
„Deutschland könnte jetzt die Vorschläge, die die anderen Eurozone-Mitglieder zur Lösung der Schuldenkrise gemacht haben, mit anderen Augen betrachten“, hofft die Zeitung. „Noch ist Berlin nicht so weit, aber diese desaströse Emission wird Fragen nach sich ziehen.“ Pikant sei vor allem, dass die Bundesbank die restlichen Anleihen übernimmt, für die keine Interessenten gefunden werden konnten. „Bei der EZB sieht Deutschland solch ein Vorgehen gar nicht gern, das ist paradox.“ Letztlich zeige der Vorfall, dass auch Deutschland in der aktuellen Krise nicht sicher ist.
Die Eurozonen-Krise habe offenbar den „Kern des Kerns“ erreicht, kommentiert das Wall Street Journal. Zar sei es nicht ungewöhnlich, dass Investoren neue Bundesanleihe verschmähten. Andererseits sei das Ausmaß des gestrigen Scheiterns bei der Bundauktion außergewöhnlich – die Bundesbank erhalte normalerweise rund 20 Prozent der Anleihe zurück, diesmal jedoch 40 Prozent. Fazit: Die deutschen Staatsanleihen verlören ihren Glanz, Investoren orientierten sich neu, in Richtung US-Anleihen und britischen Gilts.
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